Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 629 (5.2.1937)
- Date
- 1937-02-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2712245-2712254--6289-2720020- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Fretag/ 4en S» Fcbf—r 1#37 U+ Jahrgang Nf^6Sfco DIE NEUE JfcH* ^86 ttff. ^nii ■"■T ■ aj g 'f R EVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—-, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Eumanien monatlich Lei 60.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, viertel jährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—j Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion U.Verwaltung: IX,Unioersitätsstr.8,7el.A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u.Freitag Gibt es eine Krise in Palästina? Von Melr Großmann De* Kampf um die Worftsdaaftsposifionen Der Lauf der Prosperity in Palästina wurde bekanntlich vor 18 Monaten unterbrochen, als Italien beschloß, Abessinien zu okkupieren. Im April 1936 kamen die arabischen Unruhen, welche bis zum Beginn des Monats Oktober dauerten. Es war nicht bloß eine blutige Attacke mit Terrorbegleitung, sondern auch eine wirtschaftliche Blockade, auf daß der palästinensische Jude sowohl Angst wie Hunger zu spüren bekomme. Als die Kgl. Kommission in3 Land kam, war es ein wenig stiller, aber die arabischen Führer gaben unverzüglich eine neue Parole aus: Boykott und wirtschaftliche Nichtkooperation mit den Juden. Dieser Krieg dauert noch an. Er ist nicht gefährlich, aber man fühlt ihn in Handel und Industrie. Trotzdem kann man heute ganz ruhig von einer abgeschlossenen Epoche sprechen, während welcher die Bevölkerung Palästinas und die Wirtschaft sich ständig unter dem Druck ungünstiger äußerer und innerer Bedingungen befunden haben. In jedem anderen Land hätte man längst schon ein Moratorium proklamiert, öffentliche Arbeiten angeordnet und der Wirtschaft Regierungshilfe geboten. Hier, in Palästina, mußte der Jischuw von bloß 400.000 Seelen selbst den Kampf für die. Erhaltung , . seiner. Wirtschäftspositionen führen.'.','.« Außerdem mußte er noch einen hübschen Teil, der finanziellen Last d e r S c h u t z m i 11 e 1 tragen, welche die Regierung angewendet hat. Die 3000 Mann Schutzkorps waren kein Geschenk. Ueber die unerhörte Anstrengung des „Arbeitens bei Tag und Wachens bei Nacht" soll gar nicht gesprochen werden. Wenn man hierbei in Betracht zieht, daß die Regierung im allgemeinen eine ansehnliche Portion Gleichgültigkeit und Passivität bezeugt hat, ist die Widerstandskraft des Jischuws wahrlich zu bewundern. Während der stürmischen Geschehnisse hat man die „Aufstellung einer Bilanz" hinausgeschoben. Aber jetzt, wo das Land ruhiger geworden ist, fühlt man bereits, welch schweren Schaden die Unruhen verursacht haben. Durch sie sind zunächst die heitere, optimistische Stimmung und der Unternehmungsgeist' eingedämmt worden. Und das sind wichtige Faktoren im Aufbau eines Landes. Die 18 Monate haben neue, bedeutend schlimmere Bedingungen für Kapital und Arbeit geschaffen. Der Lebensstandard der Bevölkerung ist gefallen: Niedrigere Löhne, ein größeres Risiko für das Kapital, kleinere Gewinne in Handel und Industrie. Kurzum, es ist nicht zu leugnen, daß sich die Situation grundsätzlich geändert hat. Notwendige UmsleBlung Es schreibt mir ein Freund aus dem Ausland: „Füttert uns nicht mit Optimismus. Unser Glauben an den Zionismus ist ohnehin nicht erschüttert. Wir wollen bloß die Wahrheit wissen und, vor allem, eine Antwort auf die einfache Frage haben: Besteht in Palästina eine wirtschaftliche Krise oder nicht? Ist die