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Die neue Welt · 1937-01-22 · Heft 625 (22.1.1937) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 625 (22.1.1937)
Date
1937-01-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 625 vom 22. Jänner 1937 das Med fkax JHekmatm „Am der Akademie haben sie mich hinausgeworfen, deren Präsident ich 13 Jahre lang war — . nur ein einziger von diesen (es folgt ein scharfes Wort) hat den Mut gehabt, dagegen zu protestieren: Kokoschka1." Max Lieberraann zwei Monate vor seinem Tode, „Aus dem schönen Traum der Assimilation sind wir leider, leider nur zu jäh aufgewacht. Für die jüdische Jugend sehe ich keine Rettung als die Auswanderung nach Palästina, wo sie als freie jüdische Menschen aufwachsen kann ..." Brief Liebermanns an einen deutschen Freund. Nach langer Zeit wieder ist ein Stück von Liebermanns großem, in sechzig reichen Schaffensjahren entstandenem Lebenswerk zu sehen. Die Gefahr, dieses könnte Spuren des Alters, des Ueberlebtseins bekomnahm, dem französischen Impressionismus „klassische" Reife verlieh, dabei aber niemals in irgend eine Manier verfiel, auch dann nicht, als er im Begriff war, eine neue Schönheit der Natur zu entdecken, so verdankt er diese Tugend seinem starken Charakter, der Unerbittlichkeit seines Wesens, dem Fanatismus eines Menschen, der nur eine Sache kennt: Treue! Als jüdischer Künstler ist Liebermann schwer zu charakterisieren. Wenn man von einigen Sujets absieht, die mit jüdischem Wesen und Ausdruck zusammenhängen, so war sein Stoffgebiet nicht an ein bestimmtes „Genre" gebunden. Er kannte keinen Unterschied in der Bewertung des Gegenstandes. Die gegenwärtige Ausstellung, von Dr. Otto K a 11 i r- Nierenstein musterhaft geschaffen, gibt hiefür Zeugnis. Da ist alles beisammen: Landschaft, Porträt, Atelier, Komposition; Und schließlich das Ent- * *Ä5«kc4 ^'l ^: * ' . t .*JBV> * 7 '^L 4 f 4 f* t'-^^-rtsy ''■■\-r'^>:>:'^ r w v h Selbstbildnis aus den letzten Lebensjahren des Kunstlers A * r men und zurückfallen in jenen Raum, wo so viele zu Lebzeiten gefeierte und in die Höhe gepriesene Künstler gelandet sind, dürfte endgültig überwunden sein. Liebermanns Bilder und Graphiken wirken frisch und. lebendig und stark wie eh. Aus einer — auch in künstlerischem Sinne — liberalen Epoche stammend, brach sich Max Liebermann durch die Sehnsucht nach Wahrheit Bahn. Die Schule, das Handwerk war ihm Voraussetzung jeder künstlerischen Arbeit, und wenn er sich vom braunen Galerieton emanzipierte, immer mehr Helligkeit an- Ausstellung der ,Neuen Galerie' Wien, in der Kunsthandlung Wawra scheidende: die Kontinuität künstlerischen Willens, das Bedingte der Entwicklung, das Echte in jedem Pinselstrich. Liebermanns Werk ist von gewaltiger erzieherischer Wirkung. Ein Mensch, ein Jude, manifestiert sich auf dem Gebiet der Malerei in voller Echtheit und Wahrhaftigkeit, rein von Eitelkeit, Kompromiß, Gefallenwollen. Die jüdische Jugend soll sich an Liebermanns Lebensweg ein Beispiel nehmen. In sittlichem Sinn kann die Liebermann-Ausstellung als bedeutende Tat gelten. o. r. Aus Hi't!erzöeu6§diland Die „Neue Weltbühne" (Prag) berichtet über weitere Beschränkung der Freizügigkeit für Juden im Dritten Reich: „Die Juden im Dritten Reich warten nervös auf einige neue Ausnahmegesetze, die in Vorbereitung sind. Juristen, Aerzte und Kaufleute sollen in ihrer Tätigkeit noch mehr beschränkt werden. Allerdings haben es die Nationalsozialisten nicht allzu eilig, die neuen Gesetze zu erlassen, da einige neue Vorschriften, die auf dem Verwaltungsweg getroffen wurden, unauffällig Zwischenlösungen schaffen. So wurde der jüdische Reiseverkehr in letzter Zeit empfindlich eingeschränkt. Der deutschösterreichische Freundschaftspakt, der den Reiseverkehr nach Oesterreich beleben sollte, findet nur auf Arier