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Die neue Welt · 1937-01-29 · Heft 627 (29.1.1937) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 627 (29.1.1937)
Date
1937-01-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 627 vom 20. Jänner 1937 DIE NEUE WELT Seite 5 Ende einer Illusion Der französische Kolonisationsplan Vor wenigen Tagen sind in der Weltpresse Meldungen über einen Plan der französischen Regierung, Juden in ihren Kolonien anzusiedeln, erschienen, welche angesichts der katastrophalen Lage der Juden in vielen Ländern ungeheures Aufsehen hervorriefen und überschwengliche Hoffnungen weckten. Wir erhielten vom Pariser Büro des Jüdischen Weltkongresses eine authentische Darlegung des wahren Sachverhalts, welche allen Illusionen ein Ende macht. Das Büro schreibt uns : Im Oktober 193b' hat sich der Jüdische Weltkongreß mit dem französischen Kolonialminist c r i u m in Verbindung gesetzt, um die Möglichkeit einer jüdischen Einwanderung in die französischen Kolonien zu prüfen. Es war vor allem von polnischen Juden die Rede. Das Kolonialministerium erklärte sich bereit, in eine nähere Prüfung dieser Angelegenheit einzutreten. Zunächst wurde eine Einwanderung in Madagaskar ins Auge gefaßt. Herr Jarblum, Mitglied der Exekutive, hat sich über diese Frage mit verschiedenen hohen Beamten des Ministeriums und mit dem Generalgouverneur von Madagaskar, C a y 1 a, unterhalten, der sich zu diesem Plan in günstigem Sinne aussprach. Er sah jedoch voraus, daß einer jüdischen Einwanderung und Siedlung auf Madagaskar sehr enge Grenzen gezogen seien. Höchstens einige hundert jüdische Familien würden dort eine neue Heimat finden können. Generalgouverneur Cayla hat seine Ansicht in einem Briefe dargelegt, den er am 13. November 1936 an den Jüdischen Weltkongreß gerichtet hat. Er weist in diesem Brief darauf hin, daß es schwerfallen dürfte, auf Madagaskar europäische Handwerker anzusiedeln, da es ein einheimisches Handwerk auf der Insel gebe, mit dem im Hinblick auf die sehr bescheidenen Ansprüche der Eingeborenen eine Konkurrenz von Seiten der Einwanderer als unmöglich erscheinen müsse. Das Problem läge anders, sofern die Einwanderung von Landwirten in Frage komme, aber die Gegend der Hochebenen, die sich auf Grund ihres Klimas am besten zur Niederlassung von europäischen Familien eignet, weist kein freies Stück Land mehr auf. Am 21. Jänner 1936 hat sich Herr Jarblum mit verschiedenen hohen Beamten des Kolonialministeriums und insbesondere mit Herrn Bouteille unterhalten, der vom Kolonialminister Moutet mit der Wahrnehmung dieser Angelegenheit beauftragt worden war. Wir geben im folgenden den Inhalt dieser Unterhandlungen wieder: An eine eigentliche jüdische S i e d 1 u n g in clen französischen Kolonien denkt das französische Kolonialministerium nicht. Es würde sich lediglich darum handeln, auf Madagaskar, in Neu-Kaledonien, auf Guyana usw. eine gewisse Anzahl von jüdischen Flüchtlingen anzusiedeln. Das ist das bescheidene Programm des Kolonialministers. Herr Bouteille ist der Ansicht, daß unter günstigen Bedingungen und bei Beschaffung der Kosten zur Prüfung des Planes und zur Ansiedlung der Einwanderer durch die jüdischen Organisationen höchstens 10 jüdische Familien im Jahre 1937, 20 bis 30 im Jahre 1938 und vielleicht 50 im Jahre 1939 angesiedelt werden können. Es darf in der Tat nicht übersehen werden, daß die französische Siedlung selbst keine beträchtlichen Ergebnisse erzielt hat. In Neu- Kaledonien haben sich im Verlaufe von mehreren Jahrzehnten nur etwa 20.000 Franzosen angesiedelt, und auf Madagaskar im Verlaufe von 30 Jahren nur 25.000 Franzosen. Allerdings liegt für die Franzosen kein so zwingender Grund für die Auswanderung vor wie für die Juden. Immerhin beleuchten diese Ziffern die Schwierigkeiten solcher Ansiedlung. Das französische Koloniaiministerium vertritt die Ansicht, daß es sich bei den jüdischen Einwanderern weder um Handwerker noch um Kaufleute handeln dürfe, sondern lediglich um Techniker, Landwirte und einige