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Die neue Welt · 1937-03-12 · Heft 639 (12.3.1937) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 639 (12.3.1937)
Date
1937-03-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite * DIE NEUE WELT Nr. 63ö vom 12. März 103T PxBHtöMflmU« RABENSTEIG 3 HlMMELPfORTQ. 5 KÖLLNERH0F8AS8E 1 Große Auswahl und Kinder-Wasche, Weiß, waren, Bftttwlsch«, Strick- und Strumpfwaren usw. usw. In Herren-Modewaren, Hemden, Unterhosen, Pyjamas, Dressinggowns, Trikot-wasche, Damen- Kleine Preise lieber Theodor Herzl In der, Wiener „Kadimah" hielt Medixinalrat Dr. M. T. Schuir er, Gründer und Ehrenbursche der Verbindung, einen Vortrag „Erinnerungen aus den Anfängen der Zionistischen Bewegung". Besonders gründlich und liebevoll befaßte sich der Vortragende mit Theodor Herzl, zu dessen intimsten Freunden und ersten Mitarbeitern er zahlte. Wir entnehmen dem Vortrag zwei der Stellen, die sich auf Herzl beziehen. * Nachdem er sich zwei Jahre hindurch in Einzelkämpfen aufgerieben hatte, mußte Herzl einsehen, daß er seine Kräfte überschätzt hatte, daß der bis dahin von ihm betretene Weg nicht der richtige war, und entschloß sich nunmehr, die Bewegung von unten her in die Wege zu leiten. Und so kam es zur Schaffung der Kongresse und der weltumfassenden Zionistischen Organisation. Hier stellte Herzl seinen Mann voll und ganz. Was er hier geleistet und vollbracht, hat mit Recht das Staunen und die Bewunderung der ganzen zivilisierten Welt erregt und sichert ihm für alle Zeiten die unvergängliche Dankbarkeit des jüdischen Volkes. Welche Schwierigkeiten hiebei zu überwinden waren, welch ungeheuren Aufwand von' Arbeit und Energie der Aufbau einer über die ganze Erde ausgebreiteten Organisation erheischte, welche Fülle von Takt und Rücksicht der Verkehr mit derart verstreuten, sozial, kulturell und sprachlich so verschiedenartigen Elementen erforderte, das können nur diejenigen ermessen, denen es vergönnt war, Herzl am Werke Helfer sein 2u dürfen. Und wenn ich, trotz der fast übermenschlichen Schwierigkeiten, schon nach einem Jahr als Berichterstatter des ersten Aktionskomitees dem zweiten Kongreß berichten konnte, daß unsere Bewegung im Laufe des ersten Verwaltungsjahres um mehr als das Neunfache zugenommen hat, so gibt diese Ziffer allein schon einen Begriff von der Intensität der damals geleisteten Arbeit. Auf den. Kongressen bewährte sich die geniale Führernatur Herzls auf das glänzendste. Hier kamen seine überragende Persönlichkeit, seine mächtige Suggestiykraft, der volle Zauber seines alle Herzen im Sturme gewinnenden Wesens, seine von einer geradezu melodischen Stimme getragene, bei aller scheinbaren Schlichtheit geradezu, erhabene Eloquenz und — last not least — die ganze Pracht seiner männlich schönen Erscheinung zu voller Geltung. Es hat nicht viele Volksvertretungen in der Welt gegeben, die sich eines solchen Führers und solcher Redner, wie Max Nordau, rühmen konnten. * Ich will mich jetzt einem Gebiet zuwenden, auf Welchem Herzl als souveräner Meister sich erwies. Ich meine jenes Gebiet, auf das er vom ersten Tag an sein Hauptaugenmerk richtete und dessen fast ausschließliche Bearbeitung er sich mit Recht vorbehielt. Das ist das Gebiet der Politik. Sein umfassendes Wissen, seine reiche journalistische Erfahrung, sein feiner Esprit, seine Sprachkenntnisse, seine distinguierten Umgangsformen, sein bestrickendes Wesen und sein imponierendes Aeußere prädestinierten ihn geradezu zum Verkehr mit Staatsmännern und Diplomaten. Nach vielen, mit schweren Opfern und Enttäuschungen verbundenen Versuchen ist ihm denn auch ein großer politischer Wurf gelungen, ein Erfolg, der einen Augenblick sein Lebenswerk der Realisierung zuzuführen schien. Ich meine das große Interesse des Deutschen Kaisers für