Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 631 (12.2.1937)
- Date
- 1937-02-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 631 vopd 12. Februar 103t DIE NEUE WELT iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii.i Zirkus llllllllllllllllllllll I Lllfl Feber: Dar Höhepunkt | ' des Wiener Gastspieles" im 20 neue Sensationen!^ Unter And«r«n: AFritzi Bärtoni - „Heldin der Luft" PCavalllnl - die Clowns der Welt Truzxi - Rasteiiis Nachfolger Berosfni - Radkunst am Hochseil 4 Bannos - Exzentrik wie noch nie Caroi - Trapez-Ballance LIHI«Zachinl,musik. Wunderkinder i Neue Freiheitsdressuren und Uwen-, Bären-und Elefanten Gruppen! Eintrittspreise von % 1.— an. ifich 4 und 8 T«g Uhr toocUeKfaefd Englische Kritik „Bütte die Regierung den Mut gehabt, zu ihrer Ueberzeugung zu stehen, dann wäre es zu den Unruhen von 1936 wahrscheinlich nicht gekommen." Aus Douglas Duffs „Palestine Picture", 1936. Zion und religiöse Wiedergeburt „Die Religion der Oaluth, soweit sie Ausdruck des Welt- und Lebensgefühls ist, war Religion eines sich auflösenden Volkes. Die Religion hier stammt aus dem Lebensgefühl eines in der Wiedergeburt stehenden Volkes, das seine einzelnen Menschen mit der Kraft der Wiedergeburt erfaßt und erfüllt ... Wenn die Geschichte neben der Natur und neben dem, was im Innern des Individuums 'persönlichen Geschehen ist, Quelle des religiösen Erlebens ist, dann ist die Rückkehr der Juden, nach 2000jähriger Verbannung, in ihr altes Land, für den Juden, aber auch darüber hinaus für jeden, der aus der Gedankenwelt der Bibel geschöpft hat, der stärkste Ausdruck und Hinweis einer religiösen Wirklichkeit." Rabb. Dr. M. Elk (Haifa), 1937. Traume oder Wirklichkeiten! „Die Bewegung der Territorial isten, die jetzt wieder ein wenig im Schwange ist, bereits ihre eigene Zeitung besitzt, und von den unbegrenzten Möglichkeiten der großen weiten Welt' spricht, wird erst zu erweisen haben, ob sie reale Möglichkeiten schafft oder IM Restaurant und Selchwaren TtM Unter Aufsicht der Adas Jisroel (Sehlffschul IDA I A 7 AD SCHIFFAMTSGASSI 10 I BafBtaVQ Jia 5x> (Ecke Franz-Hochedlinger-Qaate) Tel. A-48-1-32 Selchwaren aus der Fabrik I. EISEN. Bier- und Weinausschank. LekaliUten fOr all e Festlichkeiten 0 ob sie sich damit begnügt, auf Zauberteppichen über den Erdball zu fliegen. Für solche Reise ist das jüdische Volk zu arm." Dr. Joachim Prinz (Berlin), 1937. Die ewige Thora „In der Thora gibt es nichts Neues und nichts Altes, das Neue ist alt und das Alte neu." J. L. Perez (Ein Zwiegespräch). Che in Palästina „Der Bann des Rabbi Gerschom, dem wir im Abendlande die Monogamie verdanken, erstreckt sich nicht auf Palästina. Mehr als eine Frau haben öfters die Jemeniten und andere orientalische Juden. Hat der abendländische Jischnw die Einehe nach Palästina mitgebracht? Als selbstverständliche Lebensgewohnheit sicherlich, aber wie steht es religiös-gesetzlich? Eine einheitliche Regelung ist hier notwendig. Es ist zu wünschen, daß sie bald erfolgt." R. A. Dr. N. Kalisch (Berlin). Ein Gleichnis ,J2in Mann wurde unversehens von einem Wolf angefallen, entkam aber glücklich der Bestie; wohin er nun auch gelangte, dort berichtete er von der Begegnung mit dem Wolf. Es begab sich darauf, daß er einmal auf einen Löwen stieß, sich aber noch rechtzeitig retten konnte. Hinfort pflegte er überall von dieser Rettung zu erzählen. Schließlich wurde ihm eines Tages. eine Schi an (je gefährlich, doch gückte es ihm ebenfalls, sich in Sicherheit au bringen. Da vergaß er, was ihm mit dem Wolf und mit dem Löwen geschehen war, und sprach von nichts anderem mehr als von der Schlange." * Dieses ist das Gleichnis für Israels Geschick: Die Trübsal vergangener Zeit wird verdrängt vom späteren Xiejd/ Aus dem Talmud. Die Juden Wiens Bevölkerungsbewegung Die Amtsdirektion der Israelitischen Kultusgemeinde Wien veröffentlicht auf Grund der vom Matrikenamt der Kultusgemeinde zusammengestellten Tabellen nachstehende interessante Daten über die jüdische Bevölkerung: Nach dem Volkszählungsergebnis des Jahres 