Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 639 (12.3.1937)
- Date
- 1937-03-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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!Tr. 639 vom 12. März 1937 DBS NEUE WELT Seite 5 Hie wiedet wilden zehntausende jüdische Familien in Wien und in der österreichischen Provinz zu PESSACH irgend eine andere in-oder ausländische Sorte Mazzöth, Mazzoth- Gries oder Mazzoth-Farvel als die seil mehr alt 40 Jahren so beliebten SCHMIDLNAZZOTH »$chmidl*Mazzoth« sind eine wunderbare Delikatesse von besonderem Wohlgeschmack. »Schmfdl'Mazxoth« werden aus nur all erfeinstem Weizenmehl erzeugt. »$chnudl*Maxzoth« werden in peinlichst sauberen modernsten Fabriksräumen erzeugt. »Schnudl'Mazzoth« sind \erläßlich streng koscher Zentrale: NMM*%v%Mft»t#m* mm*am.maw*m mm*mmm Achten Sie im eigenen Interesse ■ BRODETZKY SCHNIDL-GRIES bei Einkauf von Mazzoth, Gries II, Leopoldsgasse 43 nur In und Farvel besonders auf die Telephone: A-40-0-90, A-60-2-63, A-48-4-48 plombierten'SäCkeit Marke „SCHMIDL" AUS ALLER WELT Aus Hiiier*Deutsdiland Aus Berlin (J. T. A.): Die Meldungder deutschen. Presse, daß gegenwärtig1'ein Gesetz über Enteignung des Grundbesitzes gewisser Elemente in Deutschland im Interesse des Staates vorbereitet wird, hat unter den Juden in Deutschland tiefe Besorgnis hervorgerufen. Die jüdischen Haus- und Grundbesitzer fürchten, daß das Gesetz gegen sie gerichtet ist. In den Provinzstädten haben die Juden unter dem Druck der lokalen nazistischen Beamten bereits damit begonnen, Ihren Grundbesitz gegen lächerlich geringe Summen zu verschleudern und in die größeren Städte zu übersiedeln. In den großen Städten aber, wie zum Beispiel in Berlin und Frankfurt, halten die Juden schon darum an ihrem Grundbesitz fest,' weil sie ira Falle eines Verkaufes als „auswanderungsverdächtig" angesehen und zur Hinterlegung von mindestens 25 Prozent ihres Gesamtkapitals als Reichsfluchtsteuer gezwungen werden. Für sehr viele Juden bietet auch ihr Hausbesitz die einzige Einnahmequelle. * ... Behördlich wurde angeordnet, daß von jetzt ab jüdische Versammlungen, Konizertveranstaltungen usw. einzig und allein in öffentlichen jüdischen Gebäuden, wie Synagogen, Bne-Brit-Häusern usw. stattzufinden haben. Laut Verordnung des Reichsärzteführers Doktor Wagner dürfen jüdische Aerzte, die in der Provinz boykottiert werden, nicht mehr in größere Städte zur Ausübung ihrer Praxis ziehen. Auf der Tagung der Reichsfilmkammer wurde erklärt, daß in der gesamten deutschen Filmindustrie kein einziger Jude mehr beschäftigt ist. f Orangen sind saftiger f ALÄSTINENS ISCMES WACHSTUM „Menschen ohne Vaterland" Aus Quito (J. T. A.): In einem konkreten Fall hatte sich das Generalkonsulat von Ecuador in Hamburg an die Regierung von Ecuador gewandt und um allgemeine Maßregeln für den Fall gebeten, daß ein jüdischer „Vaterlandsloser" um einen ecuadorianischen Paß ansucht, um sich in Ecuador niederzulassen. Darauf hat der Minister für Kolonisation in Ecuador, A, Pesantes, geantwortet. In seinem Schreiben heißt es u. a.i „Der Fall bildet eine schmerzliche Wirklichkeit im Nachkriegseuropa, in dem Tausende von Menschen als Opfer politischer, religiöser und rassischer Hetze ihr Vaterland und ihr Heim verlören haben. Schon früher gab es solche Situationen und heute sind solche Fälle von Voreingenommenheit fast die Regel geworden. Im vorliegenden Fall und in weiteren ähnlichen Fällen, habe ich die Pflicht, Ihnen mitzuteilen, daß unser Land seine Pforten nicht verschlossen hält und auch gar nicht verschlossen halten kann, wenn diese in Europa verfolgten „Menschen ohne Vaterland^' unter