Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 633 (19.2.1937)
- Date
- 1937-02-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 20 Groschen Frelteg, den l#« Fdbnm f#37 1§* lahrgang Nr« 633 V« b* Ii« DIE NEUE Zeitung vom Verleger versende* „Journal expeflie pär redlteur* 185 Titl. Vniversm REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.-; Polen monaUich Zloty 1.5 vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar Ij-—» ™™m jährig Dinar 40.-; Bumimlen monatlich Lei 50.-, vierteljährig Lei 150.-; Deutschland monatlich Jiar^'^«rtflUUirjlj Stark 3.—; Bnlcarlen monatlich Lewa 80.-, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, ^erteljährl* Lire» Schweis und die übrigen Lander monatlich Schweizer Francs 1.60, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u.Verwaltang: IX,Universitätsstr.8, leLA~20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag Eine Erlösung für starke Frauen H sind unsere modernen „CORPUFRONT"•Leibbinden: vollendet konstruiert, leicht, weich, kein Druck, kein Verschieben, edem Fall sorgfältig angepaßt. FACH FIRMA Bandnoen-mtholaBth Alle Krankenpflegeartikel l / WIEN, TABORSTR. 22 / Tel. R-42-5-4 Jetzt kommt der judfcdie Philosoph dran Auf der hysterischen Suche nach Winkeln, deren „Entjudung" noch nicht erfolgt ist, sind die deutschen Nationalsozialisten jetzt endlich auch bei der Philosophie, beim jüdischen Philosophen angelangt. Nach einer Meldung des „Völkischen Beobachter" hielt der im philosophischen Bereich völlig ünbekannte Professor Hans A. Grunsky einen Vortrag über „Einbruch, des Judentums in die Philoso p h i e", worin ausgeführt wurde, daß die jüdischen Philosophen , sich nicht im Sinne der — nationalsozialistischen Aufassung vom Sinn der Philosophie betätigt, bzw. die Denksysteme eines Aristoteles und Kant umgedeutet und verfälscht hatten. Schon das Wort „Einbruch" (!) im Titel*des Vortrags deutet auf den 'schmählichen Versuch hin,; das Judentum, zum utisehöpferischen Eindringling in die griechische und deutsche' Philosöphie zu' degradieren,; .obwohl; hinlänglich^ bekannt . ist, welche ' Leistungen":der.; jüdische Denkergeist im Laufe der; Jahrtausende vollbracht' hati? ' Der" „Völkische Beobachter" notiert dreilGrund»- züge'der. jüdischen Philosöphie:". 1..Verf ä 1 sc.hung; des von den Philosophen, Gewollten,' wenn Philo Plato auf Moses zurückführt, Maimonides Aristoteles mit dem Judentum, verbindet, C o h e n für Kant den jüdischen Messianismus in Anspruch nimmt;' 2, dje Bindung des Judentums an das „G e s e t z", das schon vor Erschaffung der Welt gegeben gewesen sei; 3,. die Trennung von Geist und Blut innerhalb des Judentums, die ein ordnendes Eingreifen, des Geistes in das Blut nicht mehr ermöglicht und zu einem hemmungslosen Ausleben der Triebe führen müsse. Den Einwand, ob. in der jüdischen Mystik und in Spinozas Philosophie nicht eine höhere Stufe der Sittlichkeit erreicht wäre, beantwortet' Grunsky damit, daß im Spinozismus eine wirkliche Anerkennung des Leidens fehle, ohne däs aber Heroismus zum Beispiel nicht denkbar sei. Kurzum: die jüdische Philosophie habe kein eigenes tfhema und könne darum nichts, als andere Philosophie — talmüdisieren. Der weithin unbekannte Professor Grunsky hat sich die Sache sehr leicht gemacht. Es ist kein Kunststück und zeugt auch nicht von Mut, vor Studenten, die nicht mehr selbständig denken dürfen, die Arbeit der jüdischen- Philosophen so darzustellen, als wenn es sich um eine ad-hoc-Manipulation handeln würde. Das Verhältnis der Juden zur Philosophie ist ein großes und überaus eigenartiges Problem, nicht vergleichbar mit der Philosophie der Griechen und Deutschen, weil der Ausgangspunkt der jüdischen Denkuhd Sittenlehre kein schlechthin philosophischer, sondern ein. religiöser war. Philosophieren war für den jüdischen Forscher immer ein Ringen um Gott; und dieses Ringen um Gott wurde erst dann in den Bereich der Philosophie einbezogen, als der jüdische Denker niit dem griechischen Intellektualismus zusammenstieß. Es war dies ein Augenblick weltgeschichtlicher : Bedeutung und darum wirkt es geradezu grotesk, wenn die neudeutschen- Professoren der neudeutschen, hakenkreuzlerisqhen Philosophie den grandiosen Versuch, Piatons Ideenlehre in Uebereinstimmung mit biblischem Gedankengut zu bringen, als — „Einbruch des Judentums in die Philo» s:o p h i e" bezeichnen. 