Schwarzseherei bezüglich der nächsten Zukunft berechtigt oder haben letztens bloß die jüdischen Nerven versagt?" Auf eine klare Frage muß man eine klare Antwort geben. Diese lautet: Nein! In Palästina herrscht keine wirtschaftliche Krise im gewöhnlichen Sinne des Wortes. Der Zustand des Landes hat sich gegenüber dem der Jahre 1926 und 1930 geändert. Gewiß fühlt man die Folgen der kritischen 18 Monate; es gibt Opfer an der wirtschaftlichen Front; man leidet durch das verlangsamte Tempo der Einwanderung und durch den Rückgang der Touristik. All das ist richtig. Aber ,zu einer ökonomischen Krise kommt es nicht, weil der Organismus des Jischuws im Prinzip gesund ist. Seine Expansion und Entwicklung ist verlangsamt, aber!ÜÄtjEtog$gtel& s 1 ' - Es vollzieht sich eine Umstellung, eine Anpassung an die neuen Bedingungen. Wer am meisten Eeaclet Das erste Zeichen der Krise, wenn es sich nicht um eine Epoche von Geldinflation handelt, ist Arbeitslosigkeit. Die bisherigen palästinensischen Krisen standen im Zeichen eines hohen Arbeitslosenprozents. Diesmal gibt es im Land fast keine Arbeitslosen, obwohl in einer Reihe von Zweigen, wie beirrielsweise im Bauwesen, ziemlicher Stillstand ..srrscht. Auch haben zahlreiche Fabriken, hauptsächlich in der Haifaer Gegend, ihre Tätigkeit eingestellt. Zwei Touristen-Saisonen sind dahin. Eine Menge kleiner Geschäfte ist eingegangen. Trotzdem gibt es unter den Arbeitern, hauptsächlich unter denen, welche ein Spezialfach vr*'- stehen oder zu jeder Arbeit bereit sind, nur sehr wenige Menschen ohne Beschäftigung. Dabei muß man in Betracht ziehen, daß, obwohl die Einwanderung gewissermaßen beschränkt war, doch seit September 1935 mehr als 30.000 neue Einwanderer ins Land gekommen sind. Wo haben sie Beschäftigung gefunden? Hauptsächlich in der Landwirtschaft und in den neuen Zweigen des Wirtschaftslebens, die als Resultat der Unruhen und des arabischen\\Boykotts• entstanden^ sind, im Hafen von Tel- Aviv,. im fliegenden Handel, beim Straßenbau usw. (Anm. der Red.: Meir Großmann hat in dem Aufsatz „Neue jüdische Berufe in Palästina" — „Die Neue Welt",'Nr. 610 — dieses Thema ausführlich behandelt.) Die Orangenplantagen allein haben . 7000 bis 8000 jüdische Arbeiter absorbiert! Ob dieser Zustand lang andauern wird, ist schwer vorauszusagen. Leider ist Grund vorhanden, anzunehmen, daß im März-April die Lage auf dem Arbeitsmarkt sich verschlimmern wird, da um diese Zeit die Arbeit in den Orangenpflanzungen zu Ende geht und tausende Arbeiter in die Stadt zurückströmen werden. Ohne große nationale und private Mittel von draußen wird man das Problem nicht lösen können. Das inländische palästinensische Kapital ist immer noch eingeschüchtert. Es lebt unter dem ständigen Druck der Politik. Es ist auch teilweise in Boden investiert — und auch auf dem Gebiet der Bodentransaktion herrscht vollständiger Stillstand. Natürlich fühlt auch der Arbeiter, der bereits eine ständige Beschäftigung hat, die Aenderung seiner Lage. Er bekommt nicht mehr den einstigen Lohn und er ist. nicht mehr so fest auf den morgigen Tag. Vorläufig ist er besser daran als der kleine Händler, Fabrikant, Makler oder Handwerker. Diese leiden am schwersten unter der heutigen Lage. Die jjüflisdie Zuverscdhtf Die Opfer des abessinischen Krieges und der Unruhen betreffen zwei Kategorien: 1. Mittlere und kleinere Kapitalisten, die ihr Geld in Boden gesteckt haben, in der Hoffnung, daß sie bei einem eventuellen Preissturz ihn immer noch um den Originalpreis werden verkaufen können; 2. Makler, Vermittler, Agenten, Händler, bei denen die Existenzquellen