Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 633 (19.2.1937)
- Date
- 1937-02-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DDE NEUE WELT Nr..633 vom 19. Februar 1937 Anny Diamant Dr. Kaiman Singet W/t« // H ' Vtrlobte Im Met 1937 tätlicher Mißhandlung. Die Verteidigung wurde von zwei revisionistischen Anwälten übernommen; auf deren Ersuchen wurde der Prozeß auf Hon« nerstag vertagt. Der Richter lehnte die Befreiung gegen Kantion mit der Begründung ab, daß die Verhafteten imstande seien, weitere Krawalle zu veranstalten. „Palcor" teilt ferner mit, daß alle hebräischen Zeltungen das Vorgehen der Betarim aufs schärfste verurteilen, und bringt Zitate ans dem „Haares" und „Davar", in welchen die Betarim als „Rowdies" bezeichnet werden und ihrem Führer, Jabotinsky, die Schuld an -den Vorgängen beigemessen wird. Aber weitaus beachtenswerter und weitaus wichtiger als die Auslassungen der zionistischen Presse istdie Reaktion, welche die Vorgänge in der englisch en und arabischen Presse ausgelöst haben. Das führende Blatt Englands, „Time s, erklärt, daß die englische, bzw. palästinensische Regierung eingreifen müsse, und deutet an, daß es notwendig sein wird; das Recht der Zionistischen Organisation auf Verteilung der Einwahderungszertifikate unter scharfe Kontrolle zu stellen und zu beschränken. Auch die arabische Presse in Palästina und im übrigen Orient greift die unliebsamen Ereignisse auf und widmet ihnen frohlockende Artikel. So schließt die arabische Zeitung „Al liwa" ihre Betrachttingen mit dem höhnischen Satz: ,;ÄIöge sich das Jüdische Nationalheim an seinen Erbauern freuen!" * Das sind die Resultate der Regierungskunst der heutigen zionistischen Leitung. Wie lange hoch? Parfeiherr§diaft in Palä§lma Brief au§ ,-Das „veijudete" franzosische Ministerium. - 'Unser Pariser Mitarbeiter schreibt: Die große Pariser Wochenschrift „Gringoire" führt seit Monaten eineBp überaus heftigen, persönlich zugespitzen Kampf gegen >4en Ministerpräsidenten Blum und sein Kabinett; Eines der Opfer dieser Kampagne war der Innenminister des^Kabmetts . Blumj welcher, die Angriffe nicht überleben konnte und trotz seiner Rehabi- Ktierttng; vor. einem militärischen Gerichte, Selbstmord; beging. Daß „Gringoire", gegen seine bisherige Gepflogenheit, nunmehr auch die antisemitische Note gegen den Juden Blum anschlägt, ist eigentlich selbstverständlich. So brachte das Blatt am 25. Dezember einen Artikel des bekannten politischen Schriftstellers Henri Be.r-a.udunter dem Titel: „Achtung! Christen!", in welchem behauptet wird, daß die derzeitige französische Regierung völlig v e r j u d e t sei. Ber'aud bringt eine Liste von dreißig, angeblich „jüdischen" Mitgliedern, und Referenten der französischen Ministerien und fügt hinzu: „Vielleicht ist es höchste Zeit, darauf zu achten, daß sich s o viele Israeliten auf Plätzen befinden, von welchen aus die Geschäfte Frankreichs geleitet werden; obzwar die Israeliten in Frankreich kaum zwei Prozent der Bevölkerung bilden." Beraud. schließt mit den Worten: ,iNein, ich bin kein Antisemit, ich war kein Antisemit und hoffe, auch wenn ich — wie guter Kognak — 120 Jahre alt werden sollte, kein Antisemit zu werden." Der Artikel Berauds wurde von allen antisemitischen und halbantiseraitischen Zeitungen in der Welt aufgegriffen. Aber nicht nur von diesen. Am 30. Dezember