'Die Arbeit der jüdischen Philosophen war ein Suchen nach der Wahrheit, so wie es die Arbeit der jüdischen Naturwissenschaftler war (die' nationalsozialistischerseits gleicherweise verfemt sind), und die gedanklichen Synthesen, die durch die Berührung fremder Volkstümer erzeugt werden, gehören zu den wunderbarsten' Erscheinungen der Geistesgeschichte. Gerade darin besteht die Größe der Wedgwood klagt Palästina-Regime an In unserer Ausgabe Vom 16. Februar brachten wir die Nachricht, daß der Abgeordnete Colonel J. Wedgwood nach Jabotinsky in einer in London abgehaltenen öffentlichen Sitzung einvernommen worden sei. Heber Wedgwoods Aussage liegt nun ein genauer Bericht vor. Der Kenner der palästinensischen Verhältnisse und Freund des Monistischen Aufbauwerkes übt schärfste Kritik an der Palästina-Verwaltung, der er im wesentlichen eine Bevorzugung des arabischen Elements zuungunsten der Juden vorwirft. Wedgwood legt seine Kritik in großen Zügen dar, ohne sich in kleine Einzelheiten zu verlieren. Er stellt eine soziale Isolierung zwischen der jüdischen Bevölkerung und der englischen Verwaltung fest und weist auf eine systematische Arabisierung deg\ katastrophal auswirke. Seine Kritik ist eine vehemente Anklage gegen das Regime. Bodenrechtliche Entsöheidungen werden, erklärt Wedgwpod, ständig gegen die Juden getroffen. Der ganze Kampf in Palästina isi ein Kampf zwischen dem nomadisierenden Araber Und dem stabilen Siedler. Auch die englische Richterschaft sei unter Druck gesetzt; der Staatsanwalt sei' ,ein Araber. Wedgwood befaßte sich '• weiters mit dem für das Land .ungünstigen Steuer- und Zollsystem, mit dem System;der städtischen Verwaltung, das ausschließlich den Arabern zugute-^komme, mit der Anlage von Straßen, wobei die jüdischen Kolonien benachteiligt würden, und schließlich mit . dem Entgegenkommen der Palästina:Regierung für die Araber. „Gibt es; ein anderes Land", rief Wedgwood i aus, „wo Leute, die1 gemeutert haben, wieder ein- * gestellt :werdra^ Dieser Ausruf bezieht sich aul^e^at^clKei daß sowohl die arabischen Polizisten wie die arabischen Beamten der' Palästina-Regierung, welche während der Unruhen die Partei der Aufständischen ergriffen, nicht gemaßre'gelt wurden. Weiters urgierte Wegdwood eine Arbeiterschutzgesetzgebung, eine vollständige Reform der Verwaltung, wobei er verlangte, daß niemand nach Palästina geschickt werde, ohne daß man ihm sagte, er müsse die Besiedlung des Landes durch die Juden begünstigen und sich für die Durchführung des Mandats einsetzen. Den Höhepunkt seiner Aussage erreichte Wedgwood, als er erklärte: Es wurde unzweckmäßigerweise jüdischen Philosophen, daß sie bei ihrem fanatischen Suchen der, Wahrheit oft selbst in Widerspruch zu ihren eigenen —-■ geistigen und religiösen — Traditionen gerieten und damit zugleich in die Gefahr des Ausgestoßenwerdens von jüdischer Seite. Die nationalsozialistische Betrachtungsweise ist hier wie bei anderen Phänomenen eine überaus leichtfertige, ja zynische.