Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 634 (23.2.1937)
- Date
- 1937-02-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 10 Groschen Dienstag/ den 23« Februar MH7 II« m Nr« 634 V*b*!» Zeitimg vom Verleger versendet ..Journal expeale par I'ßditeur" DIE NEUE W REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50: Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.— : Bumänien monatlich Lei 60.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.-; Bnlgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—j Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Franca 4.60, Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich, Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr, 8, leL A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag ZUM FROHEN FESTE wird der PESSACH erst durch die so wunderbaren, delikaten Schmidl-Mazzoth die.Marke des Feinschmeckers Verlangen Sie überall nur .,SCHMIDL"-Mazzoth 5 Eine tüdriidie Methode In den österreichischen Zeitungen mehren sich die Berichte über Betrügereien, Wucherfälle, Verstöße gegen die Devisenverordnungen, Schmuggel usw. Die Häufung der Vergehen und Verbrechen dieser Art erfüllt gewiß jeden Leser mij; Mißbehagen. Ganz besonders aber den jüdischester, denn in zahlreichen Fällen tragen die Namen der Beteiligten jüdisches Gepräge — also wieder ein Jud'! Die anhaltende Wirtschaftskrise und die Verödung vieler ehrlicher Berufe! hat die Fälle unerlaubter und betrügerischer Geschäfte gesteigert, auch unter den Juden. Man muß diese Erscheinung mit Bedauern feststellen und hinnehmen. Aber man darf nicht ' dazu schweigen, daß mit Hilfe planmäßig geübter und ganz tückischer M e t h o d e n die Dinge so zugerichtet werden, als handle es sich in fast allen und in besonders krassen Fällen um j ü d i s c h e Angelegenheiten. Wie wird das gemacht? Wenn die Polizei eine Untersuchung einleitet und gar Verhaftungen vornimmt, bringen die Zeitungen die Namen der Beteiligten groß und fett, wenn es sich um Juden handelt. Wenn es. sich aber um Nichtjuden handelt; werden die Namen verschwiegen, höchstens druckt man die Anfangsbuchstaben. Man bemerkt dazu: „Mit Rücksicht auf den ungestörten Verlauf der Untersuchung!" Warum ist in dem „jüdischen Falle die Rücksicht nie notwendig? Jede Anzeige und jede Einleitung einer Untersuchung werden, wenn Juden in Betracht kommen, so" aufgemacht, a}s handle es sich um erwiesene Verbrechen. Erweist - sich die Anzeige als Fehlgeburt oder als boshafte Denunziation und die Unter-, suchurig als resultatlos, dann. nimmt man davon gar keine Kenntnis ■ oder begnügt sich mit einer winzig gedruckten Notiz im letzten Teil des Blattes. Beispiele der letzten Wochen : Die österreichische Beamtenschaft ist das Opfer himmelschreiender Auswucherung geworden. Gehäufte Selbstmorde und im Amte begangene Verfehlungen der Opfer haben die Blase zum Platzen gebracht. Die Zeitungen haben die Geschäfte dieser „Kreditinstitute" und „Beamten- Genossenschaften" enthüllt. Hundert und zweihundert Prozent wurden den in Not geratenen Beamten aufgerechnet. Tausende Beamte sind in die. Fänge dieser Räuberbanden geraten und für ihr Leben Schuldsklaven." Die Zeitungen schreien „Mordio", aber sie nennen weder den Namen eines dieser Institute noch auch die Namen ihrer Direktoren und Prokuristen, die sich am Beämtenelend-f ett mästen. Eine Verpflichtung zur Verschwiegenheit mit Rücksicht auf die laufende Untersuchung gibt es nicht, denn die Wucherverträge liegen schwärz auf weiß vor. Warum also die Rücksichtnahme? Es handelt sich" eben nicht um Juden, sondern'Um rein arische Institute und rein arische Funktionäre. Dann der Spiel* bankskandal! Um die vom