Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 626 (26.1.1937)
- Date
- 1937-01-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2712245-2712251--6271-2719999- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seit* 2 MB NEUE WELT Nr. 626 vom 26. Jlmier 1037 deutscher und italienischer Bombenflugzeuge zu verteidigen." Und zum Schluß zur weltpolitischen Konstellation bezüglich Spaniens: „Ich bin mit Eden völlig darin einverstanden, daß die Regierung Spaniens eine Angelegenheit Spaniens ist, die nur das spanische Volk angeht Wäre dieser Grundsatz von allem Anfang an eingehalten worden, etwa noch vor dem Ausbruch des MüitÄraufStandes, so wäre der Krieg in wenigen Wochen beendet gewesen — er wäre vielleicht nicht einmal ausgebrochen. Bs gibt hinreichend Beweise dafür, daß General Franco sein Abenteuer nicht gewagt hätte, wenn ihm nicht gewisse Mächte ihren Beistand versprochen hätten." Das ist die Kehrseite der spanischen Medaille. Von ihr allerdings wollen die Schwärmer für Franco nichts wissen. Die Wahrheit paßt ihnen nicht in den Kram. Sie würde ihre Manöver als das enthüllen, was sie sind: als antijüdische Hetze, als Störung des inneren Friedens. o. r. Chanusdia Assar — ein Gedenktag Von Dr. Israel Zwi Kann er In jedem freudigen Fest findet sich bei uns ein Tropfen Wehmut und in jedem Trauertag ein Funke von Zuversicht. Dem festlichen Rosch Chodesch geht der Jom Kippur Katan voraus, dem Pessach das Taanita Behorim, dem ausgelassenen Purim der Fasttag Esther, dem Rosch Haschana folgt Jörn Gedalja usw. Am größten nationalen Trauertag Tischa b-Aaw ist auch der Messias geboren und ebenso hoffen wir, daß auch alle übrigen Fasttage in Freudentage verwandelt werden. Wieviel aufopfernde Liebe wurde in Erez Israel verwendet;' um die Bäume zu pflegen: die Oliven-, Mandel-, Orangen-, Zypressenbäume! Wie wurden sie gepflegt! Wie hat das Herz des jungen jüdischen Jischuws gezittert, als die ersten Wälder entstanden, die ersten Zeichen chaluzischer Tätigkeit! Die Zerstörungswut der arabischen Terroristen wandte sich auch gegen Bäume, gegen unschuldige Bäume. Es findet daher am Chamischa Assar eine Gedächtnisfeier für das verbrannte Getreide und für die vernichteten Bäume statt. Der Text der G e d ä c h tnisr olle lautet: „Laßt uns gedenken des Verbrechens gegen den goldenen Weizen auf den Feldern Israels, welcher in Flammen aufging, laßt uns gedenken der Seelen der brennenden Wälder und des Todesschmerzes der gefällten Bäume. Wir werden für jede Garbe Millionen anderer schaffen, für jeden gefällten Baum tausende neue Bäume pflanzen, welche Frücht und Schatten spenden werden." In Tel-Aviv wird ein Weihespiel aufgeführt, das dem Gedenken an die toten Bäume gewidmet ist. Nichts kann besser die Hingabe an die Scholle, die Liebe zum . Baum, die Treue zur Erde und Arbeit kennzeichnen als dieses Weihespiel! Der Boden ist heilig, der Baum. ist. heilig, und verflucht sei, wer daran Frevel übt. Das ist der Sinn des neuen Weihespiels, das der junge jüdische Jischuw dem Zerstörer entgegenstellt. Wohl uns, wenn wir imstande sind, an Stelle der frevelhaft vernichteten Bäume hunderttausende neue Bäume zu pflanzen. Wohl uns, wenn wir in unserem jüdischen Lande solcher Weihe uns hingeben können. 