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Die neue Welt · 1937-01-19 · Heft 624 (19.1.1937) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 624 (19.1.1937)
Date
1937-01-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 SIE NEUE WELT Nr. 624 vom 19. Jänner 1937 der Welt zerstreut leben und verfolgt werden, aber das sei noch kein Grund, daß man deswegen das arabische Volk, welches unter der Türkei als eigener Herr und mit eigenen hohen Ambitionen lebte, ruiniere. Kein Frieden könne für dieses Land erhofft werden, wenn nicht Gere c h t i g k e i t geübt wird. Vom Vorsitzenden Lord Peel in dfe Enge getrieben gab Auni Bey zu, daß die Araber die Abschaffung des britischen Mandats wollen. Die Juden, fuhr Auni Bey fort, beuten die natürlichen Hilfsquellen des Landes aus, verfügen über die Tote-Meer-Konzession und die Rutenbergsche Elektrizitätskonzession und verstellen so den Arabern den Weg, in Zukunft auch ihrerseits Konzessionen zu erlangen. Lord Peel: Bemühen sich die Araber um Konzessionen? Auni Bey: Es ist erst die Frage, ob die Regierung das Recht hat, solche zu gewähren. Auni Bey beanstandete die hebräischen Inschriften auf Münzen und Postmarken in Palästina. Auf die Frage Sir Laude Hammonds, ob das irgendjemandem schadet, erwiderte Auni Bey: Es ist so unser Gefühl. Enqlisdae Zeugen Aus Jerusalem: Unter den Zeugen, die von der KgL Kommission bisher in geschlossener Sitzung vernommen wurden, befinden sich auch mehrere angesehene Mitglieder der britischen Kolonie in Jerusalem. Einer von ihnen ist der Jerusalemer anglikanische Bischof Dr. Brown, der 1929 persönlich an der Verteidigung der jüdischen Stadtviertel teilgenommen hat. Außer Bischof Brown ist von der Kommission auch der bekannte Historiker Neville Barbour vernommen worden, der in der Zeit der Unruhen für die Araber Partei ergriffen und eine Broschüre herausgegeben hat, in der er vorschlägt, das Mandat zugunsten der Araber abzuändern, nach dem Muster der Jewish Agency -auch eine Arab Agency zu schaffen und die Einwanderung so zu regeln, daß die jüdische Bevölkerung niemals mehr als 85 Prozent der arabischen ausmachen kann. Ferner verlangte Barbour, daß ein Teil des Palästina-Budgets den Arabern zur Entwicklung einer eigenen Industrie zur Verfügung gestellt werde. Zu den britischen Zeugen gehörten auch mehrere Missionäre, die zwar von vornherein nicht für die Forderungen eines der beiden Bevölkerungsteile eintreten, aber ihre Tätigkeit vorwiegend in den arabischen Kreisen ausüben, so daß angenommen werden muß.idaß sie in ihren Aussagen mehr Verständnis für den arabischen als für den jüdischen Standpunkt gezeigt-haben. Seit 34 Jahren anerkannt als wirksamstes Insertionsorgan „Czernowitzer Allgemeine- Zeitung". Erscheint täglich 8 bis 16 Seiten stark und güt heute als die führende Tageszeitung Rumäniens in deutscher Sprache. Im gleichen Verlag: „Extrablatt", die beliebte 12-Uhr- Mittagszeitung, täglich 8 bis 12, Seiten. Verwaltung und Redaktion: Cernauti, str. Jancu Flondor No. 11. Weitere arabische Beschwerden Palcor meldet aus Jerusalem: Als weiterer arabischer Zeuge erschien DschamalHusseini vor der Kgl. Kommission. Er knüpf te an die Aussagen Abdul Hadis an und unterstrich auch seinerseits, daß das Mandat keine Gültigkeit habe, da es dem Völkerbundvertrag zuwiderlaufe. Solange die Balfour- Deklaratiön ' bestehen bleibt, sei nicht abzusehen, wie der "Friede im Heiligen Lande wiederhergestellt werden könne. Der Zeuge ließ sich über die Notlage der Fellachen' aus und erklärte, daß der Vorschlag der Einführung einer Einkommensteuer, die die Steuerlast vom Fellachen genommen, hätte, von den Juden abgedrösselt worden sei, die über der Mandätsregierung stehen. Professor Coupland erinnerte daran, daß die arabischen . Orangenpflanzer den Vorschlag abgelehnt