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Die neue Welt · 1937-02-23 · Heft 634 (23.2.1937) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 634 (23.2.1937)
Date
1937-02-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seit« 2 DIE NEUE WELT Kr. 684 vom 23, flftbtuar 1937 Der Kriegsminister würde wohl beraten sein, t er in Palästina die Judeans wieder aufstellen wollte, Jenseits des Jordans gebe es eine arabische Legion; In Palästina, diesseits des Jordans, sollte es eine jüdische Legion geben, denn ein jüdisches Nationalheim ohne angemessene Mittel zu seiner Verteidigung sei nur eine nationale To des falle. Es würde nicht schwer sein, 20.000 bis 30.000 Mann für diese Legion auszuheben, denn in Palästina wachse ein prächtiger Typ jüdischer Jugend heran, der nicht nur bereit sei, zu dienen, sondern darauf brenne. Colonel Patterson schloß, indem er darauf hinwies, daß schon Disraeli den Wert Palästinas für das britische Reich erkannt hat Es sei zu hoffen, daß Ministerpräsident Baldwin erkennen wird,, wie wichtig es für die Sicherheit des Reiches ist, in Palästina eine freundlich gesinnte und ergebene Bevölkerung zu haben. Und an der freundlichen Gesinnung und der Ergebenheit des jüdischen Volkes gegenüber England könne ni-cht gezweifelt werden. Als letzter Redner sprach Wladimir Jabotinsky. Den Appell Herbert Sidebothams zu innerzionistischem Frieden beantwortete er mit der Feststellung, daß er und seine Freunde jederzeit bereit seien, nach altengiischer Art den Frieden durch eine Round-Table-Konferenz herzustellen. Unser Angebot, sagte Jabotinsky, wurde bereits vor Monaten gemacht; heute wird es wiederholt, und ich werde glücklich sein, wenn eines Tages die Einigung zustande kommt. Jeder Jude, fuhr Jabotinsky fort, empfinde es als Demütigung, daß der Platz, an dem in gewissem. Umfang ein jüdisches Regiment stehen sollte, von unseren Freunden, Engländern, Schottenund Walisern, zum Schaden unseres guten Rufes als Partner der Mandatarverwaltung eingenommen wurde. Er hoffe, daß in einer Stunde der Gefahr für das Reich und die Juden auch ein jüdisches Regiment mit den übrigen ausziehen werde. Der Redner sprach von den großen Enttäuschungen, die die Juden über die Art, wie das Palästina-Versprechen erfüllt wird, zu erleiden hatten. Trotzdem hätten sie das Vertrauen nicht verloren. Denn, so schloß Jabotinsky, ich glaube an die Freiheit und den schließlichen Triumph der Freiheit. Ich glaube an England, England right or wrong, und an den Bruderbund zwischen England und Israel. Unter den Teünehmern am Bankett sah man Viscountess Snowden, die Gattin des früheren Kolonienministers Amery, Lord und Lady Marley, den Abgeordneten Sir Archibald Boyd-Carpenter und seine Gattin, Frau Wegdwood, Lady Chetwode, Frau JabQr. tinsky, Mrs. Blanche Dugdale, den Abgeordneten Major Horace Evelyn Crawfurd, den Vertreter des lettischen Gesandten M. Alberts, Herrn Bujhak von der tschechoslowakischen Gesandtschaft, Herrn Dinancescu von der rumänischen Gesandtschaft, Herrn O. A. Grant als Vertreter des Gesandten von Estland, den Botschaftsrat Graf Michaelowski als Vertreter des polnischen Botschafters Graf Raczynski, den litauischen Geschäftsträger Rabinovicius und Herrn Rux als Vertreter des f r a nz ö s i s c h e n Botschafters. Frankreich für den Zioni§mu§ Zusammenstöße bei Tibevias PAT meldet aus London: Eine Abteilung revisionistischer Jugend marschierte in Uniform durch die Stadt Tiberias in der Richtung der Kolonie Tel Chaj zum Grab Josef Trumpeldors. Als die Gruppe das arabische Viertel passierte, wurde sie mit Steinen beworfen. Es entstand ein gegenseitiger