Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1937-02-12 · Heft 631 (12.2.1937) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 631 (12.2.1937)
Date
1937-02-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2711613-2712245-2712256--6304-2720037
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 2 BEB NEÜE WELT Nr. 631 vom 12. Februar 1937 f 3imoit$6roi n noch immer unerreicht als ©cfunb^eit«- unb Jhaft* 1 brot. m<0) an beit fo mistigen m^t\a^tn. @efjr I bequem: ©tmon8broi«@chmttenbäcfd)en in©tatmiol. I 3rüd)tett&rDt: 2Iuf&au* unb £arm*fflegulator. £u I haben tn ^etnfoftöanblungen unb in öiefen Säcfereien. I V@imoti86CTtfo6rif gBien*ffgQt(tn 55. Säal. $oftberf.^ auch der Teil vor, welcher sich auf die Palästina- Regierung bezieht. Er lautet: „Die arabischen Bauern (Fellachen) leben in ihren Dörfern zumeist unter Bedingungen, die Schande und Gefahr zugleich sind. Die Strohhäuser und Zelte zeigen die niedrigen Verhältnisse, unter denen'die Menschen leben. Der arabische Fellach erwacht, wenn er den besseren Lebensstandard der Juden und die westeuropäische Kultur vor sich sieht, die ihn umgibt. Er gibt sich nicht genau Rechenschaft davon, was sein Bewußtsein erweckt. Aber sein Bewußtsein muß sich in der Richtung des Fortschrittes schon in der nächsten Zukunft entwickeln. Unter den Arabern müssen Führer auftreten, die ihre Bewegung in der Richtung einer Vereinigung mit den jüdischen Arbeitern führen werden. Die arabischen Großgrundbesitzer (Efendis) sehen in der Einwanderung von Zehntausenden jüdischer Arbeiter nach Palästina eine Gefahr für ihre Macht und den Anfang einer Bewegung, den Fellachen aus dem Zustande der furchtbaren Knechtschaft zu befreien, in der er bisher gelebt hat. Es ist meine tiefe Ueberzeugung, daß die letzten Ereignisse im . Lande keine natürliche Erscheinung waren, sondern von Elementen hervorgerufen wurden, die spüren, daß sie die Macht verlieren. Wir haben von einigen Distrikten gehört, in denen zwischen beiden Völkern Frieden herrschte. Terroristenbanden haben an diesen Plätzen die Araber terrorisiert, damit sie ihre freundschaftlichen Beziehungen zu den Juden abbrechen. In den Tagen der Unruhen wurden hiefür riesige Geldbeträge ausgegeben, und die Regierung weiß sicherlich von den Quellen dieses .Geldstromes'... Es gibt viele Fragen, die ich erst in Zukunft behandeln will Aber es ist unmöglich, bei dieser Gelegenheit nicht.Worte der Kritik gegen die Britische Regierung und ihre Vertreter in Palästina zu sagen. Ich habe mich, als ich durchs Land fuhr und den Mangel einer Entwicklung in den Städten und Dörfern sah, als Engländer geschämt. Manchmal erhält man den Eindruck, daß die Regierung überhaupt nicht an der Entwicklung des Landes und an der Verbreitung von Gesundheit und Bequemlichkeit interessiert ist. A rbeitslose erhalten keinerlei Unterstützung. Für Krankheitsfälle gibt es keinerlei Versicherung. Weshalb sollen in diesem Lande die Arbeiter allein Pflichten und Aufgaben auf ihren Schultern tragen, die eine zivilisierte Regierung erfüllen muß, um die verschiedenen Ansprüche im Gesundheitswesen zu befriedigen und Unterstützung für Arbeitslose sowie Hilfe für Arme sicherzustellen? Die gleiche Politik der Untätigkeit wird auch hinsichtlich der Projekte geführt, deren Ausführung erforderlich ist, um Frieden und Wohlstand im Lande wieder herzustellen. Die gleiche Politik des Nichtstuns kann man fast auf jedem Gebiete feststellen. Wir haben Material und