Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 625 (22.1.1937)
- Date
- 1937-01-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 625 vom 2». Janner 1937 DIE NEUE WELT Seite 3 Heute Uraufführung _des preisgekrönten Großfilms Zwischen Abend und Morgen (Aufruhr Im Mittelmeer) nach Claude Farreres Roman „Veille d'armes'' mit ANNABELLA und VICTOR FRANCEN SCHWEDEN.Kl NO: 724, V26, %8. V210 Wodtmfäe$d Selbsibcsti'mniungsreclit für Palästina „Selbstbestimmungsrecht als Losung nach dem Siege der Entente bedeutet nicht rücksichtslosen Egoismus der kleinen befreiten Völker, sondern stellt eine Norm für die Sieger auf, nämlich Verbot der Annexion. Selbstbestimmungsrecht für Palästina bedeutet Recht mm Aufbau des Jüdischen Nationalheims, nachdem die historische Verbundenheit des jüdischen Volkes mit dem Lande anerkannt ist, nachdem die Gründe für den Wiederaufbau völkerrechtlich anerkannt sind, nämlich Auswanderungsbedürfnis in der Diaspora und Raum in Palästina, Faktoren, die beide von der tatsächlichen Entwicklung in ungeahntem Ausmaß bestätigt worden sind." Dr. V. Gottlieb: „Juden und Araber im Mandat". Verteidigung der wahren Demokratie „Man sagt uns, Demokratie sei nichts Heroisches, und Europa sei heute im Begriff, in ein heroisches Stadium einzutreten, Wir können gewiß niemals genug Heldenmut haben. Aber wir wollen Europa als ein Land von Helden, um darin zu leben, nicht vor allem, um darin zu sterben. Wir wollen Heldentum nicht mit heldischem Gehaben verwechseln. Wir wollen nach jenem ruhigen Heldenmut streben, der in seiner Selbstbestimmtheit nicht weniger echt ist, der aber großherziger ist, weil er die Fähigkeit zu Heldentum und Opferbereitschaft in Völkern jeder Rasse und jedes Glaubens achten kann, und der die Zusammenarbeit mit allen Rassen und Bekenntnissen als wesentlich betrachtet für die allgemeine Wohlfahrt der Menschheit.r Der englische Minister Eden, Jänner 1937. I£amp3 und Sieg „Auf der Straße> die von Haifa über Akko zur syrischen Grenze und weiter nach Beyrouth führt, ist ein Versuch jüdischer Siedlung gemacht worden, der eine besondere Geschichte hat: Naharia. In einer Landschaft, die durch ihren Baumreichtum, die Kulissen des Meeres auf der einen und der galiläischen Berge auf der anderen Seite, und einen alten, aus der Türkenzeit stammenden Aquädukt einen beinahe italienischen Charakter besitzt, liegt längs des Meeresstrandes diese Kolonie. Dr. S oskin, dessen Initiative ihre Gründung zu verdanken ist, hat im Zionismus seit sehr langer Zeit für die Schaffung von Kleinsiedlungen eines bestimmten Typs auf bewässertem Boden gekämpft. Lange Zeit hindurch blieb die Auseinandersetzung im Reiche der Theorie, nun endlich ist in großem Maßstab mit der Verwirklichung des Gedankens begonnen worden." K. Lehmann („Jüdische Rundschau", 1937). Kritik am Zionismus „Im Zionismus sehen wir eine ungemein xoichtige, große, geistige Kraft, die, richtig erzieherisch ausgeloertet, für die Entwicklung des jüdischen Volkes von allerhöchster Bedeutung werden wird. Als moralischerzieherische Chance ist der Zionismus ein Faktor erster Größe. Der jüdische Erzieher muß ihn heute in seinen Erziehungsplan als positiven Faktor einsetzen. Dies bedeutet aber nicht kritiklos-modenhaftes Bekenntnis. Es wird damit mir