Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 636 (2.3.1937)
- Date
- 1937-03-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite * DIE NEUE WELT Kr. 836 vom 2. März 1837 VortrefllicH-Mazzoth werden unter Aufgeht 4m ehrw. Orth. Rahbinäts der Israel, J^tUSJftmeiirift Wien, Oberrabbiner Babad, erseugt vaaa r\o)i *on 11*19 öwa omnn Vftrifetflich.Massetfc L brauchen kein* ReMamemärchen, um populär $U werden. Durch ihre au«Hf|t allein führend vor allem anderen, weil sie au« feinstem o gr. Weisemnehl, auf echten SpesJaltehmöfen gebacken sind. Billigkeit trotz prima Qualität, weil keine großen Ausgaben für Reklame und Aufmachung, das Prinzip iet: tätlich frische Vortrefilfch- Mazzoth, Grieß, Mehl, Farwel und Patent (Reibach). Verkaufsaitellen in allen Bezirken Wien«. In der Fabrik kein DetaU-Verkauf, Kosten Sie und Sie sagen: YuireU nur YQrtrqffHqh-Ma?;gthproduktfl in fw$ RUNDSCHAU Kulturausfaiisdi und Arierparagraph Vom Besuch des reichsdeutsehen Außenministers Otto von Neurath in Wien blieben sichtbar swei Dinge zurück: eine unangenehme, zum Teil giftige Pressepolemik und die Einsetzung eines deutschösterreichischen Kulturausschusses. Die Presse« Polemik, bzw. die Empörung der reichsdeutsehen Presse hatte darin ihren Grund, daß die größten Wiener Blätter die nationalsozialistischen Demonstrationen bei der Ankunft Neuraths als einen unbedeutenden Rummel halbwüchsiger Unentwegter bezeichneten, während man im Dritten Reich diesen Rummel als Ausbruch der kochenden nationalbetonten Volksseele Oesterreichs signalisierte. Scheinbar ist beiden Seiten, der reichsdeutsehen und der österreichischen, ein Mißverständnis unterlaufen. Wenn man nämlich die Aspirationen der österreichischen Noch-immer- Nationalsozialisten kennt, wird man zweifellos herausgefunden haben, daß deren Schreie nicht der Freude über Neuraths Anwesenheit in Wien galten, sondern der Empörung darüber, daß eben dieser Neurath (zusammen mit dem Gesandten v. Papen) das Juliabkommen 1936 zustandegebracht habe, welches den radikalen Nazis gegen den Strich geht. Wie immer man dieses Kapitel deutsch-österreichischer Pressefehde beurteilen mag — jedenfalls sind die divergenten Punkte der deutschen und der österreichischen Oesterreich-Politik sichtbar geworden. Und auch der zweite Niederschlag des Neurath- Besuches verspricht nicht bessere Perspektiven. Wie Oesterreich» . das ständisch . gegliederte christliche Dollfuß-Oesterreich, die kulturellen Beziehungen zum germanisch-heidnischen, unter braune Diktatur gestellten Hitler-Deutschland „ausgebaut und vertieft" sehen will, ist ausschließlich Sache unserer kompetenten Faktoren. Unsere Auffassung tendiert nicht dahin, diesem Austausch eine Prognose zu stellen. Da wir aber in Sachen des Films bereits eine — sehr traurige — Erfahrung gemacht haben, der auf österreichischem Boden unter Berliner Druck arisch gemacht wurde, sind wir feinhörig und* feinfühlig in den anderen Belangen geworden, die auf der Tagesordnung der kulturellen Sitzungen stehen. Reichsdeutsche Blätter' informieren uns dahin, daß nunmehr auch Theater-, Buch- und Künstleraustausch zu einem wichtigen Diskussionsthema zwischen den deutschen und österreichischen Vertretern des Kulturausschusses ""erhoben werden. Ins Praktische übersetzt, heißt