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Die neue Welt · 1937-03-05 · Heft 637 (5.3.1937) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 637 (5.3.1937)
Date
1937-03-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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DIE NEUE WELT Nr. 637, vom 5. März 193T pniifiiiiffliiKiinniiM mit Koscher-Küche 1 auf den Dampfern | Nach Amerika r| , QU JEN MARY". «0.000 t, der schnalltt« Pantpftr dtr W«lf s Ü, „QUBEN HflRV".....17. März § jg »OUEIN HARY".....31. März % „Bf RENOARfA" ..... 7. April & || „QUEEN MARY"..... 14. Apflt | | CUNARD WHITE STAR LIMITED 1 § WIEN I. KÄRNTNERRING 4,TEL.:U-42-0-43, U-46-2-48 | ^i!!l»lirJIIIII||||l!llllll!|||||||||||||||!!!||i||!||||||||||!||!||||||i||||i|)||||||^ RUNDSCHAU Judentum — Nietzsche — Bolschewismus Mit dem Buch des Bischofs Dr. Hudal über den Nationalsozialismus war, im . Grunde genommen, niemand zufrieden: Die Nationalsozialisten nicht, weil die katholische Persönlichkeit einzelnes am Nationalsozialismus bemängelte; die Katholiken nicht, weil ihnen der Versuch, das Christentum dem Hakenkreuz zu nähern, gefährlich schien. Katholische Kreise waren es, die Hudals Buch angriffen, weil seine Stellungnahme zum Nationalsozialismus nicht so eindeutig ablehnend war, wie es hätte seitens eines Bischofs erwartet werden können. Man erinnere sich an den katholischen Würdenträger, Bischof Doktor W a i t z, der in schärfster Weise. Hudals Buch ablehnte, indem er die Möglichkeiten der Mißdeutung Hudalscher Auffassungen ins rechte Licht rückte und, wie von berufener Seite erklärt wird, der Kirche einen wichtigen Dienst leistete. Wenn jüdischers'eits das Buch Hudals eine Ablehnung erfuhr, so geschah dies überall unter ausschließlich jüdischem Gesichtspunkt; man wehrte sich gegen Hudals Behauptung, daß der Nationalsozialismus in der rassischen Verwerfung des Judentums vom richtigen Instinkt beseelt sei. Die Obsorge um die Kirche überließ die jüdische Kritik den kirchlichen Stellen,; den christlichen Faktoren. . , . ■ Nun veröffentlicht Bischof Hudal in der Zeitschrift „Deutsche Revolution (Herausgeber Dr. Otto Straßer, Prag) im Zusammenhang mit Artikeln zu seinem Buche eine Erklärung, die auch folgenden.Passus enthält: „Unerfreulich ist nur, daß ausgerechnet J u d e n, ■ Emigranten, teils übler Vergangenheit, und Freimaurer^ mit gewissen Katholiken auf einmal zusammengehen in der Sorge um die Kirche." Die Unstichhältigkeit dieser Behauptung wurde bereits oben erwiesen. Es ist nicht recht klar, wo Bischof Hudal damit hinauswill, zumal im Kampf gegen das Hakenkreuz die Waffengefährtschaft nicht so wichtig ist wie der Kampf selbst und zumal eine Diskriminierung von „Juden, Emigranten, Freimaurern" in diesem Zusammenhang die Position der Nazigegner nicht gerade stärkt. Allerdings wird Dr. Hudals irrlichterndes Hervortreten verständlicher, wenn man weiß, wie der katholische Bischof, Rektor der Deutschen National- - Stiftung der Anima (Rom) die Zusammenhänge der Weltanschauung Nietzsches mit jener des Bolschewismus konstruiert. In einem Vortrag in Rom führte Dr. Hudal aus, daß die beiden Bolschewiken Lenin und Stalin als ideale Typen des von Nietzsche gepredigten gottlosen und christentumfeindlichen Uebermenschen erscheinen. Es sei deshalb unrichtig, den Bolschewismus nur als Erzeugnis der russischen Seele erklären zu wollen; der Bolschewismus sei vielmehr als der Einbruch der geistigen Dekadenz Europas in die russische Geschichte anzusehen. Bis hieher läßt sich mit Bischof Hudal diskutieren; vornehmlich in der Richtung, daß eben dieser Nietzsche, den der deutsche Nationalsozialismus jetzt für sich reklamiert, die bolschewistische Umwälzung gefördert habe. Aber Bischof Hudal wagt sich bei dieser Gelegenheit mit der Behauptung hervor, daß der Bolschewismus nicht als geistiges Eigentum des radikalen Judentums gelten könne, also nicht als das, wofür Dr. Hudal und seine Gesinnungsgenossen