Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 635 (26.2.1937)
- Date
- 1937-02-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 635 vm 26; Februar i037 wmmm'wm Seite 7 Purim 5697 Heues von JJUetdoc Mutzt Von Dr. Paul Josef Tinewer (Wien-WawchaüK Obwohl die Zeit zwischen dein I. Kongreß und Herais Tod von verschiedenen Forschern genau studiert wurde und eine große Anzahl von Herzls Zeitgenossen ihr Material zur Verfügung stellte, gab ich trotzdem nicht die Hoffnung auf, da und dort unbekannte Aufzeichnungen zu finden. Es galt zunächst festzustellen, wieweit Herzls politische Anknüpfungen im Zusammenhang mit dem Ausbau der Organisation und der Fonds reichten, und selbst die harmlosesten Notizen für diesen Zweck heranzuziehen. Eine persönliche Bekanntschaft mit einer Köchin aus dem judenreichen Wiener Bezirk Leopoldstadt brachte mich in den Besitz zweier 3ehr wichtiger und aufschlußreicher Aufzeichnungen. Sie besitzen kein Datüni, aber aus dem Inhalt ist zu ersehen, daß es«sich um die wichtige Aktionskomiteesitzüng des Jahres 1903 handelt. Die erste Aufzeichnung lautet: „Fühle mich darin sehr beengt. Nicht so viel Stärke anwenden. Da verreise, hat Sache bis 17. Zeit. Th. H." Herzl stand vor dem schweren Entschluß, nochmals nach Konstantinopel zum Sultan zu fahren, hatte aber durch die seinerzeitigen Unterredungen mit dem Großherzog von Baden die Aufgabe, auf die deutschtürkischen Beziehungen Rücksicht zu nehmen. Daher das Gefühl des Beengtseins und der Entschluß, nicht mit ganzer Stärke aufzutreten. Herzl reiste zuerst nach London, von wo er am 9. Jänner zurückkehrte. Zu der Reise nach Konstantinopel kam es bekanntlich nicht mehr. Auf dem zweiten Zettel befindet sich folgender ebenso kurzer wie bedeutungsvoller Text: „Alles für- A. K vorbereitet." Mit welcher Hast der sonst so besonnene Gründer des politischen Zionismus über das Papier gefahren ist! Die Buchstaben liegen' schiefer als sonst, der I-Punkt im Worte „vorbereitet" fehlt, Alles bebt Vor Nervosität - und Gespanntheit. A. K., das Aktionskomitee, machte Üihi giFöiße Sorgen. Mußten doch Ent-. Schlüsse gefaßt iverdfeti, die auch schon für den kommenden Baseler Kongreß bindend waren. Selten stand Herzl vor solch schwerer Entscheidung wie damals. In seinen Tagebüchern findet sich darüber keine Aufzeichnürig. Ein Beweis/' daß Herzl die Angelegenheit für zu wichtig hielt, um sie seinen Tagebüchern anzuvertrauen. Von unserem ,Mitarbeiter Dr. Oskar Resenf e 1 d erhalten .wir •über die beiden Zettel folgende ergän^nde'Ail^m^nkV'' „Was die erste Aufzeichnung anbelangt, sind es die Hemden, die beim ^Waschen eingehen und in denen man sich daher beengt fühlt. Herzl wünscht nicht, daß zuviel Stärke verwendet werde. A. K. bedeutet nicht Aktionskomitee, sondern, Adolf ine Kuchanek, die Putzerei, welche Herzls Wäsche jede vierzehn Tage übernommen hat. ich habe persönlich Frau'Kuchanek, die aus Beneschäu kämmte, gekannt und ähnliche Zettel, von Herzls> Hand,geschrieben, in ihrem Ideinen Putzwäschegeschäft in der Haitzingergasse gesehen. Ihr Söhn arbeitet zur Zeit' als Küchenjunge im Restaurant NeugröschlvEr heißt Arnold Kuchenwirth ,imd ist Gäusaf der illegalen N?' S. D. A. PM 2. Bezirk, Am Tabor." -v<-.