brachte das Blatt Mussölin i s, „Popolo d'Italia", unter Hinweis auf den Artikel im „Gringoire" an leitender Stelle einen Aufsatz über die „Verjudung der französischen Regierung", der wieder von allen südamerikanischen Blättern übernommen wurde. Wie ist es in Wirklichkeit uni diese Verjudung bestellt? Vor allem unterläßt Herr Beraud, anzugeben, daß die Gruppe der Mitglieder und Referenten in den französischen Ministerien rund 3 00 Personen zählt. Dann aber nimmt er wahllos Namen, die ihm irgendwie zugetragen wurden, in seine „Judenliste" auf. Fünf Personen, die er nennt — nämlich die Herren Helbronner, Grünbaum-Ballin, Salomon und Cohen-Salvador und Frau Picard-Moch — waren niemals und sind nicht im Stabe des Ministeriums Blum. Und acht der angeführten Personen — die Herren Hug, Mumber, Moser, Gregh, Grimm, Dr. Hazemann und Rozier und Frl. Osmin — sind keine Juden und waren nie Juden. So entstehen antisemitische Legenden und nehmen ihren Weg durch die Weltpresse. .. * Anm. der Red.: Selbstverständlich haben auch in Oesterreich unzählige Zeitungen die „Judenliste" des Herrn Beraud in verhetzender Aufmachung gebracht. Der berühmte, Schriftsteller und Professor an der Hebräischen Universität.in Jerusalem Dr. Josef Kl a u sn er, hat als GastreoVr ku! einer Versammlung der „Allgemeinen Ziöntsten B'* (rechter Flügel) in einer großangelegten Rede die fleiner Ansieht auf die Dauer nicht zu ertragende , absolute Herrschaft der „M a p a i" (Sozialistische. Arbeiter^OrganlBätlon) über Palästina und ihre schädliche Auswirkung nach außen und innen geschildert Er hat dann harte Kritik an der Untätigkeit und Schwäche der „Allgemeinen Zionisten", welche jede Position Ini Lande, und insbesondere die .Jugend, der „Mapai" kampflos Überlassen, geübt. Für seine Person erklärte Professor Klausner, daß. er .. J u d e n s t & a t ss 1 o n i s t sei. Den Revisionisten, denen er ideologisch nahesteht, macht er den .A^u s t:r i 11 ausder Zionistischen Weltorganisation und die damit verbundene Preisgabe derselben an die „Mapai" zum Vorwurf. Er nimmt so den Standpunkt ein, welchen die Judenstaatspartei immer vertreten, hat,. Ueber die Revisionisten sagte Professor Josef- Klausner: „Die Revisionisten; welche sagen, daß man alles von Grund auf zerstören müsse, weil alles verfairit ist* verließen die Zionistische Organisation. Sie ließen die Allgemeinen Zionisten allein *urtd schwächten dadurch deren Kraft. Ich halte es nicht für logisch, anderen als Geschenk zu lassen, was wir. früher zusammen gebaut haben. Hat doch auch Jabotinsky-einen großen Anteil an der Erlangung der B a 1 f o u r¬ Deklaration. Und noch etwas: Die Engländer sagen, daß „man nicht dasftun darf, wäs der Feind will, daß'man tue". Ich bin gegen den Austritt aus der alten Zionistischen Organisation* und deshalb trat ich der Neu-Zionistischen Organisation nicht, bei." , Ueber die von der „Mapai" befolgte Taktik in der äußeren Politiksagt er - „Es ist - eme.'