Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 634 (23.2.1937)
- Date
- 1937-02-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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#r. 634 vöm 23. Februar 1037 f>!£ tfBÜB WELT S4t*S AUxomUc lliphis der große Bassist der Wiener Staatsoper, der wiederholt in Konzerten vor dem jüdischen Publikum mit sensationellen Erfolgen gesungen hat, gibt über Einladung der Konzertdirektion Dr. Hohenberg am 24. d. einen Arien- und Liederabend im Mozartsaal des Konzerthauses. Der Künstler wird Arien von Bach, Verdi, Moussorgsky singen, Gesänge von Brahms und Grieg sowio eine Gruppe russischer Volkslieder. Die Begleitung hat Rudolf Schwarz mne. Karten sind an der Konzertkasse Dr. Hohenberg, l., Operngebäude, sowie an der Konzerthauskasse erhältlich. Der fall Dr. Löwenherz Erklärung des Zionistischen Klubs des Kultusvorstandcs Vom Zionistischen Klub des Wiener Kultusvorstandes erhalten wir folgende Erklärung: Im Februar 1936 hat der Vorstand der Gemeinde die Ausschreibung der Stelle eines Amtsdirektors verfügt. Herr Dr. Josef Löwenherz, der durch viele Jahre im Vorstand als geschäftsführender Vizepräsident tätig war, hat damals sein Mandat zurückgelegt und sich um diese Stelle beworben. Unter den acht Bewerbern erwies er sich als der weitaus geeignetste und wurde für ein Jahr provisorisch zum Amtsdirektor bestellt. Das Provisorium wurde verfügt, um mit Bücksicht auf die bevorstehenden Neuwahlen der künftigen Majorität nicht vorzugreifen. Die „Union Oesterreichischer Juden" hat bekanntlich diesen Vorgang zum Anlaß genommen, um ihre Vertreter aus dem Vorstand zurückzuziehen, und sie hat in an die kommunalen und staatlichen Behörden gerichteten Beschwerden diese Bestellung als unzulässig bekämpft. Die zuständigen Behörden haben die Beschwerden nach eingehender Prüfung als unbegründet zurückgewiesen. Nun haben die Wahlen, bei welchen die Angelegenheit Dr. Löwenherz im Vordergrund der Agitation stand, eine zionistische Mehrheit erbracht. Damit schien auch die definitive Bestellung des Dr. Löwenherz, der nunmehr ein Jahr hindurch in tadelloser, von niemand — auch nicht von der Union — beanstandeter Art sein schweres Amt aufs erfolgreichste versieht, gesichert. Es ist aber der unglaubliche Fall eingetreten, daß die Gruppe Binjan Haarez (Dr. Sokal, Dr. Bloch, Salem Mayer), ferner die auf der Zionistischen Liste mitgewählten Herren Doktor Plaschkes und Dr. Waldmann und der Vertreter des Adolf-Stand-Klubs, Herr Dr. Kreppel, bisher durch ihre Stellungnahme die definitive Ernennung des Herrn Doktor Löwenherz verhindert haben. Das Blatt der „Union Oesterreichischer Juden*' schreibt in der Nummer vom 12. Februar 1937: „Es handelt sich um ein Prinzip, das Prinzip der Reinhaltung der Personalpolitik der Kultusgemeinde von parteiischen Einflüssen. Die in Frage kommende Person und ihre Qualitäten können dabei fast zur Gänze aus der Diskussion ausgeschaltet werden, nur ihre Rolle als jüdisch-nationale Parteiführer kommt in Betracht." Wir können es der „Union Oesterreichischer Juden" nicht verwehren, diesen Standpunkt einzunehmen. Wir fragen aber die zionistische Oeffentlichkeit: Dürfen zionistische Mandatare der „Union Oesterreichischer Juden" bei der Verhinderung der Bestellung des Dr. Löwenherz zum Amtsdirektor behilflich sein, wiewohl