Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1937-02-26 · Heft 635 (26.2.1937) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 635 (26.2.1937)
Date
1937-02-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2711613-2712245-2712260--6331-2720068
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Preis 20 Groschen Irekag/ den 86« Mir Jahrgang Nr« 635 V*b*b* DIE NEUfc "«fc k«Ä> % % Zeitung vom Verleger versendet „Journal expediö par reditenr11 UT R E VU E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty vierteljährig Zloty 4.60; Tschechoslowakei monatlich Ko 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertellährie Dinar 40.—; Bom&nien monatlich Lei 60.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark.l.—, vierteljährig» Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 80.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, * vieiteljährig Lire 14.~j Schweis und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.60, vierteljährig Schweizer Franca 4.50* Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion U.Verwaltung: IX,Universitätsstr.8,7el.A-20'2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag ^S? w^fäti^w^li NACH DER, NOVELLE »ANGST«! VON STEFAN ZWEIG MIT DER. f BERÜHMTEN FRANZÖSISCHEN I KÜNSTLERIN GABY MORLAY i GEORGES RIGAUD-CHARIVANEL I REGIE: W.TOUR4ANSKY ] I M VERLEIH STANDARD-FILM tl OPER.N-1. ELITE-I. i wm^immmSL ,M HL Q< Welk Antisemit : ©der>>' ♦? . . . In der letzten Zeit verspüren auch Menschen, die sich.bisher auf,die Universalität des Geistes als die , letzte Entscheidung in . allen Dingen des Lebens be; riefen,, so etwaswjie eine Ahnung von. der Existenz der Judenfrage. Und da ihnen dap^was wir als das jüdische Schicksal täglich empfinden," innerlich fremd ist, tasten sie peripher an der „Sache herum. Resultate kommen nicht zustande. Erkenntnisse ebensowenig. Höchstens Verwunderung seitens jeher, 'die bis nun des : Glaubens' warfen, daß^b^ispie^sw'eise ein großer "Sctiriftsteller auch'Sinn für' Gerechtigkeit haben• sblltö"Vi'-. H.' G. <W e ris, mit dem-sich.'Alfred Kerr kürzlich inr London unterhielt, wüßte < die ■ drolligsten1, bzw.. die absurdesten' Dinge über 'Judentum1 und' Juden zu sagen. . Kerr fragte ihnj ob er Antisemitsei und bekam eine Weltanschauung, serviert, die so weit 'von den'Tatsachen 'entfernt ist, daß wir; nur'schwer an. den Ewist der Worte des. großen englischen Schriftstellers glauben können. Einige Pikanterien aus dem Gespräch Kerrs, das dieser unter dem :Titel .„Ist H. G.. Wells Antisemit?" veröffentlicht: „Die Juden begehen einen Verhängnisvöllen Irrtum — sie gründen einen Staat in Palästina ... Der Zionismus wird sie noch unglücklicher machen . . . Wir haben genüg kleine Staaten.'Ich wül den Zusammen-, schlüß . aller " Länder. Ich bin genau so gegen dqn Zionismus: wie gegen den britischen. Imperialismus:. ." Es ist nur die Frage, ob Herr Wells seinen Landsleuten und seiner Regierung bei voller Vernunft empfehlen'würde, das Imperium' aufzügeben, das eben einen ZuSammensch1 üß kleiner Länder darstellt, den Herr Wells wünscht. Krasser wird; die Sache, wenn: Herr Wells etwas über die Restituierung des jüdischen Volkes in Palästina sagt: , „Die Juden kommen .nach Palästina, das war bisher ein unbeschriebenes Blatt* und. schon ist der Krach da! Sie reizen die Araber . . ." Herr Wells.macht.sich die Sacjie sehr leicht. Er hat keine Vorstellung vom historischen Prozeß, der sich in unseren Tagen mit dem jüdischen Volk vollzieht, und beginnt im weiteren Gespräch mit Kerr die Phrasen zu wiederholen, die im Dritten Reich zur Motivierung der Ausschaltung der * Juden geführt haben.; Die Juden müßten nicht, sagt er, von England nach Palästina gehen, denn in England hätten sie alles in Händen: Verlag, Film usw. Und schließlich, um sich im Stil Alfred