Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 637 (5.3.1937)
- Date
- 1937-03-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DÖS NEUE WßLT Nr, 637 vom 5. März 1937 13 x BERGM AHfl. L; RABENSTEIG 3 HIMMELPFORTG. 5 KÖLLNERHOFÖASSE 1 Große Auswahl und Kinder-Wäsche, Weißwaren, Bettwäsche, Strick- und Strumpfwaren usw. usw. in Herren-Modewaren, Hemden, Unterhosen, Pyjamas, Dressinggowns, Trikot-Wäsche, Damen- Kleine Preise rufen werde mit großer Begeisterung von „der nationalen Einheit des arabischen Volkes" gesprochen. Zusammenfassend kommt die „Antif" zu dem Ergebnis, daß die einzige Folge der Politik der Kommunistischen Partei Palästinas die Identifizierung des Kommunismus mit der antijüdischen Pogromagitation und eine Kompromittierung des revolutionären sozialistischen Gedankens und des proletarischen Internationalismus sei. (Palcor.) Wider ein Unrecht Von Dr Martin Lichtner (Leitmeritz). Betarim haben die Büros der Jewish-Agency überfallen. In Jerusalem und Warschau wurden Einrichtungen zertrümmert, Beamte bedroht, einige von ihnen angeblich verletzt. Als Ursache der Empörung bezeichnet die revisionistische Presse die Verweigerung von Einwanderungszertifikaten seitens der Jewish Agency an revisionistische Jugendliche. Die Jewish-Agency selbst erklärt diese Behauptung als grundlos und berichtet, daß im Gegenteü, jeder Betari ebenso wie jeder andere Zionist, bei den Palästina-Aemtern um Einwanderungszertifikate ansuchen kann, und daß auch Betarim solche erhalten haben. Es ist schwer, dem uneingeweihten Zionisten die verklausulierten Bestimmungen zwecks Erlangung von Zertifikaten auseinanderzusetzen. Doch die Wahrheit ist: Tatsächlich können auch Betarim individuelle Gesuche um Zertifikate einbringen, tatsächlich werden diese Gesuche auch in den Sitzungen der Palästina-Kommissionen behandelt, tatsächlich erhalten so viel wie keine Betarim Zertifikate. Wäre es der Jewish Agency tatsächlich um die Feststellung der Wahrheit gegangen, dann hätte sie es viel einfacher gehabt: Sie hätte nur die Zahl der in den letzten Jahren zur Verfügung stehenden Zertifikate mitteilen müssen und dann sagen müssen, wie viele davon Betarim bekommen haben. Sie konnte und durfte diese höchst einfache Statistik nicht veröffentlichen, weil sie damit vor aller Oeffentlichkeit ein öffentliches Geheimnis offiziell preisgegeben hätte — nämlich, daß die Mitglieder der zionistischen „Regierungsparteien" "seit Jahren fast allein den „Zertifikatenmarkt" beherrschen, was bedeutet, da die Allgennnj? dnna ns Ist der Titel unseres neuen Schallplattenkursus zur raschen und gehörsmäßigen Aufnahme und Erlernung der neuhebräischen Umgangssprache, wie sie in Erez Israel von Mund zu Mund gesprochen wird, und hat folgenden Inhalt: Bestell-Nr. 11051 a) Lehrer und Schüler. 11052 a) Tourist und Einwohner. 11053 a) Ausflug eine« Touristen in das Kinek. 11054 a) Dame kauft Lebensmittel — Beim Arzt — Geld und Münzen — Der Brief, b) Seefahrt und Landung — Sprache — Wetter und Zeit — Der Brief. 11055 a) Auf der Post — Auf der Eisenbahn — Beim Friseur — Empfehlung. b) Der Besuch — Im Hotel — Belm Schuhmacher. 