Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 640 (16.3.1937)
- Date
- 1937-03-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 10 Groschen Dienstag/ den 16* März 1917 '** **fg«iig Nt♦ 640 V*b* b* DIE NEUfc Zeitung vom Verleger „Journal exp6di6 par I' ^/k l^V *ev| LT REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN? Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Bumanlen monatlich Lei" 50.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 6.—, vierteljährig Lire 14»—a Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.60,. vierteljährig Schweizer Franca 4.60, Mit E bezeichnet0 Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung : IX, Universitatsstr. 8, Tel, A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. f r eitag ZUM FROHEN FESTE wird der PESSACH erst durch die so wunderbaren« delikaten Schmidl-Nazioth die Marke.des Feinschmeckers Verfangen Sie überall nur „SCHrlBBV-MazsothS Meyers Sdhimpflexikon Wer . die sogenannte arische Presse Oesterreichs init Aufmerksamkeit liest, nämlich, mit der Absicht, aus ihr zu erfahren, was in der Welt vorgeht, wird in bezug auf das deutsche Nachrichtenmaterial höchst enttäuscht sein. Er wird streckenweise über Vorgänge, die scheinbar nur das i n n e r e Deutschland betreffen, hichs erfahren, bestenfalls einiges. Belanglose in der Fassung der offiziellen deutschen Stellen, so daß er der Meinung werden kann: für den österreichischen Leser gäbe es aus Deutschland nichts Erfahrenswerte's.. Das Ungeheuerliche' beispielsweise, das von der Regierung, des Dritten Reiches den jüdischen Bürgern dieses Reiches angetan, wurde und wird, der Ver- Hichtüngsfeldzug. des reichsdeutschen Hakenkreuzes gegen das Judentum, die Schäridiichfceiten, mit denen er seitens der „Elite der nationalsozialistischen Bewegung" geführt wird — all das, was in den zivilisierten Staaten der Welt Entsetzen-erregt und zur Abwehr aufgepeitscht hat, ist in den Spalten unserer sogenannten arischen Presse nicht zu finden. Ja, mehr noch : Zeitungen unseres Landes, die in einem Anfall von' Scham und Selbstbesinnung einzelne deutsche Schändtaten verzeichnen,: werden. als „jüdische Verbreiter: von Greüellegenderi". angeprangert. Nun' hat endlich ein Vorfall auch die tolerante christliche Presse Oesterreichs gezwungen, Mut zu zeigen und so etwas wie Empörung. Meyers Konversationslexikon, :einst ein unentbehrliches, durch seine Sachlichkeit ausgezeichnetes Nachschlagewerk, nennt nämlich — von Schändlichkeiten, an anderen Stellen nicht zu reden die B a r m h e,r z,i.g e n Brüder '(den-durch seine karitativen ■ Leistungen in der ganzen Welt bewunderten katholischen Orden), einen Orden, der „durch die jüngsten Prozesse wegen schwerer •se.xuel.ler, Verfehlungen bekanntgeworden" sei., .; Es ist-nicht unser. .Amt, . die. Beleidigung des Ordens zurückzuweisen und _ Satisfaktion zu verlangen. Das besorgen die betroffenen Stellen und, wie man hört, hat der "Liener Provinziäl der Barmherzigen Brüder die nötigen Schritte eingeleitet. Uns obliegt bloßv darauf hinzuweisen,. daß die Ueberraschung geringer gewesen wäre, wenn man im Verlauf der vier letzten Jahre all das aufgezeichnet und zurückgewiesen hätte, was das Hakenkreuz — auch außerhalb der kirchlichen Sphäre — an verbrecherischen Attentaten gegen das Sittengesetz, gegen menschliche Würdo verübt hat.. i Gerade jene Preise, welche einem Kulturaustaußelv. mit dem Dritten Reich das Wort redeten, mit dem Hinweis ciarauf, daß die politischen Systeme hier. u?id;drübo!'. iiesem Austausch nicht hindernd im Wege stehen mü>"ien, brausen jetzt ob der Beleidigung dys kathoMsehei;- Ordens durch ein wissenschaftliches Werk auf. als ob die Neigung, Kulturgüter mit Hilter-De-'l'5?b1r.nä -''l-czu tauschen, nicht bereits einer Er»3.,<l?f-".