-. * (Bei Redaktionsschluß erhalten wir von Herrn Dr. Paul Josef Tinewe.r.idie, Mitteilung, daß er weitere Zettel betreffs A/'.K. (Aktionskomitee, bzw. Adolfine Kuchanek j gefunden habe und uns darüber in einem zweiten, nicht minder sensationellen Aufsatz berichten werde. Ahm. d. Red.) , . Vortrag Diu Jo§ef Ka§tei'n „Charlataherie des Schicksals" Dr. Josef Kastein, der knapp vor seiner Abreise nach.^Palästina noch 366 Vorträge zu absolvieren "■"Hat," , sprach vor einigen Minuten über „Chärlatanerie ' des Schicksals", wobei er sich vornehmlich auf seine bisherigen Vorträge berief. Der bekannte Historiker führte ungefähr folgendes aus: . . . ».Wenn man auf die Wurzel des jüdischen Schicksals, zurückgeht, so, findet man das scheinbar Selbstverständliche wieder unverständlich. Die Problematik der Umwelt gibt dem Schicksal das Schicksalhafte. Psychologisch ist dieser Vorgang genau so faßbar wie unfaßbar. In der schicksalhaften Situation der Galuthjist das. jiicht das ..Entscheidende, ..sondern jenes andere, Schicksalhafte, nicht mehr Galuthmäßige: Der Jude ist Objekt und Subjekt seines Schicksals in der Auseinander- Setzung mit seiner Mentalität. Wären nicht immer wieder aus den Tiefen des Volksbewußtseins die messiänischen Hoffnungen der Galuth-Diaspora-Malchut hervorgebrochen, so hätte man nicht gewußt, daß der Erlösungsgedanke das tragende Element des jüdischen Bewußtseins im Verhältnis der Fiktion zur Wirklichkeit schicksalhaft sein kann. Der Messianismus des „Als öb"- Judehtums ist das Entscheidende für die Wege des Messianismus, die vom Osten nach Westen durch den Chassldlsmus führen. Wir werden rebellisch. Der Begriff 7. bis 13. März 1037 : Technische und Landwirtschaftliche Hesse bis 14: März Luxus- und Gebrauchsartikelmesse 7 Möbelmesse ' ■ - „Gasim Haushalt" / ,<Kuns't fin Handwerk" Textil- und 3ekleidurigsmesse / Wiener Strickmode •: ' TECHNISCHE MESSE . UND; BATJIÄESSE . S^aßenbaumesse ); „per." 'österreichische Bergbau" ,,Wad Öesterreicher erfinden"' / Ausstellung der Qest Tabak-Regie, / Bürobedarfsmesse 7 Papier und Papier- . Verarbeitung / „per Realitäten-Vermittler \ und -Verwalter" , / . 'Gewerbliche Koile]ctiv«Ausstellwigen " ' ]LebensmittelrAusstellung . \ - .' internationale ' AIJTQMpBEL. TJND MOTORRAD AUSSTELLUNG vliandl-;uhd forstwirtschaftUche> Müst^rschau-; mit Sdnderschau »Das-Ringen des Bauerntums tägliche Brot" , " . - ■ Bundesweinkost , ,. MAStVIEHSCHAU: 12; bis' 14. März 1 BEDEUTENDE PAHRPREISERMÄSSIGUNGB^S v WdÄrtäusWelaö'A'S k— bei der Wiener" Mepse-A. G., Wien, VII., MeBÖepalast. — Eintrittskarten (aum einmaligen Besuche der Rotunde & S 2.50 oder des Mesaepalastes a S 2.—) bei den Kassenschaltern des betreffenden Messehauses. Schicksal ist dauernd. Das Wort Schicksal ist interimistisefr. "Die -Melodie Schicksal ist eine Tatsache, sonst nichts'. Wir' wissöÄ litcHt, :öb wir' durch Anerkennung dieser Tatsache gewmfteff'Wär verlieren: 'Denn Gewinn und Verlust sind beide gUtcHi' entscheidend.