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Die neue Welt · 1937-02-19 · Heft 633 (19.2.1937) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 633 (19.2.1937)
Date
1937-02-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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%€cii€* ME NEUE WELT Nr. 633 vom 10, Februar 1937 13 x BEROMiltlll. L; RABENSTEIG 3 HIMMELPFORTG. 5 KÖLLNERHOFQASSE 1 GA A II in Herren-Modewaren, Hemden, roße Auswahl Kleine Preise und Kinder.Wäsche, Weißwaren, Bettwäsche, strick- und Strumpfwaren usw. usw. AUS ALLER WELT Das Sdiidcsal der luden in Daiuig Aus Prag (J. T. A.).: Der deutsche Reichspropagandaminister Dr. Goebbels hat in einer soeben gehaltenen Rede erklärt, die Danziger Frage werde schon in der nächsten Zeit ein für allemal erledigt werden. Diese Aeußerung hat in diplomatischen Kreisen größtos Aufsehen erregt; die Danziger Frage ist plötzlich wieder in den Mittelpunkt des internationalen Interesses gerückt. Der Berliner Havas-Korrespondent erfährt, daß Goering gemeinsam mit dem Danziger Senatspräsidenten Greiser und hervorragenden polnischen Person 1 i c h k e i t e n bei der Jagd im Urwald von Bielowieza über die Danziger Frage verhandeln werde. Der Danziger Volkstag werde ein Gesetz über die Angliederung Danzigs an Deutschland annehmen. Polen werde als Entschädigung für seine Zustimmung den feierlichen Verzicht Deutschlands auf den polnischen Korridor erhalten. Diese aus diplomatischen Kreisen stammenden Meldungen lassen das Schicksal der Danziger Juden und der auf dem Gebiet des Freistaates wohnenden polnischen Juden in einem sehr düsteren •Licht erscheinen. Eine Einverleibung Danzigs in Deutschland unter Zustimmung Polens und ohne Mitwirkung des Völkerbundes würde bedeuten, daß die Danziger Juden auf Gnade und Ungnade dem' nationalsozialistischen Regime ausgeliefert werden. Für den Völkerbund würde es eine sehr schwere moralische Niederlage bedeuten, falls es ihm nicht gelingen sollte, die seinem Schutz anvertrauten Danziger Juden vor einem solchen Schicksal zu bewahren. Die Juden im Saatland Aus Saarbrücken: Von den 950 Juden im Saarland (3000 haben nach dem Einzug der Hitler- Leute das Land verlassen) sind nach einer Aufstellung im „Nachrichtenblatt der Synagogengemeinde des Saarlandes" 9 Angehörige freier Berufe, was einem prozentualen Anteil von 3,1 Prozent entspricht. Selbständige Kaufleute sind 16 Personen oder 5,5 Prozent, selbständige Vertreter 60 oder 20,7 Prozent. Als Händler bezeichnen sich 108 oder 37,24 Prozent, alsHandwerker9 oder 3,1 Prozent, Angestellte sind 19 oder 3,45 Prozent. Die Zahl der Erwer bslosen beträgt 78 oder 26,89 Prozent. Die saarländischen Synagogengemeinden Merzig und Neunkirchen, die einst bedeutende Gemeinden waren, sind a uf g el ö s t. Nur wenige Mitglieder sind zurückgeblieben. Dank der finanziellen Hilfe des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden kann die Gemeinde Illingen, die zur zweitgrößten Gemeinde im Saarland geworden ist, ihren Kantor und Lehrer weiter behalten. Die Gemeinde betreut die Juden in Merchweiler, St. Wendel, Ottweiler, Neunkirchen und in mehreren anderen Orten. Ausbürgerung aller deutschen Emigranten Aus Genf: Anläßlich der Veröffentlichung der letzten Liste deutscher