-i7& zu S'' (iJiciikeiten gleichkäme. Wenn nehon ±ir. Bibliographische Institut in Leipzig, der Herausgeber de? Meyerschen -Lexikons, sich solch eine ekelerregende Schmähung gegen einen humanitären katholischen Orden gestattet, — um wieviel krasser shid die Angriffe, Verleumdungen und Unterstellungen der nationalsozialistischen Parteiorgane, — Aktuelle zionistische Politik Zum erstenmal nach der großen Araberrevolte vom Jahre 1936 haben offizielle zionistische Persönlichkeiten das Wort zur Lage ergriffen. Bei einer von der Zionistischen Föderation Englands in London veranstalteten Massenkundgebung sprachen die politischen Leiter der zionistischen Exekutive, Prof. Selig Brodetzky (London) und Mosche Sherto k (Jeresalem). Das, was die ^oppositionelle Presse die ganze Zeit über behauptete und was von den verantwortlichen zionistischen Stellen bestritten wurdej nämlich eine beunruhigende Verschlechterung der Lage in Palästina, mußte von beiden Exekutivemitgliedern zugegeben werden. Prof. Brodetzky erklärte, daß die arabischen Rädelsführer durch die- Aufhetzung der arabischen Massen zu weiteren.Terrorakten versuchen, eine Entscheidung1 in der jetzt von der Kgl. Kommission behandelten Sache vorwegzunehmen. In diesem Lichte gesehen, sei es eine sehr .ernste Sache, daß, die - Fortdauer der Hetze 'zugelassen wird, daß man die Entstehung einer, gefährlichen Situation durch Boykott und sonstige Propaganda zuläßt, r und es ist nichts damit getan, wenn man erklärt, die Juden seien zu tadeln, wenn sie sich gegen *4ngriffe;' verteidigen.' Die erste Pflicht der Regierung ist es, Ruhe und Ordnung, im Lande aufrechtzuerhalten. Nicht nur die Juden, sondern alle, britischen Bürger müssen dies von der Verwaltung in Palästina erwarten, ganz unabhängig von allen Vorschlägen; die die; Kgl. Kommission machen könnte. Dieser Ausruf der Klage ist wiederum, wie -bisher, an ein zionistis c h.e s Publikum gerichtet, nicht aber an die kompetenten englischen Stell e n, denen gegenüber die offiziellen zionistischen Billige und bequeme 0RBIS"-0STERFAHRT POLEN CZERNOWITZ Abfahrt: 24..Mfirz 1937 , Auskünfte und Anmeldungen: Offfiz. Poln. Reisebüro „ORBIS" I. Kärntnerstraae 41, R-21-5-78 Oesterreichisches Verkehrsbüro l. Friedrichstraae 7, B.27'S00, I. Graben 20, U.j».o-35 gär nicht zu denken an die Worte und Liedertexte, die man aus dem Muhde der neudeutschen Zukunftsträger, der Hitler-Jugend, zu hören bekommen, kann! Die Entrüstung über das Lexikon, im.Dritten Reich „Allbuch" genannt, wird selbstverständlich, bzw. erfahrungsgemäß, nicht lange andauern. .Dem Allbuch folgt der Alltag, und die Schmähung ist vergessen: Man wird aus dem Fall der 'Barmherzigen Brüder einen Sonderfall machen und alles ruhig hinnehmen, bis wiederum ein neuer „Fall" Genugtuung verlangt. Die Welt wird nicht begreifen, warum dehn der Wahrheitsgehalt der Erklärungen der deutschen Machthaber größer sein soll als der des Meyerschen Lexikons; und sie wird unter dem Aspekt, man möge den Frieden nicht stören; wiederum die Verbrechen des H.akenkreuzlertums als vorübergehende, weiter nicht erhebliche Erscheinungen hinnehmen. Wir haben in den vier letzten Jahren schon so manches erlebt: in Oesterreich zum Beispiel die Tatsache, daß die Methoden des Dritten Reiches in bezug auf die jüdischen Bürger von gewissen Kreisen gewissenhaft kopiert werden,' sobald sie sich.aber gegen die anderen Bürger richten, prompte Ablehnung erfahren. Dieses Spiel bringt keinen Gewinn. Denn es kommt der Augenblick! wo drüben die Grenzen verwischt sind. Ob Jud, ob Christ, ist einerlei... Und die Tugend, in dem einen Fall Beifall zu klatschen, in dem anderen