Kampf, bei weichem 30 Juden und 30 Araber Verletzungen davontrugen. Die Polizei mußte intervenieren und schoß zweimal in die streitenden Gruppen. Wieder Ausnahmsiusland in Jerusalem! London, 21. Februar (I.T.A.): „Times" melden, daß auf Grund neuerdings aufflammender Spannungen zwischen Juden und Arabern am 19. Februar wiederum der Ausnahmezustand in Jerusalem ab 19 Uhr abends verhängt worden ist. Verb« «L Judenslaalsn'onisten Oesterreichs Sektion Prater, II., Erlafstraße 5. Dienstag, den 23. ds., halb 9 Uhr abends, BibelvortragBzyklus Rabb. Dr. N. Zicker. — Freitag, den 26. ds., Oneg Schabbat. — Samstag, den 587. da,, Purimfeier, Akademie, Tanz. Eeglebeitrag S 1.—, Sektion XIV/XV, XV., Schanastraße Nr. 32. Dienstag, den 23. ds., halb 9 Uhr abends, Vortrag Dr. Felix Klug. — Sonntag, den 28. ds., 7 Uhr abends, Heimabend. Sektion Brigittenau, XX., Staudingergasse 18. Purimfeier am Mittwoch, den 24. ds., 8 Uhr abend«, Cfcroßes künstlerisches Programm, t— Donnerstag, den 25. ds-, Vortrag. Judenstaatsjugend. Dienstag, den 23. ds., halb 9 Uhr, Plenarversammlung. Brocheinen Pflicht. — Sektion XIV/XV, XV., Schanzstraße 32. Mittwoch, den 24. ds„ halb 9 Uhr .abends, Vortragsabend. Jüdische Jugendliche willkommen. ■ Führung durch die Liebermann-Ausstellung. Die Judenstaatsjugend veranstaltet Sonntag, den 28. ds., eine Führung durch beide Ueberminn-Ausat&Uungen und fachkundiger Führung, Teilnahme nur gegen vorhergehende Anmeldung im Sekretariat, II., Untere Augartenstr. 88 (täglich von 8 bis halb 10 Uhr abends). Kostenbeitrag S 1.—. Treffpunkt 10 Uhr vormittags Lothriugerstraße. Aus Paris: 27 hervorragende Persönlichkeiten der französischen Oeffentlichkeit, unter ihnen der frühere französische Ministerpräsident F1 a n d i n, die ehemaligen Minister und jetzigen Deputierten, bzw. Senatoren Paul Reynaud, deMonzie, Guernut, Kanonikus Desgranges, Senator Dorm an, Deputierter Hymans und General Brissaud- Desmaillet, unterzeichneten einen Aufruf des französischen Komitees zur Verteidigung der Rechte der Juden in Mittel- und Osteuropa, dessen Präsidium Exminister Paul Reynoud innehat, in welchem die Wege einer Zusammenarbeit zwischen Juden und Arabern in Palästina vorgezeichnet werden. Der Appell ist hauptsächlich für die englische öffentliche Meinung bestimmt, er wurde auch der englischen Presse übermittelt und von „Daily Telegraph" und anderen englischen Zeitungen gebracht. In dem Appell wird dargetan, daß die Araber Palästinas aus der jüdischen Einwanderung und der jüdischen Aufbauarbeit Vorteil gezogen haben, daß aber die Gefahr besteht, daß sowohl Juden als auch Araber vom Arbeitsmarkt verdrängt werden, wenn dieser allen Elementen aus den Nachbarländern Palästinas zugänglich gemacht werden würde. Die Bestrebungen der Araber nach Selbständigkeit seien durch die Errichtung der arabischen Staaten bereits verwirklicht worden. Jetzt sei. es an der Zeit, die nach Kriegsende zwischen dem damaligen Emir Feisal, späteren König des Irak, und dem Präsidenten der Zionistischen Organisation Dr. Chaim' Weismann getroffenen Vereinbarungen über Errichtung eines jüdischen Nationalheims in Palästina zu erfüllen. Wir glauben, heißt es dann weiter, daß eine arabische und jüdische Renaissance in Palästina nur in der Atmosphäre enger und aufrichtiger Zusammenarbeit zwischen den beiden das Land bewohnenden Völkern unter dem Schutz Großbritanniens gedeihen kann. Der Abgrund, der sich zwischen Juden und Arabern in Palästina aufgetan hat, geht aus einem ungeheuren Mißverständnis hervor. Zur Beilegung des Konflikts werden u. a. die folgenden Grundsätze aufgestellt: Freiheit des Arbeitsmarktes, Ausbau des öffentlichen Unterrichts, Gleichberechtigung des Arabischen und des Hebräischen als Amtssprache und Zusammenarbeit mit den arabischen Staaten Westasiens. Im Anschluß daran wird die Oeffnung Transjordaniens und anderer arabischer Länder fürjüdischeEinwanderung und Siedlung gefordert. # Die J. T.