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Die neue Welt · 1937-02-12 · Heft 631 (12.2.1937) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 631 (12.2.1937)
Date
1937-02-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 Groschen Preftag, den 12* Februar 1*17 HU Jahrgang Nr* 611 V. Lnb» DIE NEUE Zeitung vom Verleger versende! „Journal expedie par Cediten**4 REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.60;, Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatHch Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Bumänlen monatlich Lei 60.—, vierteljahrig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—J Schwele und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.60, vierteljährig Schweizer Franc3 4.50. ( Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u.Verwaltung: lX,Universitätsstr.8>7eLA-20-2-78 - Erscheint Dienstattg.Freitag (AhuhU LOWE Vicgoäa. BRUCE 0:-^' KREUZ» llfberflfi§sige Huldigungen Diener am freien Geist —-so wurde Lion Feuchtwanger gesehen und gelobt, und als Dr. Josef Goebbels, der reichsdeutsche Propagandaminister, im Beginn des Naziregimes Feuchtwangers Bücher vor der Berliner Universität verbrennen ließ, galt dieser Schriftsteller als ein Märtyrer. Dem Autor der Werke „Jud Süß", „Der jüdische Krieg", „Die Söhne" usw. kam man fast ehrerbietig entgegen und er galt in gewissem Sinne als Repräsentant des deutschsprachigen jüdischen Schrifttums, obwohl einige seiner öffentlich gemachten kulturpolitischen Aeußerungen dem jüdisch-volklichen Gedankengut nicht sehr nahe standen. Feuchtwangers Besuch in Moskau und der feierliche Empfang, der ihm bereitet wurde, ließen erkennen, daß er sich zum Befürworter des russischen Bolschewismus gemacht habe. 'Feuchtwanger wies näinlich die Vorwürfe des. *rau^stechen. &cifa!rj^^ers'- Andre -Gide zurück', die^ieseivein Von Mbskaii< Enttäuschter, gegen die GewältEeirracK^'' §&diris'^a wegen der geknechteten Freiheit erhöben; hatte. Feuchtwangers probolschewistisches Bekenntnis rechtfertigt sozusagen nachträglich die Bücherverbrennung im Namen des Hakenkreuzes und die an sich lächerliche Beschuldigung, daß die Juden — Bolschewiken seien. Der jüdische, in Jerusalem lebende Publizist C. Z. Klötze 1 wirft Feuchtwanger, mit Recht Verrat am Geist als der Grundlage jeder sittlichen Existenz vor und schließt seine Betrachtung über das Verhalten Feuchtwangers: „Wer in Berlin verbrannt worden ist, darf nicht ,in Moskau andere verbrennen helfen. Tut er es dennoch, so kann er sich nicht wundern, daß seine Bücher von jenem Scheiterhaufen, auf dem die Märtyrer ,leiden, auf den Misthaufen geworfen werden, der das Allein würdige Ende der Verräter am Geiste ist." Dieser ebenso harten wie gerechten Zurückweisung der Lobhudeleien Feuchtwangers für das Terrorregime Stalins läßt sich Kritisches nicht mehr hinzufügen. Ueber den Rahmen eines aktuellen Bedauerns geht die Sache hinaus, wenn man erfährt, daß auch Albert Einstein sich wieder politisch geäußert, politisch exponiert hat. Seitdem Einstein in jüdischen, zionistischen Kreisen das Wort ergriffen hat — natürlich in p o s i t i v j ü d i s c hem Sinne, wird er in der nicht jüdischen Welt als stillschweigend anerkannter Wortführer der jüdischen Sache, als Repräsentant der Judenheit angesehen. Er schrieb vor einigen' Tagen an den spanischen Botschafter in Washington einen Brief, worin es u. a. heißt: „Ich bin außerstande, unter den vorliegenden Umständen in Worte zu kleiden, wie sehr mir die große Krise am Herzen liegt, die Ihr Vaterland durchlebt, und wie ich mit den Regierungstreuen fühle, die in so entschlossener Weise ihren heldenhaften Kampf •führen. Gleichzeitig aber sehe ich es; als beschämend an, daß die demokratischen Staaten bei dieser Lage nicht