Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 635 (26.2.1937)
- Date
- 1937-02-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2711613-2712245-2712260--6333-2720070- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Ankara 1× ep/1044026
- Manoah 1× ep/1005864
- Safed 1× ep/1046078
OCR text
Nr. 635 vom 26. Februar 1937 DIE NEUE WELT feite 3 //Gesellschaftsspiel" — Deutsches Volkstheater Es ist eine Kunst, Damen, Insbesondere aber Schauspielerinnen, die auf der Bühne agieren, schick und vornehm anzuziehen. Noch verdienstvoller aber ist es, Schauspielerinnen, die MUtterrollen geben, elegant anzuziehen und ihnen durch die Kleidung jugendlichen Scharm zu verleihen. Diese Kunst des Hauses Ida Reich & Bruder bewundert man an Frau Terwin-Moissis schwarzem stilvollem, mit feiner Spitze raffiniert durchbrochenem Bridgekleid. Entzückend die Bartoilette: ein prunefarbenes Samtensemble mit Chinchilla. Besonders jugendlich wirkt ein hochmodernes grauschwarzes Tailleur. Die Toiletten der Frau Terwin*Moissi von* IDA REICH & BRUDER VI, MARIAHILFERSTRASSE 39 (VodteKtäeQd Palästina-Touristik Wenn es auch nicht zu erreichen war, daß die palästinensische Regierung eine ernste Propaganda für Palästina-Touristik entfaltet, so haben die jüdischen Institutionen jedenfalls durch alle ihre Vertreter in der Golah immer wieder auf den Wert, die Bedeutung und die Vorzüge einer Palästina-Reise hingewiesen. Dr. W. Bloch, Tel-Aviv. Die wahre Renaissance Renaissance des Volkes] kann nur dann zur voll' . kommenen Renaissance werden, wenn jedes Individuum im Volke denkt, daß es das erste ist, das dieser . Renaissance bedarf. Joschua Manoach, Daganja (Palästina). Offizieller Optimismus Wir stehen in einer Zeit aufsteigender Konjunktur. Ausländische Juden, die in Palästina Geld haben, finden jetzt günstige Gelegenheit, sich hier eine Existenz aufzu~ bauen. Wir stehen an einem Wendepunkt der Weltwirt' 8chaftspolitik und wir dürfen diese Gelegenheit zum Auf' bau Palästinas nicht versäumen. Eine Umwertung der Werte geht in der Handelspolitik vieler Länder und Regierungen vor sich. Viele Positionen werden frei, und manche von ihnen'1*können wir besitzen. Palästina kann jetzt neue Existenzquellen erschließen.. „Haaretz", Februar 1937. Das Rätsel Deutschland Was sich heute in Deutschland'ereignet und vor-; aussichtlich noch ereignen wird, ist keineswegs der Ausbruch vorher ungeahnter Kräfte, Leidenschaften oder Verhältnisse, sondern die folgerichtige Auswirkung sowohl politischer wie sittengeschichtlicher Umstände, ■ Gegebenheiten, die auf Jahrtausende zurückreichen, die unergründlich tief im Entwicklungsgeschehen vom Urgermanen- bis zum derzeitigen Deiitschtum unerbittlich " folgerichtig verankert sind. C. A. Loosli, „Umschalten oder Gleichschalten?" „Nur natürlich . ♦ - . ...::awirlegen zu hohen Wert auf .unsere Kultur und unsere Achtung für Gesetz und Ordnung, ohne die kein zivilisierter Staat bestehen kann, als daß wir Gewaltakte und brutale judenfeindliche Ausschreitungen billigen könnten, die die Würde und das., Prestige eines großen Volkes herabdrücken. Andererseits ist es klar, daß der Instinkt kultureller Selbstverteidigung befolgt werden muß, tend es ist nur natürlich, daß die polnische Gesellschaft danach streben soll, wirtschaftlich unabhängig m werden. Der poln. Oberst Koc, Februar 1937 (Warschau). Verfassungsänderung in der Türkei Aus Ankara (J. T. A.): In die türkische Verfassung sind neue, abändernde Bestimmungen eingeführt worden, durch die festgestellt wird, daß alle türkischen Staatsbürger ohne Unterschied Religionsfreiheit genießen. Juden, Griechen, Armenier und Angehörige anderer Bekenntnisse werden in Zukunft in allen staatlichen Angelegenheiten den Türken gleichgestellt sein. Nichtmohammedaner werden künftighin nicht mehr in besonderen Formationen als Nichtkombattanten Dienst tun, sondern in die türkische Armee mit gleichen Beförderungsaus sichten wie die übrigen Soldaten eingereiht werden. Sie können auch zum Dienst Jn Ministerien und anderen Regierungsämtern herangezogen werden. 