das soviel wie die Theater- und Buchproduktion und die, Künstlergastspiele Oesterreichs unter deutsches Diktat setzen, derart, daß nunmehr der österreichische Verleger, Theaterdirektor und Impressario an den Arierparagraphen geschnurrt werden soll. Das ist der Paragraphen; geschnürt werden soll. Das ist der Punkt, wo das deutsch-österreichische Kulturabkommen in den Bereich auch rein jüdischer Interessen tritt , Es ist darum notwendig, diesen vom deutschen Reichsaußenminister in die Wege geleiteten Tendenzen das erforderliche Augenmerk zuzuwenden. Leben im arabischen Lager Wie aus Jerusalem gemeldet wird, ist der Groß- , mufti in Begleitung einiger arabischer Notäbem nach Mekka abgereist. Diese Reise hat selbstverständlich politische Bedeutung und die arabische Presse informiert ihre Leser dahin, daß der Großmufti in Arabien' (und später auch in Indien) eine Kampagne gegen die britische Mandatsmacht und gegen die Juden inszenieren' werde. Auch sollen die mohammedanischen Länder, deren Vertreter in Mekka zusammenkommen, Petitionen an den Völkerbund und an England gegen die zionistischen Aspirationen senden... Wie dem auch sei — der Mufti ist rührig und man darf' seine Hetzkampagne nicht unterschätzen. Schon wissen einige arabische Blätter zu melden, daß die Kgl. Kommission ihrem Bericht an die englische Regierung Enunziationen beifügen werde, welche die Teilung Palästinas in einen arabischen und einen jüdischen Teü empfehlen, also eine Kantohierung des Landes, von der schon oft genug die Rede war und die als eine Art Kompromiß angesehen werden könnte. Um Wauchope ist es seit der Anwesenheit des Generals DÜl in Palästina still geworden. Er befindet sich zur Zeit auf Urlaub in London, wo er auch Bericht%erstatten und als Zeuge vor der Kgl. Kommission erscheinen wird. Seine Palästina-Politik hat Mercurbank, In der am 26. Februar abgehaltenen Sitzung des Verwaltungsratea der Mercurbank wurde die Bilanz für das Geschäftsjahr 1936 vorgelegt und genehmigt. Es wurde beschlossen, der Generalversammlung den Antrag zu »teilen, von dem nach Vornahme von entsprechenden Abschreibungen und Rückstellungen verbleibenden Gewinn von S 634.120.32 (193«: S 420.105.59) den Betrag von 6 430.000^- (1985: S 250.000.-r-) zur Dotierung des Reservefonds II zu verwenden und den Best auf neue Rechnung vorzutragen, B ( Schiffbruch erlitten. Er war nicht imstande, das Land vor arabischen Terrorangriffen zu schützen,* er vermochte auch auf wirtschaftspolitischem Gebiet nichts Ersprießliches zu leisten. Zwei Generäle, ihn und Dill, braucht Palästina nicht. Palästina braucht, wie kürzlich Lady Reading schrieb, einen Mann. Da auch General Dill nichts Entscheidendes gegen den neuen Terror unternimmt, kann auch er auf den Ehrentitel „Mann'' keinen Anspruch erheben. Der jüdische Jischuw steht vor schwerer Entscheidung. Seitensprünge Der erste Fall verdient die Bezeichnung „Seitensprung" flicht ganz. Eher wäre es am Platz, zu sagen, daß nach bekannter neudeutscher Manier ein absichtlich begangener Irrtum dem Bramarbasieren eines Berliner Führers dienen soll. Der ,Reichspressechef der nationalsozialistischen Partei, Dr. ptto Dietrich, ein Mann, dessen Wort im ganzen Dritten Reich gehört, gelesen und anerkannt wird, veröffentlicht in Görings „Essener Nationalzeitung" einen Artikel, worin er den nationalsozialistischen Geist und nationalsozialistischen Willen als Faktoren rühmt, welche imstande sind, Deutschland in seinen eigenen Fabriken die Weltrohstoffe zu erobern, und unter diesen Eroberern auch den „Deutschen Haber" anführt, der bekanntlich das Saipetermonopol Chiles durch seine Erfindung (Luftstickstölf) gebrochen hat. Herr Dr. Dietrich läßt den Professor Fritz Haber, den Juden, den nichtarisohen Untermenschen, zum Deutschen avancieren, ohne zu erzählen, daß eben dieses Genie Haber unter dem glorreichen Naziregime aus Deutschland hinausgejagt wurde und gebrochenem Herzens 1934 in der Schweiz starb... Anders steht es um den in Budapest wohnenden Olympiapreisträger Dr. Mezö! Dieser Jude erhielt kürzlich durch einen von Hitler selbst unterschriebenen Erlaß den deutschen Olympia-Orden H. Klasse für seine wertvollen Forschungen über die antiken Olympischen Spiele und soll vielleicht den Beweis erbringen, daß die deutsche Rassentheorie vorläufig noch nicht auf den Sport angewendet wird. Aehnlich steht es um den reichsdeutsehen jüdischen Eishockeyspieler Ball, der vor Jahresfrist wegen Herrn Streichers Anwesenheit aus der deutschen Nationalmannschaft gestrichen wurde, jetzt aber — als Nichtarier — für Deutschlands Farben in London kämpft., . Beide, Herr Dr. Mezö und Herr Ball, haben sich die „Ehre" aufdrängen lassen, vom Hakenkreuz ausgezeichnet zu werden. Herr Ball steht als Reichsdeutscher vielleicht unter Druck, aber daß Herr Doktor Mezö den von Hitler gespendeten Orden angenommen hat, hebt ihn aus der 'im Dritten Reich verpönten Rasse nicht heraus. Je rascher er sich von seinem Optimismus emanzipiert, desto leichter wird er die Enttäuschung ertragen. Noch keinen sah man glücklich enden, der nazistische Gnaden annahm. Was geht in Biro*Bidsdian vor? Aus Stockholm (J. T. A.): Der Vorsitzende der Exekutive des jüdischen autonomen Landes Biro- Bidschan im russischen Fernen Osten, Prof. Liberberg, dem man trotzkistische Gesinnungen nachsagte, ist abgesetzt worden. Später wurde gemeldet, daß Liberberg unter der Beschuldigung, aktiv an der trdtzkistischen Verschwörung beteiligt zu sein, verhaftet wurde. Er wird eine der Hauptfiguren im kommenden dritten Trotzkisten- Prozeß sein. Wie jetzt die Stockholmer Tageszeitung „Dagens Nyheter" aus Moskau berichtet, wurden außer Liberberg mehrere andere führende Persönlichkeiten der „jüdischen Republik" Biro-Bidschan verhaftet. Eine Reihe von ihnen wird des Trotzkismus beschuldigt, andere wieder sollen „eine jüdisch-nationalistische (zionistische) Bewegung ins Leben gerufen und organisiert und mit feindlichen ausländischen Mächten in Verbindung gestanden haben". Zwei der Mitarbeiter Liberbergs, Huberman und Ka11e 1, werden beschuldigt, Sabotagehandlungen für Japan geplant und ausgeführt zu haben. Es bleibt abzuwarten, ob die zahlreichen Verhaftungen jüdischer Persönlichkeiten in Biro-Bidschan sich nicht ungünstig auf die Aufbauarbeit in diesem Lande auswirken werden, bzw. ob nicht nunmehr die günstige Einstellung der führenden Sowjetkreise zu diesem Werk eine Aenderung erfahren wird. Bekanntlich hat T r o t z k i in einem Interview mit einem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur und später mit