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Die neue Welt · 1937-03-09 · Heft 638 (9.3.1937) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 638 (9.3.1937)
Date
1937-03-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. m vom Ö. Mär« 1Ö37 DIE NEUE WELT Seit* 3 Agudah und Zionismus Der in Wien weilende Agudah-Führer Doktor Iteae Breuer äußerte zum J.JT.-A.-Vertreter über das Verhältnis der Agudah zur Zionistischen Organisation wie folgt: Wenn man davon ausgehe, daß das Judentum gegenwärtig von zwei Hauptströmungen, dem politischen Zionismus und der thoratreuen Orthodoxie, beherrscht werde, so könne man grundsätzlich bei aller scharfen Trennung beider Ideologien eine günstige Atmosphäre der Zusammenarbeit der Agudah und der Zionistischen Organisation schaffen. Es müsse eine klare Abgrenzung beider Ideologien erfolgen, die allein die Gewähr bietet für eine gegenseitige Respektierung und Rücksichtnahme. In praktischer Beziehung bestehe ein sehr gutes und harmonisches Zusammenarbeiten zwischen der Agudah und der Exekutive der Jewish Agency. Dr. Breuer wandte sich mit Entschiedenheit gegen den Vorwurf, der bisweilen von zionistischer Seite erhoben werde, daß die Agudah einem Separatismus huldige. Das Gegenteü sei vielmehr wahr. Die Agudah bejahe und vertrete den Universalismus des jüdischen Volkes als einer unzerstörbaren Einheit. Wir haben, schloß Dr. Breuer, das jüdische Volk genau so lieb wie jeder organisierte Zionist und wir fühlen und tragen ebenso mit allen die große Verantwortung für alles, was im jüdischen Volke geschieht. Unser Ziel ist es, aus Erez Israel eine Nationalstätte der ererbten jüdischen Kultur zu schaffen. Die palästinensische Presse bringt unserem ehrlichen Streben objektives Verständnis entgegen. Es wäre zu wünschen, daß dies auch von der ernsten zionistischen Presse in der Galuth geschehe. RUNDSCHAU Die hebräisdie Universität Der Rektor der hebräischen Universität in Jerusalem Dr. Hugo Bergmann, gab anläßlich seines Aufenthaltes in Prag der dortigen Presse folgende Aufklärungen: „Die seit elf Jahren bestehende hebräische Universität in Jerusalem, die einzige Universität des jüdischen Volkes, ist in ihrer Anlage nach dem Vorbüd der amerikanischen Universitäten aufgebaut, mag auch durch eine Anzahl von Professoren und Dozenten aus Zentraleuropa manche Einrichtung nicht ganz den Charakter amerikanischer Universitäten tragen. Die Organisation gipfelt in dem Universitätspräsidenten — es ist dies der, frühere Rektor Prof. Dr. Magnes —, der die repräsentativen Aufgaben der Universität erfüllt, dem Chairman (S. Schocken), dem die Administrative obliegt, und dem Rektor, der alle wissenschaftlichen und Forschungsangelegenheiten der Universität in seine Obhut nimmt. Bisher hat die Universität zwei Fakultäten, die geisteswissenschaftliche und die naturwissenschaftliche, wir hoffen jedoch, daß im "Laufe der Zeit die Universität weiter ausgebaut wird. Die nächste Fakultät wird wohl die medizinische, sein, wenngleich wir noch nicht an einen Studienbetrieb denken können. Als Grundlage für diese Fakultät wird jetzt ein großes Universitätskrankenhaus errichtet, das die amerikanische jüdische Frauenorganisation Hadassa patronisiert und das mit einer Schwesternschule in Verbindung stehen wird. Es wird auch eine Art Fortbüdungsanstalt für Aerzte, eine School of Medicine, eingerichtet, die den fertigen Aerzten Gelegenheit bieten soll, sich für palästinensische Spezialbedürfnisse auszubilden. Zu diesem Zwecke bestehen allerdings bereits einige Forschungsinstitute, wie das bakteriologischhygienische Institut, das parasitologische Institut und ein Institut für Krebsforschung. Ebenso ist ein gynäkologisches und ein physiologisches Institut vorhanden. Als weitere Institute der Universität seien genannt: die Universitätsbibliothek mit 300.000 Bänden, das Museum für biblische Botanik sowie das, von Dr. Lachmann geleitete Institut für orientalische Musik mit einem großen Plattenarchiv. In welchem Maße die Universität wächst, kann man aus der Tatsache ersehen, daß im Studienjahre 1929/30 die Zahl der Studenten 170 und die der Professoren und Dozenten 23 betrug, während in diesem Studienjahre diese Zahlen auf 731, respektive 54 gewachsen sind. Die Studenten werden nach