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Die neue Welt · 1937-03-02 · Heft 636 (2.3.1937) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 636 (2.3.1937)
Date
1937-03-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr, 636 vo» 3. Mir? *$3>7 ^.Wgg.WWI, suttr AUS ALLER WELT /buh in Prag - iudenrefae filme Alis Prag: Die FUmverhahdlungen zwischen der Tschechoslowakei und Deutschland sind jetzt zun? Abschluß gelangt, nachdem eine von der Berliner Reichsfilmkammer bereits unterzeichnete Formulierung des Abkommens am Montag auch von der Prager Filmberatungsstelle genehmigt worden ist. Das Abkommen setzt die Höchstzahl der Einfuhr von in Prag erzeugten deutschsprachigen Filmen in Deutschland mit fünf fest und bestimmt, daß für jeden deutschsprachigen Film der Prager Erzeugung, der in Deutschland herausgebracht wird., IS reichsdeutsche Filme in der Tschechoslowakei erscheinen werden, Das „Prager Tagblatt" meldet dazu: „Von den J3arsteUepn und Autoren der tschechoslowakischen Filme wird in dem Abkommen direkt nicht gesprochen, jedoeh heißt es wörtlich, daß „die Rechte der deutschen Zensur" von dem Abkommen nicht herührt werden. Man wird sich also bei Filmen, die in Deutachland aufgeführt werden so^n> an die dortigen Bestiniinungen in dieser Einsieht halten messen..'* D. h., daß Juden von &er Mitarbeit an solchen Filmen, ausgeschlagen werden müssen. Ein Jude -r Generalschat^eistcr von Holland. Aus Amsterdam;%dm Generalschatzmeister der Niederlande, wurde, an, $feäte des zurückgetretenen Doktor L. ftlet), dar früher* Direktor dea Steuer- und Zollwesens in HoUändisch-tndten, B. J. de L e e u w, ernannt. Der neue Generalscha,tä5tt>ejSter ist Jude. Tauf «Welle in Budapest "Aue Budapest: „Egyenlöseg" bringt einen auf» «^enerregenden Artikel: „DiefÜrchterlicheWeile der Uehertritte in Budapest." Danach sind Jm Jahre 1836 in Budapest 1074 (921 in Pest, 158 & Öfen) Uebertritte erfolgt. Fast ohne Ausnahme v;«l'3en äls "Gruna für die Taufe „materieller Vorteil, „Anstellung", „Erlangung einer Position" usw, angeführt. Konstituierung des Berliner «tenieindevorstandes. Aua Berlin: Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde Berlin hat den in seiner letzten Sitzung konstituiert. Zum Geineindevorsitzenden wurde Direktor Heinrich Stahl, zum ersten stellvertretenden Voraitzenden Direktor Georg K a r e s k i und zum zweiten stellvertretenden Vorsitzenden Moritz E o s e n t h..a 1 gewählt. Zwischen Lord Peel und Maestro Toscanini Beliticc*« NotiMii Von B. Weinstein, T«*-Aviv. Am Polen Juden gegen das Budget Vor Abstimmung über das Budget im polnischen Parlament gab der jüdische Deputierte Dr. S o m m e rstein im Namen des Jüdischen Klubs die folgende Erklärung ab: Wir stehen auf dem Boden der Verfassung, derzufolge alle Bürger gleichberechtigt sind und deren Artikel 7 ausdrücklich bestimmt, daß Abstammung, Religion oder Nationalität der Bürger nicht eine Ursache zur Beschränkung ihrer Rechte sein dürfen. Die nunmehr auch in der Regierungsfront aufgekommene Tendenz, die Bürger nach ihrer Religion oder. Nationalität zu differenzieren und danach ihre Bürgerrechte und ihr Recht auf Arbeit und wirtschaftliche Existenz zu bemessen, steht in eklatantem Widerspruch zur Verfassung des polnischen Staates und ist nicht dazu angetan, alle Kräfte der Gesellschaft um die staatlichen Aufgaben zu konzentrieren. Die dreieinhalb Millionen jüdischen Bürger Polens fordern Reoht auf Arbeit und Schutz des Lebens als Bürger und als Angehörige einer nationalen und religiösen Minderheit. Wir verlangen volle Gleichberechtigung. Um gegen die