-A. teilt mit, daß Ministerpräsident Leon Blum bei der Audienz, die er der jüdischen Arbeiterabordnung aus Amerika gewährt hatte, sein lebhaftes Interesse für die Ausbauarbeit in Palästina und seine Sorge über die gegenwärtige Lage in dem Lande bekundet hat. Er sprach die Hoffnung aus, daß die jüdischen Bestrebungen in Palästina, mit denen die französische Regierung sympathisiere, verwirklicht werden würden. Bemerkungen Kein zweitesmal „Hawlaga" In einem längeren Aufsatz beschäftigt sich die Londoner „Times" mit der Frage, wie es möglich gewesen ist, daß die blutigen Unruhen, denen ein arabischer Generalstreik folgte, nicht von Haus aus unterdrückt oder wenigstens nach kurzer Zeit eingedämmt werden konnten. Wollte die Palästina-Regierung nicht? Konnte sie nicht? Warum entschloß sie sich nicht, das Kriegsrecht zu verkünden, obwohl die arabischen Angriffe sich schließlich gegen die Engländer selbst richteten, gegen die englischen bewaffneten Formationen? Nach der Darstellung der, „Times" wird die Kgl. Kommission die Motive dieser Zurückhaltung aufzuklären, das „dunkle Geheimnis" zu lüften haben. Es war im Verlauf der arabischen Revolte die Meinung geäußert worden, daß England im Falle eines raschen und energischen Zugriffs euien offenen antienglischen Aufstand der Araber mit schweren nachbarlichen Komplikationen befürchtet habe und auf diesen Zustand nicht genügend vorbereitet, nicht genügend gerüstet gewesen sei. Auch der abessinische Eroberungsfeldzug Italiens sei nur unter dem Aspekt eines mangelhaft gerüsteten Englands möglich gewesen. Das soll jetzt anders werden. England rüstet in einem nie gedachten Ausmaß und Tempo auf und wird daher auch im Vordem Orient, in Palästina, seine starke Hand zeigen können. Wie der Londoner „Observer" meldet, wurden tausend junge Araber aus Palästina zur militärischen Ausbildung nach dem Irak gebracht, wo sie in der nationalen irakischen Armee ausgebildet und wieder nach Palästina zurückbefördert werden sollen.. Unter diesen Umständen wird die müitärische Ausbildung der jüdischen Jugend Palästinas nicht zu vermeiden sein. „Ob es aber", schreibt ein jüdisches Blatt, „Aufgabe einer Mandatar- Regierung ist, die Vorbereitung eines Bürgerkrieges zu begünstigen, muß bezweifelt werden." Diese Betrachtung ist umso berechtigter, als der arabische Terror neuerdings begonnen und bereits einen bedrohlichen Charakter angenommen hat. Wie immer der Bericht der Kgl. Kommission an die englische Regierung ausfallen mag, so ist der jüdische Jischuw Palästinas berechtigt, zu verlangen, daß die Mandatarmacht sein Leben und Eigentum schütze. Eine zweite^ „Hawlaga", ein zweitesmal Zurückhaltung und Beherrschung kann zugleich von den Juden Palästinas, die bisher schon so große Opfer gebracht haben, nicht erwartet werden. Huberman —- bloß „genügend" Herr Konrad Henlein, der Führer der Sudetendeutschen, hat sich spontan gleichgeschaltet und Sein1 Organ „Die Zeit" versucht, es den reiehsdeutschen Naziblättern gleichzutun. Da Bronislav Huberman seit Installierung des Hitler-Regimes dieses zweimal charakterisiert — und abgelehnt hat,'im Dritten Reich zu konzertieren, sind die Hakenkreuzler aller Länder nicht gut auf ihn zu sprechen. „Die Zeit" (Prag) geht sogar so weit, ihm auch als M u s i k e r eins am Zeug zu flicken. Sie kriegt einen roten Kopf. Huberman spielt in Prag, man bejubelt ihn, ist ihm dankbar, für das große Geschenk an Palästina: Das soeben gegründete philharmonische Orchester, aber die „Zeit" . . . „Bronislav Huberman", schreibt sie im richtigen Nazideutsch, „spielte vor dem gewohnten Publikum.". Sie will, sagen : .