Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 625 (22.1.1937)
- Date
- 1937-01-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2* DIE- NEUE WELT Nr. 625 vom 22. Jänner 1937 ' ©eifrige 3(r&eiier n grauen, «Rewöfe, SüdttttanU, $Qrttet% effen im I eigenen 3ntereffe baS öun!le, aromat. 6tmOfl0ftr0t. I Sehr fieqttem: eimonS&rotpdcf^eit in Stanniol. 3n I ülleit fluten geinfuftbanblungen unb Dielen Säcfereien I 3u haben. $a§ erfte Brot in fatigienitaer HJerparfung. I V®'nton«btotfabrif SBien-Äogron 66. Sägl. $oftoerf.^ individuelle Kolonisation nicht einlassen. VorfoeOüifeung müsse die Konstituierung eines mächtigen Organismus sein, der über finanzielle Mittel verfügt ■und auch sonstige Garantien für die Solidität seines Unternehmens bietet. Angemessene finanzielle Mittel, vorangehende Erforschung des in Betracht kommenden Territoriums und sorgfältige Auswahl der Kolonisten — damit eine Rückwanderung ungeeigneter Elemente vermieden wird —, das sind die Bedingungen für eine erfolgreiche Arbeit. Eine finanzielle Beihilfe könnte schließlich auch von der französischen Regierung ins Auge gefaßt werden, dies aber nur dann, wenn die Regierung die Sicherheit hat, daß das Unternehmen einen Erfolg bringen wird. Der Minister für die Kolonien, Marius Moutet, empfing auch eine Delegation der jüdischen Kolonisationsgesellschaften „Emcol" (Emigration .— Kolonisation) und „Freiland" und unterhielt sich mit ihnen eingehend über die Möglichkeit einer Seßhaftmachung von Juden in den französischen Kolonien. Kongreß der h T\ ©♦ in Wien« Die Jüdische Telegraphen-Agentur meldet: - In der Zeit vom 10. bis 16. März findet in Wien der Erste Kongreß der „F r ei 1 an d" - Li g e n statt, die den Juden neue Emigrationszentren erschließen wollen. Zu diesem Kongreß werden Delegierte aus Polen, England, Holland, Frankreich und Amerika kommen. Im Mittelpunkt der Beratungen wird der Plan atehen, auf Grund der Verhandlungen mit den amtlichen Stellen in London und Sidney in den nächsten Jahren 50.000 Juden in Australien anzusiedeln. Zu dieser Tagung haben ihr Erscheinen zugesagt: Leopold Keßler, der Führer der von Dr. Herzl seinerzeit nach der Sinai-Halbinsel entsandten El-Arisch-Expedition, der englisch-jüdische Schriftsteller Josef Leftwich, der ehemalige Bürgermeister von Wilna, Tschernichow, der Leiter der Territorialistenorganisation, Dr. D. Lvovitsch, und Vertreter des amerikanischen Judentums. In Wien fand unter Vorsitz von Israel Z angwill vor 25 Jahren die erste, internationale Konferenz der. Jüdischen Territorialistenorganisation (ITO) statt. Jüdenschi'dfsal in aller Well Beratung in England Die englische Oeffentliohkeit wurde kürzlich wieder einmal durch eine Beratung des Vorstandes der englisch-jüdischen Gemeinden (Anglo-Jewish Board of Deputies) über die Lage der Juden in verschiedenen Ländern informiert. Das Tatsachenmaterial stützte sich auf die Berichte des Joint Foreign Committee (Komitee für Wahrnehmung der Rechte der Juden im Ausland). Die antisemitischen Schwarzhemden Wichtig war die Feststellung des Vorsitzenden L. Cohen, daß zwar die Propaganda der Mosley-Schwarzhemden durch die neue Public Order stark eingeschränkt sei, daß aber die offiziellen faschistischen Organe nach wie vor eine unerhörte antijüdiflehe Hetzkampagne