Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 635 (26.2.1937)
- Date
- 1937-02-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite, .2 DI&NEUE WELT Nr. 635 vom 26. £ebruar 1937 zuführen, daß die Araber genötigt waren, eine glänzende Kundgebung zur Aufrechterhaltung ihrer Unabhängigkeit zw veranstalten. Hätte man in Palästina einen Legislative Council geschaffen, darin hätte es keine Unruhen gegeben. In seinem Schlußwort führte Kolonienminister Ormsby-Gore aus: Ich halte es für klug, mit Aeüßerungen über die Politik in Palästina z u r ü c k z u ft a 11 e n, bis uns der Bericht der Königlichen Kölnmission vorliegt. Colonel Wedgwood scheine zu glauben, daß Truppen überflüssig seien, wenn sie nicht eine Meitze Menschen töten. Die Truppen hätten aber das Ziel, tim derentwillen sie entsandt wurden, erreicht. Am 12.. Oktober war der Streik - beendet Die Verbrechen haben zwar nicht vollkommen aufgehört, aber Sie sind viel weniger geworden. - - ~ - Der Minister fügte hinzu, daß seit längerer Zeit, besonders im vergangenen Jahre, viel Waffen und Munition nach Palästina eing jschmuggelt wurden. Es sei schwierig, die Verstecke zu finden. Wedgwood:, Vergleicht der Minister Waffenbesitz von Leuten, die ihr Leben verteidigen, mit demjenigen von Menschen, die sie zu M o r d b e n ü t z e n? Ormsby-Gore: Ich werde eine: so unkluge Frage nicht beantworten; ich würde damit nur Schaden stiften. Es gibt eine erhebliche Menge Waffen auf beiden Seiten. Ruhe in Tiberias Trumpeldor-Feiern verboten Aus Jerusalem wird gemeldet:.Die Unruhen in Tiberias haben nicht nur in jüdischen, sondern auch in gemäßigten arabischen Kreisen Sorge geweckt. Man verlangt von der Regierung energische Vorkehrungen, damit sich solche Vorkommnisse nicht wiederholen. Der Gemeinderat von Tiberias, dem jüdische und arabische ■ Stadtverordnete angehören, veröffentlicht einen Aufruf an beide Bevölkerungsteile, den gegenseitigen Boykott einzustellen und Frieden zu halten. Die energische Aktion der Regierung und der Aufruf des Stadtrates haben in Tiberias eine gewisse Entspannung bewirkt. •Die Regierung, hat die, im ganzen Lande für den 11. Adar (•Montag, 22.' Februar J, den Tag]-an,/ dem Josepb Trumpeldor im Jahre 1920 bei.der Verteidigung von, ^Tel-Chaj fiel,' geplant ' gewesenen TVum^eldpr-Feiern sowie die Züge zum Trumpeldör- Grab verboten. Als Gründ des Verbots wird die ge-' spannte Lage im ^usanmienhahg' 'mit' den Tmerfäs- Ünruhen angegeben. Soharfe Kritik der hebräischen. Presse . .Die hebräische Presse . Palästinas verurteüt. scharf die Haltung der Regierung anläßlich der-Unruhen in Tiberias. Insbesondere wird an dem Kommunique, das die Regierung über die Vorfälle ausgegeben "hat, Kritik geübt. Es wird erklärt, das Regierungs- Kommunique habe die Vorfälle entstellt wiedergegeben. Was sich ereignet habe, sei von nicht gefingerer Bedeutung als die letzten Unruhen im Lande. Die Regierung verberge absichtlich die Wahrheit über den hemmungslosen a ra b i s c h e n Boykott und die Aufreizung gegen die Ju den, die bereits wochenlang getrieben werden. "tomo* UteMm - Sehttttetitt? ■ Die „P a 1 e st in e.Po st" wendet sich in einem Leitartikel nachdrücklich gegen, den Versuch, die .Juden als. den „ewigen S ü n d e n b o o k" als Schuldige an den Ausschreitungen festzunageln. Im allgemeinen fordern die jüdischen Zeitungen das Recht der Selbstwehr