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Die neue Welt · 1937-02-26 · Heft 635 (26.2.1937) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 635 (26.2.1937)
Date
1937-02-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 635 vom 26. tfteforuar 193? DIB NEUE WEliT Seite 5 Wissen Sie, warum . . im Haushalt von zehntausenden Wiener Juden zu PESSACtt immer wieder nur „Schmidl-Mazzoth" und Schmidls Ma2zoth-Grieß sowie Mazzoth-Farvel verwendet werden? Weil „Schmidl-Mazzoth" die unter streng orthodoxer Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Babad erzeugt werden, den verwöhntesten Ansprüchen genügen und den nebenstehenden ZEHN GEBOTEN entsprechen. Mvdahqztv Sic die neue., be&ottdm sdttnackUafte Sp&UabnacUe ,H.B/ ut alten testeten Qe*di&fieH! ZENTRALE: N. BRODETZKY II, Leopoldsgaste 43, Tel. A-40-0-90, A-60-2-63, A.48*4*48 Die 10 Gebote: „Schmidl-Mazzoth'' 1. Sind seit mehr als 40 Jahren beliebt. 2. Haben einen besonders feinen Geschmack. 3. Sind sehr leicht verdaulich und bekömmlich. 4. Werden nur aus den feinsten Mehlen erzeugt. 5. Sind hygienisch und in Kaschruth einwandfrei! 6. Werden nach einem besonderen Verfahren hergestellt. 7. Werden in peinlichst reinen Räumen erzeugt! 8. Von Facharbeitern deren Sauberkeit überwacht. 9. Der erstklassige Fachmann und Fabrikant N. Brodetzky. 10. Schmidl-Mazzoth sind garantiert frisch (Erzeugung 1937). .,/CHMIDL"-GRIE/ nur in plombierten Säcken! AUS ALLER WELT Juden und Litauer Aus Kaunas: In einer Ansprache an Vertreter der Presse berührte der litauische Kriegsminister GeneralDirraantas auch die Rolle der Juden im litauischen Freiheitskampf und erklärte, die Juden haben Schulter an Schulter mit den Litauern h-e 1 d i s c h für die Unabhängigkeit Litauens gekämpft, viele Juden seien gefallen, viele andere haben sich in diesen Kämpfen außerorden11 ich ausgezeichnet. Auch heute, im Frieden — fügte der Kriegsminister hinzu —, erfüllen die litauischen Juden in vollstem Maße ihre Pflicht gegenüber der Armee. Die jüdischen Soldaten zeichnen sich durch Ausdauer, Zähigkeit und Kl u gh ei t . aus. Auch der physische Zustand der jüdischen Soldaten ist ein befriedigender, es sind raeist gut gebaute, breitschulterige und kräftige junge Leute. Mehrere von ihnen besuchen die Unteroffizierskurse sowie die Schule zur Ausbildung von Reserveoffizieren. Eine besondere Rolle spielen die jüdischen Militärärzte und die jüdischen Ingenieure und Techniker in der Armee. Der Jude Adolf Blumenthal bekleidet den Posten des Chefs der litauischen Munitionsfabrik. C ©eifrige Arbeiter grauen, itfetüöfe, .ßucferfranfe, hartleibige effen im eigenen ,3ntereffe ba§ bunfle, aromat. GimotlSbrot* ©efir- ..öeqitem: @imon3örotyäcfcf|en in (Stanniol. %w allen guten gemfofiljanblungen unb bieten SBäcfereien *u fiabcn. SDa§ erfte Sörot in &ijgienifcfjer SSerpacfung. ^©imonSbrotfabrif 5ßien»®agran55. Sägl. WtöerW Die Armee, erklärte der Kriegsminister weiter, kennt keinen nationalen oder religiösen Antagonismus; ein Soldat ist dem anderen gleich. Das Zusammenleben zwischen litauischen und jüdischen Soldaten ist ein gutes. Obwohl der kulturelle Standard der jüdischen Rekruten ein bedeutend höherer ist als der der Rekruten anderer Nationalitäten, gibt es keinerlei Antagonismen. Die Juden ihrerseits vervollkommnen sich während des Dienstes in der Kenntnis der litauischen Sprache. Die religiösen Bedürfnisse der jüdischen Soldaten werden durch den Armee-Rabbiner Schnieg befriedigt. Leider ist ein Versorgen aller jüdischen Soldaten mit ritueller Kost infolge ihrer Verteilung auf verschiedene Regimenter nicht möglich, dagegen haben die jüdischen Soldaten an jüdischen Feiertagen dienstfrei. Kriegsminister General Dirmantas schloß: „Die Beziehungen zwischen Litauern und Juden sind durch Generationen freundschaftliche und werden es auch iii Zukunft bleiben; diese Freundschaft ist durch gemeinsame Interessen und durch die traditionelle litauische Toleranz diktiert. Die jüdischen Bürger haben Verständnis für die Bedürfnisse der Landesverteidigung und nehmen entsprechenden Anteil an der Aufbringung der Mittel für den