Staatsangehöriger, denen die Staatsbürgerschaft, entzogen worden ist, erklärte der oberste Leiter der deutschen Polizei, Himmler, wie aus Berlin gemeldet wird, daß im Jahre 1937 sämtlichen deutschen Emigranten die Staatsbürgerschaft entzogen werden wird. Im Jahre 1937 werden die PaiSangelegenheiten einer neuen Ordnung unterworfen. Die alten Pässe verlieren ihre Gültigkeit. Emigranten können auf keinen Fall einen Heimatschein erhalten, durch den die Regierung die deutsche Staatsbürgerschaft anerkennt. Der Bürgermeister von Jerusalem will jüdische städtische Arbeiter entlassen Aus Jerusalem: Auf Grund eines Berichtes der städtischen Gesundheitsabteilung, wonach die 7 6 jüdischen Straßenkehrer in Jerusalem die Stadt jährlich 1300 Pfund kosten, hat der Bürgermeister vor^ geschlagen, diese Arbeiter zu entlassen. Die jüdischen Stadtverordneten wandten sich entschieden gegen diese Absicht, indem sie darauf hinwiesen, daß die Straßenreinigung in den zwei Drittel des Stadtgebietes umfassenden jüdischen Vierteln von diesen 76 Arbeitern besorgt wird, während für die Reinigung des restlichen Drittels der Stadt 122. Araber erforderlich sind, deren Taglohn nur um 20 Prozent niedriger ist als der der Juden. (Jerusalem hat eine jüdische Majorität.) Infos ist atH 6. fkät» tos? Ball de* tilakkato IX. Tribüne Ein Wiener Schandfleck verschwunden Vom Ing. R. K. (Wien I.), erhalten wir folgende Zuschrift: „Seit einigen Tagen hat das so oft besprochene Auslagenfenster der Parfümerie „F i o r i s", I., Graben 29 (Inhaberin Alma Gilly)? ein anderes Gesicht. Die diversen Parfümeriewaren sind verschwunden, die Glasscheiben verklebt, das Geschäft aufgelöst. Der Exekutor hat dieser Firma ein Ende gemacht. Man wird sich noch an die Zeiten erinnern, wo die Fioris-Vitrinen als Bewahrer nazistischer Schmäh- und Schundliteratur dienten. Hinter den Scheiben der Frau Alma Gilly waren Jahre hindurch Zeitungsausschnitte hetzerischen Inhalts im Stil des relchsdeutschen „Stürmer" zu sehen, Darstellungen der Ritualmordlegende, Karikaturen jüdischer Persönlichkeiten .... Kurzum, die Auslagen dienten nicht der Waren-, sondern der Hakenkreuzpropaganda. Die Wiener Kreise von> Geschmack und Kultur wandten sich mit Abscheu 'gegen diese Äuslagendekorationen. Es half nichts. Die Isr. Kultusgemeinde griff schließlich ein und erzwang die Abschaffung des Nazikults. Aber scheinbar hat die Anbiederung an die Herren und Damen hakenkreuzlerischer Couleur der Frau Gilly nichts genützt. Es ist zu Ende. Es gibt auf dem Graben den berüchtigten Schandfleck nicht mehr. Zur Propaganda war Fioris den Nazianhängern gut, aber diese versagten, wo es um di,e Börse ging. Dank vom Hause Julius Streicher .. TOZEBETH HAABEZI PALÄSTINA-PRODUKTE | Karmel-Weine und -Kognak, Jaffa-Orangen und Grape-Fruit, Shemen-Oliven und I Salatöl liefert zu sehr billigen Preisen SAIIIEI HM.PEBN OBST-- UND KOLONIALWARENHANDEL [ Wien II, Förstergasse 6, Tel. A-46-4-12 Auch Proyinzversand.'j Am Polen Der Geist Hitlers ' Aus Warschau: Im Verlauf der Generaldebatte über das Budget im polnischen Parlament führte der jüdische Deputierte Sommerstein aus: Aufrichtige Worte sind oft nicht angenehm. Das güt besonders bei Erörterung der Judenfrage in Polen. Warum nimmt die Judenfrage seit einem Jahre den