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Die neue Welt · 1937-03-09 · Heft 638 (9.3.1937) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 638 (9.3.1937)
Date
1937-03-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT NTf. m vom Ä. Mära 1Ö3T Gegenstand solcher Attacken sein können. Die pathologischen Lügner und Verleumder & la Julius Streicher haben im Wahn gelebt, sie hätten die Meinung der Welt im Judenpunkt auf ihrer Seite. Der deutsch-amerikanische Konflikt belehrt sie eines andern. Das amerikanische Volk ist nicht hypnotisiert wie Europa, das in seiner moralischen Erstarrung die Schändlichkeiten gegenüber dem Judentum widerstandslos hinnimmt. In Amerika sagt man noch das, was man anderswo zu feige ist zu sagen. Der Bürgermeister von New York hat durch seine Rede gezeigt, daß man das hitleristische Regime nicht als unabwendbares Fat um hinnehmen muß. Dieses Regime ist wieder zur Diskussion gestellt. Darin liegt der Sinn der Worte, die La Guardia bei der Tagung des Jewish American Congress gesprochen hat. AUS ALIER WELT Eintragung des griechischen Ministerpräsidenten in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds Aus Saloniki (J.T.A.): Auf Grund eines ein« stimmigen Beschlusses der Leitung de« griechischen Zionistenverbandes ist der Ministerpräsident der griechischen Nationalregierung, General Joannis Met a x a s, in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds eingetragen worden. Diese Ehrung des Ministerpräsidenten wird von der gesamten jüdischen Presse unter Hinweis auf die wohlwollende Haltung des griechischen Regierungschefs gegenüber der Jüdischen Bevölkerung und sein tatkräftiges Eintreten für die Wahrung ihrer Rechte und die Befriedigung ihrer Bedürfnisse herzlich begrüßt. Milderung der Einwanderungs-Vorschriften in Argentinien M.vta wew York: Wie die Gesellschaft HIAS bekanntgibt, hat die letzte Volkszählung in Argentinien eine geringere Bevölkerungszunahme sowohl in der Hauptstadt als in den Provinzen festgestellt, als früher angenommen worden war. Gut unterrichtete Kreise in Buenos Aires nehmen auf Grund dieses Ergebnisses an, daß.die argentinische Regierung demnächst die Möglichkeit einer Milderung der Einwanderungsbestimmungen prüfen wird. Jüdische Olympia-Sieger kommen nicht auf die Marmortafel Aus Berlin wird telegraphiert: Die Marmortafel mit den eingravierten Namen der Olympia-Sieger 193 6 wurde nunmehr in die Mauer des Olympiastadions eingelassen. Drei Olympioniken sind jedoch nicht g enannt, und zwar der Weltmeister im Säbelfechten Kabos, der RJngkampfweltmeister Karpati und die Florettweltmeisterin Elek. — Alle drei sind ungarische Juden. General Smuts verdammt rassische Verfolgung Aus Kapstadt: General Smuts, der frühere Ministerpräsident, trat als Nachfolger des Herzogs von Windsor sein Amt als Kanzler der Universität Kapstadt an. In seiner Antrittsrede an die Studenten erklärte Smuts, in verschiedenen europäischen Ländern sei man heute wieder Zeuge politischer, religiöser und rassischer Verfolgungen und bezeichne diese Entwicklung nicht etwa als einen Rückfall in die Zeiten der Barbarei, sondern vielmehr als einen Ausdruck nationaler Kraft und des Patriotismus. Wie die Auseinandersetzung zwischen Faschismus und Kommunismus auch immer ausgehen werde, eines mögen die Studenten ihm glauben, daß die Feindseligkeit gegen den Grundsatz der religiösen und politischen Toleranz als eine vorübergehende Erscheinung angesehen werden muß und als ein Symptom für die Verwirrung unserer Zeit Jlzchak Grünbaura von Revisionisten