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Die neue Welt · 1937-02-05 · Heft 629 (5.2.1937) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 629 (5.2.1937)
Date
1937-02-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Sefte * DIE NEUE WELT Nr. 629 vom 5. Februar 1937 ^Sttabettftet, ®tuf)loctftopftcv effeu mit SJurteif baS fett Sa^i^euten bewährte 1 ötmonsörot in bünnen (gelitten mit ftutter nnb I ©djinfen. geidjt uerbaulid), au$Ieid) beitföt. @efjr I bequem: Sinton§btot*@(^nitten^Srf4ett in Stanniol. I Sn aßen guten gcinfop^onbl. u. Öäcfmien |tt §o6en. I ^SimonSbrotfobri! 2Bien«®agrtm65. ^tägl. $o[toetf.^ Charakter des jetzigen Uebergangszustandes im Leben des Landes zu verstehen: Die Bilanzen der Banken — ihre Zahl beträgt heute ungefähr hundert — beweisen, daß die Einlagen trotz der Ereignisse nicht gefallen, sondern im Gegenteil gewachsen sind und heute die Summe von 18 Millionen Pfund erreicht haben. Die Anglo-Palestine- Bank allein besitzt über 7 Millionen Pfund Einlagen. Die Orangensaison ist ganz gut, obwohl die Stürme und Regen viel Schaden angerichtet haben. Man wird heuer über 6 Mülionen Kisten exportieren. Die Einnahmen der Regierung sind erst in den letzten zwei Monaten gefallen. In den schwersten Unrühemonaten April bis August haben sie die Ausgaben um 20.000 Pfund überstiegen. Noch heute besitzt die Regierung einen Gebarungsüberschuß von über 6 Millionen Pfund. Wenn sie diesen Ueberschuß im Land selbst investieren wollte, würde sie die Lage bedeutend erleichtern. Im Verlauf der ersten zehn Monate sind 135 neue Gesellschaften mit einem Kapital von f?5.000 Pfund gegründet worden. Der Verbrauch von Elektrizität ist nicht gefallen. Beide Elektrizitätsgesellschaften berichten, daß in den ersten acht Monaten des Jahres 1936 der Verbrauch um fast 30 Prozent gestiegen ist. Was beweisen all diese Ziffern und Tatsachen? Eine wichtige Sache: Daß grundsätzlich der ökonomische Organismus Palästinas gesund ist. Die Unruhen haben ihn nicht zerstört. Die engherzige Politik der Regierung hat ihn nicht vernichtet. Dem arabischen Boykott ist es nicht gelungen, die jüdische Unternehmungskraft und Schaffenslust zu untergraben. In der gegenwärtigen Lage wird die Expansion bloß verlangsamt. Es gilt, Wunden zu heilen, Schäden auszubessern, die Bedürfnisse den Möglichkeiten anzupassen. Wenn man will, kann man das — Krise nennen. Wenn man will, bloß — ein Uebergangsstadium, vielleicht ein notwendiges. Das man iridit sagen darf Aus Jerusalem: Der jetzt in Palästina weilende Führer der englischen Unabhängigen Arbeiterpartei und Mitglied des Unterhauses, J. Mc Gov er n, hätte am 30. Jänner im Namen der Von ihm geführten Delegation eine Ansprache im palästinensischen Radio über seine Eindrücke in Palästina halten sollen. Im letzten Augenblick aber verbot die Regierung McGovern, das Palästina- Radio für seine Ansprache zu benützen. Die Regierung hatte nämlich einen Passus in seiner Rede, in dem McGovern eine freie jüdische Einwanderung nach Palästina fordert, beanständet. Das Ersuchen der Radio-Direktion, diesen Passus zu eliminieren, lehnte McGovern ab. Es erfolgte sodann das Redeverbot. Der beanständete Passus lautet: „Die Juden haben Geniales an konstruktiver Aufbauenergie in Palästina geleistet. Die Juden brauchen eine Heimstätte, die als ihre Heimat anerkannt ist und in welcher sie und ihre Kinder und Kindeskinder