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Die neue Welt · 1937-02-16 · Heft 632 (16.2.1937) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 632 (16.2.1937)
Date
1937-02-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seit« 2 DIE NEUE WELT Nr. 632 vom 16. Februar 1Ö3T Jüdischen Nationalheims mit Sympathie gegenüberstehen. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, bemerkte Jabotinsky, wie tief enttäuscht wir waren. Wir sahen, daß man eine Politik des Fortwursteins sich zu eigen machte. Wir haben unter diesem Mangel eines Systems und der entschiedenen Abneigung gegen Planung schwer gelitten. Wir haben auch gelitten, als man uns auf unsere Beschwerden antwortete, „der Mann an Ort und Stelle wisse es besser". Ich bemerke, daß die Verwaltung in Palästina zum großen Teil mit Personen besetzt wurde, die das Gegenteil von Sympathie für den Zionismus und für die Juden empfinden. Mit Schweiß und Blut aufbauen Nachdem Jabotinsky betont hatte, daß weder das Unterhaus noch das House of Lords Begeisterung für die Schaffung eines Legislative Council in Palästina gezeigt hätten, kam er auf das Sicherheitsproblem zu sprechen. Die Juden hätten in Palästina Frauen und Kinder zu beschützen. Sie seien genötigt gewesen, eine Selbstverteidigung zu improvisieren. Warum habe man die jüdischen Regimenter aufgelöst? Warum soll in England der Eindruck entstehen, daß man Jonny und Tommy braucht, um die Juden zu verteidigen? Wenn für den Aufbau Palästinas Schweiß und Gold gegeben werden müssen, dann sollen es unser Schweiß und unser Gold sein. Und wenn Blut gegeben werden muß, . dann laßt es unser Blut seht. England am Scheidewege Von Morace Samuel, loiuton Zur Klärung Von Dr. Berdycxewskl und vieles andere mehr lesen Sie im Februarheft der Zeltschrift „DIE NATION", jüdische Revue. Bei Kolporteuren erhältlich oder von der Verwaltung, Wien, XX., Wexstraße 14, Tel. Nr. A-44-1-50, zu beziehen. Vierzehn Tage vor den Unruhen ist dem High Commissioner in einem Telegramm mitgeteilt worden, daß Unruhen bevorstehen und die britischen Truppen nicht ausreichen. Eine Kopie dieses Telegramms ging an das Golonial Office, das den Empfang bestätigte. Es wurde in Abrede gestellt, daß die militärischen Vorbeugungsmaßnahmen ungenügend seien. Damals, am 6. April, gab es in . Palästina ein Bataillon. Ist dies nur Nachlässigkeit? fragte Jabotinsky. Warum hat die britische Regierung es zugelassen, daß"wir Juden in den Augen der Araber und der Bevölkerung hier in England so unverdient erniedrigt werden? Hätte man 5000 junge Juden im April mobilisiert, dann hätte man die Unruhen verhüten können. Ein Weg, hier Abhilfe zu schaffen, wäre es, die Schuldigen herauszufinden und sie zu bestrafen und auch eine Untersuchung über den Obersten Moslern it Ischen Bat durchzuführen. Eine Unabhängige Kommission müßte das Ausmaß der Schuld untersuchen. Was soll geschehen? Jabotinsky befaßte sich sodann mit dem Programm der Jewiah Agency und äußerte die Ansicht, daß sie reformiert werden sollte. Es sollte. ferner versucht werden, die gesamte jüdische Selbstwehr zu legalisieren, die heute bereits in der Stärke von 3000 Mann legalisiert sei. Die Juden, erklärte Jabotinsky weiter, könnten kein Zugeständnis machen. Es gäbe nur einen Weg für ein Kompromiß: man solle den Arabern die Wahrheit sagen. Der Araber sei vernunftig, klug und gerecht. Werde man den Arabern die Wahrheit sagen, dann werde