11056 a) Wäsche kaufen — Baucher — Im Speisesalon. b) Erkundigung — In der Kolonie — Im Kleiderladen. Diese Platten wurden gesprochen von zwei Herren und einer Dame, die seit ihrer Jugend Neuhebräisch sprechen und langjährigen Aufenthalt in Palästina haben; der Text ist von Rabbiner Dr. Emil Cohn. Alle hebräischen, jiddischen und modernsten Lieder und Gesänge erhältlich im Musikhaus Excelsior, Wien, I.. Franz- Josefs-Kai 15. meinen Zionisten bekanntlich fast keine Jugend haben, daß auf diesem Markt nur mehr die Linken fast ausschließlich erwerbsberechtigt sind. Es gibt Zionisten, die diesen Zustand kennen und ihn gutheißen. Sie haben vergessen, daß Erez Israel deraganzen jüdischen Volke gegeben wurde, keinesfalls einer Partei. Doch nicht das ist es, was in diesem besonderen Fall interessieren muß. Tatsache ist es, daß es jedem Gerechtigkeitsgefühl, ja, jeder Menschlichkeit ins Gesicht schlägt, wenn man aus rein politischen Gründen eine bestimmte Gruppe praktisch ausschließt, nach Erez Israel einwandern zu können. Der Vergleich mit gewissen einschränkenden und diffamierenden Gesetzen gegen rassische Minderheiten liegt leider allzu nahe und ich glaube, daß der Gedanke, daß wir selbst in den eigenen Reihen diese Art von Praxis dulden, ohne daß sich irgend ein Protest der Regierungszionisten zeigt, sehr schwerwiegende Schlüsse zuläßt. Nun haben Betarim dagegen in robuster Weise Stellung genommen. Es sind einige Büroeinrichtungen ruiniert worden und es sind Beamte der J. A. tätlich angegriffen worden. Es soll kein Zweifel darüber herrschen, daß diese Art des Protests mit aller Schärfe zu verurteilen ist. Terror ist kein Argument und wir Juden, die wir heute und früher in der ganzen Welt gelernt haben, was Terror bedeutet, sollten sehr feinfühlig gegen diese Art des Kampfes sein. | SALO und REGINE QOLDHIRSCH | 1 laden alle Freunde und Gesinnungsgenossen zur 1 | &Q?tniZVi&h IHRES SOHNES i HEINRICH | die am Samstag, den 6. März 1937, um 9 Uhr vormittags im Polnischen Tempel, II, Leopoldsg., § | stattfindet, höflichst ein. | illlllllllllllllllllllllilllllllllllllllllllllllllllllllllM Doch es zeigt sich in der Beurteüung dieser Exzesse eine merkwürdige Tatsache. Von allen Seiten regnet es Proteste, Verurteilungen, Ablehnungen, Vergleiche werden angestellt mit den und jenen Terrorgruppen anderer Lager und Völker und man kann sich nicht genug tun in Empörung und Abscheu vor einer solchen „verführten" Jugend. Plötzlich entdeckt man sogar, daß das eben in der Linie der „reaktionären Ideologie" des Revisionismus liegt, und daß diese Vorgänge direkte Folgen einer Assimilation an europäische rechtsradikale Ideologien sind. Ich bin kein Revisionist mehr. Das aber darf nicht hindern, gerecht zu sein und für die menschliche Beurteilung dieser Fälle einzutreten. Vor allem in einer Richtung: Gleiches Maß für alle! Wir empfehlen die guten, modernen HEODEQe Aulo-u.Motorrad schulen wüMwmmmM Tel. B-<5-5'.72 uAi Inierstforf, H.