Aerzte. Die in Frage kommenden Einwanderer müßten auch über Kapitalien verfügen. Das Kolonialministerium ist der Auffassung, daß in diesem Maßstab und ohne Festlegung für die Zukunft der Plan der jüdischen Auswanderung trotzdem eine gewisse Abhilfe verspricht und den jüdischen Flüchtlingen in Frankreich eine bescheidene Verbesserung ihres Schicksals zu bieten vermag. Und diesen Flüchtlingen zu Hilfe zu kommen, ist in diesem Zusammenhang die e i'n z i'g e Aufgabe, •slit der sich das Kolonialministerum befaßt. Eine Einwanderung von Juden aus fremden Ländern, die ein großes Bedürfnis nach Auswanderung haben, kommt im Augenblick nicht in Frage. Das Kolonialministerium wünscht, jede Uebertreibung der Einwanderungsmöglichkeiten in die französischen Kolonien zu vermeiden und alle Illusionen auf diesem Gebiete zu verhüten. Dutzende von jüdischen Organisationen haben sich bereits an das Ministerium gewandt. Eine große Anzahl von Einzelpersonen hat bereits gebeten, sich unverzüglich in die französischen Kolonien begeben zu dürfen. Der Jüdische Weltkongreß verfolgt diese Frage weiter und . erhält engste Fühlung mit dem Kolonialjmmisteriura aufrecht, 1ö.666eludek... einig! So verschieden die Ansichten und Ueberzeugungen der Wiener Judenheit in allen religiösen und Wirtschaft« liehen Fragen auch sein mögen, in e i n e m Punkte gibt es bei vielen Zehntausenden nur eine Ueberzeugung: Mdi^Kä^<^ftoUM / t \a ifi^N&*w9wPw Humoik ob reich oder arm ... auf den Pessach-Tisch des Kenners und Feinschmeckers kommen seit mehr als 40 Jahren nur die bei allen beliebten, von allen bevorzugten Besonders delikat ist die Spexialmarke „ff. 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Dagegen ist das Klima des Hochlandes, zwischen 1000 und 1600 Meter, erträglicher. Die Bevölkerung der Insel zählt etwa 3,8 Millionen Seelen, davon 3,7 Millionen Malagassen, d. h. eine Mischrasse aus Eingeborenenstämmen, Indern, Chinesen und Arabern. Die Zahl der Franzosen auf der Insel beträgt etwa 23.000, die Zahl der übrigen Weißen ist sehr gering. Das Land ist in zwei Regionen eingeteilt, von denen eine der europäischen Bewirtschaftung offen steht, während die andere'Eingeborenen-Reservat ist. Auf der Insel wird hauptsächlich Reis, Zucker, Kaffee, Manioka und Baumwolle angebaut. Die Eingeborenen betreiben auch in größerem' Maße Viehzucht,' für die das Land teilweise sehr geeignet ist. Die Industrie ist noch wenig entwickelt; die Ausfuhr geht hauptsächlich nach Frankreich, welches auch in der Einfuhr an erster Stelle steht. AUS PALÄSTINA Keine Kantonisicrung. aber Legislative Council? Aus London wird berichtet: „Daily Telegraph" meldet, daß die Gerüchte, die Kgl. Kommission werde eine Kantonisierung Palästinas empfehlen, grundlos seien. Das Blatt weiß dagegen zu berichten, daß unmittelbar nach Fertigstellung des Berichtes der Kommission der High Commissioner. Sir Arthur Wauchope nach London kommen werde, um mit den zuständigen Stellen die weiteren Entschließungen zu beraten. Seinem Vorschlag, einen Legislative Council in Palästina einzurichten, werde von offizieller Seite große Wichtigkeit, beigemessen, obgleich im vergangenen Jahr im Unterhaus in einer großen Debatte dieses Projekt scharf kritisiert wurde. (J.T.A.) PaBäsfina*Regiei'ung für laffaer Araber Aus Jerusalem: Die Palästina-Regierung hat den Arabern in Jaffa, deren Häuser durch das Militär zwecks Schaffung besserer Kommunikationen niedergerissen wurden, 6000 Pfund als außerordentliche Zahlung zur Anschaffung von Wohnungseinrichtung auszahlen lassen. (J. T. A.) Emir Abdullahs PBan von „Reuter" bestätigt Die Agentur Reuter meldet aus Jerusalem; Der Emir von Transjordanien beabsichtigt, einen Plan zu veröffentlichen, der clen Forderungen der Araber Genüge tut. Dieser Plan soll die Abtrennung einer Anzahl arabischer Zonen von Palästina und deren Anschluß an Transjordanien vorschlagen, das ein selbständiges Königreich oder eine Kronkolonie mit autonomer Regierung werden soll. Palästina-Polizei gegen Tozeret Haarez Aus Tel-Aviv wird gemeldet: Agenten der palästinensischen Geheimpolizei besuchen systematisch die jüdischen Geschäfte, die vornehmlich in Palästina hergestellte Waren (Tozeret Haarez) führen, und befragen die Ladeninhaber, ob sie freiwillig oder unter Druck der Tozeret-Haarez-Bewegung beigetreten sind. In den Straßen vei'anstaltet die Polizei Jagden auf Straßenverkäufer, die Tozeret-Haarez-Produkte verkaufen; die Verkäufer werden zur Polizei gebracht und dort befragt, warum sie just in Palästina erzeugte .Waren und keine anderen verkaufen, , Diese polizeüiche Aktion wird in Zusammenhang gebracht mit der an die Polizei ergangenen allgemeinen Verordnung, die Tätigkeit jüdischer und arabischer Boykottorganisationen zu beobachten. (J. T. A.) Neuer Terror Aus Jerusalem: Nach Abschluß der Unter-" suchungen der Kgl. Kommission haben in Palästina die Terroraktionen wieder eingesetzt. Der Mordanschlag auf den Haifaer Bürgermeister Hassan Sidky Bey blieb nicht vereinzelt. In den nördlichen Bezirken des. Landes gab es wieder mehrere Bombenanschläge und Schießereien der Terroristen, die sich besonders gegen gemäßigte Araber richteten. So wurden in arabischen Läden in Haifa und Akko Bomben geworfen oder reiche Araber beschossen, weil sie sich geweigert hatten, die sogenannten „Steuern" an die Terroristenbanden abzuführen. Bei Nablus überfielen Banditen 25 Automobile und terrorisierten die Insassen. Die Beisenden wurden ausgeraubt. Herbeigeeilte Polizei feuerte auf die Banditen, von denen einer getötet wurde. Die übrigen entkamen. 1500 jüdische Aerzte in Palästina Aus Jerusalem: Am 20. Jänner hat die Organisation jüdischer Aerzte Palästinas das Jubiläum ihres 25jährigen Bestehens gefeiert. An der Festversammlung in Tel-Aviv nahmen 800 Aerzte teil. Der Gründer de3 Verbandes, Dr. Püchowski, berichtete, daß der Verband bei"seiner Gründung 14, heute aber rund 15 0 0 Mitglieder zählt. Zur Unterstützung der notleidenden Aerzte wurde ein Fonds von 3000 Pfund errichtet, der durch weitere, aus verschiedenen Institutionen zugeflossene 3000 Pfund erhöht wurde. Klar Ussischkin Aus Jerusalem: Der Präsident der Zionistischen Förderation Südafrikas, Kirschner, übergab am 21. Jänner dem Präsidenten des Zionistischen Aktions«. Comitees und des Jüdischen Nationalfonds, M. M. Ussischkin, im Auftrage der Zionisten Südafrikas eine künstlerisch ausgestattete Adresse und den Betrag von 40 0 0 Pfund, der zum Erwerb des Bodens für die Siedlung bestimmt ist, die den Namen Ussischkins tra-! gen soll. Schokoladenfabrik in Palästina Aus Jerusalem: Die Schokoladenfabrik „Elite'1 verdoppelte ihr Aktienkapital auf 16.000 Pfund. Der Umsatz der Gesellschaft ist während der Unruhen nicht zurückgegangen. Es konnte die ganze Belegschaft von 200 Mann beschäftigt werden. Demnächst soll die Er«, zeugung von Kaugummi und kandierten Früchten aufgenommen werden. Eine große Konkurrenz für die Erzeugnisse der Gesellschaft ist syrische Schoko«, lade, die zollfrei eingeführt wird. Palästina trinkt eigenes Bier Aus Jerusalem: Die Palestinc Brewery Ltd. in Rischon le Zion, die größte Brauerei Palästinas, die vor einem Jahr ihren Betrieb aufgenommen hat, hat bis Endo des Jahres 1936 22,000 hl oder 3,3 Millionen Flaschen Bier erzeugt. Das Kapital der Gesellschaft ist von 50.000 auf 80.000 Pfund erhöht worden. Die Brauerei liefert zwei Drittel des gesamten Bierkonsums in Palästina, der im Jahre 1936 auf 30.000 hl ' geschätzt wird. Versicherungswesen in Palästina Aus Jerusalem (J. T. A.): In Palästma bc«. stehen gegenwärtig 76 Versicherungsgesellschaften, umfassend 33 Lebens-, 51 Feuer-, 30 Unfall- und Kranken-, 30 Diebstahl- und Schadens-, 29 arbeits«. rechtliche, 28 See-, l Lager und 20 sonstige Versicherungen. Diese 76 Gesellschaften auf dem verhältnismäßig kleinen Markt haben zu Wettbewerbserscheinungen geführt, unter denen alle Unternehmen leiden. Abhilfe dieser Zustände wird jetzt durch Zusammenschluß und Vereinheitlichung der Geschäftsbedingungen auf solider Grundlage erstrebt.

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