Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 640 (16.3.1937)
- Date
- 1937-03-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 1 DIE NEUE WELT Nr. 64Ö vom 16. März 193? I Ex9StS,-SoSler5!l?lii!?" I POLEN rd CZERNOWITZ Abfahrt: 94« Mflrx 19J7 Auskunft und Anmeldungen ausschließlich Im . —?e,5eb0ro f.Mari«»lirttcli«*' Wien I. Botenturtmtr. 26 Telephon R-24-2-86/87 ) der jüdischen Rechte, sie hätten keine wirtschaftlichen Momente ins Treffen geführt, vielmehr unbeschränkte Herrschaft über Palästina gefordert. Shertok drückte die Ueberzeugung aus, daß die aufgeklärte Öffentliche Meinung Englands und der Welt (also etwas, das bisher von der zionistischen Exekutive vernachlässigt wurde) den arabischen Extremisten nicht nachgeben, sondern ermöglichen werde, daß die jüdische Arbeit in Palästina; unbehindert durch pol tische Be schränkungen, fortgesetzt wird. Die paar Worte über die Palästina-Verwaltung, die Shertok sprach, trugen nicht viel zur Klarstellung der Situation bei. Herr Shertok behauptet, daß die Verwaltung selbst ihre Fehler eingesehen habe. Zu merken ist nichts davon. Der Jischuw befindet sich nach wie vor im Abwehrzustand, die Araber sind nach wie vor bewaffnet undsetzenihreMordtatenfort. Wir teilen den — wenn auch schwachen — Optimismus der Herren Bradetzky und Shertok nicht. Nur eine einheitliche zionistische Organisation, nur ein kollektiver Druck der jüdischen Massen kann die Palästina-Regierung zu Maßnahmen zwingen, die den weiteren Aufbau des Jüdischen Nationalheims möglich machen. A.sC.aSitxung in London Ans Prag meldet die J. T. A.: Die Tagung des Jtetlonkommitees beginnt in London am Dienstag, den 13. April 1000 Bomben gestohlen Aus Jerusalem meldet die J. T. A.: Einen gewaltigen Eindruck hat bei der jüdischen Bevölkerung die Nachricht hervorgerufen, welche heute die Polizeibehörde veröffentlicht hat, daß im Verlauf der letzten zwei Wochen aus den militärischen Magazinen in Haifa systematisch Sprengmaterial und Gewehre gestohlen wurden. Es wurde festgestellt, daß aus den militärischen Magazinen 1000 Sprengbomben gestohlen wurden. Die militärische und polizeiliche Behörde führt eine genaue Untersuchung in dieser Angelegenheit. Ein Araber, auf den der Verdacht der Teilnahme an diesem Diebstahl fiel, wurde verhaftet. Wiederum wurde von arabischen Terroristen eine Reiche von jüdischen Kolonien beschossen. Waudiopes Rüdekehr Palcor meldet aus Jerusalem: General Wauchope hat beschlossen, so rasch als möglich nach Palästina zurückzukehren. Er wird in Jerusalem am 19. März erwartet Dt ei Juden ermordet Die Telegraphen-Compagnie meldet: Jerusalem, 14. März. Heute am Vormittag sind in Tiberias drei Juden aus der Umgebung, welche sich von einer Versammlung nach Hause begaben, plötzlich von hinten beschossen worden. Einer war auf der Stelle tot, die beiden anderen sind kurz nach dem Ueberfall den Verletzungen erlegen. Von den Tätern fehlt jede Spur. Die Polizei hat eine Ergreiferprämie von 1000 Pfund ausgesetzt * Anm. der Red.: Die Arbeit der Polizei in Palästina scheint sich auf die Ausschreibung von Belohnungen zu beschränkungen. Wir konnten erst jüngst melden, daß 50.000 Pfund, welche im Laufe der letzten Monate für Ergreiferprämien bestimmt wurden, gänzlich unberührt liegen. Arabische Erdölgesellschaft in Palästina Aus Jerusalem: Die