tätlich angegriffen Aus Warschau (J.T.A.): In zionistischen Kreisen herrscht lebhafte Empörung über einen Ueberfall, den Revisionisten nach Beendigung der Zionistischen Landeskonferenz auf den Ehrenpräsidenten der Zionistischen Organisation Polens und Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, Jizchak Grün bäum, verübt haben. Die Revisionisten lauerten Grünbaum im Treppenhaus auf und griffen Ihn tätlich an. Grünbaum setzte sich kräftig zur Wehr. Den Angreifern ist es im Tumult gelungen, zu entkommen. — Die Naziwut des Betar in Polen erklärt, daß sie jegliche Anwendung physischer Gewalt verurteUe. Es falle ihr schwer, zu glauben, daß der Ueberfall auf Grünbaum von Betarim verübt wurde, denn das würde der betarischen Erziehung widersprechen. Sollte es sich wider Erwarten herausstellen, daß Betarim an dem Vorfall beteiligt waren, so werden diese unverzüglich ausgeschlossen werden. Die Zahl der Juden in Berlin Aus Berlin: Nach dem Zeitungsdienst des Reichsnährstandes gibt es in Berlin 250.000 Rassejuden. Davon gehören 150.000 dem jüdischen Glauben an, 40.000 sind nicht in der jüdischen Religionsgemeinschaft und 60.000 sind Mischlinge. 1000 Palästina-Einwanderer Im Februar 1937 Aus Jerusalem; Laut den statistischen Auf. Zeichnungen der Einwanderungsabteilung der Jewish Agency sind im Monat Februar 1937 1000 jüdische Einwanderer nach Palästina gekommen. Hunger über Israel Eine Schrift Uber das deutsche Judentum Die ökonomische Abteilung de« Jüdischen Weltkongresses veröffentlicht soeben eine Schrift, die wegen ihres aktuellen Materials und als erste Zusammenstellung bekannter und unbekannter Tatsache weiteste Beachtung verdient. Die Schrift heißt „D e r wirtschaftliche Vernichtungskampf gegendieJudenimDrittenReich" (Paris, XVI., 83. Av. de la Grande Armee) und wird zweifellos das Bild, das man bisher vom Schicksal der deutschen Juden hatte, in wesentlichen Details ergänzen. In der großen Mehrheit stammen die publizierten Mitteilungen aus der deutschen Presse selbst, die sich bekanntlich der Erfolge der Aktionen zur wirtschaftlichen Vernichtung der Juden in ungenierter Weise rühmt. Vom 1. April 1933 angefangen, hat der seinerzeit offiziell abgeblasene Judenboykott nicht aufgehört, wenn auch Formen gesucht und gefunden wurden, vor der zivilisierten Welt die tatsächlichen Verhältnisse zu verschleiern. Die Verlautbarung der Nürnberger Gesetze vom 15. September 1935 hat der Verhüllung der konsequenten Enteignung des jüdischen Eigentums und der Ausschaltung auch der jüdischen Arbeitnehmer aus dem Wirtschaftsleben ein Ende gemacht. Die Fiktion, daß es das Ziel des nationalsozialistischen Regimes sei, nur-den politischen und kulturellen Einfluß des Judentums zu brechen, wurde nun aufgegeben. An Stelle der blutigen Pogrome von ein9t trat die vom Nationalsozialismus bis zur Virtuosität geübte Methode des kalten, aber desto grausameren Pogroms. Die Schrift des Jüdischen Weltkongresses verzeichnet alle Tatsachen, die dem Zweck dieses Pogroms dienen. Zum psychologischen Verständnis der Lage zeigt sie die Divergenz zwischen den öffentlichen Aeußerungen, den Gesetzesparagraphen und den tatsächlichen Aktionen auf, wodurch auch zwei Propagandathesen des Nationalsozialismus widerlegt werden: 1. Die bis zum Ueberdruß wiederholte Behauptung vom schädlichen Einfluß der Juden auf die deutsche Wirtschaft; 2. die Besserung der innerdeutschen (arischen) Wirtschaftslage durch Ausschaltung der Juden. Von Wichtigkeit ist die Feststellung, daß die wirkliche Lage, der deutschen Juden ausländischen Beobachtern