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Die neue Welt · 1937-02-02 · Heft 628 (2.2.1937) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 628 (2.2.1937)
Date
1937-02-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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wsrte 2 DIE NEUE WELT Nr. 628 vom 2. Februar 1937 Bemerkungen Wie leicht man sich Irren kann Man schlägt die spanische Zeitschrift „Imparcial" auf und findet zu seiner Ueberraschung die Darstellung eines Geisteszustandes, den man täglich am eigenen Leib verspüren kann. Sie lautet: „Trotz des erzieherischen Einflusses der Philosophie, des Rechtes und der Künste, trotz der wundervollen Eroberungen der Technik und der Wissenschaft, reagieren unsere Nervenzellen in derselben Weise wie in den neo- Ii thitfchen Zeiten: man beobachtet bei gewissen Völkern denselben Hang zum Raub mit der Waffe in der Hand, denselben Geschmack für den Geruch des Blutes der anderen, denselben Haß für die Leute, die eine andere Sprache sprechen oder jenseits des Berges oder des Flusses hausen ... Unser Ahne, der Höhlenbewohner, hatte seinerzeit schlicht und aufrichtig geplündert und gemordet, ohne •eine Opfer vorerst mittels anthropologischer und Rassen- Theorien gefoltert zu haben. Heute kommen die Angreifer, wenn sie sich stark genug fühlen, mit dicken, wissenschaftlichen Abhandlungen, voll höchster Philosophie, nicht alleto um ihre Verbrechen und ihre Rechtsbrüche zu rechtfertigen, sondern um sich der Welt als eine höhere Rasse darzustellen, der eben alles gestattet sei." Diese Aeußerung stammt nicht etwa aus der Feder eines Mitgliedes der Fronte populär (Volksfront) vom Jahre 1936/37, sondern ist das Bekenntnis des berühmten Madrider katholischen Neurologen und Nobelpreisträgers Ramon y Cajol aus dem Jahre 1915 . . . aus einer Zeit also, wo die Kriegspsychose den geschilderten Zustand rechtfertigen mochte, der allerdings heute der normale des Dritten Reiches ist. Vor einigen Monaten hielt ein Propagandafachmann .einen Vortrag über das System der . . . .Propaganda. Die Punktreihe kann hier vom Leser entsprechend seiner intellektuellen Begabung durch ein Wort ersetzt werden. Der Einfachheit halber werden wir zuerst den passend erscheinenden, daneben in Klammern den Originaltext setzen. Man konnte u. a. hören: „Auf einem Gebiet hat sich der Nationalsozialismus (Bolschewismus) seit jeher als wahrer Meister erwiesen: auf dem der negativen Propaganda, der Beeinflussung der Völker durch Lüge und Heuchelei... Die Lüge wird vom Nationalsozialismus (jüdischen Bolsche- .wismus) souverän gehandhabt. Sie verblüfft den anstän- „digen, wahrheitsliebenden Menschen fürs erste so, daß er .zu einem Innern Widerstand überhaupt nicht mehr fähig ist. Das aber Ist es, was der jüdische Bolschewist erreichen will; Er spekuliert darauf, daß der wahrheitsliebende Mensch sich überhaupt nicht vorzustellen vermag, daß man so lügen könne, wie er lügt, mit der dreisten und frechen Selbstverständlichkeit, die er dabei anwendet..." Besonders pikant, beispielsweise für Oesterreich, lautet der Schluß: „Es muß als die stärkste nationale Bedrohung eines Staates angesehen werden, im Lande selbst eine Partei zu dulden, die von einer außerhalb des Landes gelegenen Instanz Ihre Befehle empfängt." Der so sprach, war Dr. Goebbels. Daher konnte wohl als Instanz nicht sein Propagandaministerium gemeint sein. Aufreizendes Filmkapilal Man braucht kein Weiser aus dem Morgenland zu sein, Um zu erkennen, was der springende Punkt in den langen Verhandlungen betreffs der Besitzverhältnisse des Wiener Filmkonzerns To.bis- Sascha war. Bis vor kurzem befand sich der größte Teil der