Wehrfonds." Der Präsident der Prager Judengemeinde gestorben* Aus Prag: Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde von Prag (Innere Stadt), Advökat Doktor Maximilian Reiner, ist im 73. Lebensjahr gestorben. Er war einer der Organisatoren und Führer der tschechisch-jüdischen Bewegung, Er schloß sich schon In jungen Jahren der von Dr. Kramaf geführten jungtschechischen Bewegung an. Im Prager Rathaus vertrat er lange Zeit die tschechischen Juden. Auch in der tschechischen Sokolbewegung spielte er eine Rolle. Er wurde 1934 zum .Präsidenten der Gemeinde gewählt. Verfolgung der deutsch-jüdischen Flüchtlinge in Portugal und in Franco-Spanien Aus L i s s a b o ri (J. T. A.): Obwohl die Behörden in Lissabon versichern, daß die ununterbrochen vor Sich gehende Ausweisuhgsaktion gegen die Flüchtlinge aus Deutschland sich nicht direkt gegen die Juden richtet, sind fast ausschließlich Juden von den Ausweisungen betroffen, da sich im reaktionären Portugal deutsche politische Flüchtlinge in den letzten Monaten nicht mehraufgehalten haben. Das Hauptbüro von HICEM in Paris wies die jüdischen Flüchtlingskomitees, in Portugal an, den ausgewiesenen deutsch-jüdischen Familien dazu zu verhelfen, sich nach Frankreich oder. Belgien zubegeben. Mehrere .deutsche Firmen in Lissabon erhielten von Deutschland her die dringende Aufforderung, ihre jü dis ch en An g e s t e 111 e n zu entlassen. Während deutsch-jüdische Flüchtlinge aus Portugal ausgewiesen werden, treffen aus Franco-Spanien immer wieder jü dis ch e Flüchtlinge in Portugal ein. Siel berichten, .'daß die Franco-Regierung ganz unter dem r a s sistischen deutschen Einfluß steht und daß insbesondere auf Grund eines Abkommens zwischen Franco und der deutschen Regierung kein. Jude eine deutsche Firma im nationalistischen Spanien vertreten darf. .Vier jüdische Schriftsteller, im Konzentrationslager. Aus Warschau: Vier bekannte jüdische Journalisten und Schriftsteller sind wegen angeblicher anti- »staatlicher Tätigkeit ins Konzentrationslager Kartuzs Bereza gebracht worden; es sind dies Mark Rakowski, Aaron Wahl, Nissen Tykocinski und Leon Pasternak. Eine Abordnung des jüdischen Sohriftstellerverbandes intervenierte bei der Regierung zugunsten der Inhaftierten. . Judenvnorde in Hitlep-Deui§diiland , Aus Prag: , Die Karlsbader Zeitung „V p 1 k s*. w i 1 i e" veröffentlicht eine Reihe Berichte über das Konzentrationslager Sachsenburg, die von dem früheren Oberkellner des Hotels, „Stadt Leipzig" in Weipert,-Hermann M ann, stammen, der — ohne jemals Sozialdemokrat oder Kommunist gewesen zu sein — in die Hände der Gestapo gefallen war und den Menschlichkeit und Wahrheitsliebe antrieben, seine furchtbaren Erlebnisse zu Protokoll zu geben. Mann, der tschechoslowakischer Staatsangehöriger ist, wurde entlassen, als sich herausstellte, daß, er das Opfer einer Denunziation und gemeiner Privatrache geworden war. Hermann Mann erzählt, wie der jüdische Arzt Dr. Kurt Boas aus Crimmitschau an Händen und Füßen an einen Prügelbock angeschnallt wurde und 25 Stockhiebe erhielt. Stockhiebe sind überhaupt ein ganz alltägliches Strafmittel im Konzentrationslager. Ein anderer Jude, W e r t h e i m aus Meerane in Sachsen, mußte studenlang in einer Kiesgrube auf Unterarmen und Knien über den Schotter kriechen und war dann so mit Wunden bedeckt, daß er mit Blutvergiftung weggeschafft werden, mußte. Bald darauf kam die Meldung von seinem Tode. Hermann Mann schildert auch das beispiellose Martyrium des Redakteurs der „Dresdener Volkszeitung", Sachs, der; buchstäblich zu Tode gequält wurde. Noch jetzt befindet sich in Sachsenburg der Jude Erich J a k o b i, der wiederholt im Bunker fürchterlich geschlagen wurde und der das Lager kaum lebend verlassen wird. Der Jude Baumgarten aus Dresden kam nach seiner Einlieferung ins „Vernehmungszimmer". Am Tage darauf fand Hermann Mann dieses Zimmer in einem grauenhaften Zustand. Alle Wände, die Zimmerdecke und der Fußboden waren über und über mit Blut bespritzt. Aus einem Rohr an der Decke hing eine Kette herab, das Marterinstrument. Tags darauf wurde der Unglückliche den