eine nationale Zuflucht finden. Palästina braucht mehr solcher Männer und Frauen wie diejenigen, die wir hier gesehen haben. Statt sie zu vertreiben oder vor ihnen die Tore Palästinas verschlossen zu halten, raten wir euch: Laßt in Palästina eine unbeschränkte Zahl Juden ein! Sie werden den Arabern Kultur und Zivilisation bringen!" Ein anderer Passus in der Rede lautet: „Wenn Personen, die hohe Stellungen bekleiden, wenn Effendis versuchen, Araber und Juden gegeneinander auszuspielen, weil sie von einer Hebung des sozial-kulturellen Standards der Arbeiter und Fellachen eine Minderung ihrer Macht befürchten, so müssen solche Versuche unter Anwendung des Gesetzes in seiner •ganzen Strenge und Härte vereitelt werden. Palästina hat Raum für beide Gemeinschaften, die sich auf der Grundlage gegenseitiger Freundschaft und gemeinsamer Arbeit und Fortschrittes des Landes einigen können." Noch eine Stimme Aus London: Die „Times" veröffentlicht ein Schreiben von Lord Melchett, in welchem es heißt: „Die in den öffentlichen Sitzungen der Königlichen Kommission in Jerusalem gemachten Aussagen haben keine fundamentalen Tatsachen enthüllt, die für diejenigen neu sind, welche in Berührung mit den palästinensischen Angelegenheiten stehen. Wenn Großbritannien und der Völkerbund das quälende jüdische Problem endlich aus der Welt schaffen wollen, so müssen sie entweder den Juden in einem erforderlichen Maße die Einwan- Beteiligung in Italien Solventes,. gut eingeführtes Unternehmen sucht Tellhnlier fk^rVn^ „Ohne Risiko, 35465" an Annoncen-Exped. Schalek, Wien, I. Beiirk, Wollzeile Nr. 11 derung in Palästina erlauben oder Schritte ergreifen, damit die Unterdrückungen der Juden in Europa aufhören. Heute besteht ein stillschweigendes Uebereinkommen, dieses Thema im diplomatischen Verkehr nicht zu berühren. — Wenn man einen Kessel zum Kochen bringt,; darf man den Deckel nicht verschließen; denn dann muß eine Explosion erfolgen. Es ist wahr: eine Explosion im Judentum kann sich nicht durch Schlachtschiffe, Tanks oder Bomben aus der Luft manifestieren; wohl aber in jenen höheren Bezirken der menschlichen Tätigkeit, in denen der Geist und das Gewissen der Menschheit ihren Platz haben." Bemerkungen „Nur das jüdische Volk ♦ ♦ »" Die Rede des deutschen Reichskanzlers enthielt auch einen Passus bezüglich der Rassenlehre, die „nicht zu einer Entfremdung der Völker, sondern im Gegenteil zu einem wahren gegenseitigen Verstehen führe." Eine Analyse dieser Behauptung würde zu weit führen, abgesehen davon, daß es sich nicht lohnt, der Phraseologie des reichsdeutschen Nationalsozialismus Betrachtungswert zuzusprechen. Uns bietet die Erwähnung der Rassenlehre durch Hitler nur darum Anlaß zu einer Bemerkung, weil er einen Trennungsstrich zwischen dem jüdischen Volk und den anderen Völkern zieht, indem er kund und zu wissen gibt: „Nur das jüdische Volk wird nicht mehr in der Maske eines biederen Weltbürgers alle anderen Völker innerlich zersetzen und dadurch beherrschen können." Die aus den „Protokollen der Weisen von Zion" herrührende Legende von der jüdischen Völkerzersetzung und Völkerbeherrschung gegenüber dem Nazismus widerlegen wollen, hieße das ganze hitleristische Gebäude zu unterminieren versuchen, ein Unterfangen, das mit den Methoden der Wissenschaft, der Geschichte, der Wahrheit geführt, keinen Erfolg verspricht; zumal das Gift der Goebbels-Propaganda