haben, worauf Husseini entgegnete, daß die Pflanzer die Einkommensteuer begrüßt hätten. Sir Laurie Hammond und Lord Peel stellten dem Zeugen anheira, daß es für die Araber besser wäre, einen Regierungsbeirat (Advisory Council) anzunehmen, als ganz leer auszugehen; Husseini beharrto jedoch auf dem Standpunkt, daß die Araber vollständige. Unabhängigkeit und Selbstverwaltung haben müssen. Sir Laurie Hammond bemerkte, daß die von Juden gekauften Böden von den arabischen Besitzern als nicht anbaufähig angesehen wurden. Dies wurde von Husseini energisch bestritten. Er behauptete, daß s ä m t-, liehe von Juden erworbenen Böden früher von Arabern bebaut waren; der Emek sei damals in weit größerem Umfang bebaut gewesen als heute. (Mit derlei Argumenten versuchen die Araber der Kgl. Kommission zu imponieren. Die Red,) Was die Ursachen der Unruhen betreffe, so seien diese in dem natürlichen menschlichen Gefühl angesichts des Eindringens eines fremden Volkes sowie in dem mangelnden Vertrauen der Araber gegenüber der Regierung zu suchen. Kgl« Kommission verlaß* Palästina am 88« Jänner Aus Jerusalem: Aus zuverlässiger Quelle verlautet, daß die Kgl. Kommission am 28. Jänner sich zurück nach London begeben wird. Sie richtet es so ein, daß sie bis zu diesem Termin mit der Vernehmung der restlichen arabischen und jüdischen Zeugen fertig wird. .<*. T. A.) Ussisdilun klagt an Auf einer in Tel-Aviv abgehaltenen Konferenz der Allgemeinen Zionistcn (Gruppe B) Palästinas äußerte sich der Präsident des Jüdischen Nationalfonds und Vorsitzende des Zionistischen Aktionskomitees, M. M. Ussischkin, über seinen Standpunkt gegenüber der Art, wie die jüdischen Interessen vor der Königlichen Kommission vertreten wurden. Die breite Oeffentlichkeit, führte Ussischkin aus, erfährt nicht, was hinter den Kulissen geschieht. Im Juni des vergangenen Jahres, als bereits feststand, daß die Königliche Kommission nach Palästina kommen werde, habe die Zionistische Exekutive bereits begonnen, ihr Material vorzubereiten. Damals habe er, Ussischkin, Zweifel daran geäußert, ob es zweckmäßig sei, solche Vorbereitungen zu treffen, bevor man wisse, was man sagen wolle. Wenn die Zeugen mit einer bestimmten Anschauung vor die Kommission treten, sei das ganze Material wertlos. Auch gegenüber dem Auftreten gewisser Persönlichkeiten vor der Kommission habe er Bedenken geäußert. Ich habe, fuhr Ussischkin fort, folgende Grundsätze aufgestellt: 1. Wir dürfen vor der Kommission nicht als Beschuldigte, sondern müssen umgekehrt als Ankläger erscheinen; das ganze Material muß daraufhin zugeschnitten sein. 2. Wir müssen England klar und offen sagen: Im Verlauf von achtzehn Jahren hat man vierPogrome gegen uns durchgeführt. Wie immer man das Mandat interpretieren möge, hat sich England vor allem verpflichtet, Leben und Eigentum zu schützen; das hat es nicht getan, entweder well die Verwaltung unfähig war oder weil sie es nicht gewollt hat. Im ersten Falle hätte man die Verwaltung andern, im zweiten Falle offen Anklage gegen England erheben müssen. Ich glaube kaum, daß schwere Unruhen ausbrechen können, wenn die englische Verwaltung es nicht will. Was den Boden betrifft, so müssen wir folgende Beschwerden erheben: Als ihr eure Zustimmung zur Errichtung des Nationalheims gegeben habt, wußtet ihr, daß man nicht in der Luft baut, sondern auf dem Boden. Jedes Feld und jeden Sumpf haben wir mit Gold aufgewogen, und ihr habt, statt uns zu helfen, uns nur schwere Steine in den Weg gelegt, um das Land zur Hölle zu machen. Nicht wir sind die Schuldigen, sondern ihr. In bezug auf die E i n w a n d e r u n g wäre es unsere Aufgabe, alle Bedrückungen und Einschränkungen gegen die Alija darzustellen. Statt dessen hat man die Darlegungen in der Richtung des „Wir sind nicht schuld" geführt und gewissermaßen Kurse