Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 625 (22.1.1937)
- Date
- 1937-01-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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r Seite 4 DBB NEUE WELT Nr. 626 vom 2£ Janner 1937 1 13 x BEROMAHIIL; RABENSFEIQ 3 HIMMELPFORTG. S KÖLLNERHOFQASSE 1 Große Auswohl und Kinder*WSseh«. Weißwaren, Bettwäsche, Strick- und Strumpfwaren usw. usw. in Herren-Modewaren, Hemden, Unterhosen, Pyjamas, Dressinggowns, Trikot-Wäsche, Damen- Kleine Preise MMMMHSMMMMtMi es mit dem Gedanken der „Erlösung des Bodens" verknüpft ist,.. Im allgemeinen sind die Bodenpreise in Palästina letztens bedeutend gefallen. Das Angebot, hauptsächlich seitens der Araber, ist groß, die Zahl der Käufer klein. In den großen Städten, wie Tel-Aviv, Jerusalem, Haifa, sind die Bauplätze um 10 bis 15 Prozent gefallen. Agrikulturboden ist jetzt zu verhältnismäßig billigen Preisen leicht zu bekommen; je weiter der Boden von den jüdischen Zentren entfernt ist, desto billiger ist er zu haben — im Zusammenhang mit der Sicherheit des Landes. Die gedrückte Marktlage kommt auch davon, daß die jüdischen Bodenspekulanten nicht länger mehr die Grundstücke halten können, die sie zur Zeit der Unruhen gekauft haben. Sie müssen jetzt ihr unbewegliches Gut schnell realisieren, um die Hypotheken und Wechsel zahlen zu können, und darum senken sich die Preise — ein gesunder Zustand! Gewiß leidet das Land inzwischen. Aber man ist zufrieden damit, daß die Eiterblase aufgegangen ist. Die hohen Bodenpreise haben nämlich jede Möglichkeit, von der Stadt aufs Land zu gehen, unterdrückt. Jetzt ist die Luft rein geworden; wenn auch heute noch die Preise so hoch sind, daß die Wirtschaft sich schwer bezahlt macht. Aber man befindet sich auf dem Weg der Genesung. Daß die Juden selbst die Taschen der arabischen Efendis mit Geld vollgestopft haben, ist bekannt. Die arabischen Bodenbesitzer haben nie davon geträumt, daß sie soviel Geld für ihren verwahrlosten Boden bekommen werden. Aber der Mensch ist nie zufrieden. Als die arabischen Efendis mit jüdischen Pfunden gesättigt waren, bekamen sie große politische Ambitionen, Mit den Preisen stiegen ihre Aspirationen. Dieselben Münder, welche den Juden arabischen Boden anboten, haben so lange Haß gegen Juden, Boykott und Terror gepredigt, bis die Bombe platzte, bis der Ausbruch da war. Die Rechnung der Efendis aber war nicht richtig. Die Juden sind ruhig geblieben. Jetzt ist die Ernüchterung gekommen. Jemand muß die Zeche bezahlen. Nun sind die arabischen Patrioten wieder auf dem Markt erschienen und bieten, die Hetzreden von gestern vergessend, ihre Ware an: .......... „Juden, kauft arabischen Boden ..." Diejenigen, welche in so leuchtenden Farben die Tugenden der „vornehmen Rasse" beschrieben, sollten jetzt der jüdisch-arabischen Business- Konferenz beiwohnen. Sie würden vielleicht mit anderen Augen auf alle Geschehnisse blicken. Die Juden, welche die Möglichkeit und die Absicht haben, in Palästina Boden zu kaufen, sollen wissen, daß an dieser Ware kein Mangel herrscht. Sie ist wohlfeil geworden, überall zu haben. Araber wollen Boden an Juden verkaufen Aus Jerusalem: Wie die arabische Zeitung „A Difaa" berichtet, haben fünf arabische NotabeJn, die große Besitzungen im Beisan-Gebiet, haben, dort wohnende syrische Araber beauftragt, dem Jüdischen Nationalfonds 1000 Dunam zum Kauf anzubieten. Verband der Judensfaatszaormten Sektion Prator, II., Erlafstraße 5. Freitag, dim 22. d., halb 9 Uhr abends: Oneg Schabbath. Vortrag und Gesang. Sektion X, Herudlgassc 23. Dienstag, den '16. d., halb 9 Uhr abends: Chamischa-Assar-Feier. Festrede: Rabb. Dr. B. Murmelstein. Künstlerisches Programm. Sektion XVIII/XIX, XVIH., Semperstr. 