nur mit den radikalsten und auf lange Sicht berechneten Mitteln paralysiert werden könnte. Zufälligerweise gibt eine amtliche deutsche Korrespondenz einen Kommentar zum Wort „Selbstbestimmung" im Zusammenhang mit der Rede Hitlers. „Nicht die Selbstbestimmung des russischen Volkes ist es, die Deutschland in irgend einer Richtung beiebränkt sehen möchtet Vielmehr est jene &o& zeption der heutigen Machthaber in Moskau, die sich nicht damit begnügen, das russische Volk nach ihren Doktrinen zu regieren, sondern die den Anspruch erheben, mit Hilfe der gesamten Machtmittel des russischen Volkes auch den übrigen Völkern ihre Weltbeglückungsidee näherzubringen. . . ." Nach der Meinung Hitlers tun also die Machthaber in Moskau dasselbe, was die Machthaber in Berlin tun. Es ist darum nicht schön von Hitler, den russischen Bolschewiken eine Tätigkeit vorzuwerfen, welche die deutschen Nationalsozialisten mit unerreichbarer Meisterschaft üben, nämlich die Einßifcstoft tdtstm - SetnhtetUtf mischung in das Leben anderer Völker, insbesondere in ihr Verhältnis zu ihren jüdischen Mitbürgern. Leider sind noch immer Millionen von Kulturmenschen in allen Ländern und Kreisen von einem Humanismus gegenüber dem Hakenkreuz befallen, der identisch ist mit Schwäche und Unmännlichkeit, und in den Staatskanzleien wird die Rede des deutschen Reichskanzlers — studiert, als ob es sich um eine neue Bergpredigt, um einen neuen „Faust", um eine neue Offenbarung handeln würde. Hypnotisiert starren einzelne verantwortliche Staatsmänner noch immer nach Berlin, ohne zu merken, wohin Europa gelangen wird, wenn es dem Dynamismus des reichsdeutschen Hakenkreuzes nichts anderes entgegenzustellen weiß, als Anfragen und Rückfragen. Wir wissen, woran wir sind. Das jüdische Volk wird vor den Parolen Berlins nicht kapitulieren. Aber das Deprimierende, ja Beschämende liegt darin, daß Pian, .djQ fQMißMfafflflfiu. BftnfflCftn den jßfttUiupg M&chtr Erstes jii ißiiotiii diese riatte enthalt die schönsten jiild. Lieder gesungen v.p. Ooadoseh. DAS IMEKLIED und viele nenhebr. u. kantorale Gesänge In bester Wiedergabe N«uaufnahm«n von Obk.SIROTA mit Orgelbegleitung Preis nur t SI.S0. M cm Langspielplatten Owinn makeinu (nlloh), Halbeln chtoelnu, Kl-chor peh, Könitz*nichomer.Slni sholom, J'hi rotzon. Sprachunterrichtsplatten mit Lehrbuch leihw. nur » 2.— wöchentl. Alle Sprachen, auch Neuhebräisch.— Großes Lager aller modernen Schallplattcn, Radio und Grammophone «u günstigen Zahlungsbedingungen nur MusikhausffEXCELSIOB"aF8SSxs-KA«i5 haber einfach hinnimmt, weil sie über ein großes und starkes Volk herrschen. Reinhardt und die frommen luden Nun ist der Rummel rings um die New-Yorket Aufführung von Franz Werf eis Bibelstück „Der Weg der Verheißung"' in der Regie Max Reinhardts vorüber. Die Premiere hat stattgefunden, die Kritik hat ihr Wort gesprochen. Im allgemeinen war die Aufnahme enthusiastisch. .Man pries die Dimensionen der Bühne, berauschte sich an der imposanten Summe, die für die Aufführung ausgegeben worden war, und fand sich im übrigen mit der Dichtung Werf eis (über die noch etwas zu sagen sein wird)J und der Musik Kurt Weüls ab. Aber es gab auch skeptische Stimmen. In der „Jüdischen Rundschau", die .seinerzeit das Werk Werfeis abdruckte und ihm ihre Huldigung darbrachte, schreibt dere New-Yorker Korrespondent des Blattes nicht das Allergünstigste über die