Anrufung des Gefühls menschlicher Brüderlichkeit auf der Suche nach einem Heim, nach einem Vaterland und nach Arbeit ihre Zuflucht in Ecuador nehmen wollen. Die moralischen Qualitäten des Gesuchstellers, seine Arbeitswilligkeit ünd seine schöpferischen Fähigkeiten müssen den Gegenstand Ihrer Erwägungen bilden, und wenn diese Prüfung positiv ausfällt, haben Sie die Pflicht, den Paß auszustellen. Vaterlandslosigkeit allein kann keinen Grund bilden, um einen Menschen unser Land zu verschließen." Seltene Worte in dieser Zeit! „Nansenhilfe" für Staatenlose Dem Nachrichtendienst ,',Times-Prager Tagblatt" wird aus Oslo telegraphiert: Unter Führung des Sohnes von Frithjof Nansen, des Osloer Archivars Odd Nansen, wurde in Oslo eine freiwillige Organisation unter dem Namen „Nausenhilf e" gegründet, die sich zur Aufgabe macht, allen jenen Menschen zu helfen, die durch Krieg, Revolution und andere politische Ursachen' ihre Staatsbürgerschaft verloren haben. Diese Aufgabe erweist sich als äußerst dringend, denn die Zahl dieser Staatenlosen, Ausgebürgerten und Heimatlosen beläuft sich auf der ganzen Welt auf ungefähr zwei Millionen. Bisher hatte das Nansen-Büro in Genf dieser Unglücklichen angenommen, aber die polltisc'he'n Flüchtlinge fallen nicht mehr unter seihe Jurisdiktion. Ueberdies wird dieses Komitee im kommenden Jahr seine Tätigkeit auf Beschluß des Völkerbundes einstellen, so daß die letzte Hilfe wegfällt. Die Gründung' des Sohnes Nansens soll diese Lücke ausfüllen und wenn möglich durch Bildung von Ortsgruppen ini sämtlichen, Staaten Europas ergänzt werden. ' J 30.000 Juden in der türkischen Wehrmacht Aus Istanbul (J. T. A.): Auf Grund des neuen Gesetzes, das die Wehrhaftmachuhg aller türkischen Staatsangehörigen beiderlei Geschlechtes im Alter von 16 bis 65 Jahren vorsieht, wird die türkische Jude nh c i t 30.000 Mann zum Dienste stellen. 1300 jüdische Schulmädchen werden bereits militärisch ausgebildet. Auch in den Schulen wird an jedem Montag ein Flaggenappell abgehalten, bei dem Schüler und Lehrer schwören, in der Stunde der Not ihr.Leben für das Vaterland zu opfern. Auch im tschechoslowakischen Parlament Aus Prag: Im Verlauf der Debatte über das Expose" des Ministers Krofta im Außenausschuß der Abgeordnetenkammer führte der slowakische Volksparteiler Sidor u. a. aus: Von 1922 bis 1938 haben 102.000 Slowaken das Land verlassen, indessen die Zahl der Juden in der Slowakei und Karpathorußland immer mehr zunehme. Die ungarische Regierung habe seinerzeit die An- . Siedlung von Juden in der heutigen Slowakei gefördert. Damals seien sie kleine Händler gewesen, heute aber beherrschen sie das ganze Wirtschaftsleben. Sidor fordert den Außenminister und die Regierung auf, sie möge die jüdische Bevölkerung allmählich in das autonome jüdische Gebiet in der Sowjetunion BIro-Bidschan übersiedeln. Dieses Gebiet sei neunmal so groß wie die Slowakei und habe weniger Einwohner. Die Sowjetunion würde der Tschechoslowakei bei der Aufnahme der jüdischen Bevölkerung sicher sehr entgegenkommen, denn es handle sich ohnehin überwiegend um Anhänger des Kommunismus! Neues Sdiladitoesetz in Schweden Aus Stockholm (J. T..A.): Der Entwurf des neuen Tierschlachtungsgesetzes, in dem die elektrische Betäubung der Schlachttiere vor der Schlachtung vorgesehen ist, wurde endgültig fertiggestellt. Für Verletzung der Bestimmungen des Gesetzes sind Geldstrafen, für gewisse Fälle auch Verfolgung wegen Tierquälerei vorgesehen. Der Justizminister schlägt vor, das Inkrafttreten des Gesetzes bis zum 1. Juli 1938 zurückzustellen, damit ein sofortiges Verbot der rituellen Schlachtung für Juden vermieden und