Rosenbergs und der anderen nazistischen Bärenhäuter zu rechtfertigen: „Nein, ich bin nicht Antisemit, aber ... ich bin gegen die Lehre, welche die Juden der Welt gegeben haben. Ich will weg von der Bibel." Wohin Herr Wells will, wenn er von der Bibel wegstrebt, ist nicht ersichtlich. Seine Erklärungen sind, mag man sie noch so wohlwollend betrachten, genau so nebulos wie die Forderung der reichsdeut« schen Neuheiden nach einem artgemäßen Kult. Wären H. G. Wells Worte nichts mehr als das Geplauder eines Einzelgängers in der Welt, könnte man mit einem Lächeln des Bedauerns über die Irrwege eines großen Schriftstellers darüber hinweggehen. Aber sie sind der Reflex der gigantischesten Nazipropaganda, die sich sogar in den'freien1 Hirnen angelsächsischer Die Opfer müssen bezahlen! Große Palästina-Debatte im englischen Parlament Anläßlich einer vom Kolonienminister Ormsby-i Gore beantragten' Abstimmung über die Kosten der militärischen Aktion in Palästina kam es in der Unterhaüssitzung vom 22. Februar zu einer großen Debatte über die gegenwärtige Lage in Palästina. An der Palästina-Regierung wurde scharfe Kritik geübt, weil es ihr nicht gelungen ist, die Unruhen zu verhüten. Es wurde betont, daß mit einem Wiederaufleben der Unruhen gerechnet werden müsse, falls nicht sofort energische Maßnahmen getroffen werden. Minister Ormsby-Goresprach über die Kosten für die großen Truppensendungen nach Palästina anläßlich der Unruhen bis zum Oktober 1936. Diese Kosten würden zum größten Teil von Palästina rückerstattet. Die britische Regierung habe von den Gesamtkosten von 1,10 5.0 0 0 Pf und von Palästina 1,084.410 Pf und z u r ü c ke r h alte n. v Von den Gesamtkosten entfallen 284.000 Pfund auf die B e f ö rde r u n g der Truppen auf 4em Seewege. An zweite" Stelle kommen die Kosten rfür diei'Unte r b rln g'u^ mit 283.00p^Pfund. jFiir K rl e g s v Vr r We* üniSr" "R Vm'o n t e n.....würjäen 153.000 Pfund, für zusätzliche Löhnungen 183.000 Pfund ausgegeben. Man wird verstehen, sagte der Minister, daß die Kosten der jüngsten Unruhen in Palästina eine sehr erhebliche Belastung der Landesfinanzen bedeuten. Palästina hat jedoch in den letzten Jahren einen bedeutenden - Ueberschuß angesammelt und es ist natürlich, daß man unter den gegebenen Umständen von Palästina verlangt, die Differenz zwischen den Kosten der Erhaltung der Truppen hier und der Erhaltung in Palästina zu tragen. Ich kann in diesem Augenblick nicht prophe- .zeien, wie viel Geld im nächsten Jahre notwendig, sein wird, um die Verteidigung Palästinas zu finanzieren, und ob die Kosten, we jetzt, dem palästifinanzieren, und ob die Kosten, wie jetzt, dem palästiob ich dem Hause einen'Ergänzungsetat werde vorlegen müssen. Die 'Araber noch immer bewaffnet Der Abgeordnete Tom Williams erklärte, die ungeheure Ausgabe von über einer M i 11 i o n bedeute eine schwere Last. Ueberschüsse, die zu Zwecken der Erziehung, der Sozialfürsorge, der Verbesserung des- Verkehrs und der allgemeinen Landesentwicklung ausgegeben werden sollten, sollen jetzt zur Deckung dieser Ausgaben verwendet werden. Das bedeute eine schwere Strafe für die loyale jüdische Bevölkerung des Landes, die niemals die Hand gegen die Regierung erhoben habe und mehr oder weniger das Opfer anderer Bevölkerungsteile sei. Sir Percy Harris erklärte: Als die Unruhen im April ausbrachen, waren die Behörden a u sgiebig gewarnt worden; man möchte wünschen, daß sich die Regierung nicht abermals überrumpeln, lasse. Weil man fünf Monate gewartet hat, bevor man eine energische Aktion durchführte, war es notwendig geworden, so bedeutende Kräfte in das Land zu schicken. Der Redner fragte: Ist es wahr, daß die arabischen Banden, wie man mir mitteilt, ihre Waffen behalten durften? Ich erfahre, daß große Teile der Araber noch immer organisiert