dieser Mann selbst nach der Darstellung der Union kein anderes Verbrechen begangen hat, als der Zionistischen Sache seit vielen Jahren treu gedient zu haben? Angesichts dieses unbegreiflichen Verhaltens einiger zionistischer Mandatare ist es nicht verwunderlieh, wenn in der Oeffentlichkeit die verschiedensten Gerüchte zirkulieren. So schreibt die „Wahrheit", das Organ der „Union", vom 13. Februar 1937: „Die Gerüchte wollen nicht verstummen, daß für' die definitive Anstellung des Dr. Löwenherz die Stimmen der sogenannten kleinen Gruppen durch „Kompensationen" gewonnen werden sollen... Aber daß die Zustimung der „kleinen Gruppen" für die Bestellung des Dr. Löwenherz zum definitiven Amtsdirektor auf Kosten der Kultusgemeinde eingehandelt wird, dagegen würden wir mit den schärfsten Mitteln reagieren." Wir sehen uns veranlaßt, mit aller Entschiedenheit festzustellen: Die Angelegenheit Dr. Löwenherz ist für den Zionistischen Klub kein Objekt von Kompensationen irgend welcher Art. Der Zionistische Klub hat niemanden für seine Stellungnahme in dieser Angelegenheit eine Kompensation eingeräumt oder auch nur angeboten. Er erwartet aber von der zionistischen Oeffentlichkeit, daß diese ihn in seinem Kampf aus sachlichen, menschlichen und zionistischen Erwägungen aufs tatkräftigste unterstützen wird. Der Zionistische Klub des Kultusvorstandes. Das Hilfskomitee des Chajes-Realgymnasiums veranstaltet Mittwoch, den 24. d., um 8 Uhr abends im Militärkasino, I., Schwarzenbergplatz, ihren diesjährigen Gesellschaf tsabend, (Prominente Künstler und Tanz.) Was sollen die reuigen Sünder tun t Von Dr. H. Roscnblum (Tel-Aviv) Es genügt noch nicht, daß ein politisches Programm Bankrott macht, um die Träger und Propagandisten dieses Programms zum Geständnis ihrer Niederlage zu bringen. Eine Menge von ihnen bemüht sich zu beweisen, daß an dem Durchfall nicht sie und ihre Theorie schuld sind, sondern zufällige und nebensächliche Momente, die überhaupt „nicht wichtig" und „nicht maßgebend" sind und wahrscheinlich bald verschwinden werden . . . Und dann werde sich erweisen, daß das Programm nicht nur nicht Schiffbruch erlitten, sondern sogar gesiegt habe! Ein Musterbeispiel für diese Unentwegten ist heute T r o t z k y. Jedes Kind weiß, daß das derzeitige Rußland nicht die Frucht von des großen Stalin Brutalität oder seiner mangelhaften marxistischen Ausbildung ist, sondern ein direktes Resultat der sowjetistischen These, die lehrt, daß man nur nach dem Zuschnitt jener dünnen Herrscherschicht reden und lenken soll, welche heute im Kreml sitzt. Früher, als zu dieser Schicht Lenin und Trotzky gehörten — hat man alle niedergemacht, welche anders dachten als jene zwei, wenn die anderen auch einfache Arbeiter und Bauern waren. Jetzt sitzt Stalin oben — und darum ist es logisch, daß man alle jene erschießt und ermordet, die anders denken als Stalin, Und wenn morgen hoch zu Roß Woroschilow sitzen sollte, wird man diejenigen verfolgen und ausrotten, die wie Stalin denken. Es gibt Wohl hier eine G. P. U. (Geheime Staatspolizei), welche oft unangenehme Eigenschaften an den Tag legt. Und da diese Institution mit ihrer Existenz am selben Tag" begann, als der Bolschewismus die Macht an sich gerissen hat, waren Trotzky und Lenin die ersten, die sich an sie klammerten. Das heißt, daß auch die