Tageszeitung „Felestin" meldet, daß arabische Kapitalisten aus Jaffa und Ramie eine Gesellschaft für die Erschließung und Ausbeutung von Erdöl verkommen in Palästina und Transjordanien gegründet haben. Das Blatt fügt hinzu, daß vor kurzem Erdölquellen zwischen Semach und Ed Dera in Transjordanien von einer deutschen Gesellschaft entdeckt worden seien. RUNDSCHAU Palästina erzeugt Leitungskabel Aus Jerusalem: Dieser Tage sind die ersten in Palästina erzeugten Kabel für die Leitung elektrischen Stroms auf den Markt gebracht worden. Die Kabel werden von einer Fabrik in Haifa erzeugt. Fachleute, die die Kabel geprüft haben, versichern, daß sie qualitativ die Erzeugnisse vieler Länder übertreffen und erstklassigen englischen Marken gleichwertig sind. Die Fabrik ist in der Lage, den gesamten palästinensischen Markt zu versorgen. In diesem Fall könnte sie 50 Arbeiter dauernd beschäftigen. Gegenwärtig werden für 40.000 bis 45.000 Pfund jährlich Kabel nach Palästina eingeführt Ein Mord und ein Prozeß Vor kurzem wurde in der Kolonie Ness Ziona der polnische Arbeiter Stanislaw S1 u g a, ein Christ, von einem jungen Araber angeschossen und starb trotz aller Bemühungen der Aerzte im Hadassah- Spital in Tel-Aviv. Seitens der jüdischen Bevölkerung trat eine außerordentliche Opferbereitschaft zutage: zahlreiche Juden stellten sich für die dreimal wiederholte Bluttransfusion zur Verfügung. Die Leiche wurde von einem jüdischen Zug bis zur Grenze von Jaffa begleitet, wo sie auf dem katholischen Friedhof beigesetzt wurde. Der ermordete polnische Arbeiter war Mitglied der Histadruth. Wie berichtet wird, konnte man des Mörders, eines jungen Arabers, habhaft werden. Es handelte sich um keinen Rachemord. Der Mörder erklärte, daß er Stanislaw Sluga für einen — Juden hielt In Deutschland wurden südländische Diplomaten, Kaufleute aus dem Orient tätlich angeriffen, weil man sie für — Juden hielt. Das sogenannte „jüdische Aussehen" scheint an sich schon ein Freibrief für Rowdies und „Rasseantisemiten" zu sein... * Immer wieder versuchen Araber, Juden ihr Anrecht auf irgend ein Stück Boden streitig zu machen. Man erinnere sich, an die Affäre mit den Beisari- Böden, wo die Beduinen nach Ablauf ihres Pachtrechtes nicht weichen wollten und erst nach langwierigen Verhandlungen — die Grundstücke gehörten dem Keren Kajemeth — der Streit beigelegt wurde. Es gehört zur Gewohnheit gewisser, von Extremisten aufgehetzter Aräber, den Boden, den sie an Juden verkauft haben oder deren Pachtbesitz sie verloren, nicht zu verlassen und dadurch einen Konflikt hervorzurufen, der den Anschein erwecken soll, daß die Juden die Araber unrechtmäßig vom Boden verdrängen. „Palcor" meldet soeben solch einen Fall. Die arabische Gesellschaft „Zofia" prozessierte gegen einen Juden, indem sie sein Anrecht auf ein Grundstück am Berg Kanaan (bei Safed) bestritt. Das Oberste Gericht wies die arabische Klage ab. Die Angelegenheit wird interessant, wenn man erfährt, daß die arabische Partei durch den Rechtsanwalt A u n i Abdul Hadi vertreten war, jenen arabischen Zeugen vor der Kgl. Kommission, der erklärte, daß mit .dem zionistischen Aufbauwerk Palästmas Schluß gemacht werden müsse. Abdul Hadi gebärdete sich vor Lord Peel noch rädikaler als der Mufti. Er wird seine prozessuale Niederlage nicht so leicht verschmerzen... KUNDMACHUNG! Echt