1fkd*HUi$ dec Bautne Zum 15* Sdiwat Von Dr. Rachel Offner (Wien) „Bin Baum ist das Zeichen unserer Arbeit für Palästina. — Wie beim Baum werden die Früchte unserer Arbeit den zukünftigen Generationen zugute kommen." (Theodor Herzl im Jahre 1899, beim Pflanzen einer Zypresse in Erez Israel.) Chamischa Assar b'Schwat — das Fest der Bäume ... Bin neuer Frühling zieht ein, die Natur erwacht, die Arbeit beginnt.,. Ein Frühlingsgruß aus Erez Israel, in den düsteren Tagen des Galuth, bringt neue Lebenskraft und Zuversicht. Das alt jüdische Fest des 15. Schwat hat seinen Ursprung in der glorreichen Epoche Erez Israels. Unsere Urahnen, die als Bauernvolk auf dem Boden in eigener Heimat lebten, feierten diesen Tag als den ersten Tag der Baumpflanzung. In jener fernen Vergangenheit, da „jeder unter seinem Weinstock und seinem Feigenbaum «aß", war der 15. Schwat ein freudevolles BauernfeBt. Das Galuthleben raubte den Juden die Naturverbundenheit. Es verblaßte allmählich die ursprüngliche Bedeutung des Baumfestea: das Baumfest wurde zu einem Früchtefest. Der 15. Schwat wurde nunmehr als sinnvolle Rückerinnerung In den jüdischen Gassen des Galuth und in den engen Stuben gefeiert. Im Mittelalter pflegten sich am Vorabend des 15. Schwat die Frommen in Israel mit ihren Schülern in den Jeschiwoth und Bethäusern zu sammeln. Mit ,.Lernen" über Früchte und Ernte aus Kapiteln des alten Schrifttums und mit traditionellem Früchteessen verbrachten sie die Nacht. Im ostjüdischen Städtchen behielt das Fest seine Urkraft und seine Poesie. Die jüdische Gasse bietet einen malerischen Anblick an diesem Tage. Ueberau sieht man „Chamischusser"-Obst: Datteln, "Feigen, Boxhorn, Mandeln werden feilgeboten. Die Chederjungen sind frei; sie werden reichlich mit Obst beschenkt. Im neuen Erez-Israel wird der 15. Schwat wie in der biblischen Zeit mit Baumpflanzung begangen. ™ Restaurant und Selchwaren ™ Unier Aufsieht der Adas Jlsroel (Schiffschul) ■ (III LA? AD XHIMANTSOASSi 10 ■ MM bMAillll (Ecke Franz-Hoehedllnger-aiue) Tel. A-4«-t-M Selchwaren aus der Fabrik I. BISEN. Bier- und Weinausschank. Lokalitäten fOr a lle Festllohkel t»h Entsendung einer jüdischen Kommission Aus Paris wird gemeldet: Der „Pariser Hajnt" berichtet, daß jüdische Organisationen in Paris in Zusammenarbeit mit amerikanischen und englischen jüdischen Organisationen Vorbereitungen zur Entsendung einer jüdischen Kommission treffen, die die vom Kolonienminister Moutet angebotenen Niederlässungsmöglichkeiten In französischen Kolonien an Ort und Stelle untersuchen soll. Persönlichkeiten, die dieser Kommission angehören sollen, beurteilen die Aussichten in Neu-Kaledonien günstig. Gegen die französischen Projekte Aus New York: Die New-Yorker Tageszeitung „Tog" Ist der Ansicht, daß die vom französischen Kolonienminister bekanntgegebenen Möglichkeiten für die Ansiedlang von Juden in überseeischen französischen Besitzungen praktisch bedeutungslos sind. Daß Madagaskar klimatisch für die Ansiedlung von Europäern ungeeignet Ist, sei allgemein bekannt. Aber auch die anderen vom französischen Kolonienminister erwähnten Gebiete kämen für die Ansiedlung von Juden kaum < in Frage. Für Prüfung der Pläne Aus Berlin: Für die Prüfung der Ansiedlungspläne des französischen Kolonienministeriums durch maßgebende jüdische Organisationen, wie Ica und Joint, tritt das „Berliner Gemeindeblatt", das Organ des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, im Leitartikel ein. Bs hat sich sehr wohl gezeigt — so wird in dem Artikel ausgeführt —, daß unter gewissen Umstanden auch solche Länder, die man vordem als wenig glücklich für die Ansiedlung von Europäern angesehen hat, bei näherer Prüfung dennoch als aussichtsreiche Siedlungsgebiete erkannt worden sind. Außerdem muß man berücksichtigen, daß hier das Angebot eines verantwortlichen französischen Kabinettministers vorliegt, dessen Räte ein Projekt der Art, bevor es öffentlich bekanntgegeben wurde, doch wohl zweifellos in großen Umrissen geprüft haben. Wir meinen, daß die bedeutenden jüdischen Organisationen, insbesondere Ica und der Joint, unverzüglich eine Prüfung der Pläne vornehmen müßten, um die Bedingungen festzustellen, die klimatisch und wirtschaftlich für eine jüdische Einwanderung in französische Kolonialgebiete gegeben sind. (J. T. A.) EinwanderungsaSperre in Südafrika Aus Johannisburg; Das südafrikanische Parlament hat das von der Regierung vorgelegte Einwanderungsgesetz mit großer Mehrheit angenommen. Vor der Abstimmung nahm der Ministerpräsident von Südafrika, General Hertzog, Gelegenheit, sich nochmals Uber den Zweck des Gesetzes zu äußern. Er gab dabei zu, daß sich das Gesetz gegen eine weitere jüdische Einwanderung richtet. Er sagte, die Zahl der Juden im Lande habe einen solchen Umfang erreicht, daß in großen nicht jüdischen Kreisen Befürchtungen darüber entstanden seien. Dies habe bereits dazu geführt, daß sieh eine antijüdische Strömung herauszubilden begonnen habe, Solle diese antijüdische Stimmung nicht zu ernsten Konsequenzen führen, so müsse den erwähnten Befürchtungen Einhalt getan werden. Es heißt, daß auch dlo jüdischen Mitglieder des Parlaments für die Begierungsvörlage gestimmt haben. Eine Bestätigung dessen Hegt noch nicht vor. - * Aus London: Der ehemalige Abgeordnete des Südafrikanischen Parlaments, Max Sonnenberg, weilte in London und äußerte sich in einem Gespräob mit .einem Vertreter der J. T. A. über die Möglichkelten jüdischer Einwanderung nach dem afrikanischen Kontinent. In Südafrika selbst gibt es heutzutage überhaupt keine Einwanderungsmöglichkeiten. Insbesondere ist dort kein Platz für Angehörige der kaufmännischen oder der freien Berufe. Vielleicht gibt es noch gewisse Arbeitsmöglichkeiten für gut quali- Fleißige Hände bearbeiteh den langersehnten Boden, Bäume werden gepflanzt. Tausende sonngebräunter Schul-t kinder ziehen mit ihren Lehrern aus den Städten Erez Israels in die Kolonien, durchfurchen den Boden mit ihren zarten Händen — jedes Kind pflanzt einen Baum,», Der heurige 15. Schwat in Erez Israel ist kein reiner Freudentag. Bei den jüngsten Unruhen wurden von arabischen Banden tausende Bäume entwurzelt und gefällt. Mit wahnsinnigem Vandalismus führten die Araber einen erbitterten Kampf gegen die Bäume. Durch den barbarischen Baumfrevel wurde der Jischuw tief ins Hera getroffen... In einer jüdischen Legende heißt es: „Der Schrei eines gefällten Baumes dringt — wie der Wehruf der Seele des Menschen, wenn sie den Körpes verläßt — von einem Ende der Welt zum anderen." Wird das jüdische Volk den Ruf der tausend«! gefällten Bäume hören?. ,-B fixierte Fachleute in Industrie und Handwerk. Diei