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Die neue Welt · 1937-01-19 · Heft 624 (19.1.1937) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 624 (19.1.1937)
Date
1937-01-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 10 dreschen Dfem ftags den 19« linner 193" Mroma Nr« 694 187 DIE NEUk V« b*!>♦ m Verleger versendet xp&Ue par l'6dlteur" Titl. Universitätsbibliothek I ^^^^^S Wien, I. I Ekl REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljahrig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.-; Bumänien monatlich Lei 50.—. vierteljährig Lei 160.-; Deutschland monatlich Mark 1.-, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—jj Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweixer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitärsstr. 8, Tel. A-2Ö-2'78 - Erscheint Dienstag «. Freitag ZUM FROHEN FESTE wird der PESSACH erst durch die so wunderbaren, delikaten Schmidl-Nazzoth die Marke des Feinschmeckers Verlangen Sie überall nur „SCHM1DL"- Maisoth! l>a$ Spiel mit dem Numerus clau§u§ Wenn den Herrschaften in Oesterreich, die sich in der;,deut3chchristlichen" Oeffentlichkeit oder im „betohtnationalen" Raum bemerkbar machen wollen, schon gar nichts mehr einfällt,- beschäftigen sie sich mit dem' Numerus clausus. Sie tun dies aber nicht etwa'in der Weise, daß'sie einer gerechten Bildungs¬ und Erwerbsschichtung das - Wort reden, sondern in der bekannt hetzerischen, das heißt, verlogenen Manier, indem : sie mit irgendwelchen Zahlen arbeiten,"* gegen die bekanntlich eine logische Widerlegung nicht unternommen werden kann. ' 'An erster Stelle ist hier das berüchtigte „Deutsche Volksblatt" zu nennen, das wieder einmal in seiner Ausgabe vom 16. Jänner unter dem Titel ,',Nöch einmal der Numerus clausus" gegen das akademische Studium der österreichischen Juden Stürm läuft und das /»Mißverhältnis" zwischen der jüdischen Bevölkerung und der Anzahl der jüdischen Hochschulstudenten durch'ein Gesetz beseitigen will. Dieser pure Unsinn läßt sich nur dadurch erklären, daß das antisemitische Organ um jeden Preis den Eindruck erwecken will, der jüdische Akademiker sei schuld an der;„Not, welche in den akademischen Berufen-herrscht", und eine wesentliche Verminderung der jüdischen Aerzte, Rechtsanwälte usw. würde diesem Uebel steuern. Es muß ein für allemal gesagt werden, daß jeder Österreichische Staatsbürger sich seinen Beruf und sein Studium wählen kann und daß er nicht erst beiden' Herren Antisemiten anfragen wird, ob ihnen das oder, jenes genehm ist. Wenn die jüdische Jugend die notleidenden Berufe eines Arztes oder Rechtsanwalts wählt, g'o tut sie dies, weil ihr' die Stellen in städtischen und staatlichen Aemtern verschlossen sind. Auch wir Juden, wir Zionisten, sehen die gegenwärtige jüdisqhe" Berufsschichtung in Oesterreich als eine ungesunde an' und erstreben eine gesündere und natürlichere." Aber wir lassen sie uns nicht von den Artikelschreibern des „Deutschen Volksblatt" vorschreiben und schon gar nicht auf einer Basis, welche unsere G1 e i c h b e r e c h t i gung in Frage stellen könntet ' Meldung von neuem englischen Weißbuch Aus London: „Daily Telegraph" will erfahren haben, daß der Bericht der Kgl. Kommission im April vorliegen wird. Gleichzeitig werde die englische Regierung ein S t a t o m e n t o f P o 1 i o y über das Palästina-Mandat veröffentlichen. Damit würden alle Vorbereitungen für die im Juni stattfindende Tagung der Ständigen Mandatskommission des Völkerbundes getroffen sein, bei der von dem Vertreter der britischen Mandatarmacht die schon bei der vorletzten Tagung der Kommission verlangten Auskünfte über die Ursachen der Palästina-Unruhen geben soll. Inzwischen werden die vor der