icd ZuckerbficKerel- und Schoholodewaren noa bv eigener Erzeugung unter Aufsicht der Adas Jisroei Schiffschul bekommt man einzig nur bei der Firma Abraham Leib PomeranzK4".a.7ir(rg,i:> Verkaufslokal: II, Floßgasse 7 Schokoladewaren u. Haselnußtorten (Fä. Pischinger) not 9v Die Arbeit des „Jüdischen Weifkongresses" Vom Büro des Jüdischen Weltkongresses (Paris) wird über Bildung und Tätigkeit neuer Länderkomitees folgendes mitgeteilt: England: Die British. Section des Jüdischen Weltkongresses hat für den 6. April die führenden englisch-jüdischen Organisationen zu einer Konferenz nach London einberufen. Die Konferenz wird sich mit der polnisch-jüdischen Situation befassen. Die British Section des Jüdischen Weltkongresses entfaltet eine rege organisatorische Tätigkeit und ist jetzt damit beschäftigt, in den wichtigsten Provinzstädten Englands Regionalkomiees einzurichten. Die Federation der englischen Zionisten hat einstimmig beschlossen, dem Fonds der British Section für den Jüdischen Weltkongreß einen Jahresbeitrag zur Verfügung zu stellen. Ferner wurde eine Resolution angenommen, die alle zionistischen Gruppen Englands auffordert, der British Section des Jüdischen Weltkongresses ihre volle Unterstützung zuteil werden zu lassen. Rumänien: In Bukarest hat sich ein Regionalkomitee für Altrumänien für den Jüdischen Weitkongreß gebüdet. Das Präsidium büden Adv. M. Segäl, Ph. Rosenstein und Adv. S. Frank. Weitere führende Mitglieder sind Horia Carp, Dr. S. Singer, Adv. Mlsrachi, Doktor M. Gotic, M. Leiba, Dr. Beider u. a. Indien: Anläßlich des Aufenthaltes des Delegierten des Jüdischen Weltkongresses Dr. Maurice Laserson u> Indien wurden in den folgenden Städten Komitees für den Jüdischen Weltkongreß gebildet: Bombay (Präsident Meyer Nissin), Kalkutta (Präsident Sir David Ezra), Koch in (Präsident S. Köder). Ferner gründete Dr. M. Laserson auf seiner Reise durch Britisch-Arabien ein Komitee in Aden unter dem Vorsitz von M. Bentob Meösa. Aegypten: Anläßlich der Anwesenheit voni Dr. M. Laserson wurden Komitees für den Jüdischen Weltkongreß in Port Said unter dem Vorsitz von M. Isaie Lurie, in Kairo unter dem Vorsitz von Doktor Aflher Bloom und in Alexandrien unter dem Vorslta von Adv. H. Toriel errichtet. Alle neugebildeten Komitees arbeiten in ständigem Kontakt mit dem Zentralbüro. Bis zur Vernichtung... HaUungsänderung Dr. Schachts In unserer Ausgabe Nr. 638 veröffentlichten wir unter dem Titel „Hunger über Israel" die Besprechung einer vom Jüdischen Weltkongreß herausgegebenen Schrift „Der wirtschaftliche Vernichtungskampf gegen die Juden im Dritten Reich", worin die wichtigsten Tatsachen be« treffs der Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben angeführt sind. Nun macht ein Sonderberichterstatter der J. T. A., der in den letzten Tagen In Deutschland weilte, folgende aktuelle Feststellungen: Der seit langem vor sich gehend© Vernich«) tungsfeldzug gegen die Juden in der deutschen Wirtschaft hat in der letzten Zeit eine bedeutende Verschärfung erfahren. Der von der Deutschen Arbeitsfront inaugurierte Feldzug wird jetzt mit amt« licher Assistenz geführt. Tausende jüdische Industrielle und Geschäftsleute aus allen Teilen Deutschlands sind in den letzten Tagen in Berlin eingetroffen, um vom Reichswirtschaftsminister Dr. Hjalmar Schacht Schutz und HÜfe