Einwanderungsvorschriften sind aber jetzt sehr streng. Für junge Menschen gibt es Aussichten in Angola, Kenya, Rhodesien und anderen Territorien. Ich kenne diese Ge* biete aus eigener Anschauung und bin sicher, daß eine beschränkte Zahl jüdischer Jugendlicher aus Deutschland und anderen Ländern dort Fuß fassen könnte. Vorbedingung für eine solche Auswanderung ist, daß die Auswanderungswilligen bereit sind, aufs Land zu gehen, und die Härten und Schwierigkeiten des Pionierlebens nicht scheuen. Wieder ein neues SiedIungs»Projek( Aus New York, 21. Jänner (J. T. A.): Dr. W. a Blake, ein bekannter New-Yorker jüdischer Dentist, der soeben von einem Besuch der Republik San Do« mlngo auf der Insel Haiti In Zentralamerika zurückgekehrt ist, erklärte Vertretern der Presse, er habe im Auftrag des Präsidenten des Jüdischen Weltkongresse« Dr. Stephen S. Wiee den Präsidenten der Republik San Domingo, Trujillo, besucht, und der Präsident habe die Bereitschaft seiner Regierung erklärt, die Ansiedlung einer Million Juden im Verlauf von 2 5 Jahren auf dem Territorium der Republik zuzulassen und hierüber ein vertragliches Abkommen zu treffen. Jeder Immigrant erhält von der Regierung 30 Acker Boden und wird in den ersten fünf Jahren von jeder Steuerleistung befreit sein. Dr. Blake brachte einen Brief des Präsidenten1 Trujillo an Dr. Stephen Wise mit, in welchem versichert wird, daß die jüdischen Einwanderer, denen ein Betätigungsfeld in der Landwirtschaft und in der Industrie offen steht, einer sehr freundlichen Aufnahme gewiß sein können. * Dr. Stephen S. Wise veröffentlicht eine Erklärung, in der er dartut, der American Jewlsh Congress habe sich in keiner Weise hinsichtlich des Planes einer jüdischen Ansiedlung auf San Domingo verpflichtet. Er eis klärte weiter, er habe Dr. Blake nicht ermächtigt, offiziell in der Eigenschaft als Beauftragter des American Jewish Oongreß und des Jüdischen Weltkongresses zu verhandeln. Es war ausgemacht worden, daß Dr. Blake als Privatmann nach San Domingo geht und sodann Dr. Wise privat Bericht erstattet. Dr. Wise sprach die Befürchtung aus, daß die übereilte Publizierung des Planes sich ungünstig auf die jüdischen Wanderung») Interessen auswirken könne. Die Republik San Domingo umfaßt etwa zwei Drittel von Haiti,, der zweitgrößten Insel der Großen Antillen in Zentralamerika. Die Republik hat einen Umfang von 59.000 Quadratkilometer, laut einer Statistik von 1035 wohnen dort 1,200.000 Seelen, (Die Republik Haiti auf der gleichen Insel ist nur etwas mehr als die Hälfte so groß wie San Domingo und zählt mehr als 3,5 Millionen Einwohner.) Etwa die Hälfte der Bevölkerung von San Domingo setzt sich aus Mulatten und Negern, die andere Hälfte aus Europäern (Spaniern und Franzosen), Syrern und Türken zusammen. Die Staatsreligion ist katholisch, die Staatssprache Spanisch. Im Jahre 1635 kamen sephardische Juden auf die Insel, die aus Südbrasülen geflüchtet waren, und entwickelten dort die Zuckerrohrkultur. 1683 wurden sie auf Verordnung der französischen Regierung vertrieben. Gegenwärtig wohnen in der Republik Haiti 150, in der Republik San Domingo 50 Juden. An Interessenten wird DIE HEUE WELT probeweise einen Monat lang gratis versendet* Bekanntgabe von Adressen an die Adm. d. BI. Der französische Kolonlsierungsplan