Anwendung. Außerordentlich verschärft wurden die Bestimmungen für die R ü c k k e h r von Juden aus dem Ausland. Soweit es sich um Emigranten handelt, diente schon seit einem Jahr das Schulungslager (Konzentrationslager) den Heimkehrern als Empfangs- und Aufenthaltsstation. Die Entlassung aus dem Schulungslager ist nach mehrmonatigem Zwangsaufenthalt an die Bedingung gebunden, daß der Häftling Deutschland sofort wieder verläßt — eine Illustration dafür, welchem Zweck das „Schulungslager" dient. Neuerdings ist jedoch auch solchen deutschen Juden, die nicht als Emigranten gelten, aber im Ausland ihren Wohnsitz haben, also jüdischen Auslandsdeutschen, die Einreise nach Deutschland nicht ohne weiteres gestattet. Sie bedürfen einer Genehmigung. Selbst eine Durchreise jüdischer Auslandsdeutscher durch deutsches Gebiet ist nur noch mit besonderer Erlaubnis zulässig. Ein jüdischer Auslandsdeutscher, der sein Geschäft in Paris betreibt und über Deutachland nach Prag reisen will, hat damit zu rechnen, daß er ohne Durchreisevisum (ein deutsches Visum im deutschen Paß!) in Kehl verhaftet wird. Ganz allgemein erhalten Juden, deren Auslandspässe ablaufen, nur noch kurzfristige neue Pässe ausgestellt. Das gilt vor allem für Süddeutschland, während in Norddeutschland die Handhabung nicht einheitlich zu sein scheint. Es sind uns darüber hinaus Fälle bekannt geworden, in denen jüdische Inhaber von Pässen, die noch ein bis zwei Jahre Laufzeit hatten, zur Polizeibehörde bestellt wurden, wo ihnen der noch laufende Paß auf ein bis zwei Monate verkürzt worden ist. * Der bisherige Oberbürgermeister von Leipzig, Dr. Goerdeler, ist plötzlich von seinem Posten zurückgetreten. Ueber die Gründe des Scheidens vom Amte berichtet das „Neue Tage-Buch": „Den Stein des Anstoßes bildete das Leipziger Denkmal des Tondichters Felix Mendelssohn-Bartholdy. Goerdeler, als Mann von Kultur, wollte nichts davon wissen, daß das „Judendenkmal", wie die Nazi es nannten, einfach abgebrochen würde, und er machte den Kompromißvorschlag, das Denkmal auf den Friedhof der israelitischen Gemeinde zu übertragen. Die Sache war noch in Schwebe, als Goerdeler dienstlich verreisen mußte. Er gab die Anweisung, man solle bis zu seiner Rückkehr in der Denkmalangelegenheit nichts vorkehren. Trotzdem benützte sein Stellvertreter, Haake, die Abwesenheit des Chefs, um das Denkmal durch die städtische Müllabfuhr (Mistabfuhr) zerstören und abführen zu lassen. Als darauf Goerdeler Klage erhob und ein Disziplinarverfahren gegen seinen Vertreter forderte, wurde das Vorgehen Haakes von der vorgesetzten Aufsichtsstelle gebilligt und auch im Reichsinnenministerium behielt Haake recht, worauf Goerdeler einen Urlaub antrat, von dem er nicht mehr zurückkehrte." Die am weitesten verbreitete Krankheit tot; Darmträgheit. Das beste und billigste Mittel dagegen? Täglicher Genuß von Simonsbrot, da« aus ganzem Roggen- Korn hergestellt wird, lüdfedte Kulilirstelle Wien. I., Frani-Josefs-Kal 3, Ter. R-28-2-36 Jüdisches Kulturtheatcr. Dienstag fand die 25. Auffuhrung von Scholem Alejchems Komödie „Schwer zu sein ein Jud'" (deutsch von Jakob Rosenthal, Regie E. Jubal) statt. Sonntag, Va* Uhr, wird „Die Grenze" zum 200. Male aufgeführt. Spielplan: Täglich, 20 Uhr: „Schwer zu sein ein Jud'"; Sonn- und Feiertags Nachmittagsvorstellung: „Die Grenze." Kunstsektion. Sonntag, 24. Jänner, 10.30 Uhr vormittags, in der Jüdischen Kulturstelle: Vortrag Hugo Friedmann, „Die Malerei der francisco-josephinischen Epoche". (Mit Lichtbildern.) Lltcrarischo Sektinn. Sonntag, 24. Jänner, 18 Uhr: Alf red-Werner-Abend. Es lesen: Alice Koch und Martin Miler. Einleitende Worte: Dr. Walter Beamt. JUdische Volkshochschule. Hebräisch- und Englischkurse. Vorträge über „Jüdisches Brauchtum und Kulturgeschichte". Donnerstag, 28. Jänner, 19 Uhr, spricht Herr