den Zionismus, das in dem Empfang einer zionistischen Deputation in Jerusalem gipfelte. Diesem ging bekanntlich ein besonderer Empfang Herzls durch den Deutschen Kaiser in Konstantinopel am Tage seiner Ankunft voraus. Schon die äußeren Umstände, unter denen diese Audienz stattfand, waren höchst bemerkenswert und für das Interesse Wilhelms kennzeichnend. Man bedenke: Kaum angelangt, mitten im Trubel der ersten rauschenden Stunden seines Aufenthalts in Konstantinopel, empfängt der Deutsche Kaiser im Palast des Sultans den Führer der zionistischen Bewegung und widmet ihm eine volle Stunde seiner so vielseitig besetzten Zeit, während zahlreiche Vorstellungen, Empfänge und Audienzen aller Art seiner harren. Das Ergebnis dieser einstündigen Unterredung war für uns überwältigend: Theodor Herzl hat auf Wilhelm H. starken Eindruck gemacht und ihn für den Zionismus gewonnen. Welche ungeheure Perspektiven eröffnete uns dieses Interesse eines der mächtigsten Monarchen seiner Zeit, eines Herrschers, der zu der damals verlassenen Türkei in freundschaftlichen Beziehungen stand! Von diesem denkwürdigen 18. Oktober bis zu der am 2. November stattgefundenen Audienz der Deputation in Jerusalem lebten wir in einer kaum imehr erträglichen Spannung und Erregung, Nach dem überaus warmen und verheißungsvollen Empfang Herzls in Kontantinöpel wirkte die trot« aller äußerlich feierlichen und 'freundlicheft Farm der Audienz, sachlich reservierte Haltung des; Kaisers in Jerusalem und die mehr als reservierte des Reichskanzlers B ü 1 o w auf Uns. Wie eine, eiskalte Dusche, so daß Herzl, der, wenn er mit mir allein war, es liebte, französisch zu sprechen, im Weggehen zu mir sagte: „II na dit ni oui, ni non." Ich konnte zunächst nur erwidern: „NeänmoinSi" Mehr brachte ich nicht heraus. Wir stiegen zusammen in den ersten Wagen ein. Ich weiß nicht, wie ich in diesem Augenblick ausgesehen habe, ich sah nur das bleiche und verstörte Gesicht Herzls, fürchtete sehr für sein krankes Herz und obgleich mir selbst recht elend zumute war, gewann in mir bald der Arzl; das Uebergewicht über den Menschen, ich nahm gleich mein beim Einsteigen unterbrochenes „neanmoins" auf und begann ihm meine angeblich durchaus nicht pessimistische Auffassung vorzulügen, meinte, der Kaiser hätte doch hier in Gegenwart einer Deputation, bei einer offiziellen Audienz, die doch einen Widerhall in der ganzen Welt erwarten ließ, nicht so degagiert sprechen können wie bei einer Unterredung unter vier Augen, u. dgl. Zeug mehr. Was mag sich alles zwischen Konstantinopel und Jerusalem abgespielt haben! , Ich habe Grund, anzunehmen, daß der impulsive Kaiser von seinem Kanzler Bülow, nach Rücksprache mit den türkischen Machtfaktoren, in die Schranken gewiesen wurde. Wie dem auch sei, bedeutete die so verheißungsvoll begonnene Expedition, trotz ihres zunächst ergebnislosen Verlaufes, nicht nur einen großen, persönlichen Triumph Herzls, sondern auch einen b eträchtlichen Schritt nach vorwärts für die Sache. Denn nun ist der Zionismus nicht nur hoffähig, sondern auch Gegenstand ernstester politischer Behandlung geworden. Mit einem Schlage waren alle Spötter und Miesmacher entwaffnet und eine neue Aera begann für den Zionismus. Die politische Verhandlungsfähigkeit der Bewegung wurde in der Folge auch von anderen Staaten anerkannt. Man kann ohne Uebertreibung sagen, daß diese Vorarbeit Theodor Herzls auch auf die gegenwärtige Gestaltung der Dinge den größten Einfluß ausgeübt hat. Wir empfehlen die guten, modernen Wimm Auto-u.MotorradschuIßn Wien S.NeudßggergasselS Tel. B-4S-5-72 und Iniersdorf, N.-O. Wider ein Unrecht/ aber mit offenen Augen Von Otto A. Fischel (M.