und mit Waffen und Munition versehen sind, Köpfe einzunisten scheint. Ein nicht ungefährliches Symptom! Oder will Herr Wells vielleicht die Rolle des Herrn, Bernard Shaw übernehmen, dessen Paradoxe nicht mehr ziehen? Oder will Herr Wells vielleicht gar die These populär machen, daß man vom 70. Lebensjahr | an für seine Worte nicht mehr verantwortlich ist? 0, Vi und daß sie Zerstörung und Unruhe im Lande verbreiten können. Sir Percy Harris wies ferner darauf hin, daß noch immer Morde und Terrorakte in Palästina begangen werden. Es heiße, daß die Möglichkeit neuer Unruhen nach der Beendigung der Orangensaison bestehe. Der Minister werde nicht genug deutlich erklären können, daß Gewalt nicht ge-. duldet werden würde. Das jüdische Volk, sagte Sir Percy, ist nach Palästina auf Einladung der britischen Regierung und unter den Auspizien des Völkerbundes gekommen. Ich glaube daher, daß wir dafür verantwortlich sind, daß es nicht dem Terror und den Greueln ausgesetzt wird, zu denen es im vergangenen Jahre gekommen ist. Gewaltanwendung sei eine Tragödie in einem Lande, das den Menschen aller Religionen und Rassen das Heilige Land ist. Der Araberfreund Lord Winterton erklärte, er sei von hohen amtlichen Kreisen in Palästina dahin unterrichtet worden, daß eine der Hauptursachen der Unruhen des vergangenen Jahres die einseitige Stellungnahme eines. Komitees des Unterhauses gewesen sei. Diese habe unter den Arabern V e r z w e if 1 u n g erregt. Er erklärte es für durchaus gerecht-» f e r t i g t', daß die TEinwohner Palästinas dje Ausgaben für zusätzliche Truppen zu tragen haben. Die Schuld der Palästina-Beamten Colonel Wedgwoodwar der Ansicht, daß die Beamten in Palästina fast ständig im Kriege mit dem Parlament liegen. Es sei ihr Widerstand gegen das Parlament, der Verwirrung stifte. Gegen diesen Etat, soweit er Palästina betreffe, habe er einzuwenden, daß das Geid verschwendet worden sei. Er wolle wissen, ob das Militär freie Hand erhalten habe zur Niederwerfung der Unruhen. Der Redner erklärte, daß die Unruhen in viel kürzerer Zeit und mit viel geringeren Kosten hätten unterdrückt werden können, wenn man dem Militär freie Hand gelassen hätte. Der Konservative A. C. C r o s s 1 e y bemerkte, Unruhen in jedem Teil des britischen Reiches müssen niedergeworfen werden. Der Abgeordnete Campbell Stephen, eines der Mitglieder der Unabhängigen Arbeiterpartei, die vor kurzem Palästina besucht haben, widersprach aufs entschiedenste der vom Kolonienminister vertretenen Ansicht, daß eine Frage, die von einer Königlichen Kommission geprüft wird, als in Schwebe zu betrachten sei und daß das Parlament nicht die Ermächtigung habe, über sie zu debattieren. Eine solche Theorie sei vom Parlament niemals gebilligt worden. Der Redner kam auf -seine Beobachtungen in Palästina zu sprechen und stellte fest, daß er überall auf scharfe Kritik an der Haltung der dortigenBehörden gestoßen sei. Die Bevölkerung Palästinas sollte nicht für diese Ausgaben haftbar gemacht werden, denn niemand glaube, daß alle diese Soldaten nur im Zusammenhang mit den Unruhen nach Palästina geschickt worden seien. Sie hätten sich vielmehr dort mit Rücksicht auf die allgemeine Lage des Reiches befunden. (Der Kolonienminister schüttelt verneinend den Kopf.) Zum Schluß protestierte der Abgeordnete nochmals dagegen, daß die Regierung, die sich so schwächlich gezeigt habe, die Kosten, die diese - Haltung verursacht hat, nunmehr auf die Bevölkerung abwälzen wolle. Der Kommunist G a 11 a c h e r protestierte gegen die Annahme, daß die Araber Raufbolde und Banditen seien. Die Unruhen in Palästina seien darauf zurück- Ilmmerklosette, Bidets alle Krankenmabel auch leihweise oder Teilzahlung Bandagen-ftlTholasch TABORSTR. 22 Tel. R-42-Ü-40

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.