Aktien dieser Gesellschaft in jüdischen Händen und dadurch naturgemäß auch deren Führung. Juden organisierten ein wichtiges Stück der österreichischen Fümindustrie und Juden waren es, die mit Deutschland die Filmverhandlungen betreffs der Kontingentierung der reichsdeutschen Filme usw. führten. Immer wieder stieß man auf dieselben Namen. Was aber der Oeffentlichkeit weniger bekannt war, beziehungsweise was von der betont bodenständigen Presse dem Leser verschwiegen wurde, war die Tatsache, daß die österreichische Filmindustrie durch eine falsche Politik unter den Einfluß des Nazismus, unter das Diktat Goebbels' geraten war — was schließlich zu einem Debakel führte. Die österreichische Fümindustrie, die Herren des österreichischen Filmgeschäfts, bekamen aus Deutschland ihr Geld nicht herein und konnten plötzlich nicht weiter. Ministerialrat Dr. Lanske mußte gestehen, daß Hitler-Deutschland die östereichischen Filmindustriellen zu ruinieren im Begriffe sei. Was geschah? Gar nichts. Man wechselte bloß die — Rassen aus. Görings Bruder wurde Prokurist der Tobis-Sascha und die Herren Juden Dr. Grüß und Dr. Pilzer wurden durch zwei „arische" Leiter ersetzt. Nachdem die jüdischen Verwaltungsräte jahrelang um die Hebung der österreichischen Filmindustrie sich bemüht und Kapital zur Verfügung gestellt hatten, sind sie jetzt gegangen worden. Wir haben schon vor einigen Jahren diesen Prozeß vorausgesagt. Der Jud' hat seine Schuldigkeit' getan usw. Die Wiener „Reichspost" ist mit dieser Arisierung einverstanden. Sie beglückwünscht geradezu Oesterreich zur Goebbels-Knute, indem sie schreibt : „Die neue Konstruktion wird man als Reinigungsprozeß bewerten müssen, wodurch bodenständige Persön liehkeiten im Wege der führenden Gesellschaft Einfluß auf das heimische Filmschaffen gewinnen werden, dessen Ueberfremdung aufreizend und bedenklich ist. Hierdurch wird die Zusammenarbeit der österreichischen und deutschen Filmindustrie sich gedeihlich gestalten." Warten wir ab, ob auf die aufreizende und bedenkliche Ueberfremdung eine gedeihliche Gestaltung folgen wird. Die Hauptsache allerdings für die „Reichspost": Die Juden sind draußen! Eft gibt nodt Richter In ♦ ♦ ♦ Wenn wir gewisse östereichische Zeitungen, insbesondere der Provinz, durchblättern, stoßen wir ständig auf sogenannte „Antisemitica", judenhetzerische Berichte verleumderischen und verfälschenden Inhalts, die uns oft wie Reflexe mündlicher Aeußerungen am Bier- und Kaffeehaustisch anmuten. Der „Zeitstimmung" Rechnung tragend, hütet man sich, Lokale zu betreten, die zu antijüdischen Wortexzessen prädestiniert sind. Es geht nicht darum, daß man heutzutage bei uns gegen Schmähung und Provokation empfindlich ist und sich eine Abwehr ä tempo, eine Ehrennotwehr, ersparen will. Die Unmöglichkeit, sich Satisfaktion zu" verschaffen — es sei denn mit eigener blanker Faust —, bringt es mit sich, daß man Resignation einem Anrufen der Behörde vorzieht. In unserer nächsten Nachbarschaft, in der tschechoslowakischen Republik, gibt es ein Gesetz zum moralischen Schutz der religiösen und nationalen Minderheiten. Dieses Schutzgesetz wird auch gehandhabt. Wie aus Prag vom 30. Jänner 1937 gemeldet wird, hatte sich vor einem Strafsenat des Kreisgerichtes Pilsen ein Kaufmann aus Biowitz bei Pilsen zu verantworten, der im September in einem Gasthaus in Biowitz gegenüber mehreren anwesenden Gästen die jüdische Nation geschmäht hatte. Einige Gäste, zu denen sich der Beklagte außerdem noch äußerte, „es sei .höchste Zeit, daß Hitler auf die Juden komme", erstatteten die Anzeige. Der Kaufmann stellte in der Hauptverhandlung jede Schuld in Abrede. Er wurde aber durch die im Beweisverfahren