das Judentum bisher verantwortlich gemacht haben. Nicht der Jude ist am russischen Bolschewismus schuld, sondern Nietzsche und seine Anhänger — das ist die jüngste These des Mannes, der in seiner Schrift über den Natinalsozialismus das Judentum mit dem Bolschewismus identifiziert hat. Ist hier eine Wandlung zu erkennen? Oder bereitet Bischof Hudal in Judendingen eine neue Ueber- Jraschung vor.?. Anleihe * Wirtschaftserneuerung Im Vertrauen auf . seine Krä|t, auf seine historische Mission und schließlich auf seine moralische Verpflichtung geht Oesterreich daran, den Weg zu beschreiten, der nach all den schweren und hoffnungsarmen Jahren aufwärts führt. Die Welt steht im Zeichen enormer Rüstung und niemand weiß, wo dieser Zustand enden wird. Inmitten latenter weltpolitischer Krisen baut Oesterreich sich seine Zukunft. Die Investitionsanleihe, deren Zeichnung soeben begonnen hat, gehört zu den Fundamenten dieser Zukunft. Darum muß jeder, der sich an das Schicksal Oesterreichs gebunden fühlt, sich positiv und aktiv zu dieser Anleihe stellen. Sie dient der Arbeit. Arbeitsbeschaffung heißt Erneuerung der Wirtschaft, heißt Leben, heißt Vitalität. Die jüdischen Staatsbürger werden jetzt wie bisher nach Kräften ihre Mittel für die Invesütionsanleihe zur Verfügung stellen. Sie erblicken darin eine patriotische Pflicht und tun alles, was zur weiteren Unabhängigkeit ihres Vaterlandes beiträgt. Hier gibt es kein Zögern, kein Rechnen; gerade im Augenblick, wo die unentwegten Unterminierer dös selbständigen Oesterreich mit ihren schäbigen und heimtückischen Methoden wieder zu Attacken ansetzen, werden die Juden Oesterreichs ihren Mann stellen — ohne Rücksicht darauf, wieweit die in Aussicht genommene Arbeitsbeschaffung auch ihnen zugutekomint, aber in der Erwartung1, daß das,' was sie für den Staat leisten, auch ihren Interessen frommt. Denn wer dem Staate gibt, was des Staates ist, hat Anspruch darauf, als vollwertiger Bürger behandelt zu werden und anerkannt zu sein. HistadruthcAtmosphäre Nach einer Meldung der Jüdischen Telegraphenj Agentur (Jerusalem) ist in Tel-Aviv ein Hauseigentümer von einem arabischen Arbeiter überfallen worden. Der Grund dieses Ueberfalls wird nicht angegeben, aber das Gerücht wird verzeichnet, daß der proletarische Araber von der „Histadruth", der sozialdemokratischen Arbeitergewerkschaft Palästinas, gegen den jüdischen Hausherrn, den „Kapitalisten", auf- Oster-Sonderfahrt4.»>> | ------uncCZERNOWITZl Abfuhrt: 24. MHrz 1037 IKostei POLEN Auskunft und Aomeldungen ähsbi Reisebüro vMarfeT^ i Wien i, Rotentumutr 2* *ele#rjön R-24-2<86/87 J gehetzt worden sei. Die „Histadruth" bestreitet, an dem Vorfall schuld*zu sein. Der Hausherr, der „jüdische Kapitalist", hinwiederum behauptet, daß der Ueberfall im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen! revisionistischen und : Histadruth - Arbeitern stehe, in welchem, er sich auf die Seite der Revisionisten gestellt-habe. Es ist grauenvoll, sich vorstellen zu müssen, daß die Histadruth in ihrer marxistisch-antikapitalistischen „Konsequenz" sich auch eines Arabers gegen den „jüdischen Kapitalisten" bedient. Wir sträuben uns, dies zu glauben — im Bewußtsein der Tatsache, daß die Histadruth schon seit Jahren in Palästina ein terroristisches Regime gegenüber ihren revisionistischen Genossen und den Unternehmer führt. UeksiontikskiH-Smtnewtf Es scheint sich hier um ein bloßes Gerücht zu handeln. Aber wie weit muß die Spannung gediehen sein,- wenn solch ein Gerücht aufkommen kann! Wie sehr muß die Atmosphäre vergiftet sein, wenn immer wieder Konflikte mit blutigen Folgen-ausbrechen! Oder hat die „Histadruth" als Trabantin der linken Exekutive jedes Maß.für Recht und Unrecht verloren und glaubt, sich' alles erlauben zu dürfen f Purimo Botschaft des Präsidenten Roosevelt Aus Washington (J. T. A.): Der Präsident der Vereinigten Staaten, Franklin D. Roosevelt, der aus Anlaß jedes jüdischen Neujahrsfestes (Rosch