93 Prozent zurückgewiesen. Aus Johannisburg (J.T.A.): In einer amtlichen Bekanntmachung wird mitgeteilt, daß die südafrikanische Regierung beschlossen habe, im Monat April 1937 .200 Einwanderern, die zum großen Teil Juden sind, die Genehmigung zu vorübergehendem Aufenthalt zu erteilen. Der Einwanderungsausschuß (Immigration Seiection Board), dem Innenminister P. I. Hougenbout, Einwanderungskommissär F. F. Kincaid, ArbeitsminiBter I. L., Walker und der Minister für Handel und Industrie, W. J. Lamont, angehören, hat bisher 93 Prozent der vorliegenden Bewerbungen um Einwanderung und dauernde Niederlassung in der Südafrikanischen Union zurückgewiesen. Eine interessante Statistik Im Tätigkeitsbericht, welcher in der letzten öffentlichen Sitzung des Wiener Kultusvorstandes erstattet wurde, wurde bekanntgegeben: Das Steueramt der Kultusgemeinde hat eine Statistik über die Staatszugehörigkeit der 31.760 Kultuswähler ausgearbeitet, welche bei den Wahlen im November 1936 zur Wahl gingen. Diese Statistik ergibt, daß:- Wähler Prozent Oesterreichische Staatsbürgerschaft 26.430 83,0 Polnische „ 2.343 7,3 Tschechoslow. „ 1.234 3,8 Ungarische „ 607 1,9 Rumänische „ 324 1,0 Reichsdeutsche „ 84 — Jugoslawische „ 47 — Russische „ 46 — Amerikaner ......... 16 — Diverse Nationalitäten..... 71 — Staatenlos sind........> 167 — Die Staatsbürgerschaft ist nicht ersichtlich bei 301 Wählern. * Diese Veröffentlichung macht einem Märchen ein Ende, mit welchem die „Union österreichischer Juden" vor und nach den Wahlen gearbeitet hat:«der Behauptung, daß die „Ausländer" — vor allem die ostjüdischen Ausländer — die Judengemeinde „überflutet", die „Wiener-österreichischen" Juden, welche angeblich geschlossen hinter der „Union" stehen, zurückgedrängt und den Zionisten zum Siege verholfen haben. Mit dem Begriff der jüdischen Solidarität hat sich diese Argumentation der „Union" nie gedeckt. Jetzt ist schwarz auf weiß bewiesen, daß sie auch mit der Wahrheit nichts gemein hat. Der letzte jüdische Beamte. Aus Warschau: Alexander Hafftka, der letzte jüdische höhere Beamte im polnischen Innenministerium und der letzte Beamte in der Regierung überhaupt, ist soeben seines Amtes enthoben worden. Um faföa täglich für Ohr Xind Jeff. Orangen sind saftiger PALÄSTINENS ISCHES WACHSTUM tkmhßHtm Mr. Douglas D u f f, ein Engländer, lange Zeit hindurch Beamter in der Palästina-Polizei, hat soeben im Londoner Verlag Hodder & Stoughton ein Buchj erscheinen lassen, das er „Palestine Picture" betitelt. Er verzeichnet Gedanken und Erinnerungen, schreibt Erlebtes auf, gibt zu verstehen, daß er den heuen jüdischen Geist, der in Palästina herrscht, zu schätzen weiß. Er gibt wieder, was er gesehen und gehört, was er als Polizeibeamter erlebt hat. Einzelnes wirkt erschütternd. Es bestätigt die Tatsache, daß die Mehrzahl der britischen Palästina-Beamten dem zionistischen Aufbau gleichgültig, ja hemmend entgegensteht und sich von den arabischen Argumenten bluffen läßt. Wir geben einige Stellen wieder, die im Zusammenhang mit der Untersuchung der Königlichen Kommission erhöhte Aktualität bekommen haben. //Heilige'' aus dem Jahre 1929 Es war die Zeit der blutigen Augustunruhen. Obwohl die Araber die Angreifer und Terroristen waren, hat die Palästina-Regierung sie milde, quasi mit Glacehandschuhen, behandelt. Man tat alles, um die Araber nicht zu reizen. Im Gefängnis von Akko begrub die britische Polizei in aller Stille gefallene Araber, die ZU PURIM! Palästinensische „Lukraphon"-Aufnahmen Platte Kr. 1114 Erste» jiddisches Volksliederpotpoiirri. Platte Nr. 1136 Ein palästinensisches