* -Bs -"wird ge-i; lingen und es wird^,mißlingen.? Wir bleiben. Das ist das Entscheidende. Und das"' ^wirklich Entscheidende: die' Chärlatanerie des, Schicksals arii die Wand,; .an die Mauer, an die doppelte Öasis; des Rationalen und Religiösen, an' die Verschmocktheit der Hörer' und* Leser malen." (Wir machen.darau/ aufmerksam, daß der Vortrag Dr. Kasteins nur mehr 365mäl-wiederholt wird. — Anmerkung der Redaktion.) v!, Aus aller Welt Streichers „Stürmer" beschlagnahmt Aus Nürnberg melden' die „Wiener Neuesten Nachrichten": Julius Streichers Zeitschrift „D e r Stürmer", das Leiborgän des deutschen Reichskanzlers, wurde, nachdem es sechs Tage unbeanstandet in ganz Deutschland aufgelegen war, von der Gestapo beschlagnahmt. Aus gut unterrichteten Kreisen erfahren,, wir,^ daß die Beschlagnähme deswegen erfolgt isti :Weil Julius' Streicher auf einer Seite ' seines Blattes vergaß, „jüdische Rasseschähder" anzuprangern, und auch die Ritualmördlüge zu wehig kraß illustriert war. Die Hitfier-Jugend soll sich sehr abfällig über die konfiszierte Nummer geäußert haben. Neuek vom FranzvIo§ef§'Kai' Die „Jüdische Kulturstelle" teilt mit: Da das „Jüdische Kultürtheater" bisher für ein Jargontheater gehalten worden , war, wurde beschlossen, dem Institut einen neuen Kamen zu geben, damit das Publikum weiß, woran es Ist, und man ständig mit einem Minjan rechnen<kann. Das Theater heißt von nun ab: „Die Zehn Plagen." Zur Ausführung für die nächste Zeit wurden folgende Stücke erworben: „Die Grenze des guten Geschmacks'', „Leicht zu sein ein Regisseur", „Höre nicht, israel'^ „Das TeHerl vom 'Himmel". E. Juba! wurde mit der Leitung der Garderobe, betraut. Bei dieser schweren Aufgabe steht ihm der routinierte Herr Schlesinger, der von nun ab die Antijargonklasslker inszenieren wird, zur Seite. Dr. O. Teller hat beischlössen, der Kulturstelle eine eigene deutschsprachige Chewra Kadischa an- zugljedern. Auch sind §oudervorStelhmgen im Blinden- und: Taubstummenheim geplant. : j Kundgebungen vor dem Reisebüro „City" Aus Wien meldet die J. T. A. unter dem 26. Februar: Gestern in den ersten Abendstunden kam es vor dem Haus Nr. 8 auf dem Kohlmarkt zu stürmischen; Kundgebungen, als der Inhaber des Reisebüros „City",; Dr. H. Körner, aüf der Straße erschien. Dr. körner wurde, obwohl er rasiert war, von der MSnge sofort er- 1 i . .. , > . \ ■ . ° kannt' und. bejubelt. .'Auch, der Herzog von Windsor, der »ich in das genannte ReWebürb begab, wurde von einzelnen Passanten erkannt und gegrüßt. Wie uns aus den Kreise« des Reisebüros „City" mitgeteilt wird, hat der Herzog von Windsor Schiffskarten für sich und seine Begleitung besorgt. Die Reise geht ohne Umsteigen von der Augartenbrücke bis zur Schwedenbrücke. tiludtlicftes. tteutedifatid Aus Berlin wird gemeldet: Die „I-to" (Jüdische territorial-Organisation) wendete sich an die deutsche Reichsregierung mit der Anfrage, wie es um die Auswanderungsmöglichkeiten der Juden aus Deutschland bestellt sei. Die Reichsregierung gab einen optimistischen Bericht, indem sie erklärte, daß eine jüdische Abwanderung nicht aktuell sei, da es noch hinreichend viel Platz in den Konzentrationslagern und auf den Friedhöfen gebe. Letzte Nachrichten aus Palästina Aus Jerusalem meldet J.T. A. u. d. 29. Februar: In einer Nachtsitzung hat das