betreiben, für die sie das Material von Hitler-Deutschland bekommen. Der Board of Deputies werde gegen die Diffamierung des Judentums das Nötige veranlassen. Sympathie der christlichen Kirchen Die letzte Kundgebung des Erzblschofs von Canterbury gegen den Antisemitismus in England Und in anderen Ländern hat überall in der'Welt Zustimmung gefunden, namentlich seitens der Kirchen treffen immer wieder Sympathieerklärungen ein. Man ersieht daraus, daß allmählich die richtige Ansicht durchdringt, daß der Kampf gegen den Antisemitismus ebenso Sache der Nichtjuden wie der Juden ist. Der Board selbst wird demnächst mit der Publikation .„An der th'alb Jahrhunderte jüdischer Geschichte" vor die Oeffentlichkeit treten. Der „Stürmer" als Erxieher Der Präsident der Anglo-Jewish Association, Leonard G. Montcfiore, unterbreitete den Bericht de» Joint, Foreign Committee, der sich in der Hauptsache mit der Lage der Juden in Deutschland, Polen, Italien und Mandschukuo befaßt. Welche entsetzliche Formen die antijüdische Hetze in Deutschland angenommen hat, wird — so heißt C3 in dem Bericht — durch einen Leitfaden für Lehrer an deutschen Volksschulen illustriert, der von dem Professor am Lehrerseminar in JSlbing, -Dr. Ernst Dobers, verfaßtest und den Titel trägt: „Die Judenfrage. Material für den Schulgebrauch." Dobers verlangt, daß die Judenfrage tu geschickter Weifte i» fast j«den Leürgegenständ eingeflochten werde. Der Lehrer soll seinen Unterricht stet» an Hand des „Völkischen Beobachter" und des „S t ti r m e r? erteilen. Die Lage in Polen, Italien und Charbin In dem Bericht wird weiter erwähnt, daß mit dem Fluchtlingskommissär Sir Neill Malcolm ein Kontakt und eine Zusammenarbeit besteht. Es wird dann auf die p o 1 n i s c h - a n 11 s e m i t ische Agitation hingewiesen, die eine Massenevakuierung polnischer Juden erzwingen wolle. Diese Wünsche hätten sogar in den Sejmdebatten einen Niederschlag gefunden. Die Lage sei beunruhigend. Die Lage der Juden in Polen bilde den Gegenstand von Erörterungen mit Organisationen in England und in anderen Ländern zwecks Aufstellung eines Planes konstruktiver Hilfe. In Qem' Bericht wird festgestellt, daß die Meldungen über öffentliche Auspeitschung von Juden in Tripolis wegen ihrer Weigerung, am Sabbat die Läden offenzuhalten, sich leider als nur zu wahr herausgestellt haben. Dieser Vorfall in Verbindung mit dem Stoü Hoden Oberkantor Josftl Feuer ladet anf diesem Wege alle Freunde und Bekannten zu seiner Trauung mit Fräulein Chanall Schreit»«! für Freitag, den 29. J ä n n e r, 2 Uhr nachmittags (Tempel, II, Leopoldgasse i9), höflichst ein Auftauchen antijüdischer Artikel in der italienischen Presse hat die Befürchtung aufkommen lassen, daß das faschistische Italien von der bisherigen Tradition gerechter und toleranter Behandlung seiner jüdischen Bürger abweicht und gewisse Beispiele der deutschen Nazis nachahmt. Das Joint Foreign Committee hat sich mit dem japanischen Gesandten in London hinsichtlich der eingelaufenen Berichte über fortgesetzte antijüdische Aktionen der russischen Weißgardisten in Charbin, der Hauptstadt von Mandschukuo, in Verbindung gesetzt. (J. T. A.) Die Araber vor der Kgl. Kommission Eine Luge des Mufti Der Mufti von Jerusalem Haj Amin el Husseini hatte vor der