gegen die Maßnahmen zur Ausscheidung der Juden aus Handel und Industrie, die unter offener und direkter Teilnahme der Behörden, besonders der Gestapo, vor sich geht, zu erbitten. Die Gestapo zeigt sich besonders aktiv in jenen deutschen Gegenden, in denen noch Juden in der Textil- und Lederfabrikation tätig sind. Das Schlagwort lautet: Juden dürfen von der infolge der deutschen Aufrüstung eingesetzten neuen Konjunktur nicht profitieren. Der Druck auf jüdische Firmen, ihre gegenwärtig florierenden Unternehmungen gegen lächerlich geringe Summen an Arier abzugeben, verstärkt sich von Tag zu Tag. Wo der betreffende jüdische Inhaber durch die bewährten „privaten" Druckmittel nicht „weich" zu kriegen ist, wird die Gestapo herbeigeholt und unter ihrer Assistenz kommt das „Geschäft" bald zustande. Die Gestapo-Beamten drohen den jüdischen Fabriks- und Geschäftsinhabern, daß sie sie unter der Beschuldigung, die Währungsbestimmungen verletzt zu haben, worauf heute die Todesstrafe steht, verhaften werden, falls sie sich nicht mit dem Verkauf ihrer Unternehmungen an Arier beeüen sollten. Ein Beispiel für diese Druck- und Erpressungstaktik der Gestapo ist die kürzlich erfolgte Verhaftung des Geschäftsführenden Direktors der Re<3 Star Line, Arnold Bernstein. Die nach Berlin gekommenen jüdischen Wirtschafts-i männer haben eine bittere Enttäuschung erlebt: Dr. Schacht empfing sio nicht und seine Be-< amten erklärten ihnen, der Herr Reichswirtschaftsminister habe seine Haltung gegenüber den Juden . geändert und ist heute nicht mehr willens, seine alte These zu verfechten, daß die Juden auf Wirtschaft« lichem Gebiet nicht behindert werden sollen. Mit besonderer Schärfe wird der Feldzug gegen die Teünahme der Juden an der Wirtschaft in Schlesien geführt. Die nationalsozialistischen Zeitungen Schlesien» drucken einen offenbar ihnen aufgetragenen Artikel des Gauleiters Streitschwerdt ab, in welchem die Losung ausgegeben wird, die Juden aus dem Häute- und; Lederhandel Schlesiens, in dem sie angeblich noch immer, vorherrschend seien, auszuschalten. Streitschwerdt teütl mit, daß die jüdische Firma Globowski & Müller* eine der größten Lederfirmen Breslaus, zu 18.000 Mark Geldstrafe und Schließung des Betriebes für zwei Monate verurteüt wurde. Einen Grund hiefüa gibt Streitschwerdt nicht an. Er appelliert an die „Volks* genossen", die jüdischen Geschäfte zu meiden. Krieg gegen kranke Juden Die einzige jüdische Lungenheilstätte behördlich ge* schlössen Aus Berlin (J. T. A.): Die einzige jüdl« sehe HeUstätte für Lungenkranke In Deutsch« Iand, die in Bad Soden bei Wiesbaden, wurde behördlich geschlossen. Ein Grund für diese Maßnahme wurde nicht angegeben. Kein jüdischer Lungenkranker hat jetzt die Möglichkeit zu einer Heilstättenbehandlung, da die nicht jüdischen Heilanstalten Juden nicht aufnehmen. Die Schwerkranken aus der Heilstätte in Bad Soden wurden in allgemeinen jüdischen Krankenhäusern untergebracht, die leichteren Fälle wurden der Hauspflege überlassen. Josef Kaslein eine Würdigung — Panouropäischer und zionistischer Territorialismus — Jabotlnsky im IIoiiuo of Lord» — Kinderelend in Jerusalem — und vieles andere lesen Sie im Märzheft der Zeitschrift „DIB NATION", jüdische Revue. Bei Kolporteuren erhältlich oder direkt von der Verwaltung, XX., Woxstraße 14, Te. A-44-1-60, zu beziehen.