ersten Platz bei den öffentlichen Erörterungen ein? Offiziell werden wirtschaftliche Ursachen angegeben. Doch war gerade im letzten Jahre eine Besserung der Wirtschaftskonjuriktur zu verzeichnen gewesen. Die Wahrheit aber ist die, daß der Geistdes Hitlertums Polen durchdringt. Nach dem Tode von Marschall PÜsudski hat sich das Regierungslager aufgelöst. Von den verschiedensten Seiten sieht man in der Erregung der Leidenschaften das beste Propagandamittel zur Erlangung politischer Macht. Und womit lassen sich politische Leidenschaften leichter erwecken als mit Jüdenhetze? Dieser Sejm, der sich selbst nicht als eine Emanation der Bevölkerung fühlt, sucht auf dem gleichen Wege billige Lorbeeren zu erringen. SIEGN. KORN MEHL qROSSFUISCHHAURREI Zentrale: IX., Berggasse 19. Tel. Ä-17-3.99 u. A-16-9-3* Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für ity>Flelich unter Aufsicht des EbrwUrdigen Rabbioafs der Isr. Kultusgemeinde Wien Autozuatollung kostenlos *X., Berga» te 15 / XVIII., Wtthrlngerstr. 97 Dr. Sommerstein erinnerte an die Rede des großen polnischen Patrioten Francyszek Smolka im Jahre 1868 im galizischen Sejm über die Judenfrage im damaligen Polen. Smolka erwähnte die Verordnung von König Sigismund I., die sehr scharfe Strafen gegen die Bürgermeister jedes Ortes für den Fall vorsah, daß sie Unruhen gegen die Juden nicht verhindern. Der König hatte damals Vertreter der Judenschaft empfangen und bei dieser Gelegenheit erklärt: Mögen die christlichen Kaufleute gute und billige Ware feilhalten, dann, wird man bei ihnen kaufen. Diese Regel gilt auch heute. Nicht mit Stöcken und Bomben kann man die Wirtschaft regeln, sondern durch eine kluge kaufmännische Führung. Wir Juden, fuhr Sommetfstein fort, fordern volle politische und bürgerliche Rechte gemäß der Verfassung Polens. Wir fordern Kulturautonomte und mehr Spielraum für die Betätigung der jüdischen Gemeinden. Wir glauben an die wahre Demokratie und an ihren endlichen Sieg in Polens dies, obwohl die gegenwärtig im Sejm herrschenden Parteien die Demokratie als eine überwundene Phrase auf den Mist zu werfen bereit sind. Innerhalb der polnischen Gesellschaft ist es einzig nur die polnische Sozialdemokratie, die sich dem Antisemitismus entgegenstellt. In allen anderen Teilen der polnischen Gesellschaft rührt man keinen Finger zur Bekämpfung dieser Seuche. Sommerstein schloß: Von der Sejmtribüne herab spreche ich der jüdischen Jugend5, die an den polnischen Hochschulen ein wahres Martyrium durchzumachen hat, die höchste Anerkennung für ihre Haltung aus. Jeder jüdische Student, der sich zu einer Vorlesung in irgend eine Hochschule begibt, muß damit rechnen, daß er nicht mehr gesund zurückkehren wird. Der Antisemit B a k o n machte hier den Zwischenruf: „Zwei polnische Studenten wurden getötet!" Bakon spielte hier auf einen Fall in Lemberg und einen in Wilna an, die Jahre zurückliegen. Sommerstein: Allein in Lodz sind in der letzten Zeit zehn Juden er mordet worden. Darf man mit Menschenleben eine doppelteBuchhaltung führen? Dies verstößt auch gegen den Geist der christlichen Religion. * Die Ueberfälle auf jüdische Studenten an den Warschauer Hochschulen hören keinen Tag auf. Am Freitag wurden wiederum fünf jüdische Studenten aus einem Hörsaal