Zeugenaussagen über den Druck und Terror gesammelt, der im Lande ausgerottet werden muß. Illegale jüdische Einwanderer werden monatelang unter schändlichen Verhältnissen im Gefängnis gehalten. In Palästina gibt es genug Platz für beide Völker, und sie könnten in Freundschaft und Fortschritt miteinander verbunden sein. Wenn aber an hohen Stellen und auf hohen Posten Menschen vorhanden sind, die versuchen, unter ihnen Konflikte hervorzurufen, so muß sich gegen diese Elemente die öffentliche Meinung im Lande mit ganzer Kraft wenden." Jüdische Kommunisten vor einem arabischen Richter Aus Jerusalem (Palcor.): Vor dem arabischen Richter in Ramien fand vor einigen Tagen ein Prozeß gegen einen Juden und eine Jüdin, Ephraim Waszik und Jacl Gerson, statt. Sie waren angeklagt, zur verbotenen kommunistischen Partei zu gehören. Man hatte bei ihnen viel belastendes Material gefunden. Als Verteidiger der beiden jüdischen Kommunisten fungierte der arabische Rechtsanwalt Asis Schachda, als Hetzer gegen die Juden bekannt. Die angeklagten Kommunisten sprachen vor Gericht die ganze Zeit arabisch. Auf die Frage des Verteidigers, ob sie Zionisten seien, antworteten die Angeklagten, daß wie Feinde der Zionisten 1 seien, weil die Zionisten die Araber aus Paläj stina vertreiben wollen. Diese Antwort verj fehlte nicht ihre Wirkung: Das Urteil des arabischen! Richters war außerordentlich milde. Die Angeklagte . üael Gerson wurde zu zwei Wochen Gefängnis and 1 f 25 Pfund Kaution für gute Führung verurteilt, Waszik zu einem Monat Gefängnis und einer Kaution von 25 Pfund. Gewöhnlich wird man'in Palästina wegen Zugehörigkeit zur kommunistischen Partei 2U mindestens drei Monaten Gefängnis und Landesverweisung verurteilt. Im vorliegenden Falle wurde die Landesverweisung nicht ausgesprochen. Skandal ohne Ende Wir haben unter diesem Titel über die schmählichen Vorgänge im Warschauer Palästina-Amt berichtet, welche dahin ausgingen,! - daß revisionistische Betarim, welche keine Palästina*Zertifikate erhalten hatten, das Amt stürmten und demolierten. Jetzt meldet die J. T. A. aus Warschau: Das Zentralkomitee der Ziönistischen Organisation in Polen beschloß, einen Aufruf an die jüdische Bevölkerung zu veröffentlichen,. der einen scharfen Tadel gegen den revisionistischen Betar wegen des Ueberfalls auf das zentrale Palästina-Amt in Warschau enthalten soll. Die Leitung des Betar in Polen erklärt ihrerseits, daß die Betar-Gruppe bei ihrem Eintreffen im Palästina-Amt erklärt habe, daß ihre Deputation eine friedliche sei, und daß sie lediglich dem Präsidium des Palästina-Amtes einen schriftlichen Protest gegen den „Raub der Alija-Rechte des Betar" überreichen wolle. Als Antwort darauf —■ so erklärt die Betar-Leitung — sei die Gruppe durch eine andere Gruppe überfallen und geschlagen worden. Die Schuld an solchen Ereignissen tragen ausschließlich die Instanzen der Zionistischen Organisation. Gegenseitige Erklärungen und Beschuldigungen sind keine Lösung. So wird den den Zionismus kompromittierenden Skandalen kein. Ende bereitet werden. Solange die oberste zionistische Leitung nicht zur Besinnung kommen und gerechte Ordnung schaffen wird, solange wird es keine friedliche zionistische Arbeit geben. , . Vom jüdischen Weltkongreß Aus Paris: Vom Büro des Jüdischen Weltkongresses wird mitgeteilt, daß?die Sitzung des Administrativkomitees des Jüdischen Weltkongresses, die nach Krakau , einberufen wordea.war.