-ironietrdes^Schicksals,:-;-daß die „Mapäi" (Sozialist. Arbeiterorganisation Palästinas) und die Allgemeinen ZioniSten'A, die ihr folgen, bei uns die herrschende „konservative?' Strömung bilden. Sie gehen mit: d e r Re gier u n g. Es gibt ständig gute Beziehung zwischen Seiner Majestät dem Herrscher, und Herfft Beh 'Grüriön. Ein hochgestellter - Engländer in Palästina sagte mir: Seilt euch doch die Araber an: Sie schreien und fordern: ü|iu^nterbröcheh/ sind/niemals züfriederi •deshalb' bekonmien schweigt und mächt 'eine"'MLtetie aer"'2fufrfe*- 'd'eü-fi' Wi\ — 'das hetßtr8aß"''eä euch gut geht. Es ist schlecht, daß; wir nicht einen Menschen haben wie den Römer Cätöy weicher* jede seiner'Reden mit dem Satz beendete:;,Und wieder will ich erinnern, daß Karthago zerstört werden muß." Wenn wir Ansprüche auf T r a ri'ä j o rd a n i e n haben müssen wir sie jeden Ta'g erwähnen und fordern: Warum gibt man uns diese wüsten Bodenteile nicht?! Es genügt nicht, sich der Pflicht durch Memoranden zu entledigen und haöhher zu sagen: Seht, ich habe ein Memorandum geschrieben . Erhebt ein n o r m a 1 e s V o hV auf diese Art seine Forderungen? Restaurant und Selchwaren Unter-Aufilcht der Ad« Jisroel (Schiffiohul mA I A7ÜD S<HI PFAHTSQ ASSi 10 I MM bHiiflK (Eoki Franz-Hochadljnger-Qasse) T«l. AH8«1-32, »•lehwaren aus dir Fabrik I. IISIN. Bier- und Weinausschank. Lokalitüten für all» Feat lieh kajteh r ';.f;r —————* \y] Pehmen;wir den Fäll ^üt der Polizei. Es ist döch eine Öffentliche Gefährvurid unzulässig, daß ein ganzes Volk Fremden aufsge*S'etz-t bleibt. Und wenn während der letzten Unruhen Wunder geschahen — wer weiß dehn, was später seih wird? , Man sagt: Was sollen Wir tun — wir besitzen kehie Kanonen ... Es ist eine Schande, so zu antworten. Juden häben als ein 15-Millipneh- Külturvolk eineh Einfluß. Auch die Araber haben keine Kanonen. Selbst der Irak hat keine Kanonen und über wieviele Kanonen Verfügen die Banden"? W!r werden eine größere Kraft 'als die der Kanonen sein, wenn wir aus den 15 Millionen ein Staatsvolk machen." Ueber den Einfluß, welchen die „Mapai" auf das jüdische Leben in Palästina^ausübt: ..' . „Es gibt Ideen-Wahrheiten, die . mit Lügen umgeben werden. Aber, auch die Lüge enthält einen Kern an Wahrheit, denn andernfalls — würde sie zu sehr in die Augen fallen. Eine Tatsache: Das jüdische Volk muß danach streben, eine große Klasse von Bodenarbeitern zu .schaffen. .Das ist eine Grundwahrheit. Aber auf dieser Grundlage kann man vielerlei Lügen züchten. Niemand will die Bedeutung dieser Wahrheit, verkleinern,, Aber kann man denn den Mittelstand» welcher 80 Prozent des jüdischen Volkes bildet, gäjuglioh, ausschalten? Vqr allem anderen muß das jüdische Volk erhalten werden — und das jüdische Volk besteht nicht zur Gänze aus Bodenarfceitern« Etast hatten wir „öwde Awoda sara" (Knecht* fremder Arbeit), jetzt hai>en wir „Owde Awoda" (Knechte der Arbeit): „Arbeit" wurde eine Art A bgott Ein Kaufmann, ein Arzt und sogar ein Lehrer Sind ihnen nicht so wichtig Wie ein Arbeiter. Wenn das so weiter anhält, werden wir zu einer Lage kommen, wie die in Rußland im Jahre 1919, wo sich ein Seb-wärzarbeitfrr schämte, einem „Spei" die Hand zu reichen. Juden gegenüber -ist eine solche Anschauung sehr gefährlich, einem Volke gegenüber/ welches in seiner großen Mehrheit noch „unproduktiv" ist —■ ist sie ein Unglück. Und die Menschen wissen nicht, daß man da die Ursaohe in eine Wirkung umgetauscht hat. Wenn zum Beispiel ein Jude mit 300 Pfund ins Land kommt und beim Keren Kajemeth (Jüdischer Nationalfands) Boden verlangt — antwortet man ihm, daß er für die Kolonisation ungeeignet sei. Was sollen solche Juden tun, wenn nicht.einen Laden.eröffnen? Bekämen sie Hilfe ^— hätten wir heute 100.000 