noch immer in einem zu günstigen Licht erscheint, weil noch immer jüdische Unternehmer in gewissen .Gewerbezweigen^ tätig sind und sich ihrer 'ungeschmälerten Existenz bei ihren Auslandsreisen übertrieben rühmen. Man muß tieferen Einblick haben, um zu merken, daß der Kampf gegen die jüdischen Wirtschaftspositionen mit aller Brutalität bis zur völligen Judenreinheit ganzer Gewerbezweige weitergeführt und auch vor dem letzten Rest jüdischer Existenz nicht haltmachen wird. Die Verdrängung der jüdischen Leiter und Angestellten in Handel und Industrie wird auch, außerhalb des Dritten Reiches durch deren nationalsozialistische Auslandsvertretungen propagiert. Die Juden werden nunmehr auch in den Auslandsfüialen. der deutschen Weltuntemehmungen beseitigt, auch solche Juden, welche jahrzehntelang dem deutschen Handel auf dem Weltmarkt die größten Dienste geleistet haben. Die Boykottbewegung als Abwehr hat zweifellos Erfolge gezeitigt. Es handelt sich aber darum, nicht nur diesen antideutschen Boykott zu propagieren, sondern auch dem Konsum Ersatzwaren aus anderen Ländern zuzuführen, so daß nach Tunlichkeit die deutsche Ware vom Weltmarkt zurückgedrängt wird. Durch die Maßnahmen der nationalsozialistischen Regierung sind in der jüdischen Bevölkerung Deutschlands seit Aprü 1933 strukturelle Veränderungen vorgegangen. Auswanderung, Geburtenrückgang, Steigerung der Sterbefälle, Umschichtung haben das Bild der deutschen Judenschaft wesentlich geändert. Die Gesetze, die Praxis der Rechtspflege, die Enteignung der jüdischen Unternehmer und der ungeheure seelische Druck haben einen Zustand geschaffen, der für die Zukunft der deutschen Juden das Schlimmste erwarten läßt. Die Hoffnung der zivilisierten Welt, es werde in Deutschland nach kurzem Rausch Ernüchterung eintreten, hat sich als trügerisch erwiesen. Die Schrift des Jüdischen Weltkongresses bringt das Material, das den tragischen Zustand der deutschen Juden beleuchtet, in durchaus sachlicher und systematischer Weise und schließt mit einem Aufsatz aus der nationalsozialistischen Zeitschrift „Aufbau" (n. Heft, 1937), woraus ersichtlich ist, daß das Dritte Reich den Kampf gegen das Judentum mit aller Schärfe weiterzuführen entschlossen ist und von einem „Paktieren" nicht die Rede sein kann. Eine Louis-D.-Brandeia-Straße in Frag Aus Prag: Der Magistrat der Stadt Prag hat eine Straße nach dem Mitglied und Mitvorsitzenden des Obersten Gerichtes der Vereinigten Staaten, Louis D. Brand eis, benannt Die Ehrung von Oberstrichter Brandeis durch die Stadt Prag erfolgte im Gedenken an die Dienste, die Oberstrichter Brandeis den Schöpfern des tschechoslowakischen Staates, insbesondere Professor Masaryk, erwiesen hat. öberstrichter Brandeis war es, der die Bekanntschaft zwischen Prof. Masaryk und Präsident Wilson während der Anwesenheit Masaryk« in den Vereinigten Staaten im Kriege vermittelt hat. Präsident Thomas G. Masaryk gedenkt in seinen Büchern, in denen er das Entstehen des tschechoslowakischen Staates schildert, wiederholt dankbar der Hilfe, die ihm seitens des Oberstrichters Brandeis und anderer angesehener amerikanischer Juden zuteil geworden ist * . Die tschechoslowakische Presse schreibt, daß Brandeis ein gebürtiger Prager sei. Das beruht auf einem Irrtum. Louis Dembitz Brandeis stammt wohl aus einer aus Böhmen nach Amerika ausgewanderten Familie, er selbst aber ist 1856 in L o u i s v i 11 e (Kentucky) geboren und war 1879 bis 1916 als Anwalt in Boston tätig. 