-Ostrau). In der „Neuen Welt" vom 5. d. M. veröffentlichte Herr Dr. M. Lichtner einen Artikel, in welchem er sich mit dem Unrecht befaßt, welches seiner Meinung nach den Betarim bei der Zertifikätenverteilung zugefügt wird. Er tut dies in einer Art und Weise, die mir doch etwas zu einseitig erscheint. Ich halte es für richtig, wenn Herr Dr. Lichtner am Ende seines Artikels eine „entschlossene, offene, ehrliche, menschliche und sittliche Stellungnahme jedes einzelnen Zionisten" fordert und möchte daher einiges zu seinen Zeilen hinzufügen. Es steht fest, daß bei der Zertifikatenverteilung nicht selten schreiendes Unrecht Degangen Wird und ebenso wahr ist es, daß die sog. „Regierungsparteien" den „Zertifikatenmarkt" beherrschen. Unrecht muß mit allen zu Gebote stehenden Mitteln bekämpft werden. Daher wenden wir uns auch scharf gegen das Unrecht, welches den Betarim widerfährt. Aber es ist unsere Pflicht und Schuldigkeit, auch die Bedingrungen zu beachten und die verschiedenen Schritte der Revisionisten, welche vorhergegangen sind. Die Revisionisten haben über die zionistischen Fonde den Boykott verhängt und sind später aus der Zionistischen Organisation ausgetreten. Sie haben sich damit zurückgezogen, haben den einzig möglichen Kampfplatz verlassen. Sie haben ihre Interessenlosigkelt an der Zionistischen Organisation manifestiert. Sie. gründeten die Neu-Zionistische Organisation und gingen an die Ausführung ihres Programmes. Aber das ganze schöne, revisionistische Programm verwandelte sich plötzlich in eine wiederholte Kampfansage gegen die Zionistische Organisation. Die Revisionisten konnten auch diesen Ihren Plan, wie so viele der Neu-Zlonistischen- Organisations-Pläne, nicht durchführen. Da erkannten sie, daß ein Kampf außerhalb der Zionistischen Organisation unter den gegebenen, besonderen Umständen im Zionismus unmöglich sei. Und jetzt suchen sie einen Weg zurück. Nicht zurück in die Zionistische Organisation, sondern zurück auf den Kampfplatz, den Sie verlassen hatten, weil sie nicht an die Möglichkeit eines Sieges glaubten. Die Art aber, wie sie es tun, muß offen und ehrlich auf das schärfste verurteilt werden. Ich schmeichle mir, daß nicht einmal meine Gegner mir nachsagen können, ich sei auch nur ein Linken-Freunds aber wenn man unsere Repräsentanz, unsere Sochnutt (Gebäude der Jewish Agency in Jerusalem) durch Prügelszenen entweiht, und den Engländern und Arabern zeigt, daß uns nichts heilig ist, dann kann ich nicht schweigen. Denn es ist unsere Sochnuth, nicht etwa die der Linken! Darum, daß sie unser sei und des ganzen jüdischen Volkes und nicht nur einer Partei, führen wir unseren Kampf. Dieser Kampf aber wird nicht durch Ueberfälle und Prügeleien entschieden werden, sondern durch Arbeit, aufklärende und organisatorische Arbeit. Daran hätten die Revisionisten denken müssen, als sie ihren Platz bei dieser Arbeit verließen, weil sie kleinmütig geworden waren und daran sollten sie jetzt denken, wenn sie diese Terrorakte verüben. Herr Dr. Lichtner fordert, die Jewish Agency möge mitteilen, wieviel Zertifikate auf Grund von individuellen Gesuchen an Betarim abgegeben wurden. Ich will mit dem Folgenden nicht die himmelschreienden Ungerechtigkeiten und all die kleinen, aber leider so wirkungsvollen Unfairheiten verdecken oder gar entschuldigen, mit welchen die heutigen Machthaber im Zionismus bei der Zertifikätenverteilung gegen alle vorgehen, die sich ihnen nicht bedingungslos verschreiben, aber wir dürfen eines nicht vergessen: Es ist jedem Betari verboten (von der eigenen Leitung), sich um ein Zertifikat direkt an die Jewish Agency zu wenden. — Und jetzt wollen wir uns fragen: Soll die Zionistische Organisation Zertifikate anbieten jemandem, der sie nicht fordert, nämlich den einzelnen Betarim? Oder gar der Neu-Zionistischen Organisation, welche ihr wiederholt offenen Kampf angesagt hat? Das würde an Selbstvernichtungstrieb grenzen. Und dann hätten