für Palästina- Kunde für die Königliche Kommission eingerichtet. Manche Lehrer hatten dabei Erfolg, andere nicht. Aber die Schüler langweüen sich und sind dieser Kurse überdrüssig. " Im Aktionskomitee habe, ich mit Dr. Ruppin über seine Ansicht diskutiert, daß man nachweisen müsse, daß genug Boden vorhanden ist und daß wir die Araber nicht ausbeuten. All dies haben wir schon vor der Shaw- Kommission dargelegt. Es hat keinen Sinn, mit Tabellen zu operieren, denen andere gegenübergestellt werden. Wir müssen erklären, daß zwar unserer Meinung nach für die Araber Platz im Lande ist, wenn aber die Regierung anderer Meinung sei, dann müsse sie den Arabern Boden beschaffen, aber nicht auf unsere Kosten. Es gibt ein arabisches Volk, das sich über den Irak,. Syrien, Aegypten und Saudi-Arabien erstreckt und weite Länderelen besitzt. Und es gibt ein Volk, das nichts besitzt außer dem Stückchen Boden für ein Grab; ist es Gerechtigkeit, eine solche Stellung zu ihm einzunehmen? Das hätte der Weg unserer . Argumentation sein müssen und nicht ein Onerieren mit Zahlen und Tabellen. Die Gegenseite im Aktionskomitee (Linke und A.-Zionisten) erklärte, eine solche Argumentation sei gefährlich, und ich blieb mit meinen Anschauungen in der Minderheit. Vor neun Jahren, erklärte Ussischkin, war die Shaw-Kommission hier. Vorsitzender der Exekutive war damals Harry Sacher. Man wandte sich an ihn mit der Bitte, daß Jabotinsky und ich eingeladen werden mögen, vor der Kommission aufzutreten. Was Jabotinsky betrifft, so antwortete Sacher, werde er es sich überlegen; was mich betrifft, antwortete er: Nein! Seine Ueberlegung war die: Wenn Jabotinsky aussagen wird, dann wird man nachher erklären können, er sei der Führer der Opposition; werde aber ich sprechen, dann werde man schwelgen müssen. Dasselbe hat sich jetzt wiederholt. (J. T. A.) Proteste Aus Jerusalem: Die Arbeiterzeitung „D a w a r" richtet scharfe Angriffe gegen den Präsidenten des jüdischen Kolonistenverbandes Mosche Smilansky, der als Zeuge in einer vertraulichen Sitzung der Kgi. Kommission vorgeschlagen haben soll, daß bei der Festsetzung der Elnwanderungsschedule auf der Basis der Aufnahmefähigkeit Palästinas nur 75 Prozent der Zertifikate an Juden gewährt, die restlichen 25 Prozent dagegen für die Beschäftigung arabischor.Arbeiter reserviert werden mögen. Ferner soll sich SraUansky mit der' Schaffung eines Legislative Council (Parlament) einverstanden erklärt haben. „Dawar" fordert Smilansky auf, zu erklären, ob diese Wiedergabe seiner Aussagen richtigst. * Aus Warschau: Die Neu-Zionistische Organisation (Revisionisten) bat folgendes Telegramm an den Kolonienminister in London gerichtet: [ ,',Der Präsident der Neu-Zionistischen Organisation, j Wladimir Jabotinsky, sollte der Royal Commission [ einen offenen Beschuldigungsakt gegen die Palästina- 1 fed-Aweä des ,,Be<tt-T*umpdd6c fosieeteicU" Anläßlich des 10 jährigen Bestandes Sonntag, den 24. Jänner 1937, halb 11 Uhr vormittags Großer Musikvereinssaal, I, Dumbagasao 2 Administration unterbreiten und die wahren Gründe der blutigen Unruhen aufdecken. Die Royal Commission willigte ein, ihn zu vernehmen. Die Palästina-Regierung aber verweigerte dem Schöpfer der Jüdischen Legion, die zusammen mit britischen Truppen Palästina befreite, die Einreiseerlaubnis und beseitigte dadurch einen ihr unangenehmen Zeugen. Im Namen einer halben Million polnischer Juden erheben wir feierlichen Protest gegen diese unfaire Handlung, appellieren an das Gerechtigkeitsgefühl der britischen Nation und bitten, die Palästina-Regierung aufzufordern, der Zeugenaussage Jabotinskys keine Hindernisse in den Weg zu stellen." Raw Herixoq in Palästina eingetroffen Palcor meldet aus Jerusalem: Der neue aschkenasische Oberrabbiner Palästinas Hcrtzog traf heute vormittag in Haifa ein