hinausgeschmissen und blutig mißhandelt. * Gegen den Dozenten Reichmann, der in einen fortschrittlichen Zeitung die antijüdischen Exzesse an den Hochschulen verurteüte, wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet. * Das Rownoer Kreisgericht als Berufungsgericht verurteüte 13 jüdische Ladeninhabec aus Wladimir-Wolynsk, die am 30. Juni v. J., dem Tag des jüdischen Prot est es gegen die Po grome, ihre Geschäfte geschlossen gehalten haben, zu je zwei Wochen Gefängnis und Tragung der Gerichtskosten. Das Erstgericht hatte sie freigesprochen* Der Patriotismus, des dummen Kerls Aus Warschau: Bei Beratung des Budgets für sozialen Schutz im polnischen Sejm führte der jüdische Deputierte Rabbiner Rubinstein aus: Das Budget für sozialen Schutz berücksichtige die Juden fast gar nicht* Der Minister müsse verstehen, daß, wenn man die Juden in Verzweiflung treibt, dies den polnischen Staats-» interessen nicht nützt. Einst wurde gesagt, der Antisemitismus sei der Sozialismus der dummen Kerle, heute ist der Antisemitismus der Patriotismus der dummen Kerle. Rubinstein erwähnte die Tat-, sache, daß die Regierung den jüdischen 750 Darlehenskassen, die 120.000 jüdische Familien betreuen, ein Dar* lehen von bloß einer halben MÜHon Zloty gewährt hat, 4 Zloty pro Familie, (Rufe: immer noch zu viel!) Nazismus im Schach Aus Kopenhagen (J. T. A.): Der dänische Schachspieler Erik A n d e r s e n, der seit zwölf Jahren unbesiegbar den Titel des „Schachmeisters von Dänemark" trägt, hat sich vor kurzem geweigert, in einem Schachturnier seines Klubs gegen den vor einigen Jahren "vom verstorbenen Meister Nimtzowitsch gegründeten Jüdischen Schachklub teilzunehmen. Andersen erklärte einer hiesigen Zeitung: „Ja, Sie können ruhig schreiben, daß ich Nationalsozialist aus Ueberzeugung bin und für das Regime Hitlers in Deutschland eine tiefe Verehrung und Begeisterung fühle. Ich kann hie und da mit einem Juden spielen, aber mit dem Jüdischen Schachklub will ich grundsätzlich nicht spielen." Der Jüdische Schachklub beschloß, bei der dänischen Schach-Union . Protest gegen Andersens unsportliches Verhalten einzulegen. Verb* d* Judenftaatsxioiusten Oesferreidis Sektion P rat er, II., Erlafstraße 5. Freitag, den 19. d„ 8 Uhr abends, Vortrag, Dr. Koppel Blum. — Dienstag, dem 23. d., Bibelvortragszyklus, Rabbiner Dr. N. Zlcker. — Samstag, den 27. d., Purlrafeler. Akademie, Tanz. Regieboitrag S 1.—. Sektion XIV/XV, Schanzstraße 32. Dienstag, den 23, d., halb 9 Uhr abends, Vortrag, Doktor Felix Klug. — Samstag, den 20. d., Purimfeler im Festsaal des Ottakringer Bräu, XIII., Auhofstraße 1. Akademie mit Tanz. Reichhaltiges Programm. Sektion Brlgittenau, XX., Staudingergasse 16. Puximfeler am Mittwoch, den 24. d., 8 Uhr abends. Großes künstlerisches Programm. Judenstaatsjugend. Dienstag, den 23. d., halb 9 Uhr, Plenarversammlung. — Sektion XIV/XV, Schanzstraße 32. Mittwoch, den 24 d., halb 9 Uhr abends, Vortragsabend. Jüdische Jugendlich« Willkomms' Brlth Hakanalm Plugah Aliron, X, Herndlgast; 28. Sonntag, den 21, d„ 3 Uhr imchmüJags, im Heim, Herndlgasse 28, Werbe-Neschef. Splehvnltbeworb* (Piug-Pong, Gesang usw.). Zahlreiche Preise. Judische Jugendliche herzlich willkommen, Eintritt frei! m

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