Mithäftlingen vorgeführt: sein Kopf ähnelte einem Fußball und war ganz blau und grün. Von den Augen sah man nur zwei quergeschlitzte Oeffnungen. Beim Entkleiden im Bad bemerkte Mann, daß Baumgarten über und. über mit Menschenkot bedeckt war: die Bestien hatten auf ihm herumgetrampelt, bis ihm der Kot aus dem Leibe trat. — Als man Hermann Mann entließ, sagte ihm der Gestapo-Mann Jähnchen: „Wenn Sie es nach Ihrer Entlassung wagen sollten, uns Schwierigkeiten zu machen, so lassen wir Sie auch in Ihrem Lande wegschießen." * Die Londoner „Times" melden den Tod von Professor Moritz Hey mann, der im Alter von 65 Jahren Selbstmord verübt hat. In einem Münchener Hotel hat er sich aus dem Fenster gestürzt. Heymann war Leiter einer der bekanntesten Münchener Privat-Kunstschulen, die mit Vorliebe auch von englischen Kunststudierenden aufgesucht wurde. Als Jude war er von den Nazis gezwungen worden, seine Schule aufzugeben. Englische Kunstkreise, die ihn als vorzüglichen Kunstlehrer schätzten, sollen bemüht gewesen sein, ihm in London eine neue Kunstschule zu schaffen. Offenbar hatte der 65jährige Mann nicht mehr den Mut zu einer solchen Umstellung seiner Lebensverhältnisse. Verband der ludenstaatszionisten, Sektion Prater, II, ErlafstraBe 5 Samstag, den 27. Februar 1937, findet im Sektionsheim, II., ErlafStraße 5, eine große PURIM-FEIER statt. Mitwirkende: Oberkantor Josef Feuer, Dolli Nachbar, Hilde Dulitzkajo Eugen Hoffmann Tanzkapelle Opermann Beginn %9 Uhr abends Regiebeitrag S 1— Das deutsche Heer - judenrem Aus Berlin: Der Reichsinnenminister und der. Reichskriegsminister haben eine Verordnung erlassen, welche bestimmt, daß jeder Dienstpflichtige von der polizeilichen Meldebehörde über den Begriff „Jude" zu unterrichten ist. , Er hat folgende Erklärung abzügeben: „Mir sind nach sorgfältiger Prüfung keine Umstände bekannt, die die Annahme rechtfertigen könnten, daß ich Jude bin. Ueber den Begriff des Juden bin ich unterrichtet worden. Mir ist bekannt, daß ich die sofortige Entlassung aus dem Reichsarbeitsdienst und dem aktiven Wehrdienst zu gewärtigen habe, falls diese Erklärung sich als unrichtig erweisen sollte." »Wird die Erklärung abgegeben, so kann angenommen werden, daß der Dienstpflichtige nicht Jude ist. Wird eine solche Erklärung nicht abgegeben, so hat der. Dienstpflichtige den Abstammungsnachweis durch Vorlage der Heirats- oder Geburtsurkunden der Eltern, in Zweifelsfällen auch derjenigen der Großeltern zu führen. Das gleiche gilt, wenn Tatsachen bekannt sind, die für eine andere als von dem Dienstpflichtigen behauptete Abstammung sprechen. Der Dienstpflichtige kann, bis der Abstammungsnachweis erbracht ist, zum aktiven Wehrdienst und Reichsarbeitsdienst herangezogen werden. Die Kreispolizeibehörde kann von Amts wegen Ermittlungen über seine Abstammung anstellen und, falls sie erfolglos bleiben, ein Gutachten der Reichsstelle für Sippenforschung einholen. Vortrag Prof. Max Eislers. Der Misrachi-Landesverband und Jugendzentraie veranstalten Samstag, den 27. d. M., präzise ^-9 Uhr abends, in ihrem Heim, Wien, IL, Praterstraße 60, einen großen Festabend, an dem Universitätsprofessor Dr. Max Eisler über das Thema: „Palästina-Reise — ein Kultur bericht" sprechen wird. (Mit Lichtbildern.) Gäste herzlichst willkommen. Samstag, den 27; ds., im Festsaal des Hotel Continental Purim-Redoute mit großer Mitternachsakademie des Vereines „Mathilde" zugunsten jüdischer Schul-« kinder. — Restliche Karten ä S 2.— an der Kassa erhältlich. Beginn halb 9 Uhr abends. VERBAND DER JÜPENSTAATSZIQNISTEN ÖSTERREICHS # SEKT,: IX-XVIII-XIX Samstag, 13. März 1937, V39 Uhr abds. Aa*j>äß**L*J)tcAßAi+*l mJl j . im HOTEL DE FRANCE, l( Scholtenring 3 ^^tXMfHUftOW madtmie Uhdlcuvz Mitwirkend: Trude Roth (Vortragskünstlerin) Edmund MUhlstock (Bariton)! Erstklassige Jasx llllllillllllllllllllllllll Oberkantor Josef Feilet (Jüdische Volkslieder) Bobby Weisser (Satirische Vorträge) Kurten h % 3,- in allen »Solcttouon des Verbandes der JudenslaiUszionistcji erhältlich •) Tel, Bestellungen Unter A*20-2'78 erbeten

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