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Die neue Welt · 1937-01-29 · Heft 627 (29.1.1937) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 627 (29.1.1937)
Date
1937-01-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 627 vom 29. Jänner 1937 Wiikäm iVatktäs tHawmretk „Qotos" Auf der Höhe des Schaffens, reif auch in geistigem Sinne, mit der Kraft des Künstlers begnadet, die alles gibt, was das Schicksal dem Menschen geben kann: die Verbundenheit mit seinem Volk, ..Für wen?' tiberreicht uns Wilhelm Wachtel ein ebenso schönes wie handliches Geschenk: eine graphische Mappe, aus 14 Blättern bestehend, die den bezeichnenden Titel führt: Abschied vom Golus! Abschiednehmen ist eine schwere Sache. Es verlangt ein Bekennen. Wilhelm Wachtel bekennt nach vierzig Jahren europäischen Schaffens, daß er entschlossen ist, Europa Adieu zu sagen und auf dem Boden des heiligen Landes Palästina seine künstlerische Laufbahn zu beenden. Aber er ist nicht undankbar. Sein Abschied trägt den Stempel der jüdischen Seele. Er ist ergriffen, wenn er einen BJiek tut auf alles, was ihm nahegestanden, was Üim von Jugend auf lieb und vertraut war. In der Hauptsache geht es um die graphische Gestaltung dessen, was man mit „jüdisches Heim" und „jüdische Gass" bezeichnet — das schmerzensreiche Milieu des Ostens, dort, wo noch jüdischer Brauch und jüdisches Wort zu den Selbstverständlichkeiten des Alltags gehört. Die Blätter nennen sich beispielsweise „Sabbatkerzen", „Freitag in der jüdischen Gass", „Sabbatidylle"; andere wieder, die das Grauen des jüdischen Schicksals in düsterer Umwelt darstellen, heißen „Heimatlos", „In Erwartung des Pogroms", „Für wen?" (Der jüdische Invalide mit dem Blick in die Unendlichkeit!) „Christus" (Weg durch die Pogrom- Gasse), und schließlich „Abschied vom Golus". Es ist vergebliches Unterfangen, das Anekdotische der einzelnen Blätter schildern zu wollen. Sie wirken durch die Wucht der Darstellung, durch die Wahrheit der Linie, durch die Unbarmherzigkeit des Stoffes. Ueber Wilhelm Wachtels künstlerische Persönlichkeit braucht in diesem Zusammenhang nichts gesagt zu werden. Die Popularität seines Namens überall dort, wo Interesse für künstlerische Werte vorhanden ist, braucht man nicht erst zu analysieren. Er gehört zu den Repräsentanten der neuen jüdischen Kunst, und man kann gewiß sein, daß er auf palästinensischem Boden, umrauscht von der großen antiken Geschichte des jüdischen Volkes und umbrandet vom Rhythmus der wiedererwachten heutigen Generation, noch viel Schönes und Wertvolles schaffen wird; ü: Wachtels „Golus"-Mappe bedeutet den Abschluß der europäischen Epoche. Die begrenzte Anzahl der Exemplare erhöht deren Wert,- und es wäre eine grenzenlose Enttäuschung für den Künstler und seine Würdiger, wenn hier der bekannte Sammlergeist des ästhetisch interessierten Juden versagen sollte. o. r. „Weg durch die Pogromgasse'"' titosts Ue$ In Moses Heß, dessen man jetzt, anläßlich der 125. Wiederkehr seines Geburtstages, gedenken wird, vollzog sich die Wiedergeburt eines Volkes, das (nach einem fast zweitausendjährigen Diaspora-Schicksal) der Versunkenheit anheimgegeben schien. Männer wie Moses Heß gehören zu den Vorläufern der Epoche, in der wir heute leben, beispiellos durch die Gefahren, die uns bedrängen, beispiellos durch den Mut, den wir allen Drängnissen entgegenstellen. Die schöpferischen Kräfte, die im Judentum staken, wurden freigemacht durch die Phantasie zukunftssicherer Männer. Moses Heß, Leo P i n s k e r, Perez Smolenski n, Theodor Her z 1, Ch. N. B i a 1 i k bilden die Gestaltenreihe, in der sich das Schicksal des jüdischen Volkes zu lebendiger Tat entschied. Im Jahre 1862 erschien Moses Heß' Schrift „Rom und Jerusalem, die letzte Nationalitätenfrage". Im geistigen Mittelpunkt der Schrift, als