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Die neue Welt · 1937-01-29 · Heft 627 (29.1.1937) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 627 (29.1.1937)
Date
1937-01-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 t>m HEUfcWELT Nr. 627 vom 29. Jänner 1937 RUNDSCHAU LfamgsversiHli« Im Zusammenhang mit den Untersuchungen der Königlichen Kommission in Palästina hat sich die englische Presse mit den Möglichkeiten der Lösung des jüdisch-arabischen Konflikts beschäftigt und eine Reihe bedeutender Persönlichkeiten ist vor die Öffentlichkeit getreten, um zu den Verpflichtungen der Mandatarmacht Stellung zu nehmen. Man konnte merken, daß die Araber viele ihnen wohlwollende Kreise auf englischer Seite besitzen, aber kein verantwortlicher Mensch ging so weit, das Prestige der englischen Fairnespolitik in Frage zu stellen. Bemerkenswert sind die Ausführungen des Budapester „Times"-Korrespondenten J. E. Philipps, der in der Ungarischen Handels- und Gewerbekammer einen Vortrag über „Zusammenstoß vonWelt- Interessen in Palästina" hielt und dem man entnehmen konnte, daß England an einer raschen Lösung der jüdisch-arabischen Spannung interessiert sei. Am wichtigsten war die Feststellung, daß man auf ein neuerliches Aufeinanderprallen der Gegensätze, d. i. auf neuerliche Unruhen, gefaßt sein müsse. Der Engländer Phüipps gibt also zu, daß die Mandatareiner neuerlichen arabischen Terrorbewegung nicht macht mit ihren bisherigen Methoden den Ausbruch einer neuen arabischen Terrorbewegung nicht verhindern könne — ein Umstand, der die jüdische Forderung nach ausreichendem Selbstschutz als dringend erkennen läßt. J. E. Philipps befaßte sich in seinem Vortrag mit den Lösungsmöglichkeiten des arabisch-jüdischen Konflikts, indem er drei Projekte skizzierte: 1. Internationalisierung Palästinas nach dem Beispiel der internationalen Tanger-Zone. 2. Einverleibung in das Britische Imperium in Form eines britischen siebenten Dominions. 3. Aufteüung in jüdische und arabische „Kanton e" sowie Neutralisierung der Städte Jerusalem und Haifa. Wie man sieht, ist in diesen drei Projekten vom Mandat keine Rede. Natürlich steht ihnen die öffentliche Meinung Englands gegenüber, die ein Aufgeben des Mandats als unmöglich ansieht und nicht vergißt, daß es einen Völkerbund gibt. Aber dergleichen Lösungsversuche sind imstande, dort, wo sie vorgetragen werden, falsche Vorstellungen zu erwecken, vor allem die, daß das jüdische Element, der jüdische Jischuw in Palästina und das jüdische Volk äußerhalb Palästinas (die Vertragspartner Englands) nichts dreinzureden haben. Und diese Vorstellung darf man in der öffentlichen Meinung nicht aufkommen lassen. Von einer Vermittlerin ernften Wittens Ein 18jähriges deutsches Mädchen, Elvira Bauer, hat im Stürmer-Verlag, Nürnberg, ein Buch herausgegeben „Trau keinem Fuchs auf grüner Heid und keinem Jud bei seinem Eid. Ein Bilderbuch für groß und klein.". Streicher zeigt das Buch an, indem er bemerkt, daß die Autorin der deutschen Jugend „Vermittlerin ernsten Wissens" sein will, wobei er verschiedene Titel von Gedichten zitiert, unter anderem über das Gebet der Juden: „Dann nimmt er seinen Riemen Und mauschelt mit den Kiemen Zu seinem Jahwegott! (O Gaudi, sapperlott.)" Die „Baseler Nationalzeitung" bemerkt hiezu (24. Jänner): „Wir können uns nicht vorstellen, daß sich nicht der größte Teil des deutschen Volkes solcher Genossenschaft schämt, die einer Roheit in der Verhöhnung anderer Religionen fähig ist, wie sie bestimmt bei keinem Volksstamm der niedersten Kulturstufe im innersten Afrika möglich wäre." Wir unsererseits können dieser Feststellung nur unsere Verwunderung darüber hinzufügen, daß es bei uns Kreise gibt, welche eine Kulturverbrüderung mit diesem Geist propagieren und jeden Widerstrebenden