Kommission abgelegten Zeugenaussagen sofort nach dem Eintreffen des offiziellen Protokolls in London in Druck gegeben« [(J, T. A.) ..... Arabischer Sturmlauf gegen das Mandat Die ersten Nachrichten über den Beschluß des Obersten Arabischen Ausschusses, vor der Königlichen Kommission zu erscheinen, und über die Aussage des Mufti von Jerusalem, erweckten in der zionistischen Welt die Meinung, daß nun eine wohlvorbereitete arabische Offensive einsetzen werde; eine Offensive, die es sich zur Aufgabe gemacht habe, alle Hindernisse der bestehenden Verträge (Balfour-Deklaration und Mandat) zu überrennen und den Engländern, vornehmlich der Peel-Kommission, durch Großzügigkeit, Maximalismus, Gewaltdrohung zu imponieren, ja, noch mehr: Wohlwollen abzuringen. Die Methode des Frage- und Antwortspiels gegenüber den jüdischen Zeugen ließ die Vermutung aufkommen, daß hier Unwillen, Antipathie, feindselige Einstellung herrschen und darum nichts Gutes zu erwarten sei. Dazu kam noch die von ernsten zionistischer Seite geübte Kritik an der Art, wie die Repräsentanten der Zionistischen Organisation und der jüdischen Jischuws Palästinas ihre Bekundungen vor der Kommission machten: nämlich weitschweifig, theoretisch, ausweichend, und mehr einem Angeklagten als einem Ankläger (eventuell Zeugen) entsprechend. Nun liegt der erste ausführliche Bericht über die Vernehmung des Mufti vor. Es scheint, daß die Herren der Peel-Kommission sich von den Ausführungen des Mufti nicht imponieren ließen und ihn mehrere Male in Verlegenheit brachten, insbesondere als sie von ihm verlangten, daß er ihnen einen wichtigen Artikel des Völkerbundpaktes erkläre und Beweise für seine Verdächtigungen der jüdischen Aspirationen bringe. Dieser Umstand darf uns aber nicht zu dem Glauben verführen, daß wir nun gegenüber dem arabischen „Material" im Vorteil sind oder daß sich gar das Verhältnis zwischen den Arabern und der Kommission verschlechtert habe. Die Aussage des Mufti, mag sie auch einen schlechten Eindruck auf die Kommission gemacht haben, ist ein kurzes Intermezzo. Die arabische Halsstarrigkeit kann für eine gewisse Zeit die britische Palästina-Politik lähmen. Die arabische These, die Durchführung der Mandatsbestimmungen sei ohne Einschränkung der arabischen Rechte unmöglich, kann vielleicht die britische Palästina-Politik zu weiterem Lavieren bestimmen. Aber schließlich wird die Mandatarmacht mit oder ohne Berücksichtigung des kommenden Lord-Peel-Berichtes sich entscheiden müssen. Bis dahin gilt es, alle Anstrengungen zu machen, um den Aufbau — Einwanderung, Bodenkauf, produktive Arbeit — fortzusetzen und selbst die Offensive gegen alle Elemente zu ergreifen, die diesen Prozeß zu unterbrechen oder gar zu sistieren versuchen sollten. . / Ueber die Vernehmung des Mufti wird weiter aus Jerusalem gemeldet: Lord Peels erste Frage an den Mufti bezog sich auf den Zweck und die Zusammensetzung des Arabischen Obersten Komitees. Der Mufti erwiderte, daß das Komitee aus Vertretern sämtlicher arabischen Parteien bestehe. Fortfahrend erklärte er, daß die Araber vollständige nationale Unabhängigkeit erstreben, eine Bestrebung, die bereits vor - dem Weltkrieg bestanden habe. Der Zeuge führte aus, daß die palästinensischen Araber sich während des Weltkriegs dem arabischen Aufstand angeschlossen hätten, in der Hoffnung, auf diese Weise ihre Unabhängigkeit zu erkämpfen. Ferner versuchte er den Beweis zu erbringen, daß laüt Art. 20 und 22 des Völkerbundvertrages, betreffend das Selbstbestimmungsrecht der Völker sämtliche früher getroffenen Vereinbarungen, einschließlich der Balfour-Deklaration, widerrufen worden sind. Der Mufti in Verlegenheit Sir Horace Rumbold forderte den Zeugen au£ zu erklären, wieso