„Lauter Juden 1" Qmt, das ist nicht nach ihrem Geschmack. Aber sie erdreistet sich über Huberman, der in der ganzen Welt als großer Musiker, als klassischer Interpret der klassischen Musik gilt, zu schreiben: „Die Wiedergabe des . . . Konzerts von J. S. Bach litt nicht nur unter der rein äußerlich-virtuosen Auffassung des Solisten, der sich Bachschem Geiste noch nie verwandt gezeigt hat, sondern auch unter der mangelnden Uebereinstimmung mit dem Orchester." Also Huberman taugt nicht für Blübb. Er kann als Nichtarier dem Arier Bach nicht nahekommen. Sei's drum! Die Berliner Parolen werden von der Prager „Zeit" hundertprozentig befolgt, bis in die Spalten der Musikkritik hinein. Und da Lächerlichkeit nicht tötet, lebt der Musikkritiker der „Zeit" artgemäß weiter. Die Prager Nazikopisten machen sich die Sache wirklich schwer. Sie gehen in „nichtarische" Konzerte und reißen dann herunter. In Wien ist man bequemer. Die „Wiener Neuesten Nachrichten" beispielsweise ignorieren solche „nichtarische" Angelegenheiten. Sie ersparen sich jede Kritik, sie nehmen keine Notiz davon. Weder von einem Huberman- Konzert, noch von einer Liebermann-Ausstellung. Denn beide, der lebende Huberman und der tote Liebermann, sind im Dritten Reich verpönt. Auf halbem Weg Immer noch besteht der Begriff „Tschechojuden" und auch deren Träger sind nicht ausgestorben: Nicht einmal das, was in der Welt in den vier letzten Jahren geschah,, nicht einmal dieses Schreckliche, vermochte die sonderbare Spezies von Juden wachzurütteln. Der Spott, mit dem man sie seit Jahr und Tag überschüttet, fruchtet nichts. Sie sind stolz darauf, Assimijanten zu sein, und sie haben sogar eine studentische Jugend, einen assimüantistischen Nachwuchs. Wie es hier in Oesterreich noch immer — liberale Studenten- Vereinigungen gibt (das sind solche, in den die Juden geduldet werden), so existieren in der Tschechoslowakei tschechojüdische Studenten. Sie sind geblieben was sie waren: Tschechen mosaischer Konfession. Und sie haben sogar eine Zeitschrift „Kapper". Man hätle über diesen letzten Rest studentischer Unwirklichkeit hinwegsehen und ihn der Vergessenheit anheimgeben können, würde nicht ein Augenblick Besinnung seitens der tschechojüdischen Studenten einen Augenblick Aufmerksamkeit erfordern. In ihrer Zeitschrift findet sich nämlich folgender Passus: „Aber da wir, Zionisten und wir (nämlich Assimilanten), durch einen gemeinsamen Feind bedroht sind, durch den Antisemitismus, halten wir ein gemeinsames Vorgehen gegen ihn für geboten." Die Erkenntnis, daß es einen Feind, einen alles Jüdische bedrohenden Feind, gibt, ist schon etwas wert im Lager der Assimilation; sie beweist, daß die Tarnung nichts genützt hat. Der Tschechojude ist nun einmal Jude, sagt der Antisemitismus, sagt der nationale Tscheche. Aber dieser Erkenntnis soll die zweite folgen, daß die Assimilation kein Schutz gegen Verfolgung, daher nutzlos. Wer mit den Z i o n i s t e n gemeinsam vorgehen will, muß sich der Juden* frage bewußt sein mit allen ihren Konsequenzen. Eine gemeinsame Front verlangt ein gemeinsames Ziel, nioht bloß eine gemeinsame Abwehr. Wenn die Tschechojuden mit den Zionisten zusammengehen wollen, dann müssen sie ihre überlebte Ideologie auf* geben. Nur dann kann sich eine gemeinsame Platt« form finden.

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