verfassungswidrige Entrechtung und Unterdrückung der Juden zu protestieren, werden wir gegen das Budget stimmen. Der agudistische Deputierte Miuzberg, der dem Jüdischen Klub nicht angehört, erklärte seinerseits, daß er sich der Stimme enthalten werde. Auch er protestierte in bewegten Worten gegen dein neuen offiziellen Kurs der Beschränkung der jüdischen Rechte und der wirtschaftlichen Diskriminierung der jüdischen Bürger. Die neue Begierungspartei will judenrein sein Auf Anfrage von Journalisten im Büro des Obersten Koc, der das neue Regierungslager organisiert» ob man bei Aufnahme von Mitgliedern Unterschiede nach der Religion raachen werde, wurde die Antwort zuteil: „Prinzipiell nicht, aber was die jüdische Religion anbetrifft, müssen wir Unterschiede machen." Auf die zweite Frage, was geschehen werde, wenn eine Organisation, in der auch Juden tätig sind, kollektiv beitreten wolle, wurde geantwortet; „Auch hier werden Vorbehalte gemacht werden müssen."; Die jiddische Tageszeitung „Hajnt" stellt im Leitartikel fest: „Der Schöpfer des neuen Kurses, Oberst Koc, will das polnische Judentum au Bürgern drittel KUsse degradieren,** . 1 Wenn man nach länger Abwesenheit nach Palästina zurückkommt, kann man viel interessantestes Material für verschiedene politische, wissenschaftliche und psychologische Absätze finden. Man bemerkt, wie daß. Gesucht des jischuws sich ändert. Nicht alle Veränderungen können als positive Erscheinungen betrachtet werden. Das tut nichts zur Sache. Auch die negativen Erscheinungen enthalten positive Momente — mag das auch paradox klingen. Und wenn das ein Paradoxon ist, so ist es ein organischer Be"1 ..jj unserer paradoxen Vlfirklichkeit. Alle ^rmmnm nut übertrieben sentunentale^ ^mhn uM mR romantischen Erinnerung kommeft ,UääWni(,n und man kann versch^enc Gespräeh§ hören: Einmal war es eine wir£(idhc palästinensische Famüie und jetzt **ht eUch nur die deutschen Einwanderer an, welche d£ Physiognomie unserer guten und ehrsamen Familie geändert haben. Das ist nicht die einzige Mahnung, die man hört, aber alle zusammen verkleinern, trotz der begrenzten Wahrheit, welche im Jauern dieser Gespräche ifcgt, nicht die. positiv© Bedeutung der Faktoren-, die Kritik ^md Unzufriedenheit hervorrufen. Als ich diesmal vor einigen Wochen nach Palä» stina aurückk&m, befand sich der Jischuw unter dem Einfluß zweier Besuche: der Kgl. Kommission und des Maestro Toscanini. Verbitterte Pessimisten hatten wieder einmal Gelegenheit, auf den „Leiehtsinh" des Jischuws hinzuweisen. Es kommt eine Kgl. Kommission, um über unsere Lebensfragen zu entscheiden, und man .geht herum und wirbelt in Konzerten von Toscanini. Manschen machen große Spesen, auch solche, die kein Recht darauf haben. Das ist Luxus, das beweist, daß der Jischuw nicht ernst ist und die seitens Lord Peels drohenden Gefahren nicht versteht. Nein, man kann mit dieser Einstellung nicht einverstanden sein. Auch in der Erscheinung Toscaninis konnte man die oben erwähnten negativen Momente im veränderten Antlitz des jüdischen Jischuws sehen und fühlen: die snobistische Kaprize, das unappetitliche Parvenütum der Neureichen, das provinzielle Getümmel, das einfache Gedrängsei vor einem berühmten Mann usw. Aber die letzte Zeile, und sie ist die wichtigste und entscheidendste, sagt anders: Die kurze Toscanini-Epoche, der Hafen von Tel- Aviv, die neuen Siedlungen charakterisieren den unbeugsamen Drang des Jischuws, sich Gefahren seitens des Lords oder eines anderen Herrn entgegenzustellen. Das beweist, daß auch die letzten Unruhen nicht vermochten, den Gang des Tages zu