19 2 3 wohnten im Gebiet des Bundesstaates Oesterreich 2 2 0.2 0 8 J u d e n, hievon in Wien 201.513 und in den einzelnen Bundesländern 18.695 Juden. Die Zählung im Jahre 1934 weist bei einer Bevölkerungszahl von 191.481 Juden im Bundesgebiet Oesterreich einen Abgang von 2 8.7 2 7 Seelen, somit 13,1 Prozent, aus. Hievon entfällt auf W i e n bei einer Bevölkerungszahl von 176.034 ein Abgang von 2 5.4 79 Seelen und auf die einzelnen Bundesländer bei einer Bevölkerungszahl von 15.447 ein Abgang von 3248 Seelen. Die Verminderung der jüdischen Bevölkerung beträgt somit in Wien innerhalb des Zeitraumes von elf Jahren 12,6 Prozent, in den Bundesländern 17,3 Prozent. Von den in den Bundesländern wohnhaften 15.447 Juden entfallen auf: 25 Gemeinden in Niederösterreich .... 7716 Juden, 15 „ „ Oberösterreich.....966 5 „ „ Salzburg....... 239 „ 3 „ „ Vorarlberg...... 42 13 „ „ Steiermark......2195 9 „ „ Kärnten....... 269 „ 8 „ „ Tirol ........365 10 „■ „ Burgenland...... 3632 „ ohne festen Wohnsitz........ 23 „ Die im Vergleich zur christlichen Bevölkerung unverhältnismäßig hohe Verminderung des Standes der jüdischen Bevölkerung ist zum großen Teil auf den gewaltigen Rückgang der jüdischen Geburte n zurückzuführen. Während im Jahre 1923 die Zahl der jüdischen Geburten noch 2733 betrug, sank sie im Jahre 1928 auf 1362, im Jahre 1933 auf 900 und im Jahre 1936 auf 757. Die geringste Geburtenzahl weist das Jahr 1935 mit 735 auf. Die Sterbefälle in Wien betrugen im Jahre 1923 2571, im Jahre 1928 2669, im Jahre 1932 2689 und im Jahre 1936 2751. Das Jahr 1923 weist noch einen geringen natürlichen Zuwachs von 162 Juden aus, wogegen seit dem Jahre 1924 ein immer größerer natürlicher Abgang zu vermerken ist. Er betrug im Jahre 1924 132 Seelen, im Jahre 1928 1307, im Jahre 1933 1789 und im Jahre 1936 1994 Seelen; wogegen die Zahl, der Austritte von 1236 im Jahre 1923 auf 574 im Jahre 1936 gesunken ist. Der Gesamtabfall der jüdischen Bevölkerung unter Berücksichtigung der Geburten und Todesfälle, Eintritte ins Judentum und Austritte belief sich im Jahre 1923 auf 734, 1928 „ 1968, 1933 ,. 2211 und erreichte im Jahre 1936 die höchste Zahl von 2229. Im Jahre 1936 betrug die Zahl der Trauungen 1053, die der Ehetrennungen 336. Von den in Wien geborenen Kindern waren 40 und von den in Wien verstorbenen Personen 108 Ortsfremde. Als Todesursache sind im Jahre 1936 folgende Krankheiten festgestellt worden: Herzkrankheiten...........24 Prozent, Krebskrankheiten..........16 „ Erkrankungen der Atmungsorgane .... 12 ,t Erkrankungen des Blutes und seiner Bahnen 17 „ Erkrankungen der Harnwege......6 „ Altersschwäche...........5 „ Tuberkulose............ 4,5 „ sonstige Todesursachen........ 15,5 „ Durch Selbstmord sind 4,5 Prozent aus dem Leben geschieden. Von den Vei-storbenen waren 1451 männlichen und 1264 weiblichen Geschlechtes. Die Zahl der Totgeburten betrug 36. Von den Geburten im Jahre 1936 entfielen 366 Kinder auf das männliche und 337 Kinder auf das weibliche Geschlecht. Von 757 Kindern waren 54 unehelich. Von den 336 aufgelösten jüdischen Ehen waren 234 kinderlos. Dem starken Geburtenrückgang entspricht auch die Verminderung der Zahl der s c h u 1 p f 1 i c h t igenKinder. Während im Jahre 1933 in die erste Volks- . schulklasse 1330 jüdische Kinder eingeschrieben wurden, sank die Zahl im Jahre 1934 auf 1225, im Jahre 1935 auf 1210 und im Jahre 1936 auf 1100. Em jüdischer Polizist warnf Seit längerer Zeit-wird mit Betrübnis festgestellt, daß die jüdischen Polizisten in Palästina ohne große Hemmungen ihren Posten aufgeben und dadurch die jüdische Position in der Verwaltung des Landes schwächen. Ueber die Ursachen dieser traurigen Erscheinung gibt uns der Brief eines palästinensischen Polizisten Auskunft. Zwei Jahre sind vorüber, seitdem ich in den Polizeidienst getreten bin. Bis dahin war ich Bauarbeiter und verdiente 75 Piaster täglich. Aber die Arbeit befriedigte mich nicht. Jeder Emigrant konnte Arbeiter werden, aber von der Polizei wollte keiner etwas hören. Diejenigen, welche bei der