und wurdo von einer zahlreichen Menge begrüßt. Unter den offiziellen Vertretern befanden sich solche der Regierung, des Waad Leumi, der nationalen Körperschaften und jüdischen Gemeinden sowia mehrere Rabbiner. Auch der arabische Bürgermeister von Haifa, Hassan Shukri, war anwesend. Nach einem Empfang in der Synagoge von Hadar Hacarmel trat er die Fahrt nach Jerusalem über To 1- Aviv an. In Motza wurde er von Vertretern der Jerusalemer Institutionen begrüßt, und als er in Jerusalem einfuhr, bereitete ihm eine nach Tausenden zählende Menschenmenge lebhafte Ovationen. Als er sein Hotel betrat, spielte die Kapelle die Hatikwa, begleitet von Chorgesang. Der neue Oberrabbiner trat dann auf den Balkon des Hotels und richtete an die Menge auf der Straße eine kurze Ansprache; er gedachte des verstorbenen Oberrabbiners Kuk und segnete die Stadt des Friedens mit Frieden. Aus Südafrika Aus Johannesburg (J. T. A.): Der Führer der antisemitischen Nationalistenpartei Südafrikas, Dr. J, Malan, hat im südafrikanischen Parlament einen, formellen Antrag auf Einschränkung der jüdischen Einwanderung nach Südafrika eingebracht. In der Begründung desselben werden der Regierung Vorwürfe gemacht, daß sie die weitere Einwanderung von Juden, insbesondere aus Deutschland, nicht verhindert habe. In dem Antrag wird auch gefordert, daß Jiddisch nicht mehr im Sinne der Einwanderungsvorschriften als europäische Sprache anerkannt werde, und daß nur solche Einwanderer zugelassen werden, die assimiliert werden können. Ausländer sollen nur auf Grund spezieller Erlaubnis unbewegliches Eigen-* tum in Südafrika besitzen dürfen, die Namensänderung von Einwanderern soll verboten und die Regierung ermächtigt werden, gewisse Berufe ausschließlich; südafrikanischen Bürgern vorzubehalten. Dr. Malan führte auch Klage darüber, daß der Handel Südafrikas in die Hände der Juden übergehe. Man glaubt allgemein, daß die Regierung, um ein weiteres Vordringen des Antisemitismus in Südafrika zu verhüten, von sich aus Aenderungen der Einwanderungsvorschriften beantragen wird, die zwar nicht ausdrücklich gegen die Juden gerichtet sein, die Einwanderung von Juden jedoch praktisch behindern werden. Ein derartiger Gesetzesvorschlag soll bereits in Ausai'beitung sein. In der Sitzung des Parlaments wurden die von dem, Abgeordneten Malan gegen die Juden erhobenen Beschuldigungen von dem Innenminister Stutta« ford zurückgewiesen. Der Minister erinnerte an die hervorragenden Dienste, die die Juden Südafrika geleistet haben. Wenn wir auch weiterhin für Gerechtigkeit und Recht eintreten, erklärte der Minister, dann wird jedermann, der legal in unserem Land eine Zufluchtsstätte gefunden hat, sich für Südafrika nützlicn erweisen. ( Auswanderung aus Litauen Aus Kaunas: Von den im Jahre 1936 aus Litauen ausgewanderten 1627 Personen waren 948 (394 Männer und 554 Frauen) Juden. Von diesen gingen 487 nach Palästina, 234 nach Südafrika, 55 nach Amerika, 37 nach Kanada, 35 nach Argentinien, 32 nach Brasilien, 33 nach Uruguay und 35 nach anderen Ländern, Verband der Judenstaaisn'onisfen Sektion Prater, IL, Erlafstraße 5. Dienstag, den 19. Jänner, halb 9 Uhr abends, Im Helm, IX, Erlafstraße 5, Bibelvortragszyklus „Prophet Arnos", Rabbiner Dr. N. Zioker. Freitag, den 22. d., halb 9 Uhr, Oneg Schabbath. Vortrag und Gesang. Sektion XX, Staudingergasse 16. Mittwoch, den 20. d., Leitungssitzung, 8 Uhr abends. Donnerstag, den 21. d., halb 9 Uhr abends, im Helm Vortrag Josef Frankel: Zionismus als Weltanschauung. Judenstaatsjugend. Dienstag, den 19. tL, halb 9 Uhr abends, II., Unt, Augartenstraßo 38, Plenarversaniralung. Brith Hakanaini. Sonntag, den 24. d., halb 5 Uhr nachmittags, im Heim, XX., Staudingergasse 10, Worbe-Nescbof. Jugendliche Gäste willkommen:

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