die nötige Energie angewendet haben, um ihre brüderlichen Pflichten' zu erfüllen. Spanien wird;um so mehr stolz sein können, wenn es trotz der Zurückhaltung dieser Staaten und trotz des Eingreifens der 'reaktionären Mächte siegreich seine Freiheit erhalten wird." Es wäre natürlich ungerecht, zu verlangen, daß jemand seiner Gesinnung Gewalt antue und etwa einer Sache seine Mithilfe verweigere, weil sie bei anderen Unmut erregen könnte. Hier aber geht es um die Pflicht eines in der ganzen Welt angesehenen Juden, Zurückhaltung zu üben, mit Sympathiebezeugungen sparsam zu sein, wenn sie sich für das eigene Volk ungünstig auswirken. Oft nützt gerade Schweigen mehr als ein lautes Bekennen. Albert Einsteins impulsive Art hat nicht immer der Sache genützt, für die Bio bestimmt war. AUS PALÄSTINA Politisches Auf der Landestagung der „Histadrut Haowdim" (Jüdischer Arbeiterverband) hielt der Vorsitzende der zionistischen Exekutive David Ben Gurion ein politisches Referat. Er erklärte u. a., der Jischuw habe durch Selbstzucht und Zurückhaltung bisher große politische Klugheit bewiesen. Sollte es abermals zum Ausbruch von Unruhen kommen, dann möge die Regierung erkennen, daß der Jischuw über 180.000 Männer im Alter von 20 bis 45 Jahren verfügt, die eine gewaltige Macht darstellen. Die Entscheidung der Royal Commissiön, sagte Ben Gurion", bedeutet für uns nicht das letzte Wort. Gegen die Politik des High Commissioner, für die Bemessung der Einwanderung an Stelle der Aufnahmefähigkeit des Landes politische Erwägungen heranzuziehen, werden wir einen entschlossenen Kampf führen. Der High Commissioner General Sir Artur Wauchope ist am 9. Februar mit Flugzeug über Aegypten nach England, wo er seinen Urlaub verbringen wird, abgereist. Die Gerüchte, daß er in sein Amt nicht mehr zurückkehren wird, wurden vom Cplonial Office in London als grundlos bezeichnet. . Vor seiner.-Ahreise,,, empfing der High-, Com- ^issJqher-:, 'äen^Müfti von Jerusalem- Haj Amin el Husseirii; den Generalsekretär des Obersten Arabischen Ausschusses Auni Bey Abdul Hadi, den früheren Bürgermeister von Jerusalem Ragheb Bey Nashashibe in einer Audienz, die zwei Stunden gedauert hat. Auskünfte über den Verlauf der Audienz werden von Regierungsseite nicht erteilt. Arabische Kreise behaupten, der High Commissioner habe den arabischen Führern zugesagt, daß die Juden in Palästina n i e d i e Mehrheit erlangen sollen. Auf die Forderung des High Commissioner, daß die Führer für die endgültige Einstellung des Terrors sorgen sollen, erklärten die Führer, sie seien hierzu nicht in der Lage, die Terroristen stünden nicht unter ihremEinfluß. Nach der zweistündigen Audienz beim High Commissioner hielt der Oberste Arabische Ausschuß eine außerordentliche Sitzung ab. # Die arabische Presse teilt mit, daß der vom Mufti geleitete Oberste Muselmanische Religiöse Rat im Namen des Wafd (Verwaltung der muselmanischen Kirchengüter) bei Gericht Anspruch auf einen Teil desBodensinTel-Aviv, auf welchem jetzt der jüdische Hafen gebaut wird, erheben wird. * Mehrere jüdische Regierungsbeamte in Saf ed erhielten Drohbriefe, die vom „Verband für.die Ausrottung der Juden" unterzeichnet sind und in denen sie aufgefordert werden, sofort ihren Abschied einzureichen; die Kußachtung dieser Forderung werde mit dem Tode bestraft werden. König Ibn Saud hat den Vorschlag des Mufti auf Einberufung eines Araber-Kongresses in Mekka während der Zeit der Pilgerfahrt abgelehnt, da es nicht wünschenswert sei, Politik mit Religion zu mischen. Terror Aus .Jerusalem (Palcor): Arabische Terroristen ermordeten einen Araber in Haifa und einen in Tiberias. Die wachsende Unsicherheit im Lande hat eine sehr gespannte Stimmung hervorgerufen. * Mehrere junge Araber aus Syrien, die der