eine gewisse Schärfe und Einseitigkeit der Trennungsorthodoxie, der Aguda, abgelehnt. Wir wünschen gemeinsame Zusammenarbeit des ganzen jüdischen Volkes., Andererseits akzeptieren wir manches von der Kritik, welche die Orthodoxie am Zionismus übt." Dr. B. Kurzweil: „Zur Problematik des Religionsunterrichtes." Eine vernünftige Warnung ,^ach Dr. Weizmanns Rede hatte die jüdische Oeffentlichkeit das Gefühl eines großen Erfolges, als ob die Sache vor der Königlichen Kommission nun bereits gewonnen wäre. Bei aller Anerkennung von Dr. Weizmanns großer historischer Darlegung muß aber davor gewarnt werden, anzunehmen, daß die Königliche Kommission seinen Standpunkt akzeptiert hat. Die Königliche Kommission sucht nach einer Kompromißlösung und sie hat bisher dafür noch keine Anhaltspunkte gefunden." Spektator in „Palästina" (Wien, Jänner 1937). Wie arabische Patrioten ihren Boden verkaufen Von unserem palästinensischen Korrespondenten Mark M i g d a 1 Kürzlich besuchte ich einen meiner Freunde und war wie vor den Kopf gestoßen vor dem höchst ungewöhnlichen Bild, das sich mir darbot. Es saßen da fünf hochgewachsene Araber mit hohem, rotem Fes und sprachen freundlich über Geschäfte. Neben ihnen machte sich ein kleiner hagerer Jude bemerkbar, der ständig vom Hebräischen ins Arabische und umgekehrt übersetzte. Auf dem Tisch lagen Zigaretten, es gab Tassen schwarzen, türkischen Kaffees. Eine friedliche Atmosphäre. Frieden über Frieden. Die Gesichter der Araber waren mit Freundlichkeit und Höflichkeit übergössen. Die Juden ihrerseits erwiderten diese Haltung mit gleicher Geste und man unterhielt sich in orientalischem Stil. Da mein Freund in zionistischer Politik tätig ist, hätte man glauben können, daß es sich hier um eine Befriedungskonferenz handle. Wenn er überdies ein Mann der Presse gewesen wäre, würde dies zweifellos ein Anlaß zu sensationellen Berichten gewesen sein „Juden verhandeln mit Arabern", „Palästina vor Abschluß des Friedens" usw. Aber ich stellte die Probe an und fand gleich heraus, daß es sich um eine viel einfachere Sache handle: Die vornehmen arabischen Efendis — zweifellos lauter erstklassige Patrioten — verkaufen ihren Boden. Ja, so war es. Auf meine Frage, was diese Menschen hier tun, erhielt ich eine lakonische Antwort in . ♦. . Hilft ftodj Metrien* toeifte äSfjtte! 2)cr mtfefarlMgc gahnfoefoß, öer bei ftarfem SKaud)cn Md)t cnt\td)t unb nad) un4> nad} i>en gafinf^mela angreift, Bann mulf bi'C etnfod>ftc Sttt entfernt toeuben. Morgens als Erstes bie Stylit QnuM'vä) mit ßtylorabont Jmfeen. (Efyloroöont, bie iferrltd) erifrifd}cnbe Sßfeffcr-mfiitjj» gatynbaifte, macht buwfi tljre fiarfe Stetmfluttgsiwtft fefc&ft gelibgcfäribte ftafym olenfoewb iuetjj uuö entfernt ben f)äf|= itdjett, [chäölicrjeu ^afyvMag. Abends als Letztes bor öemt ©dfjlQifeitgcTjcu unbebhigt btc (S^ciferejte au§ ben .Qai&n^ifdjcniauimett imrdj nodjimaliflc grüttMicfye Steinigung mit (E$orobont*3a'fittpafte •entfernen. (£blorobont, f^äiim-cnö ober nid)tf^äumemb, beföe Qualitäten (finb gteid) gut. £mbe S —90. Deftcrr. ©racuflniS. Spritzer C'/Uorodont-Mundwasser in das Mundspülglas erhöhen die erfrischende Wirkung der regelmäßigen Zahn- und Mundpflege mit Chlorodonl. einer Sprache, die neben den drei offiziellen Sprachen außer Jiddisch