bei ihnen eine Sinnesänderung eintreten. Es sei für ihn eine höchst unerfreuliche Pflicht, den Gedanken zu erwägen, was geschehen würde, wenn die Wünsche der Juden von Großbritannien nicht erfüllt werden könnten. Er hätte gewünscht, diese Frage nicht erwähnen zu müssen. Er beantworte sie im Namen des extremen Flügels der zionistischen Bewegung: Wenn Großbritannien wirklich nicht in der Lage wäre, dies zu tun, dann solle es sein Mandat zurückgeben und dies in einer Weise tun, die die Sicherheit der Juden und die Aussichten des Zionismus für die Zukunft nicht gefährdet. Er sei vollkommen davon Uberzeugt, daß es dazu nicht kommen werde, denn er glaube an Großbritannien. Die Vorschläge Jabotinskys Die Vorschläge, die Jabotinsky machte, lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: Er befürwortete die Einsetzung eines Kolonisationsregimes zwecks beschleunigter Verwirklichung des Mandatszieles. Unter diesem Regime seien folgende wesentliche Maßnahmen zu treffen: a) Eine Agrarreform; b) eine Reform des Zoll- und FinanzsyBteme; c) eine Reform der Zollverwaltung; d) Oeffaung Tra&ftjorda&iena für jüdische Kolonisation; e) Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit durch Aufstellung eines eigenen jüdischen Militärverbandes innerhalb der britischen Streitkräfte in Palästina sowie von jüdischen Einheiten in der Landespolizei und von legalisierten Selbstwehreinheiten. Dieses Regime solle gelten für die Verwirklichung eines Zehnjahreplanes zur Einwanderung von etwa anderthalb Millionen Juden, wodurch die jüdische Not in der Diaspora gemildert und eine jüdische Mehrheit in Palästina gesichert werden würde. Auf jüdischer Seite solle gleichzeitig eine durchgreifende Reform der Jewish Agency auf der Basis freier Abstimmung in allen Ländern statt des durch den Schekel bezahlten Wahlrechts durchgeführt werden. Der Unterschied zwischen Alt- und Neu-Zionismus Nachdem Jabotinsky seine zusammenhängende Darstellung beendet hatte, richtete der Vorsitzende, Lord. Peel, an ihn einige Fragen. Lord Peel: Stimmen Sic und diejenigen, die Sie vertreten, mit denjenigen, die ich als die mehr rechtgläubigen Zionisten bezeichnen möchte, in vielen Punkten Uberein? Jabotinsky: Das müssen die anderen entscheiden. Lord Peel: Ihre Haltung ist eine so kritische, daß ich mich fast fürchte, die folgende Frage an Sie stellen zu müssen: Welches ist die politische H a u p 11 i n i e, in der Sie sich Ihrer Meinung nach von den allgemeinen rechtgläubigen Zionisten unterscheiden? Jabotinsky: Sie würden mir einen persönlichen Gefallen erweisen, wenn Sie mir gestatten wollten, diese Frage zu übergehen. Ihre Beantwortung würde mich zur Kritik an einer anderen jüdischen Körperschaft zwingen, was ich vermeiden möchte. Kommen andere Mächte als Mandatare in Frage? In Beantwortung einer Frage von Sir Laurie Hammond erklärte Jabotinsky, es gebe keine Bestimmung im Mandat, derzufolge die Araber um ihre Meinung befragt werden müßten. Man könne England mit der Aufgabe betrauen, sich um die Interessen der Araber zu bekümmern. Sollte jemals eine neue Mandatarmacht eingesetzt werden, dann könne man es England überlassen, dafür zu sorg«a, daß der neue Mandatar Garantien für den Schutz der Araber leiste. Jabotinsky meinte, es gebe viele andere Mächte, die als Mandatar in Betracht kämen. Lord Peel: Es ist besser, keinen Namen zu nennen. Auf weitere Fragen von Sir Laurie Hammond sagte Jabotinsky, er