Prof. Dr. K. Kupfer über das „Baumfest". Jüdische Stunde Im Radio Bratislava. Der Wiener Oberkantor Josef Feuer wurde für die Montag, den 25. d., um 8.30 Uhr, stattfindende „J ü d i s c h e S t u n d e" von Radio Bratislava eingeladen. Oberkantor Feuer wird jüdische Volkslieder zum Vortrag bringen. litovzed Jj&si Hanta Trotz der großen Erwartungen, die man zufolge der Vorberichte an das Auftreten des jungen Tenors Jos<5 Kania knüpfte, war man nicht enttäuscht. Ein Sänger, der für sein erstes öffentliches Auftreten in der Musikstadt Wien ein derart schwieriges Programm wählt, wie Kania es getan, beweist damit, daß er an sein Können die höchsten Anforderungen stellt. Ein schöner lyrischer Tenor, berückend in der Katilene, geschmackvoll im Ausdruck und technisch reif, bewies Kania in einer Reihe italienischer Lieder und Arien hohe Musikalität und Verständnis für dynamische Wirkungen. Im Großen Musikvereinssaal zu singen, ist für einen Sänger von mittlerem Stimmumfang keine leichte Aufgabe. Trotzdem muß gesagt werden, daß Jose" Kanias Stimme, insbesondere in der Höhenlage, raumfüllend wirkt, eine Eigenschaft, die bei weiterem Studium zweifellos wachsen wird. Dem Abend — Prof. Meiler als Begleiter — war ein durchschlagender Erfol, beschieden. — Prof. Juliusz Wolf söhn brillierte mit dem Vortrag von Chopin und der eigenen „Vision". —id. Filme der Woche (Nachdruck nur mit Genehmigung des Blattes) England: Wie es euch gefällt. — Rembrandt. Frankreich: Zwischen Abend und Morgen. Amerika: Der König der Frauen — Ehe ohne Hochzeit — Lustig ist das Zigeunerleben — Skandal in der Oper — Das Dreieck — San Franzisko — Dodsworth — Shirley ahoi — Ein amerikanisches Duell — Anthony Adverse — Der Garten Allahs — Menschenjagd — Vornehm und gefährlich. — 1000 und 1 Affäre. — Die Koronoff-Juwelen — Der lustige Desperado — So gut wie verheiratet — Amigo. Filme unter Arierparagraph Seine Tochter ist der Peter — Seine offizielle Frau — Mädchen in Weiß — Standschütee Bruggler — Glückskinder (Ufa) — Fahr'n ma, Euer Gnaden — Das Mädchen Irene — Blumen aus Nizza — Kontuschowka — Annemarie — Wo die Lerche singt — Romanze — Du kannst nicht treu sein — Lumpazivagabundus — Unter heißem Himmel — Wenn wir alle Engel wären — Der Bettelstudent — Eine Frau ohne Bedeutung — Der lachende Dritte — Burgtheater — Ernte — Das Geheimnis eines alten Hauses — Letzte Grüße von Marie — Der Jäger von Fall — Das Hofkonzert — Die Nacht mit dem Kaiser. FUmnacliricht. Wie uns von der Wiener Niederlassung der Univeraal Pictures Corporation, New York, mitgeteilt wird, trat Mr. J. Cheever C o w d i n, Vorsitzender des Aufaichtsrates der Universal Pictures Corporation, New York, in Wien ein. Mr. Cowdin wird genauestens die Situation des amerikanischen Films in Wien studieren und der Wiener Presse wichtige Erklärungen in bezug auf Oesterreich und dio anderen europäischen Gebiete abgeben. Heute Schwedenkino: „Zwinelien Abend und Morgen." Der Großfüm „Zwischen Abend und Morgen" erlebt heute im Schwedenkino seine österreichische Uraufführung. Eine packende menschliche Handlung, getragen von den Hauptdarstellern Annabella und Victor P r a n c e n, rollt sich im inter« essanten Milieu der französischen Kriegsmarine ab. Der Film er-i scheint in der ungekürzten französischen Originalfassung. KINO'PROGRAMME KREUZ-KINO Die Koronoffi. woiizeiie t< Juwelen Telephon l< -24-2- 1b #MW*SI«H Vorstellungen*, v*t. Vi«, 'Aio mit Myrna Loy, Spencer Tracy SCHKFFER VI. Mariahilferstraße 37 Telephon B-20-203 tieginn: %«, Vi8, fiio Marlene Dietrich i« „Oer Garten Allahs" STAFA, VII Marl ahllfgrstraDe 120 Telephon B-SS.0-68 Wochentags: s, 7, . Ulli VOTIVPARK IX, Währingerstraße 12 Telephon A«18-3-96 Beginn; *, 'AI, V.10 Der lustige Desperado Nino Martini, Ida Lupino

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