G. P. U. zum Programm und nicht zu den „nebensächlichen" und „zufälligen" Momenten des Kommunismus gehört. Und wenn Trotzky heute mit Schaüm vor dem Mund über die Grausamkeit der G. P. U. spricht, so hört es sich so an, als würde sich über die G. P. U. der gestürzte Stalin beklagen . . . Und trotzdem läßt Trotzky nicht locker und beweist, mit allen möglichen wunderlichen Argumenten, daß an dem innerrussischen Blutbad nicht der Kommunismus mit seinen Losungen „Raub" und „Mord" schuldig ist, sondern Stalins falsche Auffassung von des Genossen Lenins humanen Prinzipien . . . Auch die nationalsozialistischen Machthaber konnten Trotzky nicht überzeugen, daß das jüdische Volk einen anderen Weg braucht als den, welchen Marx und Lenin vorgeschlagen haben. Genosse Trotzky ist ein hartnäckiger Geselle und spricht im Jahre 1937 genau so wie im Jahre 1905: Die Juden mögen auf den Sozialismus warten — er werde uns mit allem Guten beglücken. Und wenn die Tatsachen gegen des Genossen Trotzky kühne These sprechen — desto schlechter für die Tatsachen! Aber nicht alle sind von solch frecher Kühnheit wie Trotzky. Es freut uns festzustellen, daß gewisse Teile des palästinensischen sozialistischen und kommunistischen Lagers in einer Reihe wichtiger Fragen mit einem offenen Reuebekenntnis herausgerückt sind. Noch einmal hat sich der Grundsatz unserer Weisen bestätigt: Die Luft Palästinas macht weise ... Die palästinensische Oeffentlichkeit steht jetzt unter dem Eindruck von Ben Gurions Geständnis auf der Konferenz der Histadruth. In seinem Referat über die politische Lage im Zionismus hat Ben Gurion zugegeben, daß sein ehemaliges Programm der Schaffung einer arabischen Arbeiterbewegung, um mit ihr freundschaftlich zu koperieren, ein naives und falsches Programm war; eine arabische sozialistische Bewegung, hat Ben Gurion gesagt, wird die erste sein, die den Kampf gegen den Zionismus und gegen die jüdische Einwanderung führen wird. Wenn die kulturell hochstehenden amerikanischen und australischen Arbeiterverbände gegen die Einwanderung „fremder Arbeiter" in ihre Länder gekämpft haben, so ist es klar, daß gegen diese Dinge noch schärfer die fanatisierten arabischen Arbeiterverbände in Palästina kämpfen werden, für welche die sozialistische Arbeitersolidarität noch mehr Theorie ist als in den anderen Ländern. „Ich habe mich geirrt", hat Ben Gurion erklärt, „als ich anders dachte." Und noch ein Geständnis hat Ben Gurion abgelegt: er ist zur Ueberzeugung gekommen, daß das, was die Juden in Palästina wollen, kein „geistiges Zentrum" und kein binationales Heim und kein Kanton und auch kein „garantiertes Minderheitsrecht" ist — die Juden wollen ganz e Inf ach eineneigenen jüdischenStaat. „Und nicht nur ich, sondern auch Genosse Jaari vom Haschomer Hazair (linksradikal« sozialistische Arbeiterjugend) will ihn", hat Ben Gurion dem überraschten und aufgeregten Jaari geständen, welcher im Saal saß. (Jaari hat die Wandlung Ben Gurions nicht mitgemacht und steht heute noch) dort, wo Ben Gurion vor fünf Jahren stand.) Dem heutigen Ben Gurion ist es auch klar, daß eine Klassen- WIE » SCHARLACHROTE BLUME «... ERICH POMMER MONUMENTALE LAA DER. KORDA-PÜ.ODUI UR- UND ALLEINAUFFOHEUNO ' UOTENTUÜM-KINO EIN LON&ON-PH.M PER üNITgft AXTISTS 6EI HHAUSElt. CQt diktatur in Palästina und im Zionismus Gift für den