Königlichen Kommission in Jerusalem, als die Mitglieder derselben ihn im Kreuzverhör in die Enge drängten und ihn aufforderten, seine schweren Anklagen gegen die Juden zu beweisen, erklärt, er sei im Besitz eines Schreibens des Oberrabbiners von Rumänien, in dem die Wiederherstellung des Salomonischem Tempels gefordert wird. An wen dieses Schreiben gerichtet sei, sagte der Mufti nicht. . Der Landesrabbiner von Rumänien Senator Dr. I Niemirower hat, als er von dieser Aussage des Mufti erfuhr, sofort an die Königliche Kommission telegraphiert, er habe niemals an den Großmufti irgendein; Schreiben gerichtet, habe' sich auch niemals über den Wiederaufbau des Salomonischen T e m p e 1 s geäußert. Gegen Round Table-Konferenz und Kantonisierung Der Generalsekretär des Obersten Arabischen Ausschusses, Au ni B e y'Abdul Hadi, ist von der Königlichen Kommission ein, , zweitesmal vernommen worden. Er erklärte bei dieser Gelegenheit, die Lage der Fellachen in Palästina sei durch den Zionismus verschlechtert worden. Auf Fragen des Kommis- PjksUto&faieut-SetHHieÜHp sionsvorsitzenden Lord Peel und des Mitgliedes der Kommission Sir Laurie Hammond über die Stellung der Araber zu dem Plan einer arabisch-jüdischen Round Table-Konferenz und zu einer eventuellen Einteilung Palästinas in arabische und jüdische Kantone antwortete der Zeuge, die Araber würden auf keinerlei Kompromiß eingehen. Sie seien nicht bereit, sich an einer Round Table-Konferenz zu beteiligen und würden sich nicht einmal mit der Verhinderung weiterer jüdischer Einwanderung zufriedengeben. Auch die Zahl der jetzt in Palästina lebenden Juden sei ihnen zu hoch. In eine Kantonisierung Palästinas würden sie keinesfalls einwilligen. Bürgermeister Dr. Khalidi In einer öffentlichen Sitzung der Königlichen Kommission erklärte der arabische Bürgermeister von Jerusalem Dr. Khalidi, die Unruhen seien, deswegen ausgebrochen, weil die Araber das Vertrauen zu England verloren haben. Die britische Administration tue nichts zur Entwick* lung des Landes gemäß den arabischen Bestrebungen. Die Regierung schränke scharf die Tätigkeit der Munizipalitäten ein und bemühte sich andererseits, die jüdischen Positionen in den Selbstverwaltungen zu sichern. Die Administration sei durch die offizielle Dreisprachigkeit (englisch, arabisch und hebräisch) stark belastet. Auf eine Frage von, Sir Horace Rumbold gab Dr. Khalidi zu, daß die Juden in Jerusalem die M e h rhei t der Bevölkerung bilden, fügte aber hinzu, das Beispiel von Jerusalem zeige, was aus den Arabern werden würde, wenn die Juden die Mehrheit im ganzen Lande bilden würden. Dr, Khalidi erklärte noch, eine Legislative (Parlament) würde die Araber nicht befriedigen, denn diese haben ganz andere Aspirationen. Nach Khalidi sagte der zweite Sekretär des Obersten Arabischen Ausschusses, Fuad S a bah, aus. Er beschwerte sich über die starke Steuerbelastung "aer Fellachen und sagte, die Juden genießen besondere Privilegien. Durch die jüdische Einwanderung werden die arabischen Arbeiter aus ihren Arbeitsplätzen verdrängt. Die jüdische Industrie wird auf Kosten der arabischen begünstigt. Die Juden bemächtigen sich im Wege der Konzessionen der natürlichen Reichtümer des Landes. Der Streiksekretär u. a. Von der Kgl. Kommission wurde auch