Staate konzessionierten Spielbanken, welche man für „ausländischeM Spieler einrichtete, häufen sich ,,ihländische" Amtsmißbräuche, Defraudationen und Selbstmorde. Die Spielbanken sind „arisch" und ihre Nutznießer, desgleichen. Also werden nur zwei öfter Für die Jüdische Legion! Zum Andenken an die vor zwanzig Jahren erfolgte Gründung der Jüdischen Legion, welche an der Eroberung Palästinas hervorragenden Anteil nahm, fand in London ein Festbankett statt, bei welchem hervorragende Militärpersönen und Politiker die Verdienste der Jüdischen Legion würdigten. Die früheren Minister und derzeitigen Abgeordneten Colonel Wedgwood und L. S. Amery forderten die Wiederaufstellung der Jüdischen Legion. Abgeordneter Wedgwood gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß es möglich sei, Ruhe und Ordnung in Palästina wiederherzustellen, wenn man nur wolle. Die britischen Truppen hätten unter der entschlossenen Führung von General Dill und mit Unterstützung jüdischer Polizei und einer neuen Jüdischen Legion dem Morden und Brennen binnen Monatsfrist ein Ende machen können. Aber die Aufrührer hätten den Eindruck empfangen, daß die Behörden eine schwächliche Haltung einnehmen und. seien dadurch in ihrem weiteren Vorgehen ermutigt worden. Die Mörderbanden hätten immer erklärt, die Regierung stehe auf ihr er Seite. Jetzt machten sie sich über die Regierung lustig und verlangten die Beseitigung nicht nur der Juden, sondern auch der Engländer. Die heutige Versammlung bringe den dringenden Wunsch ^um. Abdruck, daß abermals eine Jüdische 'Legion aufgestellt' werde. Zum Schluß hob der Redner die Verdienste des früheren Kolonienministers Amery, des Kommandanten der Jüdischen Legion im Weltkrieg, Patterson, und Wladimir Jabo* t i n sk y s hervor. Fe 1 dmar schall Sir R. W. Ch et wo de ehrte das Andenken Lord Allenbys, des Eroberers Palästinas, unter dem er selbst in Palästina gekämpft habe. Der Redner kam weiter auf den Völkerbund zu sprechen, von dem er meinte, daß er die wunderbarste Sache von der Welt hätte werden können, wenn man ihn Berufsdiplomaten anvertraut hätte, statt einer Handvoll alter Weiber. Zum Schluß betonte der Feldmarschall die Wehrbereitschaft des Britischen Reiches. England werde nicht in den Kampf gehen, außer zur Verteidigung des Reiches. Ziehe es aber in den Kampf, dann werde die Partei siegen, auf deren Seite es steht. Den Trinkspruch auf die Jüdische Legion brachte der konservative Abgeordnete und frühere Kolonienminister L. S. A m e r y aus. Die Geschichte der Legion sei verknüpft mit den Namen ion Colonel Patterson und Wladimir Jabotinsky. Im Weltkrieg sei die Legion das erste.Regiment gewesen, das offiziell mit den großen Zielen des Zionismus, verbunden war. Nacheinem Hinweis auf die tapfere Haltung der Legion im Kriege und die Leistungen, die in allen Armeen und auf allen Kriegsschauplätzen von Juden vollbracht worden sind, warf der Redner die Frage auf, ob England nicht klug daran tun würde,. zur Ergänzung seiner eigenen Kräfte eine Legion des Nahen Ostens aufzustellen, die sich aus den besten Elementen der dort lebenden Völker zusammenzusetzen hätte. Ein unentbehrlicher Bestandteil einer solchen Legion würde ein aus den jüdischen Sieddrei Namen genannt, über den christlichen Rest breitet man den Mantel christlicher Verschwiegenheit. In der Wiener Tageszeitung „Das kleine Blatt" vom 17. Februar wird'über die Auf greif uhg von Eisenbahndieben wie folgt berichtet: „... Die Täter könnten eruiert werden. Es handelt sich um einen bisher unbescholtenen Schriftsteller aus Linz, der angeblich aus Not gehandelt hat, und einen gewissen Moriz Zloczower aus Czemowit z, einen abgeschafften Schwerverbrecher ..." ... Die gestrauchelte christlich-deutsche Unschuld wird verhüllt und das schwere jüdische Laster entlaryt.; So wird/s gemacht» lern Palästinas gebildetes Korps sein. Ein jüdisches Heim könne kaum als ein solches im vollen Sinne des Wortes angesehen werden, wenn seine Bewohner nicht Anteil an seiner Verteidigung hätten. Man höre viel von der Teilnahme der Araber an der Befreiung ihres Landes. Zweifellos hätten die Araber eine große Bolle gespielt, aber keineswegs die Araber Palästinas, weder diejenigen, die dort 'leben, noch diejenigen, die sich dort niederlassen wollen. Andererseits höre man nie vollständig, welche Bolle die Jüdische Legion an dem heißen Tage im Jordantal gespielt hat. Der Schriftsteller Herbert Sidetiotham sagte, er habe seit langem die Ueberzeugung gewonnen, daß kein Land im weiten Erdenrund für England s oviel bedeute wie Palästina und daß es kein wertvolleres Bündnis gebe, als das zwischen dem Britischen Reich und den Juden. In jugendlicher Unwissenheit habe er einst geglaubt, er hätte den Zionismus erfunden; seither habe er gelernt, daß er in Wirklichkeit schon vor 5000 Jahren erfunden worden ist: in der Verheißung, die der Engel des Herrn Abraham gab. Zu den Meinungsverschiedenheiten zwischen den Revisionisten und den offiziellen Zionisten, erklärte der Redner, angesichts, der. , gegenwärtigen Situation in der Welt hätten die Juden allen Grund, ihre Reihen zu schließen und .Gegensätze zu überbrücken. Mit Rücksicht auf die britischen Interessen im Mittelmeer sollte Einigkeit auch zwischen Großbritannien und dem jüdischen Volke bestehen. Dies werde von den britischen Geschäftsträgern in Palästina nicht so klar erkannt, wie es zu wünschen wäre. Mit langanhaltendem Beifall begrüßt, dankte der ehemalige Kommandant der Jüdischen Legion, Oberstleutnant Patterson, den Vorrednern. Minister Amery habe sich für die Jüdische Legion stets als ein Freund in der Not erwiesen. Feldmarschall Chetwode habe er als liebenswerten Kommandeur kennengelernt, und Jabotinsky sei nicht nur der Gründer der Legion, sondern habe in ihren Reihen auch gedient; sein Mut, seine Treue und Hingabe seien über alles Lob erhaben. Ehrende Worte widmete der Redner auch dem Andenken Josef Trumpeldors, dessen vorbildliches Leben und edler Tod der jüdischen Jugend stets als Beispiel vorschweben mögen. Die Jüdische Legion, fuhr der Redner fort, sei aus Juden zusammengesetzt gewesen, die a u s allen Teilen der Welt kamen im Vertrauen auf das Versprechen Englands, ein Jüdisches Nationalheim für die Juden in Palästina im Sinne der Balfour-Deklaration zu errichten. Sechs Monate lang wurden sie in England geschult. Kein einziger von ihnen hat sich ein Vergehen zu schulden kommen lassen. Die Haltung der Leute war musterhaft. Auf dem türkischen Kriegsschauplatz haben sie sich später hohen Ruf erworben. Darum wurden sie an der palästinensischen Kampffront am äußersten rechten Flügel im Jordantal eingesetzt, auf einem gefährlichen und ehrenvollen Posten. Sie flößten den Türken Furcht ein, daß diese Drahtverhaue an einer Stelle errichteten, an der dies in den beiden vorangegangenen Kriegs jähren noch niemals geschehen war. Colonel Patterson schilderte sodann die Gefangennahme von D e u t s c h e n und Oe«terreichern, die mit großer Freundlichkeit behandelt worden seien. Die Legionäre hätten mit den Gefangenen ihre Essenrationen geteilt und sie dann nach Jerusalem eskortiert. König Georg V. habe der Legion seine Anerkennung dadurch bekundet, daß er ihr den Namen „Judeans" verlieh, in der Absicht, daß die Jüdische Legion ein Teil der palästinensischen Garnison bleiben solle. Wir waren stolz auf diesen Titel, sagte Colonel Patterson,