Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 639 (12.3.1937)
- Date
- 1937-03-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 639 vom 12. Märe 1937 DIE NEUE WELT hefte* i WodtekSfdfyd Die emsige Berufungsinstarts Die Gewährleistung der Minderheitsrechte ist die einzige juristische Grundlage, auf die sich das Juden' tum im Kampf um seine Rechte zu stützen vermag, sobald diese durch irgend eine Regierung verletzt werden und die Verfassung des betreffenden Landes sich zum Schutz dieser Rechte als unzureichend herausstellt. Der Völkerbund ist unsere einzige Berufungsinstanz bei den schweren Verstößen gegen unsere durch den Völkerbund garantierte Gleichberechtigung. „Isr. Familienblatt" (Berlin, 1937). Panarabismus — Pangermam'fmus Von Tanger bis nach Indien erstreckt sich eine arabische Einheit, die eines Tages, je nach der geistig verwandten totalen Weltanschauung des Dritten Reiches und seiner starken, unterirdischen Moslimspropaganda, vor allem bei den sehr orthodoxen Marokkanern größte Erschütterungen zeitigen kann. Der Traum eines mohammedanischen Weltreiches befindet sich auf fort' schreitender Grundlage und, wenn das Kollegitim des Vlemas von Fes, das dem Konklave der römischen Kardinäle gleicht, unter Mitwirkung der nationalsozial istischen Antifrankreich- und Antienglandpropaganda den Entschluß fassen sollt e, sämtliche Araber Afrikas und Vorderasiens zu einem Einheitsstaat zusammenzufassen — Politik und Religion sind eins —, so dürfte die Stunde des Wüstenkönigs Ibn Saud gekommen sein. Der panarabischen Bewegung läuft parallel die pangermanistische in Europa. Jene baut sich auf der Totalität des Korans, diese auf der „Bibel: Mein Kamp fu auf. Pangermanismns und Panarabismus sind Bundesgenossen; Syrien hat bereits dreißig Studenten nach Deutschland geschickt und Ibn Saud kennt auch — Hitler. „Sturm über Oesterreich" (Wien, 1937). Sabbat Schon in der Epoche des Nomadentunis wurde der Tag der Ruhe und Heiligung als Ziel eines höheren Lebens, als Verkörperung alles sozialen und ethischen Tuns, als Tag des Ausgleiches vor Gott und den Menschen eingesetzt. Und der Sabbat wurde als kostbares Gut mitgeführt, noch bevor das Volk einen festen Boden hatte. Fabius Schach, 1937. Dank vom Nazismus „Das Insekt, das mit seinem Gift die gesunden Nationen mit dem Antisemitismus vergiftet, brummt an unseren Ohren wie zur Zeit Torquemadas. Die Unterdrückung der Juden kommt gerade von denjenigen am stärksten, die das Wort des jüdischen Propheten akzeptiert haben: ,Das Heil kommt von den Juden.' Welche Undankbarkeit, nachdem sie die Geschenke der Juden angenommen haben!" Lloyd George, 1937. Hör's, Oesterreich! Der Zustand muß endlich aufhören, daß eine fremde Macht, wer immer sie sei, sich herausnehmen darf, Keime des Umsturzgeistes in einen Teil unserer Bevölkerung hineinzutragen. Die im Lande massenhaft verbreiteten Propagandaschriften sind ihrem Wesen nach nichts anderes als bolschewistische Brunnenvergifttingen, getarnt durch nationalsozialistische und antisemitische Phrasen. „Pester Lloyd", 6, März 1937: : //Alles luv unsere Freiheit" Vorige Woche wurde der vor kurzem aus Deutschland nach Palästina gekommene junge Arbeiter Chaim Brück von einem Araber hinterrücks erschossen. Als hilflos Sterbender hat Bruck in sein Notizbuch Eintragungen gemacht. Der authentische ■ Text der Notizen, die bei dem Ermordeten gefunden wurden,, ist der folgende: Auf der ersten Seite: „Ein Araber hat aus dem Hinterhalt auf mich geschossein. Gert! (der Name des nächsten Freundes des Ermordeten). Nimm Rache für mich! Gruß an alle." Auf der zweiten Seite: „Genossen! Es ist schrecklich, in so jungen Jahren zu