anderen Journalisten erklärt, daß die von der Stalin-Front ergriffene Vernichtungsaktion gegen die. trotskistische. Bewegung * auch eine scharfe antisemitische Komponente aufweist, Exzesse in Ungarn Au> Budapest: Per Numerus clansuji gegen jüdische Studenten an den ungarischen Hochschulen wird streng gehandhabt. Trotzdem kommen immer wieder Ausschreitungen natiohalistieischer Studenten gegen jüdische Hörer vor. Die Ausschreitungen in Buda« pest und in Fünfkirchen (F6ca) am Montag und am Dienstag setzten sich am Mittwoch mit gesteigerter Heftigkeit fort. In beiden Städten wurden zahlreiche jüdische Hörer schwer verprügelt. In Fünfkirchen kam es naläßlich einer angew sagten Promovierung von drei jüdischen Medizinabsolventen zu scharfen Zusammenstößen. Die jüdischen Doktoranden und die Gäste wurden insultiert und mußten Zuflucht im Büro des Rektorats suchen. Die Doktoranden sahen sich genötigt, sich von der Promotion zurückzuziehen und um einen mehrmonatigen Auf« schub zu bitten. Von der Universität begaben sich Gruppen natlona« listischer Studenten in das Stadtzentrum und versuchten^ jüdische Geschäfte zu demolieren. Als sie hier durch die Polizei an der Fortsetzung des Zerstörungs* Werkes gehindert wurden, begaben sich die Demonstranten zur Synagoge von Fünffcirehen und schlugen: dort die Fenster ein. In Budapest beteiligten sich etwa SO Studenten in den Wandelgängen der Universität an den anüsemltj« sehen Skandalen, Die Universität FünfMrchen geschlossen Aus Budapest: Der Unterrlchtaminister bat dl« Schließung der Universität Fünfkirchen (Pees) an« geordnet. Wie jetzt bekannt wird, wurde dort außer de* Synagoge auch die Rabbinatsschule durch exzedierende nationalistische Studenten beschädigt Die demonstrierenden Studenten in Budapest fei* derten den „Numerus clausus auch im Wirt" schaftsieben". Der Hauptarrangeur der Demon« etrationen, Emmerich Kemeri-Nagy, wurde zu 600 Pengö Geldstrafe oder 60 Tagen Arrest verurteilt. In Budapest herrscht an sämtlichen Fakultäten jetzt Ruhe. Die „Emericana", die Organisation der katholischen Hoch* Schuljugend, die größte Hochschulverbindung des Landes, veröffentlicht eine Erklärung, in der die Beteiligung an solchen Ausschreitungen als unvereinbar mit Geist und Verfassung der „Emericana" verurteilt wird. Die Juden in Rußland zu Pes&ach ohne Mazjwt Aua Paris: Aus Rußland eintreffende Berichte: besagen, daß die religiös gesinnte jüdische Bevölkerung der Sowjetunion tief deprimiert ist darüber, daß dl« Sowjetregierung in diesem Jahre den Jüdischen ßyaagogengemeinden verboten hat, die traditionell vorgeschriebene Mehlart zur Herstellung von Mazzot zu vorwenden oder solches Mehl an Gemeindemitglieder zu liefern. Durch dieses Verbot droht den gesetzestreuen Juden die Gefahr, zum kommenden Pesachfest ohne Mazzot zu bleiben. Die Behörden planen, in staatlichen Oefen Mazzot zu backen, diese würden aber gemäßdein' jüdischen Religionsgesetz zum Genuß in den Pessachtagen ungeeignet sein. Die gesetzestreuen Juden hoffen auf Intervention jüdischer Kreise im Ausland zu ihren, Gunsten. (J. T, A.) Das Letzte ist das Nett'ste.... Alse am 13. Marx in die SopitlensHIe zu „Masken, Künstler und Du" Veranstalter: Juni-Wizo „Mirjam" und „Jüdischer Klub der Jungen" Arrangement : Jüdische Kulturfteile