diesen Gelegenheit geboten werde, die gegenwärtig dwchg«füftrte& .Versuche 4er elektrischen Betäubung der Schächttiere, durch die die jüdischen Religionsgesetze nicht verletzt würden, fortzusetzen. Die Bestimmungen des neuen Gesetzes sollen nur für die Schlachtung von Großvieh, jedoch nicht von Geflügel, gelten. Der schwedische Justizminister West man hat eine Erklärung über den Gesetzentwurf veröffentlicht, in der betont wird, daß durch die von den Professoren A. V. Sahlstedt, G. Huelphers und A. Hjaerre durchgeführten Versuche die Annahme nicht unterstützt wird, daß die elektrische Betäubung Veränderungen im tierischen Organismus hervorruft, die den Genuß des Fleisches solcher Tiere jüdisch-rituell unzulässig machen würden. Die Rabbiner von Stockholm, Göteborg und iMalmö haben von dem Ministerium gefordert, die Zwangsbetäubungsklausel in den Gesetzentwurf erst aufzunehmen, wenn die gegenwärtigen Versuche mit elektrischer Betäubung zu einem erfolgreichen Ergebnis geführt haben würden. Erst nach Abschluß dieser Experimente würde eine autoritative Erklärung zu dem Gegenstand möglich sein. Der Justizminister hat diesen Vorschlag mit der. Begründung abgelehnt, daß das Gesetz damit auf unbestimmte Zeit zurückgestellt werden würde. Er sei jedoch bereit, den Wünschen der jüdischen Bevölkerung, dadurch entgegenzukommen, daß das Gesetz auf ein Jahr zurückgestellt wird. Hans Goslar übernimmt die Leitung des „Ruf" Aus Amsterdam: Die von Nathan Birnbaum begründete Zeitschrift „Der Ruf", die einen religiös-traditionellen Standpunkt auf national-jüdischer Basis vertritt, erscheint nunmehr nach längerer Unterbrechung wieder. Die Leitung hat jetzt Hans Goslar inne. Dec ItyäJUcyp Vidw/idutoi öskto Wätwtec (Schüler von Prof. Ernst Morawetz), wirkt bei dem am 13. März, 9 Uhr abends, im Hotel de France stattfindenden Gesellschaftsabend der Judenstaats~ zionisten mit. Sein Programm: Nigun (Ernst Bloch) Zigeunerweisen von Sarasate; Scherzo (Daniel von Goens). Weitere Mitwirkende: Trude Roth (Vortragskünstlerin); Edmund Mühlstock (Bariton); Oberkantor Josef Feuer (Jüdische Volkslieder); Bobby Weiser (Satyr. Vorträge)» Verb« d. Judenstaatszionisten Oesterreichs Sektion Prater, IL, Erlafstraße 5. Freitag, den 12. ds., halb 9 Uhr abends, Oneg Schabbat. Vortrag Aron Schwertfinger. — Dienstag, den 16. ds., halb 9 Uhr abends, Bibelvortragszyklus Rabb. Dr. N. Zicke r. Sektion XIV/XV, Schanzstraße 32. Sonntag, den 14. ds„ 7 Ulir abends, Heimabend. — Dienstag, den 16, ds., halb 9 Uhr abends, Vortrag Fritz Richter. Judenstaatsjugend. Dienstag, den 16. ds., halb 9 Uhr abends, im Heim. IL, Untere Augartenstraße Nr. 38, Vortrag Karl Fränkel: Der Judenstaatsgedanke in der napoleonischen Zeit. Brith Hakanaim. Plugah Bar Giora, XV., Schanzstraße 32. Sonntag, den 14, ds., halb 4 Uhr nachm., Jugendnachmittag. Gäste willkommen. Sektion X, Herndlgasse 23. Samstag, den 13. ds., 8 Uhr abends, ini Helm Ausschußsitzung. Umsdiiditungskurs des Haowed Haleumi Warum haben wir nicht genügend Handwerker? Weil unsere Eltern gegen manuelle Berufe Vorurteile besaßen. Dah.e r herrscht heute in Eres ein zahlenmäßiges Mißverhältnis zwischen Handwerkern und ungelernten Arbeitern!!! Wir brauchen mehr Handwerker! Noch ist es nicht zu spät, ein Handwerk zu erlernen!!! Wir geben Ihnen die Gelegenheit dazu in einem am 15. März d. J. beginnenden Metallarbeiterkurs (Bauschloserei). Anmeldungen beim Haowed-Haleumi, II., Rotensterngasse 12/3/2/II, Stadtkibbuz, oder in der Werkstätte II., Taborstraße 59, rückwärts im Hofe. R-41-1-15-U. Arbeltslose, die In größerer Entfernung wohnen, erhalten Fahrscheine gratis, Rechtzeitig anmelden!II