für die Joden , und weisen den von dem Polizeirichter gegebenen Rat zurück, daß die Juden sich im Falle arabischer Angriffe verborgen halten sollten. Der palästinensische Betar hat an den stellvertretenden High Commissioner, John Hathorn Hall, ein Protesttelegramm gegen das Regierungs-Kommunique über die Vorfälle in Tiberias gerichtet. Widitige Mitteilung für PalästinaiTouristen Bei den von Triest abgehenden Schiffe» der italienischen Linien ist auch in diesem Frühjahr wieder eine starke Nachf rage nach Pa 1 &stina zu beobachten. Es ist daher wichtig,- sich' rechtzeitig Plätze m sichern. Neben den ständigen Abfahrten — jeden Mittwoch nrid jeden zweiten Samstag — wird auf die ermäßigten Gruppenfahrten hingewieseil, die als „Pessach- Reise" am 16. März und als ,,Fruhjalirft>Informationsreise<< am 18. April ab Wien geführt werden. Qpte Plätze und alle Auskünfte: Italienische Sohtffahrtsgesell sc haften, Wien, I„ Kärntnerring 6f Tel. IM7-5-60. Palestlne Express Vertretung „Reisebüro City" Dr. I. H. Körner, Wien, I., Kohlmarkt 8, TeL B „MatHHiie" v«««-m.*-... iwrvin iar B(Ri«iaan| ■ |j ^------------ armer jadlidier lAaifctwdtr PURIN-R Samstag, den 27. Eebruar 1937, um halb 9 Uhr abends, im Festsaale des Hotel ..Continental", II, Taborstraße6 irre Unter dent Ehrenprotektörat Ihrer Ehrwilrdert' Oberräbbiner Dr. J. Taglieht lind Rabbiner; Dn M. Rosenmann ftiit großer MfttdfftÄChtS-Akademie. Es wirken mit: ff*l« JSate! / Christi Olampletro / Hermann Leopoldl^BetJa , MuifcfcJ* / J<>86 Kanya / Adolf Gsrifon / Annemarie Linder / jfcfffiird cf. Godell u. a. / Ttniktpelle Uy n. Max Geifer / «Ht** bitat / ä«MnheitBkonknrMB* / Keift Kostttraiwang Restliche Karten ä S 2.— an der Kassa und im Verein (Caf<5 BUChfblUffl). II. Gr. Sperlgasse 41, Telephon A-43-5-19, erhältlich Präsiden! Roosevelf zum Zionismus Aus Washington: Die J. T. A. hat über die Botschaft des Präsidenten RooSevelt en die Palästina« Konferenz in Washington,, .am 7. Februar, und die Ansprache des Landwirtschaftsrainisters der amerikanischen Regierung Henry. A. Wallace auf der Konferenz telegraphisch berichtet. Nunmehr liegen diese Kundgebungenim Wortlaut vor. Der Brief des Präsidenten Roosevelt lautet: Weißes Hau£ Washington, 6. II. 1937. „Lieber Dr. Wise! Bitte übermitteln Sie den Männern und Frauen, die sich in Washington zu der vom United Palestine Appeal einberufenen Landeskonferenz .für Palästina eingefunden haben, meine, -guten Wünsche. Das amerikanische Volk, stets eifernd für die Sache der men sohl! ch-en Freiheit, hat mit Sympathie und Interesse die Anstrengung der Juden .in Palästina Beobachtet, die Bandü zu ihrem alten Heimatland zu erneuern und die jüdisehe Kultur an . .dem Platze, wo sie jahrhundertelang blühte und von wo sie später in die fernsten Winkel der Walt getragen wurde, wieder aufzurichten. . - , . Ing. Georg ß eöh e f -utid Frau laden alle Ve*- wandten, Freunde und Gesinnungsgenossen zur SOC ItlizWaU iHriisySohies ' tnanfeed yi welche Samstag, den 27. Februar 1937, 9 Uhr vorm., t6nn, Tempel, IX, Mullnergasse, stattfindet, höflichst ein. . Dieses Jahr bringt den zwanzigsten Jahrestag %4er. Baifqiir^Dek^t^ nktes der zeitgenössischen'" Aufbaüafeif": Jüdischen Heimatland; Diese zwei . Jahrzehnte haben ein bemerkenswertes Zeugni» für* die I*e.b e n s k r a f t der j ü d i s1 c h e^n rP,i o ni-frrevto;?Pa4jä&tina abgelegt. Es < sollte' ein Quelle des S fe o bz^e s,,f (ü,r d,i„e jüdischen Bürger der Verei.nig,te§,.t.a,aten sein, daß auch sie an. diesem-vgrpßen Werk, ^. Wiederauflebens und der Wieder^aufriphtung emen.AnteU gehabt haben, Es ist mir eine große Freu.de,. allen, c(ie an ihren Beratungen teilnehmen, meme. .herzliche.n Glückwünsche und meine wärmsten persönlichen Grüße zu senden. . Ihr aufrichtig ergebener-. . . -: . - Franklin' £>. Robsevelt." Das Thema der Ansprache des. Landwirtschaftsministers IJenry A. Wallace lautete: „J.ü d i s c h e Träume , und. amerika;n.is.che.^ Träume." [Der Minister führte aus : Drei Jahrtausende 'hatten die Juden einen Traum und drei Jahrhunderte hätten die Amerikaner einen Traum, und diese beiden Traume sind erstaunlich ähnlic.lij;Träume sind es" ja, 'die einem Volke sein Ziel-geben, Über Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg, und sich schließlich in Taten verwandeln. Der alte Traüm der Juden und der moderne Traum der Amerikaner, beide beziehen sich auf den Frieden, auf Bauern, die ihr Land in Frieden bebauen, auf Bedrückte in Dorf und. Stadt, denen der Weg, zum Aufstieg geebnet wird, auf die Verehrung Gottes in eigener Art. Von allen Kapiteln 4er Bibel ist es das v i e r t e K a p i t e 1 d e s Bu.ches Micha, dem zweiten Kapitel Jesaja so ähnlich, das am eindruckvollsten den Traum versinnbildlicht, der solange das Bewußtsein der Juden als auch der Amerikaner erfüllt That.' Es. ist., die VisiQni'.von'. delr ,ZeitV. ihr der. die Schwerter umgeschmiedet werden zu Pflugscharen und die Speere zu Wmzermessern, Wir dürfen uns aber keiner Täuschung darüber hingeben, schloß der Minister, daß die yisioh des Propheten Micha noch lange nicht erfüllt ist. Noch gibt es Erniedrigte und |BedrÜckte, noch gibt es Kriegsfurcht. Aber in amerikanischen und jüdischen Herzen bleibt die Sehnsucht bestehen, die prophetische Vision der sozialen Gerechtigkeit und Verehrung Gottes" nach dem Trieb des eigenen Gewissens zu verwirklichen. Ein Mann ♦ ♦■• Aus Bukarest wird berichtet: Der berühmte rumänische Historiker und frühere Ministerpräsident P r o t e s s o r N i c o 1 a e J o r g a hat dem Unterrichtsminister Anghelescuin einem Schreiben mitgeteilt, daß er angesichts der Interesselosigkeit der Hörer an wissenschaftlicher Arbeit von der weiteren Ausübung (seines Lehramtes Abstand nehmen müsse. Von 900 inskribierten Hörern der Handelsakademie erscheinen nur 3 0 bei d e n V o r 1 e s u n g, e n, an der Universität ist das Verhältnis ein noch schlimmeres. Die Studenten, meint Prof. Jorga, betreiben Politik und „diktier e n in den höheren Lehranstalten nach den In\t e r e s s e n i h r e r P a r t e i e n". Qleichaeitig riehtete Jorga an die Jugend eine Mahnung, in der er au^ die verheerenden Wirkungen desvgermanischen Nazismus hinweist. Er ermähnt die Jugend, schleunigst Umkehr zu n&ten und sich von falschen Lehren nicht mehr gefangen nehmen zu lassen. Der rumänische Nationalismus, erklärt Jorga, ist ein äeelisghes' Gut eigener Art uöd verträgt nicht fremde Zeichen und Ornamente, welche der nationalen Veranlagung des rumänischen Volkes widersprechen. Wir sind keine Sklaven von äußeren Zeichen, heißt es in der Mahnung weiter, nicht einmal unserer eigenen, um so weniger sympathische sind uns fremde Insignien und Uniformen. Der rumänische Nationalismus ist etwas Starkes, etwas Ideales, in ihm