19. Donnerstag, den 38. d., halb 9 Uhr abends: Vortragsabend. Redner: Dr. Sal. Wolf, Fritz Richter. Thema: Die Situation in Palästina. Sektion XX, Staudingcrga»«« 16. Mittwoch, den 27. d., halb 9 Uhr abends im Heim: Chamisoha- Assar-Feier. Festrede: Rabb. Dr. I. Z. Kanner. Reichhaltiges Programm. Brith Hakanaim. Sonntag, den 24. d., halb 5 Uhr nachmittag» im Heim, XX., Staudingergasse 16: Werbe-NeHchef. Jugendliche Gäste willkommen! Jude n Staats jugend. Dienstag, den 26. d., halb 9 Uhr abends im Heim, II., Untere Augartenstraße 88: Pleuarversammiung. Der Verband der Judcnfttaatszionisten und Judenstaatsjugend sprechen Ihrem Mitglied, Herrn Alfred Kolben, zu dem schweren Verlust, den er durch das Abieben seines Vaters erlitten hat, ihr tiefgefühltes Beileid aus. Hebräisch in6Monaten bei Ben-Chaviv VTn^To Robert Stricker im Belgien Aus Antwerpen wird una berichtet: Die von der Judenstaatspartei Belgiens veranstaltete Vortragsreise Robert Strickers ergab einen durchschlagenden Erfolg. Im überfüllten Saale der Antwerpener Diamantenbörse hatten sich Anhänger aller Parteirichtungen eingefunden, um den Ausführungen Strickers zu folgen. Eine Darstellung der zionistischen Lage und der Vorgänge in Palästina und in der Zionistischen Organisation in dieser Klarheit, hatten die Juden Belgiens noch nie gehört. Im Anfang der Rede gab es noch Zwischenrufe der „Gegner", dann eine Stunde gespanntester Aufmerksamkeit und zum Schlüsse frenetische Zustimmung aller. Ein großer Erfolg war auch die Versammlung in Brüssel. Die hiesigen französischen und flämischen Tageszeitungen brachten das Bild Robert Strickers und ausführliche Auszüge aus seinem Referat. Besondere Verdienste um die Veranstaltungen hatten sich die Herren Liebenberg, Dorf, Spigulitzer und Gärtner, Mitglieder der Leitung der belgischen .Tudenstaatspartei, erworben. In ihrer Begleitung suchte Stricker das Verbandsheim auf und hielt Ansprachen an die prächtige Judenstaatsjugend. Im Hause des Herrn Liebenberg versammelten sich die Vertreter aller zionistischen Organisationen, an der Spitze der Präsident des Landesverbandes aller belgischen Zionisten, N. Torczyner. zu Ehren des Gastes. Bei diesem Anlaß wurde Stricker in das Goldene Buch des Keren Kajemeth eingetragen. Der Besuch Strickers hat hier den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen und dem Judenstaatszionismus viele Sympathien eingebracht. Ted- ,,Becil-7*uAnpddto OetkceeUU" Anläßlich des 10 jährigen Bestandes Sonntag, den 24. Jänner 1937, halb 11 Uhr vormittags Großer Musikvereinssaal, I, Dumbagasse 2 Der polnische Ministerpräsident über die Judenhetze Die Budgetdebatte im polnischen Parlament gestaltete sich, wie bereits berichtet, zu einer Judendebatte schlimmster Art. Zum Schluß ergriff der jüdische Abgeordnete M i n z b e r g das Wort. Er drückte sein Entsetzen darüber aus, daß fast