Volksliederpotpourri. Originalaufnahmen der palästinensischen Volkssängerin CHANNA KIPNIS mit volkstümlicher Orchesterbegleitung unter Leitung von S. Petruschka: Platte Nr. 1130 a) Shlr Hn-Emek, Volkslied. Text: N. Altermann, Musik: D. Samburski. b) Hora Kuma Acha, Volks- ■ tanz. Text: Z. Scheinberg, Musik: S. Postolski. Platte Nr. 1131 a) Olej Begel, pal. Lied. Text: Z. Scheinberg, Musik: M. Seiira. b) Hora Al-tlrah, Volkstanz. Text: B. Harusl. Musik: M. Seiira. Der „Lukraphon-Chor"' und das „Iiiikraphon-Orchester" unter -Leitung von Werner Seelig Baß bringen auf Platte Nr. 1137 a) „Hatikvah"; b) „Techesaknah. Platte Nr. 1140 a) Ich for aheim; b) As der Bebbe EHmelech. Und alle modernen Schlagerplatten im MUSIKHAUS EXCELSIOR, Wien, I., Franz-Josefs-Kai 15. während ihrer Ueberfälle auf Juden von der Polizei getötet worden waren. Man wollte Demonstrationen seitens der nationalistischen Araber während der Begräbnisse vermeiden. Nichtsdestoweniger erschienen Araber vor den Toren des Gefängnisses und verlangten die Herausgabe . der Leichen zur Bestattung nach muselmanischem Ritus, um bei dieser Gelegenheit die gefallenen Terroristen als Heilige und Märtyrer zu feiern. Das Beispiel solch eines Heiligen ist der Araber Fuad Hedschasi, ein Bewohner von Safed. Diesen Mann nahm ein jüdischer Arzt noch als Knaben zu sich, erzog ihn/verschaffte ihm einen Posten im englischen Gesundheitsamt., . Als die Augustunruhen ausbrachen, überfiel Fuad Hedschasi das Haus des Dok-' tors, erschlug ihn und seine Frau, vergewaltigte deren Tochter und raubte das Haus aus. Solche „Heilige" gab es im Gefängnis von Akko. Die Regierung ließ die Araber gewähren und ordnete an, daß die Leichen ausgegraben und den Arabern ausgeliefert werden. Um nicht merken zu lassen, daß die Leichen bereits begraben, waren, mußte die britische Polizei sie waschen' und von Erde reinigen. Alle an den Mordtaten Beteiligten bis auf drei bekamen Strafnachlaß. Der Oberkommissär rügte hart das Vorgehen der Araber, nahm aber seine scharfen Worte wieder zurück. Als die Araber erklärten, daß die Juden die Brutalität der arabischen Terroristen beim Pogrom in Hebron übertrieben hätten, nahm man die jüdischen Leichen aus ihren Gräbern, um zu zeigen, daß es nicht — so arg gewesen sei, obwohl die Leichen voller gräßlicher Wunden waren. Die Regierung erklärte, daß in einem Kampf derlei Verletzungen unvermeidlich seien. In Wirklichkeit gab es in Hebron keinen Kampf, sondern ein blutiges Schlachten und Morden. Schlafende Menschen wurden getötet. Die armen „landlosen" Beduinen In der Kolonie Wadi ChawarIth hatten die. Juden die größten Schwierigkeiten, als . sie die von den Arabern gekauften Böden übernehmen wollten. Eine gewöhnliche Erscheinung im Land. Zuerst wird der Boden um teures Geld verkauft, dann terrorisiert man die Gegend, um einerseits der englischen Verwaltung Schwierigkeit zu machen, andererseits von den Juden Geld zu erpressen. Im Hintergrund % steht die extremnationalistische Partei, welche die Beduinen aufhetzt, üyien alle möglichen Versprechungen macht und die Juden selbst zwingen will, auch den schlechten, unkultivierteren Nachbarboden bei den Effendis zu kaufen. Obwohl die Beduinen Regierungsboden in der unmittelbaren Nachbarschaft zugewiesen erhielten, wollten sie vom verkauften Boden nicht weichen und mußten von der Polizei mit Gewalt weggetrieben werden. Das. kam den arabischen Hetzern sehr gelegen. Sie verbreiteten nämlich die Legende, daß die Juden die armen Beduinen von ihren Feldern vertreiben. „Es gibt keine größere Lüge", schreibt Duff, „als diese Behauptung. Die Beduinen haben den Bo- Inii« ausländische Hausbesitzer Verwalten ihre 1 WIENER HÄUSER durch behördlich konz. Realitätenkarulei I Dr. M AIR PAIS Ü Wien I, Franz Josets-Kai 1, Tel. R2T.5-3Q H Erstklassige Referenzen!