sterben. Genossen, warum kommt Ihr nicht?" Auf der dritten Seite: „Gert, alles was ich besitze, gehört dir und Werner (ein zweiter Freund), verteile es. Der Araber hat ein neues englisches Gewehr in der Hand gehabt," Auf der vierten Seite: „Gruß an alle Freunde und Genossen. Ich kann nicht mehr." Auf der letzten Seite: „Alles für unsere Freiheit." Am offenen Grabe hielt ein Genosse des Ermordeten den Nachruf und sagte: „Vom Schiffe aus ging er sofort in die Kwuza arbeiten. In den letzten schweren Monaten zeigte er bewundernswerten Mut. Zuletzt ging er auf Posten in den neuen jungen Kibbuz Tel-Amal in Beisan und fiel durch Mörderhand. Von wem werden wir sein Blut fordern? Es gibt keinen Richter und kein Gericht in diesem Lande. Menschen, die sich verteidigen, werden verhaftet. Die Regierung stützt den Mufti und die herrschenden Efendis, die ruhig und sicher in ihren Palästen sitzen. Wir haben nur eine Adresse, an die wir uns wenden können — an uns selbst. Wir kennen keine Verzweiflung. Wir glauben, daß der Traum unserer Erlösung verwirklicht werden wird. Nichts wird uns aufhalten. Du hast dich im Tode mit der langen Kette der Helden vereinigt, die in Galiläa und auf dem Gübpa gefallen sind." DAS IST DAS ECHTE NEROL NATURREINES KOKOSNUSSFETT Die Erzeugung steht unter Aufsicht Sr. Ehrwörden des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. Ein seltsamer Filmstreifen Endlich ist der Augenblick gekommen, wo die an der Filmproduktion in Oesterreich interessierten Kreise eine Illusion aufgeben können: die Illusion, daß ihr Heil von Hitler-Deutschland abhängig sei. Sogar jene, die bisher. Deutschland als den grol? in, Oesterreich in allen Belangen betreuenden Bruder ansahen, blicken betrübten Auges auf das Trümmerfeld, das der. mit dem. Dritten; Reich verbundene Austro- Optimismus, hinter sich gelassen hat. Einstimmig lautet der Spruch: die österreichische Filmwirtschaft ist ruiniert. Der Prozeß, der zum Zusammenbruch der hiesigen Filmwirtschaft führte, war von nicht allzu langer Dauer. Man kann sagen, daß drei deutschlandbetonte Jahre genügten, um eine Industrie, die in Oesterreich den günstigsten Boden gefunden hatte, völlig herunterzuwirtschaften. Im Augenblick, wo die Österreichischen Fümindustriellen dem Wahn verfielen, daß ihre Existenz vom deutschen Markt abhängig sei, war, ihr Schicksal besiegelt. Mit allen Mitteln der. Propaganda und einer mechanisch':, aufgezogenen Statistik wiesen auch bei uns die hitlerfreundlichen. Blätter .nach;', daß eine deutschsprachige Filmproduktion ohne. reichsdeutschen Absatz unrentabel sei, und drängten die ganze Filmwirtschaft in die Hände des Berliner Reichspropagandaministeriums, das bekanntlich nicht allein die handelspolitische, sondern auch. — hauptsächlich — die w e 11anschauliche Seite des Geschäftes zu genehmigen hatte. Während Prag und Budapest sich wenigstens gegen die Berliner Vormundschaft wehrten, gab der kleine österreichische Bruder widerstandslos nach; er suchte zu retten, was zu retten war. In dieser Hinsicht taten sich auch die jüdischen Filmkaufleute hervor. Sie fuhren nach Berlin, unterhandelten, fuhren wieder — stets unter dem Aspekt, daß da eben nichts zu machen wäre und man sich dem Joch des Hakenkreuzes beugen müsse, solange überhaupt noch ein Geschäft zu machen sei. Was lag ihnen an den zahllosen jüdischen FÜmschaffenden, den Autoren, Schauspielern, Musikern, Regisseuren, Technikern, Statisten, wenn nur sie Gnade fanden in den Augen des Herrn Goebbels! Ohne* mit der Wimper zu zucken, gaben sie die jüdischen, Film schaffenden preis, als man ihnen in Berlin die Arierparagrap h-S c h 1 i n g e um den Nacken legte. Herr Dr. Pilzer, Herr