^gemäßv einem-soeben'^gefaßten Beschluß nicht in Kraka-.u; sondern..in W-i en* und zwar am 20. und 21. Februar, abgehalten werden wird;. Untersuchung von Einwanderungs* möglädijcciten . Aus Genf (J. T. A.): Der jetzt in Genf tagende Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes beschloß, unter Mitwirkung der Regierungen der Mitgliedsstaaten eine Sachverständigenkommission einzusetzen, welche die in einzelnen Ländern vorhandenen E i nwanüerungsmöglichkeiten untersuchen soll. Die Kommission soll ihren Bericht spätestens im Jahre 1938 (!) vorlegen. Es sollen dann vom Internationalen Arbeitsamt positive Maßnahmen, auf dem Gebiete der Auswanderung getroffen werden. Der polnische Delegierte Komarnieki wies im Verlaufe der Aussprache darauf hin, daß der Bevölkerungszuwachs Polens seit dem Ende >des Weltkrieges 7 Millionen Seelen ausmacht, somit größer-sei als die Gesamt.be völkerung aller baltischen Länder zusammengenommen. Polen sei bereit, an einer internationalen. Lösung des Auswanderungsproblems mitzuarbeiten, setze hiebei aber voraus, daß es nicht bei grundsätzlichen Erörterungen, bleibe, sondern, zu praktischen Maßnahmen komme. . Die Vertreter Brasiliens und Argentiniens erklärten, daß ihre Länder im gegenwärtigen Augenblick nur landwirtschaftliche Arbeiter als Einwanderer aufnehmen könnten. Für Angehörige anderer Berufe seien Einwanderungsmöglichkeiten nicht vorhanden. Die südamerikanischen Delegierten fügten jedoch hinzu, daß auf der letzten in Buenos Aires abgehaltenen panamerikanischen Konferenz die teilnehmenden Staaten aufgefordert worden sind, auch die Möglichkeiten einer erhöhten Einwanderung verschiedener anderer Einwandererkategorien zu studieren. Neue jüdische Gemeinden in Italien Aus San Remo: In Anwesenheit des Hauptrabbiners von Genua, Dr. P a c i f i c i, wurde in Sah R e m o eine jüdische G e m e i n d e, dte 100 Seelen zählt, gegründet. Dr. Pacinci gründete auch in der Hafenstadt Specia eine jüdische Gernei"";i 4,560.000 Dollar f£ ta ' Aus P i 11 s b u rg h: Das* Bf r.i Verteilungskomitee des American Joi.i. Distribution Committee, welches in Fittaburgh getagt hat, beschloß einmütig ein Budget von 4,650.000 Dollar für Hilfe an Juden in Europa. Davon sind 2,150.000 für Pölert und die übrigen Länder Osteuropas außer Rußland, 1,300.000 für Deutachland, 850.000 Dollar für Flüchtlinge in den1 verschiedensten Ländern, der. Rest für andere 3wfc£ke beMmmtj in einer Reßoiution. wiea dap Komitee auf die immer verzweifelter werdende Lage der Juden in den Ländern Mittel- und Osteuropas hin. Zum Präsidenten der Kampagne zur Aufbringung des Geldes wurde Felix M. Warburg, 2U Mitpräsidenten Paul Baerwald und Jonah" Wise gewählt. Traurige Helden In ■ Rumänien spielt sich jetzt eine tragische Komödie ab. Im Lande wüten Seuchen und es fehlt an Aerzten. Auf einen Aufruf des Gesundheitsministers haben jüdische Mediziner den lebensgefährlichen Dienst übernommen. Die: nationalrumänischen Mediziner haben sich, Wie der Ministep klagt, m6h\ in genügender Zahl gemeldet, dafür aber hetzt ihre antisemitische' Presse gegen die Verwendung von Juden. * Aus Bukarest, wird gemeldet: Das, Ministerium für Volksgesundheit' 'führt jetzt einen Kampf gegen die erschreckende Ausbreitung epidemische* , Krankheiten in. verschiedenen. Teilen des Landes. In B e s s a,r" a b i'e n hat besonders der T-y p h' u s eine besorgniserregende Ausdehnung angenommen. Nach einem Bericht der „Gazeta Basarabiei" sind 120 Mediziner, unter ihnen 36 jüdische Aerzte, in den