Absolvierung ihres Studiums zu M. A. (Master of Arts) und M. S. (Master of Science) graduiert; zur Erlangung des Doktortitels ist dann ein weiteres Studium von noch zwei Jahren notwendig. Die Zusammensetzung der Studentenschaft ist sehr bunt. Im Vorjahre waren von 700 Studenten 385 aus Polen, 135 aus Palästina, 46 aus Deutschland und u. a. auch 4 Tscheche-Slowaken. Etwa die Hälfte der Studenten sind Werksstudenten, die sich ihren Unterhalt selbst verdienen müssen; die Universität verwendet sie als Gärtner, Boten usw. und gibt ihnen so Gelegenheit zu einigem Erwerb. Zwanzig Prozent sind auf Zusatz- Verdienste angewiesen und nur der Rest wird von den Eltern erhalten," Die Regierung berät ♦ ♦ ♦ Zahlreiche Anzeichen lassen darauf schließen, daß in Palästina die Araberrevolte wieder auflebt. Hiefür zeugt nicht allein die heimtückische Ermordung des Arztes Dr. Josef Lehrs in Beisan, sondern der da und dort auftretende Versuch, Sabotageakte gegen die Verwaltung des Landes zu verüben und Ueberfälle zu organisieren. Als nach fünf Monate währendem Terror sich das Colonial Offlee entschloß, die Garnison in Palästina zu verstärken und den General Dill mit ein paar tausend Mann, Flugzeugen und Panzerautos nach Jerusalem zu schicken, wurde dieser Akt als der Entschluß der englischen Regierung gedeutet, auch schon das Aufkeimen eines Aufstandes unmöglich zu machen. Dio Frage des Abgeordneten Colonel Wedgewood im Unterhaus, was denn der große Militärapparat in Palästina für einen Wert habe, wenn er nicht eingesetzt v/erde, erwiderte der Kolonienminister Ormsby-Gore, daß schon das bloße Vorhandensein starker militärischer Kräfte eine heilsame Wirkung ausübe. Inzwischen wurde ein großer Teü der palästinensischen Garnison wieder nach Hause geschickt und die Wirkung, wenn sie vorhanden war, ist verpufft. Und nun kommt plötzlich die Meldung aus Jerusalem, daß unter dem Vorsitz des Stellvertreters des Oberkommissärs, des Chefsekretärs Hall, eine Beratung stattfand, die der gegenwärtigen Lage im Lande gegolten habe und daß Maßnahmen zur Unterdrückung des wiederauflebenden Terrors erörtert worden seien. Die Palästina-Regierung berät also wieder. Sie berät, während inzwischen die arabischen Terroristen Bomben anfertigen, jüdische Bürger morden und das ganze Land unter Druck setzen . . . Zeichner $©ff xlz °/o igen Ssterr. Der 4 V invesflfiof&sat&leif&e toezaMf Slir S IOC- Nennwert nur S 90. und verzinst daher sein Geld mit jp9 © Die Anleihe ist?nün deis ich®?. Bravo/ Mengeibers I Nennt man die besten Dirigentennamen, so wird auch sein Name genannt: Wilhelm M e n g e 1 b e r g. Insbesondere in den „ersten jüdischen Kreisen", die „dabei sein" müssen, ist der Name des Holländers Mengelberg so populär wie Film- und Bühnenstars. Als Huberman dranging, in Palästina das Symphonieörchester zu schaffen, wurde im Zusammenhang mit den zu engagierenden Dirigenten auch Mengelbergs gedacht, und es wäre vielleicht sogar zu einem Abschluß gekommen, wenn nicht ... Herr Mengelbcrg, der Liebling der „ersten jüdischen Kreise", hat sich jedenfalls der Sympathie für die Juden verdächtig gemacht. Die deutsche Reichskulturkammer, welche jedes Jahr ein A-B-OBuch für Musiker herausgibt, mit den Namen aller jüdischen Komponisten und „Judenfreunde", setzte auch Herrn Mengelberg. a,uf die schwarze Liste und bezeichnete ihn als „Freund des Juden Mahler". Herr Mengelberg könnte natürlich auf ein Reagieren verzichten; er könnte der Meinung sein,, daß er der nazistischen Reichskulturkammer nicht verantwortlich sei und an sich als Künstler das Recht freier Ueberzeugung und Meinungsäußerung habe. Herr Mengelberg aber ist dieser Ansicht nicht. Er rechtfertigt sich. In einem Schreiben an die Reichskulturkammer protestiert er dagegen, mit den Juden zu sympathisieren oder gar „ein Freund des Juden Gustav Mah l e r" zu sein. ,;, Sein edler EJifer wurde belohnt und im letzten A-B-C-Buch erscheint sein Name nicht, mehr auf der schwarzen Liste der „Judenfreunde". Man muß wissen, daß Mengelberg sich jahrzehntelang im Bereich Gustav Mahlers sonnte, indem er dessen Symphonien dirigierte und überhaupt den größten Teil seiner Popularität dem Umstand zu verdanken hat, daß er Mahlers Symphonien interpretierte. Bei dem allgemeinen Mangel an Charakter