glaube, man sollte den Arabern zu verstehen geben, daß das Mandat die Scbaf fungeines Judenstaats bezwecke. Die High Commissioners, die man nach Palästina entsendet, sollten Männer sein, die für diesen Gedanken Sympathie haben. Wir werden beweisen, daß es in Palästina für Millionen Juden Raum geben wird, für drei,, vier oder fünf Millionen. Wenn die Juden die Mehrheit erlangt haben, dürfte bei den Arabern eine Sinnesänderung eintreten. Wir werden das Land reich und die Araber glücklich machen. Die Einvernahme Wedgwoods Der nächste Zeuge, Abgeordnetor Colonel Josua Wedgwood, beschränkte sich In seinen Aussagen auf eine, allerdings sehr scharfe. Kritik an der Palästina-Verwaltung. Diese Verwaltung: sei darauf eingestellt, die Araber gegenüber den Juden zu begünstigen. Auch die palästinensische Justiz sei gegenüber den Juden, insbesondere in Bodenfragen, nicht gerecht. Es könne in diesen Verhältnissen nicht anders Wandel geschaffen werden als durch eine vollständige Reform derVerwaitung. Colonel Wedgwood schlug vor, daß jedem Beamten, bevor er nach Palästina entsandt wird, erklärt werden solle, daß er die Besiedlung des Landes durch Juden begünstigen und sich für die Durchführung des Mandats einsetzen müsse. Ein ausführlicher Bericht Uber die Aussage Colonel Wedgwoods erscheint in unserer nächsten Ausgabe. (Anm. d. Red.) /New York Times" zur Tragödie der luden Aus New York: Die „New York Times" veröffentlicht einen Bericht ihres Sonderkorrespondenten über die „Katastrophe von wahrhaft historischem Ausmaß", die den fünf Millionen Juden in Polen, Lettland, Litauen, Ungarn und Rumänien drohe. Die Juden dieser Länder stünden vor der Wahl zwischen einem vollständigen Exodus oder einem „langsamen Tod durch wirtschaftliche Abwürgung". Als Gründe für die Judennot in den genannten Ländern fuhrt der Sonderkorrespondent das Anwachsen des Nationalismus, Uebervölkerung und ungesunde Wirtschaftsstruktur der jüdischen Bevölkerung an. Frauengruppe der Neu-Zionistischen Organisation nvDiK^cnwrn'na Dienstag, den 16. Febr., halb 9 Uhr abends, in den Sälen des Nied.-österr. Gewerbevereines, I, Eschenbachgasse 11 Plirim-FeSt Akademie unter Hitwirkung hervorragender Kunstkr&ft« Ja%z - Tan» - Diverse Belustigungen fcartea 4 S 1.60 und 2,50 im Sekretariat II, Aspernbrückeog. 2, fWW-30-U Der Vatikan gegen Hitler Aus Rom (J. T. A.): Das offizielle Organ des Vatikans, „Osservatore Romano", nimmt in einem Aufsatz scharf Stellung gegen den Passus über „B1 u t u n d Rasse" in der letzten Rede Hitlers im deutschen Reichstag. Die Zeitung schreibt: „Es ist ein historischer Irrtum, zu glauben, daß die Rassentheorle, die Hitler mit den von Kopernikus aufgefundenen Tatsachen vergleicht, etwas Neues bringt, Oder etwas Gutes. Der Idee von Blut und Rasse müsse man den Begriff »Nation' entgegenstellen, der im etymologischen Sinn umfassender sei, weil er die geistigen Elemente von Glauben, Tradition und Gesöhichte zusammenfaßt. Der Mensch besteht nicht allein aus Blut und Fleisch, sondern hat höhere und edlere Form: Geist. Der religiöse Irrtum Hitlers besteht darin, daß er das göttliche Grundgesetz von der ewigen Seele jedes Menschen nicht anerkennen will. Der philosophische Irrtum der Rassentheorie besteht darin, daß diese den Menschen zu einer Sache, zu einem Tropfen Blut, zu einem Rassenprodukt degradiert, statt in ihm die Person' lichkeit zu erkennen. Der Irrtum juridischer Natur ist