wir in Kürze vielleicht noch eine zweite und dritte Neu-Zionistische Organisation. Wir Judenstaatler kennen all die Ungerechtigkeiten und Fehler der Zionistischen Organisation. Sie zu bekämpfen, halten wir für unsere heilige Pflicht. Dieser Kampf gibt uns die Lebensberechtigung und wir wollen ihn in der Zionistischen Organisation weiterführen bis zum endgültigen Siege. Aber nicht als sozusagen 80prozentige Revisionisten, sondern als lOOprozentige Judenstaatler. Wir Judenstaatler kennen unseren Weg und werden ihn gehen. ■• Von der Judenstaatsfttewegung Ende April erscheint die deutsche Uebersetzung des Buches: „Governing Pal est ine" von Dr. I. Machower. Das Buch ist ein glänzendes Sammelwerk von Dokumenten, die beweisen, welche Unterlassugen und Fehler die Palästina-Regierung im Laufe der Jahre begangen hat. Das Buch erscheint im Verlag Dr. Heinrich Glanz (Wien). Aus der C. S. R. Der Delegierte der Exekutive der Judenstäatspartei Palästinas, Friedland, hat als Instruktor des Brith Hakänalm eine Reise nach der Slo-< wakei und P. K. R. gemacht. Er besuchte u. a. die Orte Medzelaborce, Uzhoxx>d, Mukacevo, Hust etc., wo er mit den Gg. Besprechungen abhielt und den Barak organisierte. Nach diesem Besuche begab sich Friedland nach Litomerice, wo er bei den dortigen Hachscharah-Klbbuz des Brith Hakanaim einige Zeit als Instruktor tätig war. Die Landesleitung der Judenstaatspartei in der C. S. R. in Mor-Ostrava entfaltet in der letzten Zeit eine erehöhte Tätigkeit. Vor kurzem erschien das Bulletin Nr. 3, in welchem über die Vorbereitungsarbelten der Schekel-Kampagne berichtet wird. Aus Amerika: Die Judenstaatspartei in den U. S. A. hat in der letzten Zelt eine Anzahl von Propagandaversammlungen, insbesondere in verschiedenen Teüen New-Yorks, veranstaltet. Wenn auch die Schwierigkeiten, die sich dieser Propagandatätigkeit durch die besonderen Verhältnisse in U. S. A. entgegenstellen, nicht gering sind, so kann man sicher sein, daß die junge Judenstaatsbewegung in den Vereinigten Staaten unter der bewährten Leitung des Prof. Liptzin bald den ihr gebührenden Platz im jüdischen Leben Amerikas erringen wird. Aus Palästina: Wie die Weltexekutlvc der Judenstäatspartei mitteilt, hat der Präsident Melr GroJini a n n' Sonntag, den 7. d. M., Erez Israel verlassen, um sich für längere Zelt nach Europa zu begeben. Herr Großmann, der am 14. in Marseille landen wird,'wird zuerst die Gg. inl Paris, dann die Gg. in London besuchen. In London wird Herr Großmann einige Zeit bleiben, um wichtige politische Verhandlungen zu führen. Im Anschluß an seinen Besuch in London dürfte Herr Großmann in Mittel- und Osteuropa die Kongreßwahlkampagne einleiten. Aus Bulgarien: In Sofia hat sich ein Initiativkomitee von Judenstaatlern unter Führung unseres Gg. A. Radsiwilowsky gebildet. Die Gg. haben die Arbeit zur Organisierung einer Orts-, respektive Landesgruppe der Judenstaatspartei bereits begonnen. Simpl + Augustin + A. B. C. + 2 Jazz- Kapellen + 60 (I) andere Künstler darunter Lilly DARVAS, Erntt DIUTSCH, Kammar*«ngar Kl PN IS, ferset «MASKEN, KÜNSTLER UND DU' kommen Samstag, den 13. März in die Sophiensäle / Abteilungsleiter: Non-stop.Cabaret; Fritz Grünbaum / Heiratszelt: Max Brod / Tozereth Haarez; Jenny Lovic £ Die amerikanische Sensation: Die Kußglocke auf dem Tanzparkett M Zur Verlosung gelangt eine Gratis« reite Triette-Palästina-Triette, gespendet von der ,,Adrlatic&"-Schiffahrtsgesellschaft, Venedig p Karten inkl. Gratislos (64 wertvolle Prell«) bei: Jüd. Kulturstelle, I, Kai 3, Tel. R-28-2-36 / Veranstaltungssekretariat, I, Bauernmarkt 8 / J. K. J„ I, Goldschmidgasse 9 (ab 0 Uhr abda.) / Mirjam, I, Jordangasse 7 / Groner, I, Graben 28 / Lanyi, I, Kärutnerstr.42 / Hohenborg, I, Konzerthaua

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