Ausdruck leidenschaftlichen Bekennens, stehen die Sätze: „Da steh' ich wieder nach einer zwanzigjährigen Entfremdung in der Mitte meines Volkes und nehme Anteil an seinen Freuden- und Trauerfesten, an seinen Erinnerungen und Hoffnungen, an seinen geistigen Kämpfen im eigenen Hause und mit den Kulturvölkern, in deren Mitte es lebt, mit« welchen es aber, trotz eines zweitausendjährigen Zusammenlebens und Strebens, nicht organisch verwachsen kann. Ein Gedanke, den ich für immer in der Brust erstickt zu haben glaubte, steht wieder lebendig vor mir: Der Gedanke an meine Nationalität, unzertrennlich vom Erbteil meiner Väter, dem heiligen Lande und der ewigen Stadt, der Geburtsstätte des Glaubens an die göttliche Einheit des Lebens und an die zukünftige Verbrüderung aller Menschen. Seit Jahren schon pochte dieser lebendig Begrabene in der verschlossenen Brust und verlangte einen Ausweg. Doch mir fehlte die Schwungkraft zum Uebergange aus einer dem Judentum scheinbar so fern liegenden Bahn, wie die meinige war, zu jener neuen, die mir in nebelhafter Ferne und nur in allgemeinen Umrissen vorschwebte. ..." Der Mann, der diese Sätze schrieb, Moses Heß, wurde 1812 in Bonn geboren, kam als fünfjähriges Kind nach.Köln, wo er im fromm-jüdischen Hause seines Großvaters aufgezogen wurde. Dieser pflanzte die Liebe zum »Land der Väter'4 in sein Herz, erfüllte ihn mit Pietät für die Tradition, mit Ehrfurcht vor dem jüdischen Ritus. Als Autodidakt trieb Heß philosophische Studien, die ihn zum Sozialismus führten, dessen Grundlagen er in mehreren Schriften weiterentwickelte. In seiner Zeitschrift „Rheinische Zeitung", deren Mitarbeiter Karl Marx war, näherte er sich dem deutschen Radikalismus. Von der Behörde verfolgt, ging er nach Paris, wo er sich ausschließlich naturwissenschaftlichen und jüdischen Studien zuwandte. Er nahm Anteil an den Arbeiten der Internationale, trat aber gleichzeitig zu der. „Alliance Israelite" in Beziehung. Er starb 1875 in Paris und liegt auf dem jüdischen Friedhof in Deutz am Rhein begraben. Als Ergebnis seiner naturwissenschaftlichen Studien trat die Rasse als primärer, das Schicksal der Nation bestimmender Faktor auf. Den Sieg der jüdischen Mission im Geist der Propheten verbürgt nach Heß nur die Erhaltung des jüdischen Volkstums. Hiezu ist ein nationales Heim auf palästinensischer Erde, ein Aktionszentrum notwendig, von dem aus der Geist des jüdischen Volkes wieder auferstehen wird. Auf dem Grunde der Heß-Gedanken, zumal in der Achad-Haam sich nähernden Prägung, ist der Zionismus erwachsen. Heß war auch der erste, der die Bedeutung des Chassidismus für die Erneuerung des Judentums erfaßte. Unerhört reich war sein Schaffen, unendlich fruchtbar seine Idee vom Wiederauferstehen und der Sicherung des jüdischen Volkstum. Wir gedenken heute mit Ehrfurcht des Vorgängers Theodor Herzls, der in der Zeit des ödesten Liberalismus den Wert Palästinas als des Nährbodens des Judenvolkes erkannte. FQhrungen durch die Lieberitiann»Aiis»teIliingeii Unlv.-Prof. Dr. Max Eisler leitet Montag-, den 1., und Dienstag, den 2. Februar, Fuhrungen durch die beiden überaus schönen und bedeutenden Ausstellungen der Werke von Max Liebermann (Zeichnungen und Gemälde). Treffpunkt punktlich halb 11 Uhr in der „N e u e n Galerle", I., Grünangergasse 1. Teilnahme nur. nach telephonischer Anmeldung täglich (außer Samstag) zwischen 8 und 10 Uhr und 18 und 20 Uhr unter Tel. JUUU Milde Somec als Auf dem Weg zur maßen Karriere hat die ,, ..:ncr jugendliche Pianistin Ruth Hilde Som c r, über deren erstes Konzert wir kürzlich berichteten, eine wichtige Etappc zurückgelegt. In Prag, ivo sie im Smetana-Saal als Solistin in einem, von Georg Szöll dirigierten A ußerordentliehen Konzert der tschechischen Philharmonie Wunderkind am Klavier" geauftrat, wurde sie feiert. Die großen tschechischen Blätter anerkennen die künstlerische Leistung Ruth Hilde Somers in ausführlichen Kritiken, Das „Prag er T agblat t" schreibt: .