-ö. Seit Jahren gibt es in Erez Israel selbst einen innerzionistischen Kampf zwischen nationalen und linken Arbeitern, der nur durch die Unruhen, während denen die Betarim einträchtig neben den Linken unser Leben und unseren Boden verteidigten, unterbrochen wurde. Wo immer ein revisionistischer Arbeiter Brot und Arbeit gefunden hat, unter denselben Bedingungen wie die anderen, wurden er und seine Gesinnungsgenossen von Terrorgruppen überfallen, grausam niedergeschlagen, verjagt und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln des rohen Kampfes und der brutalen Gewalt am Betreten seines Arbeitsplatzes verhindert. Unendlich lang ist die Liste nationaler Arbeiter, die sich aus innerster Ueberzeugung weigern, das rote Parteibuch zu erwerben, und die die Zeichen arger Verletzungen an ihren Körpern tragen. Mir ist kein Fall bekannt, daß ein Regierungszionist dagegen protestiert hätte! Gewiß ist es, daß es kein Kommunique der Jewish Agency gibt, das diesen unerhörten, beschämenden, häßlichen und gemeinen Terror verurteilt. So oft ich in der zionistischen Presse von Ausschreitungen seitens der Betarim las, und die entsprechende allerschärfste Verurteüung dieser Kampfmethoden (z. B. während des Boykotts der nationalen Fonds, wo es manchmal zu „Gewaltakten" gegen Nationalfondsbüchsen kam), habe ich an die Verfasser jener Protestartikel persönlich geschrieben und sie aufgefordert in der gleichen Weise gegen die Terrorakte der Linken in Erez Israel Stellung zu nehmen — in den seltensten Fällen bekam ich überhaupt eine Antwort, und die war recht gewunden und armselig. In keinem Falle aber hat der betreffende Zionist öffentlich Konsequenzen gezogen. Ein führender Zionist der C. S. R. veröffentlichte z. B. einmal einen flammenden Protest voll pathetischer Empörung, weil in der Slowakei ein paar Lausbuben, deren „Parteizugehörigkeit" nicht einmal feststand, mit N.-F.-Büchsen Fußball gespielt hatten.- Samstag, 13. März Sofiensäle „|fj|0$&0ft# fÜiUSUit E * erwarten dich: Ein N0N 8T0P - CABARET (Leitung Fritz QrUnbaum und Karl Farkas), ein LUNAPARK (Max Brod), ein PHOTOZELT (Paul 0'Mentla), ein HEIRATSZEIT (Joeef Bui), ein A8TR0L00IEZELT (Alice Trau), ein 0RAPH0L00EN- ZELT (ScAQtz.Atcano), eine BRIDQESTUBE (Hugo Knepler), «In PAlXSTINA-PAVIllON (Jung-Wixo-Mirjam), eine BRATI3L0TTERIE mit vielen wertvollen, aber auch wertlosen Preisen; eine Primiierung der echtfniten Einzelmasken und Maskengruppen. Zum Tanz spielen die Viel-Harmoniker „ELITE K I 0 0 I E S" und „F U K S WITTY VEXERS" (ununterbrochen — aber nicht zugleich) üudDu" KARTEN - VOSIVERKAUF : Kulturslalle, 1, Kai 3, R-28-2-36, Jung-Wlzo-Mlrjam, I, Jordangasse 7. I. K. i-, I, Ooldschmiedgasse 9, Komiteelokal, I, Bauernmarkt 8, od. bei Oronner, Hohenberg und Lanyi. Studentenkarten I, Bauernmarkt 8 Aufmerksam gemacht, daß in Erez Israel unschuldige Menschen, nur weil sie, wie jeder andere auch, das Recht auf Brot und Arbeit gefordert hatten, blutiggeschlagen wurden und reihenweise die Spitäler aufsuchen mußten, regten ihn so wenig auf, daß er es nicht der Mühe wert fand, auch nur annähernd gegen solche Methoden zu Felde zu ziehen, wie er es für die toten N.-F.-Büchsen getan hatte. Es ist kein politisches Problem, sondern ein menschliches Problem. Und es erweckt schlimmste Befürchtungen für unsere nationale Zukunft, wenn wir uns so an Methoden assimiliert haben, die unserem jüdischen Sittengesetz so eklatant widersprechen. Ich erspare es mir, aus Gründen der solidarischen Disziplin in dieser Zeit weitere gedankliche Folgerungen zu ziehen. Aber es wird sich als notwendig erweisen, wenn es unmöglich erscheint, die einzig mögliche sittliche