als jüdisch-marxistischen Hetzer und Bolschewiken bezeichnen. Das jüdische Palästina „solid und stark" Die Londoner „Times" bringt einen zusammenfassenden Bericht über die Arbeiten der Königlichen Kommission in Palästina und schreibt: „Der allgemeine Eindruck ist, daß die Bemühungen des jüdischen V o 1 k e s, 'in Palästina ein jüdisches Nationalheim zu erbauen, erfolg* reiche Resultate nach allen Richtungen hin erbracht haben. Der ganze Bau ist auf stabile Grundlagen gestellt. Ein neues Volk ist zum Leben erstanden und steht fest und sicher auf seinen) Boden. Es hat seine eigenen Aspirationen hinsichtlich Sprache, Kultur und wirtschaftliche Struktur. Es feflängt eine immer größere Selbständigkeit^ sein Aufstieg hat Wirkung weit Über die Grenzen Palästinas hinaus." „Der Verlauf der Untersuchungen durch die Königliche Kommission hat klargemacht, daß die arabischen Efendis (Grundherren) die eigentlichen Verantwortlichen an den- Schwierigkeiten und Nöten Palästinas sind. Die arabische Bevölkerung hat gar keinen Grund, die jüdische Expansion zu fürchten, dagegen fürchten die Effendis das Ein* dringen einer neuen Zivilisation, die es mit sich bringen kann, daß sie, die Efendis, die Macht Über die Fellachen verlieren werden. Die Aufrechterhaltung eines kriegerischen Zustandes, ist für die Efendis von Wert. Die Juden haben hinter sich den Terror der osteuropäischen Länder und vor sich den arabischen Terror. Ihr Ziel ist eindeutig: so viele Juden aus Osteuropa nach Palästina bringen wie nur möglich. Die Juden erklären sich bereit* einer p o 1 i t i s c h e n P a r i t ä t (Gleichgewicht-) mit den Arabern zuzustimmen. Die Araber jedoch fragen, wie eine Parität zwischen einem Elefanten und einem Huhn denkbar wäre. Sie fürchte^, daß sie das, was sie im Falle einer Parität mit den Juden gewinnen können, ■ auf anderen Gebieten verlieret werden, und erklären darum, keiner Parität zustimmen zu können." W3 Restaurant und Selchwaren TOD Unier Aufsicht der Adas Jisroel (Schif/senulj lllA 1 A7AD SCHIFF AMTSGASSE 10 IIIH UlftfllC (Ecke Franz-Hochedlingor-Gasse) Tel. A-48-1-32 Selehwaren aus der Fabrik I. EISEN- Bier- und Weinausschank. Lokalitäten fUr i lla Festlich k eiteh 4» Italien und Palästina Enthusiastische Anerkennung Der römische Korrespondent der „Jüdischen Rundschau" berichtet: „Der Abschluß des a n g 1 o - i t a 1 i e n i s c h e n Mittelmeerakkords hat, wie vorauszusehen war, auch eine Besserung des Verhältnisses zwischen Italien und Palästina herbeigeführt und außerdem zu einer objektiveren und gerechteren Würdigung der Vorgänge in Erez Israel beigetragen. . So schreibt z. B. der „Pöpolo di Rom a". in seiner Ausgabe vom 12. Jänner in, einem Leitaufsatz, in dem das Blatt die aktuellen Probleme des Orients aufrollt : ,In einem Land,; das noch^vor, wenigen .Jahren eine Wüste war, haben die zugewanderten Juden Städte gegründet, Boden verbessert, Wasserleitungen gebaut und sogar eine große Universität errichtet, die eine seit Jahrzehnten tote. Sprache wieder zum Leben erweckt hat: die Sprache ihrer Urväter. Man mag vielleicht die Juden nicht lieben,, aber man kann nicht umhin, das einzigartige Genie dieses Volkes und den Beitrag zu bewundern, den sie für die Zivilisation der ganzen Welt geleistet haben. Ürtd man kann nur mit aufrichtigem Erstaunen feststellen, was sie in Palästina geleistet haben.' Das römische Blatt kommt dann auf die Gründung des Huberman-Orehesters und die Toscanini-Konzerte zu sprechen und schreibt: ,In einem Land, das zu den traurigsten und verlassensten Gegenden der Welt gehörte, hat ein kleiner Haufen von Männern einen Altar der göttlichsten aller Musen errichtet. Ist das nicht tief beeindruckend und geradezu erschütternd? Ist es nicht tief beeindruckend, die Töne der Fünften Symphonie zu