Uraufführung des „Weg der Verheißung". Er wirft Reinhardt vor, daß dessen Regie die ursprüngliche Gestalt des Werkes verwischt, ja zu einem „Schaustück" degradiert habe, wobei er noch folgende bezeichnende Feststellung macht: „Er (Reinhardt) scheint keine frommen Juden zu kennen, die ja die Insassen seiner Synagoge (im Stücke Werfeis) sind und dem Rabbi lauschen, wenn er ihnen aus der Thora vorliest, um ihnen zu zeigen, daß Israel seit langem seine ewige Straße zieht. Reinhard hat den meisten seiner Figuren die Würde genommen. Sie weinen und winden sich. Ihre Gesten sind fast eine Karikatur .. ." Ob Reinhardt fromme Juden, d. h. traditionstreue, unverfälschte Juden kennt, wissen wir nicht. Bis heute hatte er wenig Gelegenheit, sie kennenzulernen. Für seine Inszenierungen des „Mirakel" und des „Jedermann" waren sie nicht notwendig, auch hätten sie sich auf Schloß Leopoldskron nicht gut ausgenommen. Da nun aber heutzutage eine Hausse in „frommen Juden" ausgebrochen zu sein scheint, insbesondere bei den Assimilierten unter dem Druck des Arierparagraphen, dürfen wir uns nicht wundern, we/un auch Reinhardt endlich nach langen Irrfahrten den „Weg der Verheißung" beschritten hat. Wo sie sdiamhaff sind Man muß der Wiener Polizei das Kompliment machen, daß sie sogar den gerissensten Verletzern der Devisenordnung auf ihre Schliche kommt. Sie findet diese Schädiger des Staates ohne Unterschied des Glaubens, der Rasse, der Nation und der Nasenform. Aus der Wiener Presse vom 3. Februar 1937 erfährt man wieder einmal von gelungenen Razzien . . . Die „Reichspost" zeigt sich darüber hoch erfreut. Unter dem lachenden Titel „Ein guter Fang der Wirtschaftspolizei" berichtet sie von drei geglückten Aktionen: 1. von einem Privatmann, bei dem ausländische Zahlungsmittel und Sparkasssabücher über Guthaben bei ausländischen Banken gefunden und beschlagnahmt wurden. Der Name des Kandidaten wird nicht genannt, und ist von einem Strafantrag keine Rede; 2. vom „Wiener Reiseklub Austro Lloyd", dessen Schriftführer gesetzwidrig ausländische Zahlungsmittel im Schleichhandel verkaufte und nun eine Verwaltungsstrafe zu gewärtigen hat. Auch der Namo dieses Schriftführers ward der Oeffentlichkeit nicht zur Kenntnis gebracht; 3. von einem Kaufmann, der Geschäfte mit Sperrdinaren ohne Bewilligung der Nationalbank gemacht hat. Der Name dieses Mannes allerdings wird genannt, er ist;iämlich „jüdisch klingend". Und die „Wiener Neuesten Nachrichten", welche die gleichen Fälle anführen, wissen zu melden, daß der Kaufmann mit dem jüdisch klingenden Namen der Staatsanwaltschaft angezeigt und bereits dem Landesgericht eingeliefert wurde. Uns interessieren die Namen weder des ersten noch des zweiten Valutenschiebers. Wir halten dafür, daß jeder Schädling ohne Unterschied des Glaubens, der Rasse, der Nation und der Nasenform Strafe verdient. Wir halten aber auch dafür, daß die Schamhaftigkeit gewisser Blätter zu weit geht, wenn sie „arische" Namen von Devisenschwindlern unterschlagen, hingegen mit unverhohlener Wollust „jüdisch klingenden" Namen die Ehre der Nennung erweisen. Die nichtjüdischen Namen verschweigt man, die jüdischen zählt man auf und kommt so zu den erwünschten „erschreckenden" statistischen Daten. Purim- und Pessach-Reieen nach Palästina. Un* ecrer heutigen. Nummer liegt ein Reiseprospekt bei, y

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