unterbrechen. Selbstverständlich kann auf diesem Gebiet eine innere Gefahr entstehen: Die Klänge Toscaninis und die neuen Siedlungen können die politischen Perspektiven vertuschen, können den Jischuw in eine geschlossene territoriale Gruppe ohne weiteren Blick auf die Zukunft verwandeln. Die Gefahr besteht in Palästina, sie v beherrscht, einige Geseilschaftsschichten, sie läßt sich bei verschiedenen politischen Verhandlungen fühlen. Und da muß die Kritik einsetzen., * Die Kgl. Kommission sitzt bereits in London. Auch inden Kreisen der Agency hatte man eine bestimmte negative Einstellung zur ganzen Sache Lbrd Peel. Während der Arbeit der Kommission konnte, man in den Gängen des schönen Gebäudes der Jewish Agency eine sehr populäre Frage hören: Wen „schlachtet" man heute? Heute „schlachtet" man Hoffien und morgen ftuppin — ist das wichtig, wenn die ganze Geschichte mit der. Kgl. Kommission auf einer politischen „Schächt-Absicht" beruht? Das war der allgemeine Eindruck der offenen Sitzungen der Kommission. Was in den geschlossenen Sitzungen los war, Wissfeh wir nicht, richtiger gesagt, hören wir aus verschiedenen Plauderelen und Andeutungen. Ich war einmal bei einer Sitzung anwesend. Ein schweres und unangenehmes Gefühl beherrscht und in solcher Atmosphäre. Die Fragen, die einzelnen Bemerkungen, der vermaledeite Wunsch, uns bei „Lügen" zu erwischen, die böse Gefahr, in einem Netz von Widersprüchen Sich zu verstricken, das gentlemanlike Lächeln, in einigen Momenten der Zorn — all das wirkte schlecht auf die Stimmung sowohl der Zeugen wie der Zuhörer. Aber all das kann nicht die schwache und insbesondere nicht überlegte Vorbereitung der Jewish Agency bei der Zeugenaussage berechtigt machen. Alles fand sich in den zahlreichen Erklärungen und Reden: man hat fleißig die theoretischen Ausführungen vöh Herzl und Nördau, von Pinsker und Achad Haam Über die jüdische Galuth und ihre bittere Wirklichkeit wiederholt, von all den Verfolgungen und Bedrückungen erzählt und von der eisernen Notwendigkeit, einen Platz unter der Sonne zu finden. Man hat die Kommission mit Staatistik und Dokumenten voller Zitate und Entscheidungen überschüttet, obwohl das gänrilch überflüssig war, da Lord Peel und seine Kollegen »Ohr gut vorbereitet waren. Man hat auch einen Ausspruch von Achad Haam über ein geistiges nationales Zentrum zitiert. Unsere offraeUea Zeugen meinte» sogar, daß sie sich in einer VolJksttniveriutät befinden oder Propaganda für Palästina vor einem großen Auditorium treiben. AJles konnte man hören: jüdische Martyriologie, zionistische Positionen in Palästina, Pathetifc und Enthusiasmus, aber die Hauptsache hat gefehlt: Klar und deutlich zu präzisieren, was wir in Palästina machen wollen. We£7i die "Mitglieder der Kgl. Kommission bei verschiedene« Gelegenheiten diese Frage berührten, konnte mäil Seht oft Fabeln, ängstliche Kommentare, Vertegenheitsphr&gett, einfach historische oder biblische Definitionen hören. Matt hat den Hauch des alten politischen Jischuws und nicht der modernen Zeit verspürt. Eine Ausnahme hat's gegeben: Zu unser aller Erstaunen hat just Leonard Stein sachlich gesprochen, ohne jede Zaghaftigkeit, und klare Worte gesagt. Er war der einzige, der keine Angst hatte, Von einem Juden3taat zu sprechen. Vielleicht ist diese Eigenschaft keine rein zionistische, sondern eine juridisch englische, aber die Tatsache selbst bleibt bestehen. Ben Gurion hat ebenfalls versucht, nach der neuen Methode zu sprechen, laut dem „Revisionismus", welcher oft in seinen Worten zu spüren ist. tm Verlauf der letzten zwei Jahre erscheint