-Was Professor Gruiisky über den Anteil des Judentums an der Philosophie in seinem Vortrag erzählt hat, entspricht völlig der nazistischen Pseudowissenschaft, die eben auch in die Phüosophie eingebrochen rist. Die großen Leistungen der deutschen Denker auf dem Gebiet der Geschichte, der Phüosophie strafen die bösartige Darstellung Gruhdskys Lügen. Vor Grunsky, bzw. seinemKommandanten Dr.Goebbeis wäre es keinem deutschen Professor eingefallen, zubehaupten, daß beispielsweise in der. jüdischen Philosophie Geist und Blut getrennt seien und dieses, sich selbst überlassen, zu einem hemmungslosen Ausleben der Triebe, d. i. zu den vom Nationalsozialismus „enthüllten jüdischen Lastern", führen müsse. Wer hur ein wenig vom Judentum weiß, der müßte wissen, daß die Heiligung des Diesseits eine Forderung der jüdischen Religion ist. Und wer nur ein wenig von der Philosophie der Welt ,weiß, , der müßte den Einfluß der jüdischen Denker (Maimonides, Spin,oza, Cohen, Bergson, Einstein) auf eben diese Philosophie der Welt zu würdigen wissen. ,Wie in der Religionsgeschichte, so gibt es auch im Bereich, der Philosophie mutige und stolze Denker jüdischen Stammes. Das läßt sich nicht bestreiten. Bis zum Jahre 19S3 wüßten es auch die Deutschen. Seither aber ist es anders geworden. Die These vom jüdischen Untermenschen muß im Dritten Reich auf allen Gebieten belegt werden. Der Propagandaminister kommandiert und die Herren Professoren treten an, o. r. müde gegen die verbrecherischen Beamten und Banditen verfahren. Nur wenige Verbrecher wurden bestraft, wenige auch nur verhaftet. Die Juden wurden für die während der Unruhen erlittenen Schäden nicht entschädigt, wohl aber die Araber. Das Empörendste ist, daß man den Juden nicht erlaubte, Waffen zur Verteidigung zu tragen. Die Verluste wurden so angezeigt, daß kein Unterschied gemacht wurde zwischen den von der Polizei erschossenen Banditen und den kalt hingemordeten Juden. Schwächliche Politik der britischen Regierung in einem orientalischen Land ist ein Wahnsinn. Schließlich verlas Colonel Wedgwood einen Brief der Lady R e a d i n g über die gegenwärtige Lage in Palästina, worin sie ausführt, daß das Prestige Englands infolge der Haltung der Palästina-Verwaltung so gesunken sei, daß es zum Gelächter für Juden und Araber werde. Nur ein Gutes sei zu berichten r die Zurückhaltung und Selbstbeherrschung der Juden. Was: Palästina brauche, sei nicht ein Bericht, sondern; ein, Mann. * In vertraulicher Sitzung wurden der gegenwärtige Oberkommissär Wauchope und Sir John Ohaucellor, der zur Zeit der Augustunruhen 1929 Oberkommissär für Palästina war, von der Kgl. Kommission einvernommen. Wae lange nodi? Vor einigen Wochen begannen in Tel-Aviv blutige Schlägereien zwischen sozialistischen und revisionistischen Arbeitern. Der Streit ist bis heute nicht beigelegt. Dann kam die Meldung, daß in Warschau der B e t a r, die Organisation der zionistisch-revisionistischen Jugend, das Palästina-Amt gestürmt und demoliert hat. Jetzt berichtet die Jüdische Telegraphen-Agentur: Jerusalem, 15. Februar. Gestern drangen 70 Mitglieder des revisionistischen Brith Trumpeldor in das Jerusalemer Büro der Jewish Agency ein und forderten Einwanderungszertifikate für ihre Genossen in Europa. Ein Teil der Büroeinrichtung wurde zerstört. Die Polizei verhaftete 37 Betarim. Jerusalem, 16. Februar. Ueber den Ueberfall auf das Büro der Jewish Agency in Jerusalem wird noch mitgeteilt: Die eingedrungenen Betarim demolierten die Inneneinrichtung des Einwanderungsamtes der Jewish Agency, zertrümmerten Türen und Fenster, vernichteten zahlreiche Dokumente und verletzten vier der anwesenden Beamten. Unter den 70 Eingedrungenen waren Betarim auch aus Tel-Aviv und anderen Orten des Landes. Den Angestellten gelang es, zu flüchten und die Eingedrungenen von draußen einzusperren. Die Eingesperrten schleuderten Telephonapparate und Stehreibmaschinen zum Fenster hinaus auf die Straße. Die herbeigeeilte Polizei verhaftete, wie mitgeteilt, 87 Betarini. „Palcor", die offizielle Korrespondenz der Zionistischen Exekutive, teilt mit: Jerusalem, 15. Februar. Die 37 Mitglieder des Betar erschienen heute vor dem britischen Richter Curry unter der Anklage der ungesetzlichen Z usammearottung, Sachbeschädigung und