lebt das höchste Recht und das tiefste Empfinden für persönliche und kollektive Freiheit. Der runiänische Nationalismus hat keine Berührungspunkte mit dem germanischen Hitlerismus, der alle Grundsätze des Rechtes, der Menschlichkeit und des, sozialen S tr e b e n s, v e r n i c h t e t Die Jugend müsse sich vor der Infizierung mit den düsteren Lehren des germanischen Nazismus hüten. Das Mahnwort Jorgas an die Jugend schließt mit den Wprten: „Wir dürfen vor Berlin nicht, auf die Knie f allen!" Das „Czernowitzer Morgenblatt" stellt in einem Kommentar zu Jorgas Mahnung fest, daß vielleicht in keinem Lande Mittel- und Osteuropas die deutsche nazistische Propaganda bereits so viel Unheil gestiftet hat, wie gerade in Rumänien. Bezahlte Agitatoren, und uniformierte Söldner der Rassenhysterie und. der Vergötzung der brutalen Gewalt haben es verstanden, Teile der Jugend aus der natürlichen Entwicklung herauszureißen und ihr haßerfüllte Ideologien einzu-i impfen, deren Auswirkung betrübende Formen an* nimmt. Gegen luden-Boykolf ...^Aus.fPr-ag:.Der Beßrer einer Metallscbweißer«! ,in Karolinenthal, Franz KaSpar, verbreitete ün. Juli .1936 in. Prag ein Flugblatt, das die y\LUf;schrift .„Tschechen, kauft nicht bei Juden!" trug unfl dessen Inhalt den Tatbestand nach. § 14, Nr. , 2, de« S c h u t z.g e s e t z e a bildete. Kaöpar. wurde angeklagt. Er hatte in der Voruntersuchung zugegeben, das Flug-* Watt verbreitet zu haben, behauptete aber, es sei nicht in der Absicht geschehen, gegen Bürger jüdischen Bekennt« nisses aufzuwiegeln. Da ihn der Inhalt des Flugblattes interessierte, habe er es an seine Kunden weitergegeben. ™ Restaurant and Selchwaren ™ Unttr Aufiloht d»r Adot Jiirotl (8ohltt»chu! ■ nil LA 7 AD XHIFF AM TSC ASSI 10 ■ WM MI« (Ecke Franz-Hochodllnger-0a«8O)Tel. Selehwiren tut dar Fabrik I. IISIN- Blw- und Wainaussehank. lokalttfltan fQr il 11 Fttt lieh kaltah » _ , ,. Kaspar wurde zu# vierzehn Tagen strengen Arrests und zu 200 tsch. K unbedingt verurteilt. . Aus Oslo: Bin Fall antijüdischen Boykotts ist von einem norwegischen Gericht zugunsten des jüdischen Klägers entschieden worden. Der Besitzer einer- Kleiderfabrik hatte, die Ausführung eines früher von ihm entgegengenommenen Lieferungsauftrages an ein jüdisches Kleidergeschäft mit ,der Begründung verweigert, daß er aus persönlicher Abneigung keine Geschäfte mit Juden machen könne. Dieses Vorgeben ist als ungesetzlich erklärt worden. In. der Entscheidung wird darauf hingewiesen, daß in Norwegen alle Rassen und Nationalitäten vor dem Gesetz gleich seien.. Nationalsozialismus — öffentlicher Feind Nr. 1 Aus London; Im Unterhaus erklärte der Führer der Einheitsfront, Sir Stafford Cripps, im Verlauf der Rüstungsdebatte: „Wir betrachten den Nationalsozialismus und alles, was dieser Name deckt, die Brutalität und die Unterdrückung der Freiheit, als den öffentlichen Feind Nr. 1. Wir haben keinen Streit mit dem deutschen Volk, aber Hitlers' Friedensbekenntni», das sich in einer riesigen Aufrüstung Deutschlands ausdrückt, können wir nicht für echt und ehrlich balten, denn wir sind ja die Zeugen der Hitler scheu Taten während der letzten vier Jahre gewesen!" Vötting Nathan Bislritzky Nathan Bistrltzky spricht Sonntag, den 28. *ds., halb fr Uhr abends, im Heim der Judenstaatszionisten, Wien, n., Erlafstraße 5, über: „Jüdische Renaiss a n c e". Gäste willkommen.