Konsequenz aus dieser unterschiedlichen Behandlung von jüdischen Menschen zu er* zwingen, dennoch diese Folgerungen öffentlich bekanntzugeben. Es ist höchste Zeit ,daß diese Schande ein Ende nimmt. Dazu aber bedarf es der entschlossenen, offenen, ehrlichen, menschlichen und sittlichen Stellungnahme nicht nur der vielzitierten offiziellen Kreise, sondern jedes einzelnen Zionisten und Juden selbst, dem Ehre des jüdischen Namens keine Phrase bedeutet. Wie die Pest ♦ ♦ ♦ ausrotten! Der vorstehende Artikel, in welchem der Autor seine persönliche Meinung wiedergibt, nimmt auf Vorfälle Bezug, welche das Ansehen und den Bestand der Zionistischen Weltorganisation auf das schwerste bedrohen. Blutige Kämpfe zwischen Zionisten in Warschau und Jerusalem, demolierte Palästina-Aemter, Skandale, welche durch die Weltpresse gehen. Welche Pflicht erwächst der Zionistischen Leitung aus dieser Situation? Dahin trachten, Ruhe zu schaffen! Sie kann und darf nicht die Herstellung der. Ordnung im Zionistischen Leben der polnischen, englischen und arabischen Polizei überlassen. Sie muß, bei Wahrung der Sachlichkeit und Gerechtigkeit, alles unternehmen, was geeignet ist, den Haß abzubauen. Nun muß aber festgestellt werden, daß die Zionistische Leitung leider nicht zu dieser Einsicht gelangt ist. Organe, welche ihr unterstehen, tun nichts,, um die Gegensätze zu mildern. Yorirefflich-Mazzoth werden unter Aufsicht des ehrw. orth. Rabbinats. der Israel. Kultusgemeinde Wien, Oberrabbiner Babad, erzeugt TD«D F]DlV«in D n 1 H D Vortrefllich-Mazxoih brauchen keine Reklamemärchen, um populär zu werden. Durch ihre Qualität allein führend vor allem anderen, weil sie aus feinstem 0 gr. Weizenmehl, auf echten Spezial- Lehmöfen gebacken sind. Billigkeit trotz prima Qualität, weil keine großen Ausgaben für Reklame und Aufmachung, das Prinzip ist: täglich frische Vortrefflich- Mazzoth, Grieß, Mehl, Parwel und Patent (Reibach). Verkaufsstellen in allen Bezirken Wiens. In der Fabrik kein Detail-Verkauf. Kosten Sie und Sie sagen: Vortrefflich nur Vortrefflich-Mazzothprodukte zu Pessach 1 So berichtet „Palcor". die offizielle Korrespondenz der Zionistischen Exekutive, über die Vorfälle wie folgt. „Jerusalem, 16. Februar. — Der Exekutive der Jewish Agency sind aus allen Teilen Palästinas Telegramme zugegangen, in denen der Ucbcrfall der Revisionisten auf das Büro der Jewish Agency in schärfster Weise verurteilt und das Unwesen dc^Rowdies mit einer Pest verglichen wird, die ausgerottet wei den muß. — „Dawar" (Anm. der Red.: Organ der Regierungspartei) erklärt, daß es sich hier um ein unmittelbares Ergebnis von Jahotinskys denunziatorischcr Aussage vor der Kgl. Kommission handle." Wenn man von allen sachlichen Argumenten absieht und sogar annimmt, daß die Leitung in der Sache völlig recht hat, müssen diese Auslassungen des zionistischen „Amtsblattes" als unveranwortlich bezeichnet werden. Es Ist nicht Sache der zionistischen Leitung, wilde Ausfälle der Parteien, welche sie nach Möglichkeit einzudämmen hätte, kritiklos, also in beipflichtender Form, wiederzugeben, ihre größte Publizität zu verleihen. Eüie Leitung, die das tut, zeigt sich der großen Aufgabe, die Bewegung vor schweren Störungen nach Möglichkeit zu bewahren, nicht gewachsen.