Kolonisten. Jetzt aber, nachdem man ihnen keine Hilfe gewährte, zeigt man auf sie: Seht, Tel-Aviv ist voll von Läden. Habt ihr dabei nur irgendwie geholfen? Nein! Wenn jemand der 1 inkenHistadruth (Gewerkschaft) nicht angehört, kann er sich sogar erhängen und es wird niemanden genieren... Da gibt es eine „Histadrüth Owdim jeumit" (Nationale Arbeiter-Organisation), ein Verband von Menschen, welche erklären, daß ein Arbeiter nicht Marxist sein muß. Sie sagen, daß man einen jüdischen Staat und einen sozialistischen Staat nicht gleichzeitig bauen kann. Diese nationale Histadrüth muß um jedes Stückchen Brot für ihre Mitglieder kämpfen. Kürzlich ist eine. Broschüre erschienen: Rechenschaftsbericht der nationalen Arbeiterorganisation. Jedes Blatt ist da eine Märtyrologie. Warum? Weü sie keine Marxisten sind. Wer hat für diese Arbeiter gesorgt? Und was ' hat die Opposition der Allgemeinen Zionisten — für den nationalen Arbeiter getan?" Zum Schlüsse stellte er feät, daß die'Gruppe der Allgemeinen Zionisten zum Verschwinden verurteilt ist, wenn sie sich nicht zu entschlossener Opposition, entschließt. Er sagte: . „Die Revisionisten haben es verstanden, die Jugend bis zum Sich einkerkern lassen in den Ge« . fängnissen zu begeistern. Ich komme an der Universität mit jungeh- M«ns^hen' mi* Beriihrungi Ich sehe» wie sie>f remde-Einf His«e aufnehmen. -Die Sozialistenhaben eine Propagandaliteratur geschaffen, die stark verbreitet wird. Wir aber haben nicht einmal eine Broschüre, welche unsere Beziehung zur Paritätsfrage aufklären würde; Wir erfüllen unsere oppositionelle Pflicht damit, daß wir uns empören, wenn wir in der Zeitung lesen,'oder wenn wir erzählen hören, daß uns ein neues Unheil, eine neue Beleidigung zugefügt wurde. Später vergessen Wir darauf. Heißt das Opposition? Dazu ist keine Partei notwendig. Warum soll man unsere Forderungen anhören, wenn wir gär. nichts tun?" Die Klagemauer geschändet Aus Jerusalem: Als am Sonntag morgen Juden zur Klagemauer (Kotel'Maarawi) kamen, um dort in traditioneller Weise die Andacht zu verrichten, fanden sie die Stelle Öer Wand, wo sich die, judischen Andächtigen zu versammeln pflegen,,mit Exkrementen beschmutzt vor. Eine solche Schändung der Klagemauer ist ohne Beispiel in der Geschichte. Im Jischuw herrscht darüber große Empörung. Wichtige Mitteilung für Palast Ina-Touristen Bei den von Triest abgehenden Schiffen der italienischen Linien ist auch in diesem Frühjahr wieder eine starke Naohlrage nach Palästina zu beobachten. Es ist daher wichtig, sich rechtzeitig Plätze zu sichern. Neben den ständigen Abfahrten — jeden Mitfc. wooh —■ und jeden zweiten Samstag, wird auf die ermäßigten Gruppenfahrten hingewiesen, die als „Peesach- Reise" am 16. März und als „FrUhjahrs-Informationirelse" am 18. April ab Wien geführt werden. Oute Plätze und alle Auskünfte: Italienische Schiffahrtsgeseilschatten, Wien, I., Kürntnerring 6, Tel. 17-47-5-60. Palestlne Express Vertretung „Reisebüro Öl ty" Dr. I. Hi Körner, Wien, I. Kohlmarkt 8, Tel. U-26-4-20. E VtRBAHP PER JUPMHITAATHIOH1 STEH ÖSTERREICHS / Hkt 18-15 Samstop, d«n SO. rceVruär 1*37, Im F«itiaal d«t OTTAKRINCBR BRÄU, WEM XIII, AUHOWRAJSE 1 AKADEMIE MIT TANZ Erstklassige Kunstkxäfte /Die bekannte Jazzkapelle Kurt Rublnsteln / Beginn halb 9 Uhr / EmtUtts- . . : karten Im yorve.rkauf 51.50, ander AbendkassaS 1.80