gehörten Zeugen überführt und auf Grund des Schutzgesetzes schuldig erkannt und zu drei Wochen Arrest unbedingt verurteilt. Wir rufen — zur Behandlung ähnlicher Fälle — nicht nach dem Staatsanwalt, da wir wissen, daß man in der „Abwehr des Antisemitismus" nicht mit Arreststrafen, sondern mit anderen Mitteln arbeiten muß. Aber das Bewußtsein, daß in einem Staatswesen die nationale Ehre als Rechtsgut geschützt wird, wirkt beruhigend — und sittlich erzieherisch auf diejenigen, welche den Hang besitzen, dieses Rechtsgut böswillig zu verletzen. Zionismus und Bolsdiewismus Eine zioiHsfisdusoziaNsfisdie Stimme Ein Führer der zionistisch-sozialistischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakei, Professor Sal. Godelmann, hat jetzt eine Schrift „Löst der Kommunismus die Judenfrage? — Rote Assimilation und Sowjet-Zionismus." herausgegeben. Im einleitenden Kapitel schreibt er: „Der Kampf gegen die rote Assimilation wurde uns von den Kommunisten selbst aufgedrängt. Obwohl wir den Weg und die Methoden, mit denen die Sowjetpolitik ihre Ziele zu erreichen sucht, nicht nur für unzweckmäßig hielten, sondern auch ethisch ablehnten, erachteten wir es doch für inopportun, uns in diesen Streit einzumengen. Wir hüteten uns, eine Regierung anzugreifen, die subjektiv in der Judenfrage äußerst korrekt vorzugehen schien, obwohl tatsächlich ihre allgemeine soziale und wirtschaftliche Politik eine Million Juden an den Rand des Abgrunds brachte. Die Sowjetregierung hingegen machte kein Hehl aus ihrer gegenzionistischen Einstellung, die freilich in keinem Zusammenhang mit ihrem kommunistischen Glauben stand, sondern in den Rahmen der traditionellen auswärtigen Politik Rußlands im Nahen Osten fiel. Die brutalen Verfolgungen der Zionisten in Rußland, die Art, wie hebräische Sprache und Kultur bekämpft wurden und wie man das Zerreißen aller religiösen Bande im Judentum durchzusetzen suchte, um die Auflösung der letztan Reste der jüdischen Volkszusammengehörigkeit zu erreichen» stellte die Haltung aller national denkenden und fühlenden Juden zum Sowjetstaat auf eine harte Probe. Die jüdische Ueberkorrektheit wurde von der Gegenseite mißverstanden und mißbraucht. Dies stellte sich erst nach den Palästina-Unruhen im Herbst 1929 klar heraus." „Von Moskau aus wurde der .Untergang des Judentums* proklamiert. Man wollte das gesamte Judentum, und insbesondere seine jungd Generation, die infolge der Weitkrise in eine Sackgasse geraten war, endgültig an die Sowjets und den Kommunismus, als die einzige Rettung aus der allgemeinen jüdischen Krise, binden. Man hielt den Moment der Erschütterung der jüdischen Positionen in der ganzen Welt als geeignet, sich die nicht zu unterschätzende materielle und moralische Unterstützung des Weltjudentums auf lange Sicht 2U sichern. Es wurde die unsinnige Alternative gesetzt: Zionismus oder Kommunismus. Gegen diesen Angriff auf alle Grundwerte des nationalen Judentums, auf die Grundlagen der jüdischen Befreiungs- Ideologie und auf das Palästina-Werk mußte sich endlich auch die träge zionistische Oeffentlichkeit auflehnen. Der kommunistische Angriff wurde erfolgreich abgeschlagen. Der Kommunismus hat in den Reihen der jüdischen Jugend viel an Anziehungskraft verloren; umgekehrt finden wir eine wachsende zionistische Aktivität innerhalb der Jugend vor." „Uns geht es um unser Volk und seine Lebensinteressen. Den Kampf gegen den Kommunismus führen wir nur Insoweit, als er sich für die rote Assimilation einsetzt und den Zionismus bekämpft. Daß die Gegenpartei dabei den Prozeß verliert und die Prozeßkosten, in Form der Herabsetzung des guten Ansehens der Sowjetregierung unter den