jeder der Deputierten, die in der Debatte gesprochen hatten, .es für seine Pflicht hielt, von der Sejmtribüne herab gegen die jüdische Bevölkerung zu hetzen, dies in einer Zeit, wo die Juden unter gefährlichem Terror im ganzen Lande leben. Man gewinnt aus den Reden den Eindruck, als wären die Juden gar nicht mehr polnische Staatsbürger und als ob es sich nur noch darum handelte, wieviel Juden man in die „Kolonien" transportieren und wann das geschehen könne. Noch aber, rief Minzberg, sind wir Juden Bürger des polnischen Staates. Zum Ministerpräsidenten gewendet, sagte Minzberg: „Sie, Herr Premier, sind der Mensch, der die Lage beherr- SIEGm! KORNMEHL GROSSFLEISCHHAUEREI Zentrale: IX., Berggasse 19, Tel. A-17-5-99 n. A-16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für ntyg-Fleiich unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinate der Isr. Kultusgemeinde Wien Autofeuatellung kostenlo» IX. Berggasse 15 ✓ XVIII., Währingeritr. 97 sehen kann, wenn er will. Wir fordern, daß die Unruhen aufhören. Ich bitte um eine solche Zusage seitens des Premiers!" Kurz darauf ergriff der Ministerpräsident General Skladkowski das Wort. Er erinnerte an den Ueberfall einer von dem Nationaldemokrateh Doboszynski geleiteten militärisch organisierten Bande auf die Juden in Myszlenice, bezeichnete eine solche Tat als „schändlich" und erklärte, er werde in Zukunft nicht nur die Exzedenten, sondern auch die Hetzer verhaften lassen. In der zweiten Hälfte des Jahres 1936, fuhr der Ministerpräsident fort, hat die Nationaldemokratische Partei wiederum eine Aktion, diesmal in der Woiwodschaft Bialystok, durchgeführt. Unter Ausnutzung der schweren wirtschaftlichen Lage der Bevölkerung wurde diese zu Ueberfällen auf Juden aufgehetzt. Ihr, sagte der Ministerpräsident zu den Nationaldemokraten gewendet, müßt doch selbst zugeben, daß diese Lage nichts Gemeinsames haben kann mit Schlagen V o n .J u d e n, Im zweiten Halbjahr 1936 wurden in der Woiwodschaft Bialystok nicht weniger als 348 Fälle antijüdischer Ausschreitungen verzeichnet. Hat sich deswegen die wirtschaftliche Lage auch nur im geringsten verbessert? Man zählte 21 Massftiexzessej in denen die Exzedezitec in Viererreihen in die betreffenden Städtchen einmarschierten, und über die Juden herfielen. Drei Juden erlitten den Tod. Ich werde nicht nur die Ergriffenen bestrafen, sondern ich werde nachforschen, von wo die Hetze ausgeht. Denn ich weiß: Es beginnt mit Schlagen von Juden und endet mit Anarchie. Später ging es in einem anderen Kreis gegen die Juden her: in Wysoka-Mazowieck. Ich erkläre, daß, falls in diesem Kreis nicht bald Beruhigung eintritt, ich die Führer der Nationaldemokratischen Partei nach dem Konzentrationslager Bereza, Kartucka bringen lassen werde. Herr Szchepanski fragte in seiner Interpellation, wie die Regierung wagen, könne, nach Bereza Menschen zu verschicken, d!s fe» Offiziere das Land verteidigt haben. Das ist Kein ernstes Argument. Wir müßten sonst aus den Gefängnissen alle Sträflinge befreien, die einmal an der Front gekämpft haben. Sich an den Deputierten Budzinsky wezdeaä, der in einer der letzten Sitzungen das Andenken der gefallenen jüdischen Soldaten geschmäht hatte, erklärte der Ministerpräsident; 3khabt nach dem Tode des Marschalls Pilsudski dem Marschall