erleben, dort, wo man noch vor wenigen «Jahren nur das einfache, hilflose Instrument einer Hirtenflöte hören konnte? — Aber der arabische Nationalismus ist t a u b und verbohr t. Gegen das Orchester HUbermans wußte er nichts anderes als einen Haufen Steine zu schleudern. In nichts kommt die Haltung der beiden Rassen besser zum Ausdruck, zum mindesten, was die geistigen Probleme angeht.' Diese, geradezu enthusiastische Anerkennung der jüdischen Leistung in Palästina durch eine große und verbreitete italienische Zeitung erfüllt uns mit aufrichtiger Freude. Angesichts der Tatsache, daß die Auseinandersetzung zwischen Juden und Arabern in Palästina noch lange nicht beendet sein dürfte, ist die Haltung Italiens in diesem Konflikt und die Beurteüung, die er hierzulande findet, von höchster Bedeutung." , Trofzki zur Judenfrage i Aus Mexiko City: Leön Trotzki, der aus i Rußland verbannte Sowjetführer, der jetzt in Mexiko ein Asyl gefunden hat, gab dem J. T. A.-Vertreter, der ihn dort besuchte, folgende Erklärung ab: „Die historischen Entwicklungen haben es mit' sich gebracht, daß ich meinen früheren assimilatorischen Standpunkt geändert habe und die Notwendigkeit einer besonderen Lösung der Judenfrage nun einsehe. Immerhin: Die jetzige Welle des Antisemitismus, die gewisse europäische Länder überflutet, ist als ein Ergebnis des: erlöschenden Kapitalismus zu betrachten. Die Judenfrage entstand und entwickelte sich vor allem in den kapitalistischen Ländern Europas, z. B, in Deutschland. Es sieht doch so aus, als wenn einVolk ohne ein eigenes Territorium nicht existieren könne. Auf dieser Idee basiert der Zionismus. Doch glaube ich nicht, daß der Zionismus die Judenfragc einer Lösung zuführen werde; die j ü d i s c h - a r a b isehen Kämpfe zeigen dies. Ich glaube auch nicht, daß die Judenfrage innerhalb des Interessenkreises des englischen Imperialismus gelöst werden könne. Freiwillige Wanderungen können nur unter einer sozialistischen Ordnung vor sich gehen. Die zerstreuten jüdischen Massen, die in einer, gesonderten Gemeinschaft zu leben wünschen, werden sicherlich ein genügend großes und reiches Territorium unter der Sonne als Teil eines auf sozialistischer Planwirtschaft gegründeten Systems finden." Ueasim fofolm-SetHmetity „Auch in Sowjetrußland, wo der Bürokratismus die kulturelle Entwicklung erdrosselt, existiert noch d-ie Judenfrage. Um ihre Herrschaft zu kräftigen, scheut die Sowjetbürokratic nicht davor zurück, gewisse chauvinistische Bestrebungen, besonders den Antisemitismus, zu ermuntern. Die jüngsten Moskauer Prozesse wurden mit Absicht und System dazu ausgenutzt, um die Internationalisten als. Juden „ohne Ideal und ohne Achtung vor dem Gesetz; fähig, sich der Gestapo zu verkaufen" erscheinen zu lassen. „Die. Judenfrage ist eng mit der Emanzipation der gesamten Menschheit verbunden. Was von dieser Linie abweicht, kann nichts anderes sein, als Schönfärberei, als ein Schritt rückwärts; das Beispiel Palästina beweist dies." □EEE3BGEE 3 0. Jänner 1 937 / 2 3 Uhr ) .JUGEND FÜR WINTERHILFE* Ehrenprofekforat: Präsidium der Kulf«gemeinde Veranstalter: Jüdischer Klub der Jungen (J.K.J.) PROGRAMM: Die Ronacher-Sensationen (ev. mit Jack Hylton), Rita Gaorg, Sonja Lewkowa, Nax Brod, Karl Farkas, Fritz Grünbaum, Duno Tendier, 3 Melo-Parodisten, Martin Niller, Frlti Strehlen, 8jMakkabiboys Conference: Josef Baar Anschließend TaflIZ. Im Barsfüberl: Edmund Helfer, ufid Jimmy Berg Das Reinertrages fliegt zur Ganze dem Winterhilfsfonds der Israelitischen Kultusgeiwelnde zu Karfenvorverkauf; Jüdische KuUursietie, I, Kai 3, j (R-28.2-36), Zlon. Landesverband; I, MaroAurel-Sfraße 5, Gronner, I, Graben 28, Buchhandlung Rath, II, Taborstraße #0, und J. K. J„ I, Goldschmiedgasse 9

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