Ben Gurion auf der zionistischen Tribüne als linker zionistischer Maximalist. Auch diesmal hat er versucht, dem Prinzip des Judenstaats irgend ein mystisches maximalistisches Nationalheim entgegen zu stellen. Nach Ben Gurions Aussage hat Usslschkin in privatem Zirkel erzählt, daß diese Lehre von ihm ausgehe und daß er sie auf einer Sitzung der Jewish Agency unter den Mitgliedern populär gemacht habe. Aber eine schöne Parole für eine Volksversammlung wie „Kibbuz Galujoth" (Sammlung der Golusjuden) kann kein guter Vorschlag für eine Kgl. Kommission sein. Ihre Mitglieder, alte englische Beamte mit großer kolonialer und juridischer Erfahrung,' arbeiten mit politischen wirklichen Kategorien und haben nichts mit Mystik zu tun. Nicht nur diplomierte Oppositionelle, sondern auch loyale zionistische Bürger sind schließlich zur traurigen Ueberzeugung gekommen, daß unsere Zeugenaussagen schwach, ohne politisches Tempo, ohne das erforderliche. Niveau waren. # Das ist der Eindruck der öffentlichen Aeußerungen unserer Zeugen; eine andere und komplizierte Sache ist die geheime Aussage. Da Öffnet sich ein breites Feld für verschiedene Hypothesen. Nach Ablauf einiger Jahre wird der zionistische Historiker sehr interessantes Material betreffs dieser geheimen politischen Verhandlungen besitzen. Die Hauptfiguren dieses Verhandlungsprozesses werden ihre Erinnerungen und Tagebücher veröffentlichen, worauf man ein vollständiges Bild dieses Gegenstandes bekommen wird. Einige Momente allerdings sind heute schon klar, und es ist bei Gott, kein Bruch geheiligter Prinzipien der nichtheüigen Diplomate und der heiligen Disziplinpflichten, wenn man dem Leser diese Momente, erklärt. Man hat über die sogenannte historische Rede Dr. Weizmanns eine Menge gesprochen und geschrieben. Historizität ist ein relativer Begriff, und über relative Begriffe in unserer verrückten relativen Zeit zu diskutieren, ist sehr schwer. Sei's darum: eine historische oder gar eine hyperhistorische Rede. Nicht das ist wichtig. Wichtig sind die Erklärungen Dr.» Weizmanns in den geheimen Sitzungen. Während der Debatte um die Paritätsfrage hat der Präsident, der Zionistischen Organisation versichert, daß er, wenn die Kommission ihm privat die Frage betreffs seiner persönlichen Beziehung zur Parität-».frage stellen würde, er gezwungen sein werde, zu antworten: Privat sei er, der Präsident, für diesen Vorschlag, und laut seinen Informationen stimme die Mehrheit der zionistischen Bewegung für die Parität. Die Vertreter der zionistischen Qeffentlichkeit haben ruhig und kalt diese private Erklärung des nicht privaten Präsidenten aufgenommen. Er hat Mut, Logik und Klarheit bewiesen, er war offen und ehrlich, aber diese persönliche Ehrlichkeit hat der. zionistischen Sache geschadet. Ob die Kgl. Kommission diese Frage an Doktor Weizmann gerichtet hat, wissen wir nicht genau. Man kann es nur vermuten. Wir wissen, daß nicht nur Juden, sondern auch Engländer dieses Projekt lanciert haben, und es scheint uns natürlich, daß eines der Kommissionsmitglieder die Frage gestellt und Doktor Weizmann geantwortet hat. Uebrigens hat Mosche Trade Roth (Vortragskunstlerin), Edmund Mtihlstock (Bariton), Oberkantor Josef Feuer (Jüdische Volkslieder), Bobby Weisser (satirische Vorträge) bestreiten die Akademie des Gesellschaftsabends mit Tanz der Judenstaatapartei, welcher am 13. März um 1/-iD Uhr abends im Festsaal des Hotel des France, I., Schottenring 3, stattfindet. Erstklassige Jazz. Karten zu S 2.—. Telephonische Bestellung unter Nr. A-20-2-78.

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