Hassan Sidky Dajani vernommen, der während des arabischen Generalstreiks Sekretär des Streikkomitees war. Er versuchte, die Kommission davon zu überzeugen, daß die Juden nicht in friedlicher Absicht nach Palästina kämen. Zum Beweis dafür wies er darauf hin, daß die Juden angeblich die Forderung erhöben, man solle in jüdischen Gebieten nur Juden bei öffentlichen Arbeiten beschäftigen, und daß jüdische Stadtverordnete bei Sitzungen von gemischt jüdisch-arabischen Stadtverwaltungen darauf bestehen, daß die arabischen Reden ins Hebräische übersetzt werden. Dajani verlangte die Einsetzung einer arabischen Nationalregiejrung und die Ersetzung der britischen Beamten und Polizisten durch Araiber. Auf Befragen Sir Horace Rumbolds sagte der Zeuge, er verlange für die Araber ebenso hohe Gehälter wie die Engländer sie bekommen. Am Sonnabend sagte noch der christlich"« Bürgermeister von Bethlehem, L el Banda'c, aus, der über Einwanderungsfragen sprach und -h offenbar im Interesse der nach Palästina gekommenen Flüchtlinge aus Syrien — Schutz für staatenlos Ge«> wordene verlangte. Der arabische Arbeitervertreter Man* s u r machte die Palästina-Regierung für die schlechte Lage der arabischen Arbeiter verantwortlich. Durch die jüdische Einwanderung würden die arabischen Arbeiter von ihren Arbeitsplätzen verdrängt Daß die Juden von der Regierung begünstigt werden, sei auch daraus zu ersehen, daß die Regierung Verbindungsstraßen zwischen den jüdischen Kolonien baut usw. Außerordentliche PaIästfina*Session der Mandatskommission Aus Genf: Wie die J. T. A. seinerzeit mitgeteilt hat, hat die Mandatskommission des Völker* bundes in ihrer im Oktober 1936 in Genf abgehaltenen Sitzung beschlossen, unmittelbar nachdem die britische Kgl. Kommission ihre Arbeiten be« treffend Palästina abgeschlossen haben wird, eine außerordentliche Sitzung abzuhalten, die speziell Palästina gewidmet sein soll. Damals wurde angenommen, daß diese außerordentliche Session im April oder Mai 1937 abgehalten werden wird. Wie der J.-T.-A.-Vertreter jetzt erfährt, gedenkt die Leitung der Mandatskommission, die außerordentliche Palästina-Session unmittelbar vor der ordentlichen Session der Mandatskommission, deren Be« ginn für den 17. Juni d. J. in Genf angesetzt ist, abzuhalten. Die Leitung der Mandatskommission nimmt an, daß die britische Mandatarmacht erst EndeMai in der Lage sein wird, der Kommission die notwendigen Materialien, vor allem den Bericht der Kgl, Kom<* mission, zu unterbreiten. Verband der Juden staatsmionistens Samstag, den 23. Jänner 1937, im Festsaale des Hotel „Continental'*, Wien, II., Taborstraße Nr. lf, OeselU sohaftsabend mit Akademie und Tanx Programm: Hilde Dulitzkaja, Jüdische Lieder; Josef Baar, Simplizissimus; Edmund Helfer} Sieger im Jazzsänger* Wettbewerb, Besitzer den Goldenen Bandes; Martin Müller3 Jüdisches Kulturtheater; Lilly Halperti-Karl Sohönberg, musikalische Vorträge; Heiteres Quartett, Jüdischer öosungverein;, Conference: Josef Baar; Musik: Opp&rmanna Symphonisches Tanzorchester. Beginn der Akademie prä" zise halb 9 Uhr abends. Regiebeitrag 3 1.50. Vorverkaufs* stellen: Jüdisohes Kulturtheater, I., Kai; Buchhandlung M. Rath, IL, Taborstraße HO a; Uhrmacher J, Hauben^ II., Taborstraße 39; Sektion Prater, IL, mUfstraße. $,