und Mannesmut überrascht uns Herrn Mengelbergs Gesinnungsschäbigkeit nicht. Er kriecht zu Hakenkreuze und will von seiner besseren Vergangenheit nichts wissen. Dafür sollen ihm von nun ab die Juden den Gefallen tun, seine Konzerte zu meiden, damit er nicht, Gott behüte, noch einmal der Sympathie für die Juden bezichtigt werde und von Berlin eine Rüge bekomme. HodiadeKge Radauantasenufei? Aus Budapest: Der „Pester Lloyd" befaßt sich mit der Tatsache, daß einer der reichsten Magnaten Ungarns, Graf Ludwig Szechenyi, sich in einem in Sopron (Oedenburg) gehaltenen Vortrag zum hemmungslosen Antisemitismus bekannte. Das Blatt schreibt unter dem Titel „Gräfliches Pfeilkreuz" u. a.: „Die kleine Schar ungarischer Magnaten, die sich der umstürzlerischen Pfeilkreuzlerbewegung bisher angeschlossen haben, hat sich um den Träger eines großen historischen Namens, den Grafen Ludwig Sz6« c h e n y i, vermehrt, der in Sopron in einem Vortrage, der in dieser strengbürgerlichen Stadt peinliches Aufsehen erregte, seine politischen Ideen entwickelte. Diese Ideen decken sich vollkommen mit dem Programm des hemmungslosen Antisemitismus, mit dem eine wüste und gewissenlose Demagogie das A g r a rproletriat weiter Landstriche aufzupulvern trachtet. Das politische Programm des Grafen Szechenyi besagt letzten Endes nichts Geringeres, als die restlose -Enteignung aller „jüdischen" Unternehmungen im Lande, Banken, Fabriken, Geschäfte, die vollkommene Ausschaltung des jüdischen Elements aus dem Wirtschaftsleben des Landes, die Entwurzelung eines namhaften Teües der Bevölkerung Ungarns. Im Wesenskem ist dies nichts anderes als ein vermummter Bolschewismus. Das Programm der Enteignung und Ausschaltung der Juden Ungarns weist überdies noch eine fatale Aehnlichkeit mit den Gedankengängen G o g a s und C u z a s, dieser Erzfeinde des siebenbürgischen Ungartums, auf, denn diese beiden Apostel des „Numerus walachicus" trachten mit ganz ähnlichen Waffen das ungarische Element aus dem geistigen und wirtschaftlichen Blutkreislauf Neurumäniens zu eliminieren. Es drängt sich einem überdies noch ganz unwiderstehlich die Erwägung auf, daß ein Teü der ungarischen Großgrundbesitzer die dumpfe und amorphe Gärung der unter den schwierigsten Wirtschaftsverhältnissen leidenden Agrarbevölkerung des Landes auf die Juden, die jüdischen Unternehmungen und das mobile Kapital im allgemeinen abzulenken versucht. Diese Herren scheinen aber zu vergessen, daß selbst der radikalste Antisemitismus das Los des landlosen Agrarproletariats in Ungarn nicht im geringsten verbessern würde und die Enteignung des gesamten judischen Bodenbesitzes nur einen verschwindend geringen Bruchteü der Zwergbesitzer zu Kleinlandwirten emporzurücken vermöchte. Diese Art leichtfertiger Demagogie gleicht einem Bumerang, dessen Schlag zumeist denjenigen trifft, der diese Waffe in die Luft schleudert. Die ungarische Geschichte liefert zahlreiche Beweise dafür, daß es höchst schwierig ist, den ungarischen Bauer aus seinem Ruhezustand zu rütteln, noch schwieriger ist es aber, ihn aufzuhalten, wenn er einmal in Bewegung geraten ist." Der jüdische Wunderknabe Oskar Weitzner, der bereits außerordentliche Proben seiner Geigenkunsb abgelegt hat, wirkt Samstag, den 13. März bei deni vom Verband der Judenstaatssionisten veranstalteten Gesellschaftsabend (Festsaal des Hotel de Franc, I., Schottenring 3) mit. Oskar Weitzner hat kürzlich mit sensationellem Erfolg bei einem Konzert; des Chajes-Gymnasiums gespielt und ist das Tagesgespräch des jüdischen Wien. Weitere Mitwirkende: Trudc Roth, Edmund Mühlstock, Oberkantor Josef Feuer, Bobby Weiser, Jazzkapelle Rubin st ein. TransferrAbkommen PoleniPalästina Aua Warschau: Der Leiter des Arbeitsdepartments und Mitglied der Exekutive Jizchak Grün bäum hat im Namen der Jewish Agency das polniacIipalästinensische Clearing- und Transferabkommen, über das monatelang Verhandlungen ge« führt worden sind, unterzeichnet. Für die Kündigung des Abkommens durch beide vertragschließende Parteien ist eine dreimonatige Frist vorgesehen. (J.T. A.) * kinö>programme votivpark Maria Stuart IX, Währingerstraße 12 tttMUI t Telephon A-18-3-96 * Catherine Hepburn, Beginn: «, %», ftto Fr6d6rlc March

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