die Balfour-Deklaration mit dem Völkerbundsvertrag unvereinbar sei. Darauf wußte der Mufti nur zu antworten, daß die Deklaration die Interessen der Araber schädige. Im weiteren Verlauf seiner Aussagen führte der Mufti Klage darüber, daß die jüdische Bevölkerung des Landes achtmal größer geworden sei und daß die juden jetzt fünfzehnmal mehr Boden besässen als zur Zeit der Einsetzung der britischen Verwaltung.; Die Araber hätten alles getan, was in ihrer Macht stand, um auf gesetzlichem Wege eine Aenderung der Verhältnisse herbeizuführen. Fünfmal hätten sie Abordnungen nach Lon-, don entsandt, diese seien aber ohne jeden Erfolg zurückgekommen. Jetzt hätten die Juden sogar den Plan, sich in den Besitz der heiligen Stätten des Islam zu setzen. Bei diesen Ausführungen wurde der Mufti wiederholt von den Mitgliedern der Kommission unterbrochen, did üin aufforderten, seine schweren Anklagen gegen die Juden zu beweisen. Der Mufti versprach, die verlangten Beweise später zur Verfügung zu stellen. Er erklärte, er sei im Besitz eines.Schreibens des Oberrabbiners von Rumänien (!), in dem die Wiederherstellung des Salomonischen Tempels, gefordert wird. Der Mufti droht Der Mufti behauptete weiter, wenn aber die Politik des Jüdischen Nationalhelms fortgesetzt werde, so sei mit der Möglichkeit neuer Unruhen zu rechnen. E3 folgte ein scharfes Kreuzverhör des Mufti durch die Mitglieder der Kommission. Bei der Erörterung der Bodenfrage mußte er zugeben, daß die Araber den Boden aus freiemWillen verkaufen und hierbei unter keinerlei Zwang handeln. Zu den politischen Forderungen der Araber bemerkte er, zwischen der Mandatarmacht und dem arabischen Palästina solle ein Vertrag geschlossen werden, wie er mit den anderen arabischen Ländern in Kraft sei. Lord Peel: Was wollen Sie mit den Juden tun? Der Mufti: Wir werden die Lösung dieser Frage der künftigen arabischen Regierung überlassen. Lord Peel: Werden die Juden damit zufrieden sein? Der Mufti: Die Juden werden in vollem Umfang die gleichen Rechte genießen, die sie zum Beispiel heute im Irak besitzen. Damit war die Vernehmung des Mufti beendet. Was Abdul Nadi verlangt Der Sekretär des Obersten Arabischen Ausschusses, Adv. Auni Bey Abdul Hadi, der schon während der arabischen Unruhen im Jahre 1929 einer der Führer der Auständischen war und während der letzten Unruhen den zentralen arabischen Streikausschuß geleitet hat, schlug gegenüber der Kommission auch einen intransigenten Ton an. Die Araber, sagte er, gestatten es nicht, daß die Juden nach Palästina einwandern. Wenn England Palästina verschenke, so könne es dies nur auf der Grundlage der Gewalt tun, und in der Tat: die Balfour- Deklaration sei auf Gewalt gegründet. Der Artikel 22 des Völkerbundpaktes betreffend die Mandate werde hinsichtlich Palästinas anders interpretiert als hinsichtlich des Irak und Syriens. Es sei wahr, daß die Juden in VERBAND DER JU DEN STAATSZIO NISTEN Samstag, den 23. Jänner 1987, im Festsaale des Hotel „Continental", Wien II, Taborstraße Nr, 4 (fadUcUaftsa&eHd fnä Akademie- und Tanz Beginn der Akademie präzise halb 9 Uhr abends PROGRAMM: Hilda Dulitikala, Jüdische Lieder / Jos«» Baar, Simplizisslmus / Edmund N«lf«r, Sieger im Jazzsänger-Wettbewerb, Eesltzer des Goldenen Bandes / Martin Müller, Jüdisches Kulturtheater / Lilly Holpern-Karl Schönberg, musikalische Vorträge / Heiteres Quarten, Jüdischer Gesangverein / Conference: Josef Baar / Musik: Oppermanns Symphonisches Tanxorchester Regiebeitrag S 1.50 Vorverkaufsstellen: Jüdisches Kulturtheater, I, Kai / Buchhandlung M. Rath. II, Taborstraße 20a / Uhrmacher J. Hauber., II, Taborstraße 39 / Sektion Prater, II, Erlafstraße 5

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