1916 wurde er von Wilson zum Richter am Obersten Gerichtshof in Washington ernannt. Er war damals auch Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas. Durch seine nahen Beziehungen zu Wilson gelang es ihm, diesen im Sinne des Zio« nismus zu beeinflussen und für die Zustimmung zur Balfour-Deklaration zu gewinnen. 1919. ernannte ihn Wilson zu einem der amerikanischen Bevollmächtigten zu den Versailler Friedens* Verhandlungen, das Oberste Gericht gewährte ihm jedoch nicht den erforderlichen Urlaub. In der amerikanischen zionistischen Bewegung spielte Louis D. Brandeis eine außerordentliche Rolle. Er war auch der Organisator des Amerikanisch* Jüdischen Kongresses. Im vorigen Jahre wurde der 80. Geburtstag von Brandeis seitens der amerikanischen Judenheit in sehr herzlicher Weise gefeiert _ Keilt Fleisch für die jüdischen Kranken in Deutschland Aua Berlin-: Angesichts der gegenwärtig von«, kommen unterbundenen Zufuhr von Koscherfleisch nach Deutschland aus dem Aualand appelliert das „Gemeindeblatt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin" an die Rabbiner, eine Lösung des Problems der Kaschruth zu beschleunigen. Bs ist, heißt es in dem Artikel, eine brennende Frage, brennend deswegen, weil manche Menschen in ihren Gewissensnot vergeblich nach einem Weg suchen und weil dieser Weg ihnen nicht von jenen gezeigt wird, die be* rufen wären, ihn zu finden. Diese Präge bedürfe der Entscheidung der Rabbiner und Lehrer des Judentum». „In unseren jüdischen Krankenhäusern liegen kranke Menschen, die zur Kräftigung ihres Körpers einer zweckentsprechenden Nahrung bedürfen. Alte Menschen in unseren jüdi» sehen Altersheimen können nicht nach den ärztlichen. Vor» Schriften verpflegt werden, weil es nicht möglich ist* Kaschruth und Leben miteinander zu vereinbaren, wenigstens nicht möglich unter den Schwierigkeiten, die bestehen. Unter solchen Umständen bedarf es einer Lösung, die geschöpft ist aus der Verbundenheit mit dem inneren; Gehalt der Thor a." &J. T. A.)j j 35.000 Journalisten fordern die Befreiung ArtUT Köstlers ' Aus Paris (J.T.A.): Die Internationale Journalisten-Föderation sandte an General Franco ehU Telegramm, in welchem „mit allem Nachdruck gegen dia Festhaltung des Berichterstatters eines englischen Blatte*, des Journalisten Artur Koeatler, im Gefängnis protestiert wird. Die Internationale Journalisten-FödAration sieht seine Verhaftung und Gefangenhaltung als unzulässigen Angriff auf die Rechte und Garantien de* journalistischen Berufes an und fordert im Namen vom 35.000 Berufsjournalisten aus allen Ländern, aus denen die Förderation besteht, und im Namen der Mitarbeitet der Zeitungen aller Richtungen die sofortige Freilassung Artur Koestlers." (Der jüdische Journalist Artur Kost* ler wurde, wie seinerzeit von der J.T.A. mitgeteilt, bei der Einnahme von Malaga durch die Aufständischen gefangengenommen, zum Tode verurteilt, dann über Intervention englischer amtlicher Stellen zt zwölf Jahren Schwerarbeit begnadigt.). UuMledsecUstutdckeiffy Künstlet Es sind schon die zu „MASKEN, _ _ KÜNSTLER und DU" 1 . ' e^ni^——— einladen: Uli DAR VAS, Emst DEUTSCH, Kammersänger KIPNI3 sind zum Beispiel dabei, aber M - _ * auch die ENDELS, FARKAS, QRÜNBAUM und eben über hundert andere. 04 werlwolle PnlM I - Karten und Gratis los A 5 5.— bei den Vorverkaufsstelleni Jüdische Kulturstelle, I, Kai 3, Tel. R-28.2-36 / Veranstaltungssekretariat, I, Bauernmarkt 8 J. K. J., I, Goldschmldgasse 9 (ab 6 Uhr abends) / Mirjam, I, Jordangasse 7 / Grones I, Graben 28 / LanyJ, I, Kärntherstraße 42 / Hohenberg, I, Konzerthaus

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