versiegt sind. Es gibt nichts zu vermitteln. Die Zahl der Geschäftstransaktionen ist gar klein geworden. Touristen kommen nicht. Der Import ausländischer Waren ist teils wegen des geringen Gebrauches, teils wegen der Konkurrenz der einheimischen Produkte gesunken. Der Umsatz in den Detailgeschäften ist gefallen, weil die Bevölkerung aus Sorge für den morgigen Tag sich von Einkäufen zurückhält. Bei alledem sind die Kosten, insbesondere die hochgetriebenen Preise für W o hnungen, noch immer dieselben geblieben. Auch sind die Lebensmittel teurer geworden. Außerdem ist der Druck seitens der Banken dazugekommen, welche mit Krediten nicht mehr großzügig sind wie seinerzeit. Man bekommt schwerer einen Wechselkredit und noch schwerer gute Giranten, weil der größte Teil der Käufleute sich Li einer schlechten Lage befindet. Alle bezahlen jetzt für die Sünden der „Prosperity": für die Gefälligkeitswechsel, für die großen Warenlager, für. die hohen Zinsen. PURIti mo PiSSACH Ii ß IS R Jti E L 23% ERMÄSSIGUNG auf Hin- und Rückfahrkarten vom 17. Februar bis 20. März von Triest und Genua nach Haifa mit den vorzüglichen Dampfern ,Marco Polo', »Esperia«, ,Gali!ea', ,GerusaIemme< Auskünfte: ADRIATICA S.A. - LLOYD TRIESTINO GENERALAGENTUR Wien I, Kärntnerring 6, Tel. U-47-5-60, und Reisebüros Aeußerlich geht das Leben unverändert weiter. Denn bei allen ist der frühere Glaube vorhanden, daß die Lage sich rasch ändern werde; daß eine Wendung zum Guten kommen müsse. Die ewige jüdische Zuversicht. Pofiaftasdhie EUtralsSarEieiS Wie immer bei wirtschaftlicher Umschichtung und Umstellung, leidet zunächst der kleine Mann, der dem sogenannten Mittelstand angehört; denn er besitzt am wenigsten die nötige Widerstandskraft; er operiert mit kleinen Mitteln und hat verhältnismäßig große Bedürfnisse. Gerade für ihn ist jetzt in Palästina eine schwere Zeit hereingebrochen. Er sieht sich vor ein Dilemma gestellt: auszuscheiden aus dem wirtschaftlichen Organismus des Landes, das zu viele Händler und Agenten nicht verträgt, oder sich der Landwirtschaft zuzuwenden, wo man geborgener ist als in den städtischen Berufen. Es gibt Menschen, welche die Schuld für ihren ökonomischen Abstieg dem Land zuschieben, das klein und arm ist. Die Wahrheit liegt darin, daß man während der Prosperity die Realität vergessen und geglaubt hat, man sei wirklich in der Goldstadt Klondyke. Der größte Teil aber versteht, daß er für die Sünden seines eigenen Leichtsinns zahlt, und vor ' allem, daß er das Opfer einer politischen Krise; und einer verbrecherisch unfähigen Administration ist. Es ist für diese Menschen natürlich ein magerer Trost, zu hören, daß man dies einen „Gesundungsprozeß", eine „Konsolidierung" oder „Anpassungsperiode"' nennt. Die Stimmung im Jischuw wäre bedeutend besser, wenn nicht die politische.Unbeständigkeit herrschen würde, die Frage nach dem Morgen, nach dem Resultat der Kgl. Kommission, nach den Absichten der Araber. Leider herrscht auf diesem Gebiet völlige Unklarheit. Man steht unter dem Einfluß von Gerüchten und Geschichten: Kantone, Begrenzung der Einwanderung, Parlament, Verbot des Bodenkaufes. Bew Organismus ist gesund Ein paar Ziffern, damit das ökonomische Bild klarer sei, und hauptsächlich, um den besonderen Wer vieB steht *h>ifn&M» soll bei Fußschmerzen. Müdigkeit, resp. beginnendem Äfuö «nsere moderne „PEDIFRIY"-Elniage tiagen: stützt und W 5Ud»en.iF.Un horh,öht *?|»*«"«™aK««j schmerzlos, tederielclit. el.isiisch i-ann!-.t"7.e:t >ll sorufittiast aneeDaßt sorjjfiltiaat angepaßt SiVn« BPndnoBiHrtTkoloEch Alle fuBheilbehefSa* Taborstr. 22