haschanah) eine Glückwunschbotschaft an die Juden der Vereinigten Staaten ergehen läßt, hat in diesem Jahre zum ersten Male, auch das Purim-Fest zum Anlaß genommen, die Juden Amerikas zu begrüßen. Er ließ durch das Radio die folgende Botschaft verbreiten : „Das Gedenken au die wunderbare Erlösung des) jüdischen Volkes aus der Gefahr der Vernichtung, mit der es vor so vielen Jahrhunderten ein Hainau bedroht hatte, sollte in den Juden von heute den Glauben an die Zukunft stärken. Das Bewußtsein des strahlenden Erbes, das ihnen zuteil wurde, möge ihr Selbstbewußtsein erhöhen." Man wertet diese Botschaft des Präsidenten Roosevelt als eine besondere, auf das große jüdische Uaglüc.kJ&der.Gegen.w.art hindeutende Geste. Ri'shon le Zion nur dieser Name bürgt für Echtheit und GUte beim Einkauf von Palästina.Wein Autorisierter Alleinverkauf: GUSTAV WILDER Wien IV, Rainergasse 31, Telephon \}'A!'A'M Aus Ungarn Auch in Debrecen Aus Budapest: Nach Budapest und Pees (Fünfkirchen) kam es nun auch in der dritten Universitätsstadt Ungarns, Debrecen, zu scharfen antisemitischen Demonstrationen der christlichen Studentenschaft. Im Zentralgebäude der Universität zwangen achtzig Hörer der Wirtschaftsakademie, die jüdischen Hörer zum Verlassen des Gebäudes. Dann zogen die Studenten vor die Klinik und das chemische Institut und wiederholten die antisemitischen Kundgebungen. Als am Abend der Autor des.,. Schauspiels, „Der stumme Ritter" Eugen H e 11 a i, der jüdischer Abstammung ist, zur 25. Vorführung dieses Stückes nach Debrecen kam, zogen größere Studentengruppen vor den Bahnhof und vei-anstalteten dort und,, in den angrenzenden. Straßen antisemitische Demonstrationen. Der brave Rektor Aus P€cs: In einer Versammlung der christlichen; Studenten, der auch Rektor Dr. Emmerich D a m b r o szky beiwohnte, verlas der Rechtshörer Lonecz das an den Senat gerichtete Memorandum, wonach an der medi- Zu verkaufen große, besteingeführte Buchhandlung u. Leihbibliothek Reichhaltiges Sortimentslager, 16.000 Leihbändo moderner Literatur, 450 Abonnenten, 2 Konzessionen, sehr großes mietergeschütztes Lokal, 2 große Schaufenster, langjähriger, grundbücherlich einverleibter Bestandvertrag, in bester Lage der Hauptstraße eines inneren Bezirkes, Stadtnähe. Eventuell mittätige Beteiligung« Zuschriften unter „Aus persönlichen Gründen" an die Expedition d. Blattes zlnischen und philosophischen Fakultät die Zahl der jüdischen Hörer den Numerus clausus übersteige. Von der Universität wurde ein Garantiebrief gefordert» daß der Numerus clausus eingehalten werde. Ferner wurde verlängt, daß die von Juden im Ausland erworbenen Diplome nicht nostrifiziert werden. Der Rektor erklärte, daß die Nichteinhaltung des Numerus clausus an der Pßcser Universität ein Vor-» Säumnis sei, das auf Jahre zurückreiche. Er vorsprach, dem Senat anläßlich seiner nächsten Sitzung im März! das Memorandum zu unterbreiten, samt dem Zusatzantrag eines Hörers der Medizin, an der Universität keine Juden zu immatrikulieren, bis sich die Verhältniszahl der Juden an den einzelnen Fakultäton nicht auf fünf Prozent gesenkt habe. Die Erklärung des Rektors wurde mit Begeisterung begrüßt. Wichtige Mitteilung für PalästinazTouristen Bei den von Trlcst abgehenden Schiffen der italic nlMvheu Linien Ist auch in diesem Frühjahr wieder eine starke Nachfrage nach Palästina zu beobachten, Es ist daher wichtig, »ich rechtzeitig Plätze zu sichern. Neben den ständigen. Abfahrten — jeden Mittwoch' und Jeden zweiten Samstag — wird auf die ermäßigten Gruppenfahrten hingewiesen, dieals „Possach- Relse" am IÖ, März und als „Frühjahrs-Infonnationsreisc" am'18» April ab Wien geführt werden. Gute Plätze und alle Auskünfte: Italienische Schiffahrtsgosellschal'tcn, Wien, I., Kärntnerring ö, Tel. U-47-Ö-60. Palestine Express Vertretung „Reise, büi-o City" Dr. I. H. Körner, Wien, I., Kohlmarkt 84 - -> Tel. U-26-4-29, ' jtf

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