Oberste Arabische Komitee beschlossen, nach London eine Delegation zu schicken, welche der britischen Regierung erklären wird, daß die Araber nichts gegen den Aufenthalt des Oberkommissärs Sir Arthur Wauchope in Palästina einzuwenden haben, falls sich dieser ausschließlich mit Tennis- und Golfspiel beschäftigt. Palcor meldet aus Tel-Aviv: Bei einer Tagung der Mapai (palästinensische sozialistische Arbeiterpartei) kam es zu stürmischen Auseinandersetzungen. Ein Delegierter aus dem Hule-Gebiet verlangte, daß von den nächsten Sammlungen der Zionistischen Organisation nicht die ganzen Beträge an die spanischen Genossen abgeschickt werden sollen. Ein diesbezüglicher Antrag wurde mit überwiegender Majorität abgelehnt. Aus Haifa wird gemeldet: Die letzten, aus Deutschland eingetroffenen Einwanderer sandten an Bronislaw Huberman ein Telegramm, in welchem sie verlangten, daß auch reichsdeutsche, arische Künstler für das Philharmonische Orchester herangezogen, werden, damit die reichsdeutsche National-Ehre nicht geschädigt werde. Bronislaw Huberman versprach, diesen Vorschlag wohlwollend zu erwägen und noch im Jahre 1997 Antwort zu erteilen. Aus TelrAviv wird gemeldet: Leopold Jeß- .n er, de* in der letzten Zeit mehrere klassische Stücke bei der „Habima'- inszenierte,, wurde - vom Wiener Jüdischen Kulturtheater eingeladen, das Foyer vor jeder Vorstellung auszukehren. Frau Chana Rowina trifft demnächst in Wien ein, um beim Leiter des JüiUscheh^KÜiturtheaters Sprachunterricht zu nehmen und hierauf ihre B^Uen in . neuer Auffassung zu studieren. Die „Habima" verspricht sich von diesem Arrangement einen großeu Erfolg. (Schluß des Purim-Teilee.) Filme der Woche (Nachdruck nur mit Genehmigung des Blattes) England: Rembrandt — Bajazzo — Männer sind keine Götter — Dunkle Geschäfte. Frankreich: Schlafwagen Paris—.Toulon — Die schuldige Stimme. Amerika: Skandal in der Oper — Amigo — Fury — Fünflinge geboren — Herrin der Dschungel —. Romeo und Julia — Gefährliche Fracht — Die lieben Verwandten — Mordende Augen — Swing Time — Sturm über England — Drei süße Mädels — Rausch einer Nacht — Razzia im Südexpreß. Filme unter Arierparaqrapli Seine Tochter ist der Peter — Lumpazivagabundus — Unter heißem Himmel — Der Bettelstudent — Burgtheater — Ernte — Das Geheimnis eines alten Hauses — Letzte Grüße von Itfarin — Der Jäger von Fall —, Das Hofkonzert — Die Nacht mit dem Kaiser — Diener lassen bitten — Ritt in die Freiheit — Es geht um mein Leben — Der Mann, von dem man spricht — Premiere — Panzerkreuzer Sebästopol — Fridericus — Sein größter Erfolg — Truxa — Stadt Anatol — Donner, Blitz und Sonnenschein. KINO'PROGRAMME KREUZ-KINO i, Wollzeile l'< Telephon tf-24-2-16 Vorstellungen 4, %6, Vt*. ttIO Razzia imliidexpreß t SHWEPfN A - 49 ' 0 * 60 V.VV,«- '/.«. V,io GITTA ALPAR m Die scltnimse Stimme Musik: Nikolaus Brodszky STAFA, VII MarlahilferstrsBe 120 Telephon B.8S-0-68 Wocwentags ' a, 1. v Uhr VOTIVPARK LXr Währingerstraße , Telephon A-18^341$ tiitiw H», 6, ¥|8, V«10 Ccktadteklt Dunkle Geschäfte SCHAFFfcR VI, Mariahilfef8trafie'3r Telephon B.20-203 >egtnn: Vkk, «/t6, y«»f V*10 Die Heben Verwandten STAN L AUREL U.OLI VIR H ARO Y