noch viel benützt wird, nämlich in Russisch: „Sie verkaufen Boden!" Diese fünf Araber sind nicht die ersten und einzigen, die gleich nach den Unruhen ihre Ware auf den jüdischen Markt gebracht haben. Es gab unter unseren Nachbarn auch solche, die sich anschickten, an Juden mit Eifer Boden zu verkaufen — während im Land noch der arabische Terror herrschte, sowohl gegen die Juden als auch gegen die „Streikbrecher". Man sagt, daß einige Efendis Boden verkauft haben, um... den Terroristen Geld für den Streikfonds geben zu können. Als der Streik im Abflauen war, wurden die Efendis und ihre Vermittler ein wenig kecker. Sie begannen gleich zu operieren. Trotz des „Boykotts" haben sie sofort begonnen, die Beziehungen zu den großen und kleinen jüdischen Bodenkäufern aufzunehmen. Eine Menge von ihnen war enttäuscht. Sie haben geglaubt, daß „der Markt" bedeutend besser sein werde; daß die eingeschüchterten Juden sich mit Heißhunger auf* Bodenkäufe werfen würden, aus Angst, es werde ein allgemeines Bodenverkaufsverbot kommen. In Wirklichkeit war die Lage ganz anders geworden. Ob wegen politisch-ökonomischer Strategie, ob wegen der Nervosität, die im Lande herrschte oder einfach aus Geldmangel — jedenfalls geschah es, daß die Bodenpreise in Palästina seit den Unruhen nicht gestiegen, sondern gefallen sind. Als die arabischen Efendis und ihre Agenten sahen, daß die Juden sich nicht beeilen, wurden sie ihrerseits sehr aktiv im Bemühen, so rasch als möglich tote Böden in lebendige Pfunde zu verwandeln; zumal die sechs Monate Unruhen sie ökonomisch ruiniert hatten. Alle Parolen waren vergessen. Der Boykott VERBAND DER JUDENSTAATSZiONISTEN Samstag, den 28. Jänner 1937, im Festsaale des Hotel „Continental", Wien II, Taborstraße Nr, 4 fesdUckatUct&etid mit Akademie und Iawz Beginn der Akademie präzise kalb 9 Uhr abends PROGRAMM: Hilde DuHixkaJo, Jüdische Lieder / Jos«! Baar, Simplizissimus / Idmtind Halter, Sieger im Jazzsänger-Wettbewerb, Besitzer des Goldenen Bandes / Mailln Müller, Jüdisches Kulturtheater / Lilly Holpern-Karl Sdidnoerg, musikalische Vorträge / Heilerts Guar» fett, Jüdische/ Gesangverein / Conference: Joief Baar / Musik: Oppermanns Symphonisches Tanzorthaster Regiebeitrag S 1.50 Vorverkaufsstellen: Jüdisches Kulturtheater, I, Kai / Buchhanddlung M. Rath, II, Taborstraße 20 a / Uhrmacher J. Hauben, II, Taborstraße 39 / Sektion Prater, II, Erlafstraße 5 ging in Luft auf. Denn trotz der Hilf e von außen — sie war immerhin übertrieben — hat die Finanzierung ' des Streiks und Terrors die reichen Araber und bodenbesitzenden Efendis gewaltige Summen gekostet. Damit hatten sie nicht gerechnet. Natürlich lieben es die Araber, zu nehmen und nicht zu geben. Solange die Unruhen dauerten, hat man die Wechsel und Hypotheken nicht gezahlt. Als es ruhiger wurde, kam der Fälligkeitstag: von allen Seiten verlangte man, die laufenden Verpflichtungen zu erfüllen. Es roch nach Bankrott. Und so gingen die jüdischen und arabischen Vermittler Kunden für Boden zu billigen Preisen und günstigen Bedingungen suchen. * ■ Mit Erlaubnis meines Freundes wohnte ich der arabisch-jüdischen Business-Konferenz bei. Es handelte sich um ein Grundstück von einigen hundert Dunam unweit von Tel-Aviv. Ini Taumel der Prosperity verlangten die Araber 150 