Polizei dienten, liefen ständig davon. Wer wollte für 6 Pf. St. per «Monat Dienst tun, wenn er mindestens 12 Pf. St. monatlich verdienen konnte? Mich aber peinigte der Gedanke, daß ich nicht meine patriotische Pflicht erfülle. Ich sagte mir: Wenn du schon nicht Mitglied eines Kibbuz bist oder nicht irgendwo in einer Siedlung arbeitest, wo Hände fehlen, mußt du etwas Vernünftiges beginnen, und ich wählte den Polizeidienst. Die Arbeit ist schwer, aber mein Gewissen ist beruhgt. Zwei Jahre gingen vorbei. Das Defizit in meinem bescheidenen Budget wird immer größer. Aber ich bin noch immer bei der Polizei und habe nicht die Hoffnung verloren, es weiter auszuhalten. Besonders schwer in moralischer Hinsicht war das letzte Jahr. In der Zeit der Unruhen lernten wir viel. Ich war einer der ersten, die nach Jerusalem geschickt wurden. Hier hatte ich Gelegenheit, die Brutalität des arabischen Chauvinismus kennen zu lernen. Meine alten arabischen Bekannten zogen sich von mir zurück. Sie verspotteten mich und lachten mich aus. Oft griff ich nach dem Gewehr, aber mein Dienstkamerad hielt mich zurück. Andererseits war ich zerissenen Herzens Zeuge schrecklicher Mordtaten und Gerichtsverhandlungen, während welcher man alle Mittel anwendete, um die Spuren des Verbrechens zu verwischen und den Mörder sozusagen mit dem blutigen Messer in der Hand freizubekommen. Es gibt hier Dinge, über die man nichts sagen darf. Ich glaube aber, daß ihr, meine Brüder in der Galuth, es verstehen werdet, wie es die Polizisten verstanden haben, welche auf der Wacht standen und auf denen die größte Verantwortung lastete. Als die ersten Schüsse fielen, meldete sich als erster der jüdische Polizist; er weckte inmitten der finsteren Nacht seinen Offizier oder Sergeanten und verlangte die Erlaubnis, zur Verteidigung antreten zu dürfen. Wie oft schliefen wir weder bei Tag noch bei Nacht! Wir taten das laut „eigenem Verlangen," In Abu-Kabir geschah es, daß der jüdische und der arabische Polizist vom englischen Offizier den Befehl bekamen, in die jüdische Menge zu schießen, Der erste tat es nicht.. Er wurde beseitigt und heute sucht er „schwarze" Arbeit. Ich schreibe das nicht, um ein Heldentum vorzuspielen. Das war unsere Pflicht. Aber aus vielen Gründen schmerzt das Herz . . . Dr. Weizmann erklärte, vor der Kgl. Kommission, daß wir bereit seien, Tausenden unserer jungen Leute Leben und Habe anzuvertrauen, und inzwischen suchen sie Wege zu entlaufen, auch die wenigen jüdischen Polizisten, die noch geblieben sind. In Jerusalem haben acht jüdische Polizisten nach Beendigung der Unruhen demissioniert. Andere suchen Posten. Einst hielt ich das für Desertion, heute verstehe ich sie. Für die schweren materiellen und moralischen Bedingungen, die eine Zugabe zum schweren Dienst sind, kann man unsere nationalen Institutionen verantwortlich machen, die sogenannten offiziellen Faktoren. Es war einmal Brauch, daß wir an Feiertagen in Form einer Anleihe ein paar Pfund bekamen und so unsere Schulden bezahlen und unseren Famüien helfen konnten. Heute bekommen wir nichts mehr. Wir haben uns an den Vorsitzenden des Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat) B e n Z w i gewendet, aber von ihm eine Absage bekommen. Schließlich muß man auch wissen, daß junge Menschen in die Polizei eintreten und nicht eben aus patriotischen Gründen. Wir nehmen sie in unsere Obhut, finden aber keine Unterstützung beim Jischuw. Ist unsere Arbeit kein Pioniertum? Haben sich nicht unsere Führer in der letzten Zeit von der Wichtigkeit unserer Arbeit überzeugt? Es wird für den Jischuw ein großer Verlust sein, wenn die Letzten von uns weggehen und ein paar junge jüdische Polizisten bleiben werden, die jetzt schon — in der Pqlizeischuie — sagen, daß sie entweder Polizeioffiziere werden müssen oder . . . einen Weg zu einem Beruf finden werden, der Inu. ausländische Haushesitxer verwalten ihre WIENER HÄUSER durch behördlich konz. Realitätenkanzlei 1 Pr. M AIR PAIS =1 Wien I, Frani-Josefs-Kgi 1, Tel. R.21-5-30 jH Erstklassige Referenzen! iiiiiiii