Rydz-Smigly zugejubelt, als er sagte: „Die Politik werde ich führen!" Ist das noch verpflichtend für euch oder nicht? Wenn ja, warum die Unruhe? Ihr sagt: Polen sei krank. Ich aber sage euch als; Kollege und als Arzt: Ihr seid krank. Kuriert euch! Polen aber ist gesund und geht einer lichten Zukunft entgegen. Kerkerstrafen für jüdische Agitatoren bei Kultuswahlen Aus Warschau: Am Tage der Wahlen zur Warschauer Jüdischen Gemeinde, im September 1936, kamen in ein Warschauer Viertel elf Mitglieder dea jüdisch-sozialistischen „Bund" mit einem Lastauto, um für die Kandidaten des „Bund", der sich zum ersten Male an jüdischen Gemeindewahlen beteiligt hatte, zu agitieren. Sofort wurde der Wagen von Nationaldemokraten umringt, die schrien, es seien Juden -Kommunisten, die gegen den Staat agitieren. Die elf Bundisten wurden verhaftet und hatten sich nun vor Gericht zu verantworten. Sie erklärten, sie hätten kein Wort gegen den Staat gesagt, sie hätten bloß die jüdischen Wähler aufgefordert, für die Kandidaten des „Bund" zu stimmen. Alle jüdischen Zeugen bestätigten diese Aussage. Dennoch verurteilte das Gericht zwei der Angeklagten zu je zwei Jahren, die übrigen neun zu je einem Jahre Gefängnis. Das Urteil hat einen niederschmetternden Eindruck auf die Juden gemacht. In den Kleinstädten Aus Warschau: Im Sejm schüdertc der jüdische Abgeordnete Minzberg die Not der jüdischen Bevölkerung in den Kleinstädten. Der ärmste Bauer in Polen, so erklärte er, lebt besser als der Durchschnitt der ärmeren jüdischen Bevölkerung. Er hat wenigstens ein Dach über dem Kopf, Kartoffeln und Brot. Die verelendete jüdische Bevölkerung in den Kleinstädten aber hungert und kann sich nicht das notwendigste Heizmaterial beschaffen. Die Juden haben sich zwar freigebig an den Sammlungen für die Winterhilfe beteiligt, aber die arme jüdische Bevölkerung wird durch die Winterhilfe nicht unterstützt und die jüdischen Schulen erhalten keine Lebensmittel für Schülerausspeisungen. * Aus verschiedenen Teilen Polens werden wiederum blutige Exzesse gegen die Juden gemeldet. Bei Sokol in Ostgalizien wurden zahlreiche jüdische Händler blutiggeschlagen, einer, Siegmund Stern, wurde lebensgefährlich verletzt. In Kattowitz, Oberschlesien, wurden jüdische Passanten überfallen und fürchterlich geschlagen. Erheblich verletzt wurden diejüdischen Bürger Abrahamer, Pinczewski, Kaufmann und Salpeter. Die jüdische Presse Polens gegen den Madagaskar- Plan Aus Warschau: Die vom französischen Kolonienminister Marius Moutet bekanntgegebenen Pläne Uber Ansiedlung von Juden in französischen Kolonien werden von der jüdischen Presse Polens zwar mit Genugtuung über diese Geste des guten Willen«» aufgenommen, im übrigen jedoch entschieden abgelehnt. Die Blätter erklären, es gebe keine praktischen Kolonisationsmögllchkciten in den genannten Gebieten; bei richtiger Organisation und entsprechender Anstrengung könnten Juden in Australien und in Argentinien unter weit besseren Bedingungen angesiedelt worden, als in den vorgeschlagenen entlegenen und wüsten Gebieten. Die gutgemeinten Vorschläge seien nur Wasser auf die Mühle der Antisemiten, die die „Evakuierung" der Juden fordern. Die antisemitische Presse Polens erwartet von den französischen Plänen eine Beschleunigung deti jüdischen Auswanderung.