Juden, tragen muß, ist die Schuld jener, die uns diesen Kampf aufgezwungen haben." „Aeußerste Anstrengung der vereinigten Judenidiaft" Aus London: „Manchester Guardian" bringt ein« längere Mitteilung seines Palästina-Korrespondenten, in welcher erklärt wird, die Behandlung des Palästina- Problems erfordere eine fähigste und erfahrenste Beamtenschaft, welche der britische Kolonialdienst überhaupt stellen kann; denn es handle sich darum, Fehler der Vergangenheit wieder gutzumachen und die Zukunft zu sichern. Nach einer Zusammenfassung der jüdischen und arabischen Aussagen vor der Kgl. Kommission kommt der Korrespondent zu der folgenden Schlußfolgerung: Man hat hier das Gefühl, daß die Kgl. Kommission, wenn sie nicht überhaupt das Mandat in seiner jetzigen Form als unanwendbar denunziert, eine schärfere Beschränkung der jüdischen Einwanderung empfehlen wird. Die hohe Autorität der Kgl. Kommission gibt ihren Schlußfolgerungen ein solches Gewicht, daß eine Opposition gegen eine von ihr empfohlene Einwanderungspolitik eine Aufgabe darstellt, welche die äußerste Anstrengung der vereinigten Juden« heit erfordern würde. Ein Engländer für freie Einwanderung Aus Jerusalem (Palcor): J. McGovern, Mitglied des englischen Parlaments, der als Führer der Unabhängigen Arbeiterpartei in Palästina weilte, hätte vor der Abreise im Rundfunk sprechen sollen, wurde jedoch von den Behörden aufgefordert, den von ihm beabsichtigten Appell um eine unbegrenzte jüdische Einwanderung zu unterlassen, woraufhin er sich weigerte, die Rede zu halten. In einer Versammlung gab dann McGovern folgende Erklärung ab: „Die Juden haben Genie und Aufbaufähigkeit; sie brauchen ein Land, das sie ihr eigen nennen und in dem sie und ihre Kinder in Sicherheit leben können. Palästina braucht solche Menschen; anstatt sie jedoch unbehindert ins Land kommen zu lassen, vertreibt man sie oder verweigert ihnen den Eintritt. Ich aber sage: Lasset unbegrenzte Massen von Juden nach Palästina kommen, um Kultur zu bringen. Wenn es hochgestellte Persönlichkeiten gibt, die den Kriegszustand zwischen Juden und Arabern fördern, so muß das Gesetz gegen sie in Anwendung gebracht werden. Palästina hat Raum genug für beide Völker, die in Freundschaft und Zusammenarbeit nebeneinander leben können." Gesamte Palästina-Verwaltung ward erneuert? Aus London (J. T. A.).' Das Tschechoslowakische Preßbüro bringt Mitteilungen aus London über eine vor sich gehende Erneuerung des britischen Verwaltungskörpers in Palästina. Bs meldet: Fast alle hohen britischen Verwaltungsbeamten in Palästina wurden nach anderen britischen Besitzungen versetzt, während zwei Departement-Direktoren pensioniert wurden. Der Oberkommissär In Palästina wird in absehbarer Zelt auf Urlaub gehen, und es Ist noch nicht sicher, ob er vom Urlaub zurückkehren wird. Diese Aenderungen in der britischen Verwaltung Palästinas stehen in direktem Zusammenhang mit den Ua* ruhen und sind auch die erste Folge der Unter* suchungen der Königlichen Kommission. Wie verlautet, werden an die Stellen der versetzten Beamten britische Beamte aus Aegypten kommen, die infolge des englisch-ägyptischen Vertrages ihre Posten verlassen mußten. Das Pressebüro zitiert den letzten „Times"-Leltartikel über die Palästina-Frage, in welchem das Blatt fragt, wie es kommen konnte, daß es m o n a t elange Unruhen und Terrorakte gab, selbst als ßchon 20.000 Mann Soldaten in Palästina stationiert waren. Bing der Alt-Herrenverbtthde der zlonlsfclscMn Verbindungen. Am 8. Februar, 8 Uhr abends, spricht Prof. Dr. Julius Magnus im Klubheim, I„ Kohlmarkt & über „Geistiges Leben in Jerusalem".

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