Verbindung mit den Terroristen verdächtig sind, wurden bei einer Versammlung in Haifa verhaftet. * Auf das Haus des arabischen christlichen Rechtsanwaltes Zaki' Elousta im christlichen Viertel Jerusalems wurde ein Bombenanschlag verübt, der keinen Schaden verursachte. Der arabische Rechtsanwalt Sharlf Zubhi wurde in Nazareth angeschossen und leicht verwundet* : v. Die in Ramien angestellten christlich-arabj fächern Regierungsbeamiten haben Drohbriefe erhalten, in denen sie aufgefordert werden, sofort ihren Abschied einzureichen. * Der Bürgermeister von Haifa, Hassan Shukri, auf den vor kurzem von arabischen Terroristen ein Attentat verübt worden war, erklärte in einer Sitzung des Stadtrates, als man ihm zu seiner Rettung gratulierte, daß er trotz seines Alters Mut habe und nicht daran denke, vor den Hetzern den Rückzug anzutreten. Ueberfall Aus Jerusalem: In der Nähe von Jenin überfielen Araber einen mit Juden besetzten Autobus. Der Chauffeur Jehad Banami und ein Passagier wurden ernstlich verletzt. Der Jaffaer Araber Bamiah, der während der Unruhen eine Höllenmaschine nach Tel-Aviv schickte, wurde vom Jaffaer Gericht zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Die arafbe§die LondonsDelegaftion Aus Jerusalem: Der Beschluß des Obersten Arabischen Ausschusses, eine Delegation nach London zu entsenden, ist endgültig. An der Spitze der Delegation wird der Mufti Haj Amin el Husseinei stehen; weiters werden ihr der arabische christliche Bischof Hadjar aus Haifa, der Sekretär des Obersten Arabischen Ausschusses, Auni Bey Abdul Hadi, der Führer der moslemitischen Jugend, Jamal HusseTni, der Verwandte des Mufti Shibi Jamal und der christliche Araber Alfred Rock angehören. Die Abordnung werde die Aufgabe haben, in London gegen den Zionismus zu arbeiten, wobei der Mufti die Losung ausgeben wird, es gelte, die Heiligen Stätten der Moslems gegen die Juden zu verteidigen. Wie „Dawar" mitteilt, hat der Mufti den Bischof Hadjar dadurch für die Teilnahme an der Delegation gewonnen, daß er ihm einzureden wußte, das jüdische Aufbauwerk bedrohe die heiligen Stätten des Christentums. Der Mufti habe es auch bei Hadjar durchgesetzt, daß er Italien und Frankreich besuchen und unter den dortigen katholischen Kreisen gegen den Zionismus agitieren wird. Die hebräische Zeitung „Haboker" meldet, daß der Mufti mit reichsdeutschen Stellen wegen Einrichtung einer deutschen Schiffahrtslinie zwischen den Häfen des Nahen Ostens und dem Hafen Jidda zwecks Beförderung der Mekka-Pilger verhandelt. Auf den Dampfern dieser Linie werden die Pilger ein geeignetes Objekt der antibritischen und antijüdischen sowie der prodeutschen Propaganda sein. Wie „Haboker" weiter meldet, ist der bekannte syrische Propagandist Scheik Arslan der Vermittler zwischen dem Mufti und den deutschen Stellen bei der Organisierung der Propagandaaktion unter den Mekka-Pilgern. Die Propaganda wird sich außer gegen England und den Zionismus auch gegen Frankreich richten. Eine verbotene Rede Der englische Arbeiterführer Mac Govern, welcher einige Wochen in Palästina weilte, wollte vor seiner Abreise im palästinensischen Radio über die Eindrücke sprechen, welche er im Lande erfahren hat. Die Palästina-Regierung hat ihm aber im letzten Augenblick verboten, im Radio zu sprechen, weil er in seiner Rede freie jüdische Einwander u n g fordern und die Tätigkeit der Regierung einer scharfen Kritik unterziehen wollte. Mac Govern hat daraufhin den Wortlaut seiner Rede der palästinensischen Presse zur Verfügung gestellt. Wir haben den Teil der Rede, welcher sich auf die jüdische Einwanderung bezog, bereits gebracht. Nunmehr liegt Alle EleHlro-meflLflDPflrnte ¥?uTJS?u$n Bantfagen-mihniasch SUSmb

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