Oskar Glück und die anderen jüdischen Filmkapitalisten versuchten sich's bei Herrn Goebbels unter Preisgabe ihrer Volksgenossen zu richten. Die Hauptache für sie war: im Geschäft bleiben l Hiefür leisteten sie sich jede Würde- und Charakterlosigkeit. Aber auch das half nichts! Wie oft warnten wir diese Herren! Wie oft redeten wir ihnen ins Herz, sich doch endlich von der Illusion zu befreien, man könne ohne Schaden an Ehre und Gut mit dem Hakenkreuz Geschäfte machen! Wie klar setzten wir ihnen auseinander, daß auch für sie eines Tages die Stunde des Debakels kommen werde! Nun: Die jüdischen Herren Filmunternehmer, die jahrelang die Stufen der österreichischen Filmindustrie waren, wurden ausgeschaltet, Görings Bruder wurde Fümdiktator in Oesterreichs. Die hakenkreuzlerische Brutalität hatte gesiegt. Und jetzt, wo „alles in Butter", die Gleichschaltung hundertprozentig vollzögen war, ertönt ein Jammerschrei, der durch die öden Filmateliers gellt: das Lichtlein der österreichischen Fümproduktion' ist im Erlöschen! Die „R e i c h^p'ois t"*. der niemand das leidenschaftlichste Interessei^aa;.einer deutschsprachigen österreichischen Fümproduktion absprechen kann, gibt in einem Aufsatz „Warum Filmkrise in Oesterreich?" die Gründe dieses Zustandes an. Der Autor Dr. Hermann Paul, Präsident des Gesamtverbandes österreichischer Fümproduktion, führt an, daß die österreichischen Filmproduzenten um die Jahreswend« über 1 Mülion Reichsmark und die Atelierbesitzer über 1.2 Mülionen Reichsmark eingefrorener Guthaben in Deutschland hatten, Beträge, welche zur Ankurbelung im Inland fehlen. „Dies ist die erste Ursache der gegenwärtigen Krise", schreibt Dr. Paul und fügt die anderen, nicht so sehr ins Gewicht fallenden Ursachen hinzu. Allerdings erzählt Herr. Dr. Paul nicht, daß man in zahlreichen ausländischen Gebieten, wo die österreichische Kultur verehrt wird, den in Oesterreich gedrehten deutschsprachigen Füm ablehnt, seitdem er arisiert, gleichgeschaltet, mit dem Geist des Nationalsozialismus angefüllt wurde, kurzum: daß durch den Boykott des reichsdeutschen Films der österreichische mitbetroffen ist. Wir wollen uns in eine wirtschaftspolitische Analyse der deutschsprachigen Filmproduktion im Zusammenhang mit der Katastrophe der österreichischen Filmindustrie nicht einlassen. Das ist ein besonderes Kapitel, ein besonderer Fümstreifen. Wir wollen bloß eben diese Katastrophe als ein Beispiel unserer These anführen, die besagt, daß man noch keinen glücklich enden sah, der sich dem Dritten Reich gleichschaltete. Daß hier auch jüdische Unternehmer — weil sie ihre und ihres Volkes Ehre mit Füßen traten — zum Handkuß kamen, enthebt uns nicht dieser Feststellung. Im Gegenteil. Sie bekommt geradezu tragikomischen Charakter. o. r. MosIeyKandidaften bei den Wahlen zum Orafsdiaftfsrafi durchgefallen Aus London: Trotz stärkster Propaganda ist es bei den letzten Wahlen zum Londoner Grafschaftsrat keinem einzigen Kandidaten der von Sir Oswald Mosley geführton British Union of Fascists, die unter judenfeindlichen Losungen zur Eroberung, insbesondere des Londoner Ostens, in den Wahlkampf gezogen war, gelungen, ein Mandat zu erlangen. Die im East End aufgestellten sechs hervorragendsten Führer der Mosley- Gruppe haben eine vernichtende Niederlage erlitten. Von den bei den Graf Schaftswahlen abgegebenen rund 1,717.000 Stimmen sind auf die Kandidaten der Labour Party 884.000, auf die Konservativen 797.000, auf die Liberalen »1.000 und auf die Mosley-Anhänger rund 15.000 Stimmen entfallen. In Shoreditoh, von dem die Mosley-Leute erklärt hatten, es würde ihre Hochburg werden, erhielten sie 2564, bzw. 3492 Stimmen. (J,.T.;Af) . .