verseuchten Gebieten bei. der Bekämpfung der Seuche tätig. Die antisemitische, Presse, besonders das Organ des früheren Innenministers Octavian Goga, führt nun eine giftige antisemitische Hetze gegen diese jungen jüdischen Aerzte, die dem Ruf des Gesundheitsministers gefolgt sind und unter Lebensgefahr an der Wiederherstellung der Volksgesundheit arbeiten. Diese wüste Hetze gegen die jüdischen Aerztt gab dem Minister für Volksgesundheit, Costinescu, Veranlassung zu folgender Erklärung: „In meiner Seele spielt sich jetzt ein wahres Drama ab: Ich habe eine Zahl von 30 ärztlichen Rayons im Lande frei, ohne Aerzte oder Mediziner. Es liegen bei mir Gesuche von Aerzten, die der jüdischen Minoritätsnation angehören und welche diese Pltäze besetzen möchten, aber ich kann sie nicht e r n e n n e n. Andererseits kann ich ' aber nicht ohne Schutz und ärztliche Fürsorge jene Dörfer lassen, welche den Epidemien und grassierenden Krankheiten ausgesetzt sind. Ich möchte daher die rumänischen Aerzte bitten, daß sie sich in die exponierten ländlichen Gebiete begeben, die von Krankheiten, bedroht .sindr;und daß sie der leidenden Bevölkerung Hilfe leisten, um auf diese Weise ihren - r.u mä>ni s-c h e n Nationalismus zu bekunden." Hierzu bemerkt das „Czernowitzer Morgenblatt":' „Welchen'.Erfolg dieser Anruf hatte, erfährt man nicht, hingegen hat man erfahren, daß jüdische Aerzte bereitwilligst in die gefährdeten Gebiete abgegangen sind. Verdienen sie dafür solche Haßanfälle, wie sie in der nazistischen Presse gerade aua, diesem Anlaß . propagiert werden?" Dafür schlagen sie Mädchen Sie sind also,zu feig, um in der Gefahrenzone ärztlichen Dienst zu verrichten. Aber sie sind mutig genug, Mädchen zu schlagen. . . Aus Bukarest (J. T. A.): Obwohl die Zahl der jüdischen Studierenden an der Medizinischen Fakultä-t der Bukarester Universität infolge des antisemitischen Terrors eine sehr geringe ist, fahren die Antisemiten in ihren terroristischen Akten gegen die Juden fort, um auch diese letzten Juden aus den Lehr- und Uebungssälen zu vertreiben. Posten nationalistischer Studenten, mit schweren Knütteln bewaffnet, blockieren die Eingänge zur Fakultät und verprügeln alle Juden, Männer und Frauen, die versuchen, das Gebäude zu betreten, oder die ihnen sonst in den Weg kommen. Während es bis jetzt selten vorkam, daß antisemitische Studenten, sich auch an jüdischen Studentinnen vergreifen, haben die Antisemiten nunmehr auch diesen, letzten Rest ritterlicher Haltung aufgegeben und fallen nunmehr brutal über jüdische Mädchen her, die sie verprügeln. Hitler gratuliert Streicher Aus Prag (J. T. A.): Wie die „Deutschen Informationen" berichten, hat Hitler seinem Freunde Julius Streicher zü dem im Verlag des „Stürmer" erschienenen „Bil<ierbuoh für Groß und Klein"» welches den Titel trägt: „Trau' keinem Fuchs auf grüner Heid' und keinem Jud' bei seinem Eid", gratuliert. Streicher war auch schon im Begriff, den Brief des Führers zu veröffentlichen, als das Propagandamlnisterium davon erfuhr und mit Rücksicht auf die Auslandswirkung die Veröffentlichung verhinderte. Verfasaerin der Verse und Zelchnerih der Bilder dieses pornographischen Hetzbuches ist bekanntlich die 18jährige Elvira Bauei\ von der Streicher mit Stolz erzählt, daß sie aeit mehreren Jahren Leserin des „Stürmer" ist. Das Bilderbuch, das in unserem Blatte schon beeprochen wurde« ist eines .der abscheulichsten Machwerke*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.