Pfund pro Dunam. Jetzt waren sie bescheidener und bereit, nur 85 Pfund zu nehmen. Früher hieß es sofort bezahlen. Jetzt sprach man bereits von Option, Wechsel, Raten. Vor einem Jahre wäre man ohne Makler, Provisionäre, Agenten nicht ausgekommen. Jetzt nehmen die Herren selber die Sache in die Hand — drei gut genährte Araber, von denen der eine nur arabisch und türkisch sprach, der zweite arabisch und französisch und der dritte arabisch und englisch. Patriotismus ist teuer, daher muß man selbst den heiligen Boden verkaufen. — Diese drei Personen waren von zwei arabischen Dolmetschern begleitet, von welchen einer hebräisch sprach. Man verhandelte lange, aber ruhig und freundlich. Die Juden boten bloß 65 Pfund und die Araber verlangten 85. Schließlich einigte man sich auf 70 Pfund pro Dunam. Dabei ging es vorläufig bloß um eine Option auf einige Wochen. Die Juden gaben zu verstehen, daß sie es nicht eilig hätten. Und so oft die Araber 5 Pfund nachließen, ließen sie meinen Freund, den Bankier, wissen, daß sie es nur aus Achtung und Sympathie für ihn tun, und ihm, weil er ihnen so gut gefalle, 1000 Pfund (200 Dunam zu 5 Pfund) schenken... Politik wurde vermieden. Nur als man zur Frage eines Straßenbaues zum Meer kam, sagte der junge Araber mit giftigem Lächeln: „Natürlich sind wir einverstanden, uns an die Regierung wegen der Anlage einer Straße zu wenden, aber es wäre besser, wenn das Ansuchen von. jüdischer Seite käme. Die Regierung tut ja alles, yras die Juden wünschen." Darauf bekam er zur Antwort: „Eine Legende, pure Narretei!" Und noch ein zweitesmal fiel ein Schatten den Politik auf die Verhandlungen: Als die Araber delikat darauf hinwiesen, daß sie nicht gern zum Advokaten gehen möchten. Ihr Kommen hierher in die Bank sei mit Lebensgefahr verbunden gewesen. Es ist richtig. Die fünf Araber, die von Jaffa nach Tel-Aviv gekommen waren, um ihren Boden an eine jüdische Bank zu verkaufen, haben wirklich ihr Leben riskiert. Wer weiß, ob ihnen nicht Terroristen gefolgt sind. Ja, der ewige Gegensatz zwischen Patriotismus und persönlichen Interessen... * Als die Kontrahenten über den Preis und die Bedingungen einig geworden waren, sprangen die Agenten — die jüdischen und arabischen — mit den Rufen auf „Maseltow, maseltow!" Sie verlangten, daß die Käufer und Verkäufer einander die Hände drücken, was auch geschah. Der französisch sprechende Araber wiederholte dabei: „Achante, achante!" Das Haupt der Gruppe, ein freundlicher, fetter Araber, legte fortwährend seine Hand auf Herz und Stirn. Bloß der junge Araber schwieg mit einem Lächeln auf deji Lippen, wie einer, der sagen will: Wozu die Komödie?! Als die Araber weg waren, stellte sich heraus, daß die Beamten der Bank die ganze Zeit über in Unruhe und Sorge waren. Wer weiß, was geschehen kann, wenn fünf Araber mit zwei Juden sitzen! Auch meinem Freund, dem Bankier, ging der Gedanke nicht aus dem Kopf: Wer weiß, ob dieselbe Hand, welche ich vorhin gedrückt habe, mir nicht noch, einmal ein Messer in den Rücken stoßen wird. Aber, wie gesagt, Geschäft ist Geschäft, besonders gar, wenn In« u* ausländische Hausbesitzer verwalten ihre 1 WIENER HÄUSER cfurch behördlich konz. RealicätenkanzleJ 1 Dr. MAIR PAIS Ü Wien I, Franz. Jo»cf>-Kai 1, Tel. R.2M-10 H Erstklassige Referenzen!