„Solistin des Mendelssohn-Konzertes war die sehr junge, imit Schliff und Grazie spielende und ebenso aussehende Ruth Hilde Sojner, deren Zusammenwirken mit Orchester und Dirigenten verblüffend erfahren wirkte." Die Tageszeitung „Bohemia" schreibt: „R. H. Somers Spiel sprühte von echter Musikalität und innerem Miterleben, 'Im Mittelsatz kamen die Gefühlstöne im singenden Anschlag stark zur Geltung. Für die ausgesprochenen Kraft- '. stellen freilich ist die Mädchenhand noch zu zart." '.„P rag er Montagsblatt" führt aus: „In der Solistin dieses Konzertes, der anmutigen Pianistin Ruth Hilde ' Somer, lernte man eine sehr brillante und elegante, trotz ihrer Jugend routinierte Spielerin kennen..." „Prager III. M ont a g" stellt fest: „Im Vordergrund des Interesses stand die jugendliche Pianistin Ruth Hilde Somer, die Mendelssohns G-Moll-Konzert mit bemerkenswerter fraulicher Reife und romantischem Stilgefühl spielte. Die sympathische, anmutige und sehr begabte Künstlerin, Orchester und Dirigent, ernteten reichen Beifall." Filme der Woche (Nachdruck nur mit Genehmigung des Blattes) England: Wie es. euch gefällt. — Rembrandt. — Bajazzo. Frankreich: Zwischen Abend und Morgen. Amerika: Der König der Frauen —- Ehe ohne Hochzeit — Lustig ist das Zigeunerleben — Skandal in der Oper — Das Dreieck. — San Franzisko — Dodsworth — Shirley ahoi — Ein amerikanisches Duell — Anthony Adverse — Der Garten Allahs — Menschenjagd — Vornehm "und gefährlich. — 1000 und 1 Affäre. — Die Koronoff-Juwelcn — Der lustige Desperado — So gut wie verheiratet — Amigo — Fury — FÜnflinge geboren*: — Herrin der Dschungel. Filme unter Arierparagraph Seine Tochter ist der Peter — Seine offizielle Frau — Mädchen in Weiß — Standschütze Bruggler — Glückskinder (Ufa) — Fahr'n ma, Euer Gnaden — Das Mädchen Irene — Blumen aus Nizza — Kontuschovvka — Annemarie — Wo die Lerche singt — Romanze — Du kannst nicht treu sein — Lumpazivagabundus — Unter heißem Himmel — Wenn wir allo Engel wären — Der Bettelstudent — Eine Frau ohne Bedeutung — Der lachende Dritte — Burgtheater — Ernte — Das Geheimnis eine« alten Hauses — Letzte Grüße von Marie — Der Jäger von. Fall — Das Hofkonzert — Die Nacht mit dem Kaiser — Diener lassen bitten — Ritt in die Freiheit — Es geht um mein Leben — Der Mann, von dem man spricht. „Fury", der aufregendste Film seit Jahren. Seit gestern läuft im Elite- und Opern-Kino die Premiere des ersten amerikanischen Fritz-Lang-Films „Fury". Die Hauptrolle dieses eigenartigen Werkes, das in Thema und in der Regie etwas absolut Neuartiges darstellt, spielt Sylvia Sidney. „FÜnflinge geboren..." Anläßlich der Wiener Erstaufführung des Filmes „FÜnflinge geboren..." mit den berühmten kanadischen Fünflingen veranstaltet die Wiener Niederlassung der 20th Century Fox ein Preisausschreiben für den nettesten Geburtstagavers an die kanadischen FÜnflinge. Die FÜnflinge feiern im nächsten Mai ihren dritten Geburtstag. Die Einsendungen sind bis 15. Februar mit dem Vermerk: Preisausschreiben an die Fox Film Corporation, Wien, VII., Neubaugasse 2, zu richten. Es sind Geschenke im Werte von 1500 Schilling zur Verfügung gestellt worden. KlNO*PROGRAMME KREUZ-KINO I, Wollzeile 17 Telephon R-24-2-16 Vorstellungen: *, tt,6, Vs8, V<.10 Herrinder Dschungel mit Dorothy Lamour STAFA, VII Mar! ahilforstrafle 120 Telephon B-33-0-U8 Wochentags: 5, 7, v 1% VOTIVPARK IX, Währingerstraße 12 Telephon A-18-3-96 Beginn: 4, %4, '/««, V*10 Fünflinse geboren! (Das große Weltwunder) SCH'ÄFFE R VI, Mariahilferstraße 37 Telephon ß.20-203 Beginn; Vi«, ft8, %I0 San Francisco Clark Gable Jeanette McDonald

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