Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 627 (29.1.1937)
- Date
- 1937-01-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 627 vom 29. J8nner 1Ö37 DIE NEUE WELT Seite 3? 20th Century Fox zeigt: Die größte Filmsensation Amerikas Die berühmten kanadischen FQnflinge Fünflinge geboren... ■MMBMi (Oac greOe Weltwunder) ■BBSEBHHI Ab heute: Burg-, Imperial*. Staffa*, Votivpark-Kino WotkeusfUegd Wir singen immer Die Juden singen, wo andere sagen. Sie singen die Thora, die andere lesen, sie singen den Talmud, den ändere lernen, sie singen wenn sie arbeiten, Schneiderniggunim und Schusterweisen, sie singen sogar, was die Völker beten nennen, sie singen immer . . . Rabb. Joachim Prinz („Isr. Familienblatt", Berlin). Palästina>Ei'ndrüdce Das ungeheure Erlebnis, Eres Israel zum erstenmal *u sehen, wirkt sich fast wie ein physischer Rausch aus: Die Eindrücke überstürzen sich, und das Auge kann ein Soviel an Bildern kaum erfassen. Man möchte sich irgendwo einschließen, um all das, was die ersten Stunden bereits erbracht haben, zunächst einmal zu überdenken umä Innerlich einzuordnen, um aufzuatmen und aus- Muruhen; denn man kommt einfach nicht mit. Manfred Stur mann: „Ein Dichter sieht Palästina". Polnische Judenbetrachtung Wir stehen vor einem heiklen Problem, das weder durch Pogrome noch durch Ausnahmegesetze toird gelöst werden können. Und doch ist Passivität in dieser Frage sehr schädlich und sogar gefährlich. In der Atmosphäre der Untätigkeit entwickeln sich die niedrigsten Instinkte, und der in erster Reihe wirtschaftliche Konflikt nimmt die Formen eines Rassenkampfes mit allen seinen Konsequenzen an. All dies wird noch durch politische, soziale und kulturelle Momente kompliziert . . . Und doch muß unbedingt ein Ausweg gefunden werden und die Juden selbst müssen dabei behilflich sein. Der konservative „Czas" (Warschau, 1937), England ist verpflichte! ♦ ♦ ♦ Die Darlegungen des Mufti vor der. Kgl. Kommission sind sehr wenig geeignet, die Sache der Araber in Palästina zu fördern. Das vom Mufti geforderte Aufgeben des Jüdischen Nationalheims in Palästina ist völlig undiskutabel. Großbritannien ist endgültig verpflichtet, die Errichtung des Nationalheims zu erleiclitern. „Spectator" (London, 1937). Europa und der Nahe Osten In allen arabischen Ländern sind im letzten Jahr militärisch geschulte Jugendformationen entstanden, deren Gewicht überall, auch in Aegypten, auf die bisher führenden Kreise und die Regierungen im Sinne einer stärkeren Radikalisierung der Politik, einer stärkeren Berücksichtigung der Massen, eines unnachgiebigeren Nationalismus drückt. .Die Unruhe, die in den letzten drei oder vier Jahren das politische und soziale Bild Europas beherrscht, wirkt sich auch im Nahen Osten aus. „Neue Zürcher Zeitung" (Jänner, 1937). Die Auferstehung des Judentums Das Judentum ist vor allen Dingen eine Nationalität, deren Geschichte, Jahrtausende überdauernd, mit jener der Menschheit Hand, in Hand geht, eine Nation, die schon einmal das geistige Regenerationsorgan der sozialen Welt war, und welche heute, nachdem der Verjüngungsprozeß der weltgeschichtlichen Kulturvölker seiner Vollendung entgegenreift, mit der Wiedergeburt derselben ihre eigene Auferstehung feiert. Moses Heß, 1862. Die Araber zeigen Ihr wahres Gesicht Die arabischen Führer vor der Kommission. — Sie wollen das Jüdische Nationalheim liquidieren. Spur einer Kompromißlösung. — Eine Illusion weniger. Von Mei'r Großmann (Tel-Aviv) Kein« Jüdische Buchhändler müssen liquidieren Aus Berlin: Gemäß einer amtlichen Verordnung müssen Juden, die Inhaber von Buchhandlungen in Deutschland sind, bis zum 81. März d. «T. ihre Geschäfte liquidieren. In jeder größeren Stadt wird nur eine jüdische Buchhandlung bestehen dUrfen, die als solche äußerlich gekennzeichnet sein muß. Gouverneur Horner Aus New York (J. T. A.): Der im November v. J. wiedergewählte Gouverneur von Illinois, Horner, ist für seine zweite Amtsperiode vereidigt worden. Gouverneur Horner, ein Jude, spielt im amerikanisch-jüdischen Gesellschaftsleben und in der zionistischen Bewegung Amerikas eine große Rolle. Verband der Judenstaatszionisten Oesterreichs, Frauengr. ,Oeborah Sektion Prater _ Sonntag, den 31. Jänner 1937 um 4 Uhr nachm. im Restaurant Lustig, II, Venedigerau Klnder-Chamischa-Assar-Feler unter Mitwirkung der bekannten Kinder-Schauspielergruppe . ' Zur Aufführung gelangen folgend« von Frag Fanny KaU vorlauten Stdcko: 1.0er Schmetterling und der Junge. 