zionistischen Gedanken bedeutet, daß man vielmehr gerade eine Konzentration aller zionistischen und nationalen Elemente des Volkes benötige. Diese Erklärung steht in offenem Gegensatz zum Programm, an da3 sich die „Mapai" (sozialistische Arbeiterpartei in Palästina) 20 Jahre hindurch gehalten, mit welchem' sie in Palästina eine wahre Klassen festung der linken Schichten aufgebaut hat. Und das Publikum, das vor nicht langer Zeit Dr. Chaim Weizmann für sein ge-< lungenes Referat beklatscht hat, worin es hieß, daß die Juden in Palästina nicht die Mehrheit und nicht einen Staat anstreben (Berlin, 1930) und Freude hatte an Jabnielis historischer Deklaration, daß das sozialistische Proletariat Palästinas in kurzem mit seiner eisernen Faust die jüdischen Plantagen nationalisieren und die ganze Bourgeoisie vernichten werde, eben dieses Publikum hat diesmal ruhig und gelassen Ben Gurions Rede angehört und sie nicht gestört. Und ein anderes Geständnis wurde die gleiche Woche von dem hiesigen kommunistischen Organ „Haor" gemacht. Auf der ersten Seite des verehrten Blattes wurde ein Nachruf mit Trauerrand zum Andenken an die erschossenen Genossen in Rußland veröffentlicht. Der Nachruf betonte, daß es sich um die Gründer der Sowjetrepublik handle, die von einer Mörderbande erschossen worden seien, welche den Arbeiterstaat beherrschen. Eine sehr klare Sprache —- ich glaube, daß man von echten Leninisten nicht mehr verlangen kann. Ich glaube auch, daß dieser Charakteristik der Sowjetregierung seitens der, Zeitung „Haor" der Nekrogolist nichts hinzuzufügen haben wird ... Nicht besser als der Nachruf ist das übrige Material der Zeitung. Es handelt sich also um neue kommunistisch-leninistische Bekehrte, die hoffentlich wachsen werden. Man sagt auch, daß die Enttäuschung über die Moskauer Methoden sich nicht nur in den engen Kreisen der kommunistischen „Internationale" verbreitet hat, sondern auch unter den einfachen Genossen, welche hier noch vor kurzem ge». glaubt haben, daß sie mit der Unterstützung der stalinistisch-husseinischen Front dem echten Arbeiterinteresse und der ganzen menschlichen Zivilisation dienen ... Die Luft ist voll von reuigen Bekennern , Es besteht bloß die Frage, ob die Reumütigen reif genug sind, eine verantwortliche Stellung in der jüdischen Oeffentlichkeit einzunehmen. Man kann damit einverstanden sein, daß sie ehrliche Menschen und vielleicht auch laut dem bekannten Ausspruch unserer jüdischen Weisen Märtyrer sind, aber Prophet e n sind sie bestimmt nicht. Das werden sie gewiß selber zugeben . Menschen wie Ben Gurion und seine Freunde, welche eben erst solch eine schwere innere Erschütterung mitgemacht haben, benötigen vor allem eine Rühepause, um ihre Gedanken zu sammeln und einen Ueberblick über die Situation zu bekommen, auf welche sie jetzt mit neuen Augen zu sehen begonnen. haben — auch unsere Freunde vom „Haor" sollten wohl für eine gewisse Zeit ihre komplizierte journalistische Tätigkeit aufgeben und einegewisseZeit verstreichen lassen, bis ihre neuen inneren Erlebnisse sie zu frischen und durchdachten ideologischen Konsequenzen geführt haben. Wir hoffen, daß Jun*en" bieten die originellste und lustigste judische Großveranstaltung für jung und alt „Masken, Künstler und Du" SophiensäEe, Samstag« 13. März Arrangement: Jttdlccli« Kultlirstelle