der, daß ein .Rassewert' anerkannt wird, wodurch das Naturrecht jedes Individuums verletzt wird. Indem der Rassewert als göttliches Gesetz angenommen wird, wird der Gottesbegriff überflüssig gemacht." Das Organ des Vatikans schließt: „Rasse bedeutet Teilung, die Rassentheorie führt zu einer Scheidung der Menschen und hindert die Verständigung zwischen Völkern. Das sieht man am besten aus der Stellung des Nationalsozialismus zum jüdischen Volk, welches Hitler in seiner Rede als .Beherrscher und Zerstörer aller anderen Völker* bezeichnet hat. Die Rassentheorie dichtet ganzen Völkern Fehler an, die nur einzelne Menschen haben können, sie sieht in ganzen Völkern nur einzig und allein Fehler und keinerlei Tugenden und vermag letzten Endes nur negative und feindselige Gefühle zu wecken." Die Stellungnahme des „Osservatore Romano" gegen Hitler hat in römischen Kreisen großes Aufsehen hervorgerufen und wird vielfach kommentiert» Hungerefresk der jüdischen Studenten Die durch den unaufhörlichen Terror und. die fortwährenden Ueberfalle durch nationaldemokratische Studenten zur Verzweiflung getriebenen jüdischen Hörer an der Universität Wilna (Polen) haben zum Zeichen des Protestes gegen die passive Haltung, die die Universitätsbehörden gegenüber den Exzessen an den Tag legen, einen 24stündigen Hungerstreik durchgeführt. Am 9. Februar, 9 Uhr abends, schlössen sich 550 jüdische Studenten im Studentenheim ein und sperrten die Wasser- und Elektrizitätszufuhr ab. Der Hungerstreik der jüdischen Studenten hat auf die jüdische Bevölkerung Polens einen tiefen Eindruck gemacht. Der Jüdische Parlamentsklub, alle jüdischen Organisationen und die polnischen Arbeitergewerkschaften haben den Studenten Sympathiekundgebungen geschickt. Bevor die Studenten in den Streik traten, waren sie von dem Rektor der Wilnaer Universität aufgefordert worden, sich damit einverstanden zu erklären, daß ihnen in den Hörsälen die Plätze auf der linken Seite vorbehalten werden. Die Studenten haben diesen Vor«» schlag einmütig zurückgewiesen. Am Mittwoch abend zogen die Studenten nach Beendigung des Hungerstreiks geschlossen aus dem' Studentenheim aus, nachdem sie in einer Versammlung eine Protestresolution gegen den Versuch der Wilnaer Universität, eine Ghetto-Sitzordnung einzuführen, gefaßt hatten. Sie wurden vor dem Gebäude von einer großen jüdischen Menge mit er« mutigenden Zurufen begrüßt. Vertreter der fort* schrittlichen polnischen Studentenschaft haben ihre Solidarität mit der Protestaktion der jüdischen Stu* denten erklärt. Zehn der Hungerstreikenden erlitten Ohnmachtsanfälle, hielten aber trotzdem den Streik durch. Der Gouverneur von Wilna versicherte dem Abi geordneten Rabbiner Rubinstein, daß er, falls sich die Unruhen an der Universität wiederholen sollten, ohne Rücksicht auf die Hochschulautonomie die Besetzung der Universität durch Polizei anordnen werde. * An der Krakauer Kunstakademie und am Berg* bau-Institut beschlossen die Nationaldemokraten die Durchsetzung des Numerus nullus für Juden, Die Eingänge zu den Hochschulen werden blockiert, kein Jude wird hereingelassen. * Der Nationaldemokrat Edmund Zaszycki er« mordete eine jüdische Frau und flüchtete. * In K i e 1 c e begann der Prozeß gegen die Natio* naldemokraten Szylinski und Boruszynski, die den jüdischen Kaufmann Kirszenbaum, Vatetf von. sieben Kindern ermordet hatten,.

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