2. Llntoa iiijom banu. 3, Schulausflug. 4. Dea Volke« Rückkehr. 5. Die Arbeit in Er« «•»JtutltTig » ~M jede» Kind bekommt ein «oiihMk Eines muß man zugeben: die arabischen Führer sind gute Regisseure. Sie verstehen, ihre Handlungsweise dramatisch zu gestalten. Sie besitzen scheinbar ein angeborenes Talent für Fasson und Effekte gerade das also, was dem Europäer so sehr gefällt. Die Proklamierung des Boykotts der Kgl. Kom mission haben sie mit einem scharfen Protest gegen die Regierung verbunden. Seht Ihr, wie sie uns vor den Kopf stoßen. Just vor Beginn der Untersuchung hat man den Juden neue Zertifikate gegeben und damit die Macht der Mandatsverpflichtungen demonstriert. Hierauf haben sie acht Wochen lang hartnäckig die Kommission ignoriert: die Berichte nicht veröffentlicht, die Sitzungen nicht besucht. Was geht sie der englische Gerichtshof an? Als es klar geworden war, daß man einen Unsinn gemacht habe, zumal die englischen Arabophilen an gedeutet hatten, daß sie sich von ihren arabischen Freunden abwenden werden, wurden Sendboten zu den Königen von Irak und Saudia um Rat geschickt. Wieder eine neue Wendung in dem Drama. Boten kamen und gingen; geheime Beratungen; die Könige als Symbole arabischer Einheit; ein stiller Kampf hinter den Kulissen; eine ständig steigende Spannung — eine plötzliche Aenderung — mangehtvord i e Kommission. Auch das Erscheinen der Araber an sich war anders als das der Juden. Es kamen bloß sechs Personen mit dem Mufti an der Spitze. Fast alle sprachen arabisch, auch jene, welche gut englisch sprechen. Es stak darin ein Stück Demonstration. Der erste Zeuge war just der Mufti, damit den Einwänden; religiöser Charakter verliehen werde; weiters die Gefahr andeutend, die den Engländern vom Panarabismus drohe. Kurz, eine gute Regie! Die äußere Form des Auftretens der Araber hat gewiß Eindruck gemacht. Sie hat vor allem den starken nationalen Willen und die schöne innere Disziplin zum Ausdruck gebracht. Hingegen haben die Beschuldigungen gegen die Regierung und die Argumente gegen den Zionismus bei den Mitgliedern der Peel-Kommission nicht überzeugend gewirkt, welche scharf analysierende Gehirne besitzt. Von allgemeinen Phrasen sind sie nicht befriedigt. Sie verlangen Tatsachen'und Beweise. . Solange sich die arabischen Führer im Rahmen deklarativer Behauptungen hielten, ging alles normal; die radikale, oft brutal aufrichtige Haltung hat gewirkt. Sobald sie aber zu konkreten Beschwerden, übergingen, besonders wenn sie versuchten festzustellen, daß die Juden sie unglücklich machen oder sie aus ihrem erbeingesessenen Heim jagen, zerrann die Anklage wie Eis unter der Sonne. Die arabischen Führer vermochten nicht mit Tatsachen den Anspruch auf ihre Forderungen zu beweisen; die Ziffern stimmten nicht. Die Tatsachen waren meistens falsch. Die Legende von den „hinausgejagten und landlos gemachten Fellachen" brach zusammen. Der Vergleich des Mufti zwischen den glücklichen türkischen Zeiten und dem schrecklichen jetzigen Regime nahm sich komisch aus. Den Arabern gelang es nicht, die Kommission zu überzeugen, daß sie „in ihrem eigenen Heim" unter dem Joch der „fremden Juden' leiden! Es gab eine Zeit, wo die Araber stets mit wirtschaftlichen' Motiven kamen: das Land sei zv klein und es sei kein Platz da für Juden. Später operierte man mit Politik: man verlangte ein Parlament. Mehreremal spielte man gegen die Juden religiöse Momente im Verein mit allerlei Verleumdungen bezüglich der zionistischen Absichten, den Islam zu unterdrücken, aus. Die arabischen Beschwerden und Forderungen wechselten stets. Sie wurden dem gegebenen politischen Moment angepaßt. Wenn eine Lügenblase platzte, wurde eine zweite in die Welt gesetzt. Die Aufgabe bestand darin, mit Tatsachen und Ziffern zu beweisen, wie sehr die Araber unter der wachsenden jüdischen Einwanderung leiden. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, wurde mit den Arabern und ihren englischen Freunden eine Auseinandersetzung geführt, welche einen doppelten Zweck hatte: Die unbegründeten Beschuldigungen zurückzuweisen und einen Weg fUr ein Kompromiß zu finden, welches das friedliche Zusammenleben der beiden Völker ermöglichen sollte. Ein Zionistenkongreß nach dem anderen streckte dem arabischen Volk die Hand entgegen. Es wurde die Formel vom „Nicht herrschen und nicht beherrscht werden" geschaffen. Letztens gingen einige noch weiter: sie begannen mit dem Begriff „Parit ä t" zu jonglieren. Alldas entsprang der Ansicht, daß es hier einen Weg zur-Verständigung mit den Arabern ■gibt, und daß es bloß auf unseren guten Willen und auf die entsprechenden Bedingungen ankommt. Man ( hat naiverweise an die Kraft hochtrabender Worte geglaubt. Das letzte Auftreten der arabischen Delegation vor der Kgl. Kommission hat zunächst einmal all diese Illusionen zunichte gemacht. Die tiefgründigen Formeln und feinen Pläne gewisser zionistischer Kreise haben jeden Sinn verloren. Im Licht der unbeugsam-feindseligen arabischen Stellung zum Zionismus, jeder Art Zionismus, sehen unsere Bemühungen, eine „gemeinsame Sprache" zu finden, naiv aus; jedenfalls im gegenwärtigen Augenblick. Während in der zionistischen Bewegung der Widerhall der Auseinandersetzung ringsum die „Parität" noch nicht verklungen ist, sind die Araber mit der kategorischen kompromißlosen Forderung vor die :Oeffentlichkeit getreten: Liquidierung des Jüdischen Nationalheims, Beseitigung des Mandats, Schaffung einer arabischen Regierung, Schließung Palästinas gegen die jüdischen Einwanderer, Reduzierung der jüdischen Bevölkerungszahl, die sich bereits in Palästina befindet! Sie träumen sogar von der künftigen Proportion:! 93 Prozent Araber und 7 Prozent Juden ... Kehl Zeichen von Entgegenkommen. Keine Basis eines Uebereinkommens! Um die „schreckliche Lage" der arabischen Bevölkerung in Palästina zu schildern, eine Lage, die nach seiner Behauptung die direkte Folge der jüdischen Einwanderung ist, ging der Mufti so weit, daß er Lobhymnen auf das ehemalige türkische Regime.sang: Unter den Türken sei es besser gewesen , als unter dem englischen Mandat. Als die Kommission das. hörte, lachte die Kommission, und auch das Publikum lachte. Auf alle Fragen der Kommionsmitglieder, ob die Möglichkeit einer jüdisch-arabischen Verständigung vorhanden sei, kam die eine Antwort: Nein! Wir wollen alles. Bisherige rückgängig mach e n. * Die sechs arabischen Führer haben sechs Tage hintereinander gesprochen. Der eine gab einen allgemeinenUeberblickder Lage, indem er eine lange Exkursion, in die arabische Geschichte machte, um die historische Verbindung. Palästinas mit dem arabischen Volk zu beweisen. Der zweite versuchte nachzuweisen, daß das Mandat.an sich ein ungesetzliches Dokument sei, das im Widerspruch zu den Grundlagen des Völkerbund stehe. Der dritte wandte ein, daß die . Regierung die . arabische . Bevölkerung vernachlässige und das Land den Juden ausliefere. Der vierte sprach im Namen der Bauern. Wenn man auch nur einen Teil seiner Geschichten glauben wollte, müßte man meinen, daß alle Leiden und Schwierigkeiten ausschließlich von den jüdischen Einwanderern kommen, welche die Löhne erhöht, die Preise für Produkte hinaufgetrieben, dem Fellachen seinen Boden weggenommen hätten. Wenn man all die Anklagereden, Einwände, Beschuldigungen und Verdächtigungen ihrer nebensächlichen Momente befreit, die leicht durch die wirklichen Tatsachen zerstört werden können, verbleibt eine Reihe politischer Forderungen, die eine gewisse Logik besitzen und durch einen Hauptgedanken miteinander verbunden sind: Palästina ist ein arabisches Land; es muß so arabisch sein wie Irak. Die Juden sind Fremde und können hier nur in kleiner Zahl geduldet werden. Der arabische Standpunkt, wie er von den Delegierten vertreten wurde, ist ganz und gar primitiv. Er berücksichtigt nicht die Geschichte, die Tatsachen, die Wirklichkeit. „Das M a n d a t ist ungesetzlich. Wir anerkennen es nicht. Es muß beseitigt werden. Palästina war immer ein rein arabisches Land! Es muß es weiter bleiben. Die Juden haben keinerlei Recht darauf. Die Araber werden niemals damit einverstanden sein, daß Palästina in ein Jüdisches Nationalh e i m — auch kleinsten Formats — verwandelt werde. Die zionistische Politik Englands und, die jüdische Masseneinwanderung sind die direkten Ursachen der In-u« ausländische Hausbesitzer verwalten ihre WIENER HÄUSER durch behördlich konz. Realitätenkanzlei Dr. IM AIR PAIS Wien t, Franz. Josefs-Kqi i, Tel. R.gi.5-30 Erstklassige Referenzen! Iii