Entrüstung zu zeigen, macht sich nicht bezahlt. Es kommen, wenn man die Herren jenseits der Grenze gewähren läßt,, alle .dran* »•- Ot Xi Politiker weniger mutig und weniger offen auftreten. Es ist für den zionistischen Dutzendmenschen . nicht sehr erbauend, zu hören, daß die Exekutive keinerlei Anhaltspunkte über die Entscheidungen der Kgl. Kommission besitzt und daß die arabische These, die Einschränkung der jüdischen Einwanderung würde das Land befreien, eine leere Ausrede sei. Prof. Brodetzky bezog sich, wie alle seine Kollegen, auf die offiziell und grundlegend festgesetzten Dokumente der englischen Regierungspolitik, nämlich Balfour-Deklaration, Mandat, Weißbuch von 1922, MacDonald-Brief von 1931, um schließlich zu bekennen, daß eine wirksame Durchführung dieser Akte die heutige Lage unmöglich ge* macht hätte. Bei Besprechung der politischen Entwicklung im Nahen Osten wies Brodetzky die - An« sieht zurück, daß in den arabischen Staaten eine starke Gärung wegen Palästina herrsche; die einzelnen arabischen Staaten hätten ihre eigenen Sorgen. Leider aber wiederholte Brodetzky im Zusammenhang mit der . jüdischen Forderung nach Durchführung des Mandats die bis. zum Ueberdruß .abge* griffene Phrase, es möge ein Zustand herrschen, wobei weder die Araber die Juden, noch die: Juden die Araber beherrschen, und weiters die seinerzeit von.■ der -uns wohlwollenden britischen Regierung in die Welt gesetzte These, daß die jüdische Einwanderung in Uebereinstimmung mit der Aufnahmsffrhigkeit des Landes sich zu vollziehen habe. Nach den „außerpolitischen'' Betrachtungen wendete sich Prof. Brodetzky der inneren zionistischen Lage zu. Im Mittelpunkt seiner Ausführungen -Stand die Darstellung der Situation, die durch den Austritt der Revisionisten aus der Organisation entstanden ist. Prof. Brodetzky bestritt die Tatsache, daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen (häuptsächlich durch die Monopolstellung der Histedruth in Palästina) die Zionistische Organisation eine Parteiorganisation sei. Er faßte einzelne revisionistsche Bemerkungen, die da und dort in der revisionistischen Presse veröffentlicht wurden, als den Wunsch auf, Frieden zu schließen und zusammenzuarbeiten. Unter diesem Aspekt erklärte Brodetzky (nach einer. Meldung der J. T. A. aus London)': Die Sitze auf dem Zionistenkongreß stehen den Revisionisten bereit. Sie können noch heute abend kommen. Round-Table-Konferenzen sind unnötig. Wir sind ja nicht zwei kriegführende Staaten... Ich hoffe, daß die Revisionisten den Irrtum ihres politischen Verhaltens. einsehen werden." Ob die plötzliche Angst vor der Hegemonie der Linken oder das patriotische Empfinden des politischen Dezernenten der Zionistischen Exekutive diesen Appell an die Revisionisten hervorgerufen hat, läßt sich aus dem Stegreif nicht feststellen. Keinesfalls muten wir Herrn Prof. Brodetzky die Naivität zu, zu glauben, daß eine Rückkehr der Revisionisten in die Zionistische Organisation ermöglichen würde, die politischen Geschäfte im alten Stil fortzusetzen* Moshe Shertok wendete sich zunächst der Tatsache zu, daß der jüdische Jischuw während des Araberterrors aus höheren Interessen Zürückhaltung geübt habe, insbesondere unter dem Eindruck des Umstandes, daß die Einwanderung nicht unterbrochen wurde. Dieser Geist der Zurückhaltung würde aber schwinden, wenn die Einwanderung aus p o 1 i t isehen Gründen ohne Rücksicht auf die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit des Landes eingestellt oder eingeschränkt werden sollte. Es könne keinen Frieden in Palästina geben, wenn der jüdischen Entwicklung eine Zwangsjacke nach dem Rezept des Mufti angelegt wird.;, Den Arabern, geht es nicht um eine. Minderung