Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 623 (15.1.1937)
- Date
- 1937-01-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 623 vom 15. Jänner 1937 »IE NEUE WELT Seite 7 SCHIFFMANNS laset Kaum <d$ #»< Nun spielt also Josef Kamen (den man nicht erst vorstellen oder in amerikanischer Manier anpreisen muß) nach längerer Pause wieder Theater, und just wieder seinen Liebling „Herschelfe Ostropoier" in der zum Leben erwachten „Jüdischen Bühne" in der Prateratraße. Man kennt die Schnürren dieser reisenden Figur des jüdischen Ostens, der von Till Eulenspiegel den Hang zu weisen Narreteien, von der jüdischen Seele die Neigung zu wehmütiger Possenreißerei hat. Sein Sprung ins ehrsame Haus des Rebbe'h mit der Rebbezin (von Leopold Jungwirth und Nadja Kareni mit geutem Stilgefühl gestaltet) ist mit so viel Witz, Lebensweisheit, Ueberlegenheit angefüllt, daß nur das allerfeinste Ohr und das fernsichtigste Auge die sozialen Untertöne und Untergründe wahrnehmen. „Herscheie Ostropoier" ist nämlich auch so etwas wie eine — revolutionäre Komödie, hingemalt an den äußersten Rand jüdischer Tradition, so daß die Gefahr einer „Bolschewisierung';' droht. Das nimmt nur'der Kenner wahr. Und die Kennner haben nur selten zahlreiche Anhänger. Das macht nichts. Man wird bescheiden. Unterhält sich, lacht, bewundert ... * , Herscheie Ostropoier ist der Gegenspieler des verflachten und seelenlos gewordenen Chassidismus. Wäre er es nicht, dann ■ könnte er auch nicht für eine Minute : über den1*« Robben, ja nicht einmal über die Torheit der Städterjuden gesiegt haben. Dem Sieg allerdings ist keine lange Dauer beschieden. Herscheie" geht — im Grunde mehr Philosoph als 'Spaßmacher, mehr 'Meiir sebenfreünd als Skeptiker — arm und zerschlissen, wie^ er gekommen, und das Städtel # mit seinen Chassidim und Maskilim lebt weiter in seiner bescheidenen Weise und bis zu einem gewissen Grade sogar glücklich. . Josef Kamen spielt diese Figur unnachahmlich. (Er spielte sie bereits von drei Jahren in den „Jüdischen Künstlerspielen" mit seinem bewährten Ensemble.) Was er ihr gibt, stammt aus seinem eigenen Humor^ und Weisheitsfundus. Sein Optimismus blüht und reißt mit. Man ist glücklich, auf der jüdischen, auf der europäischen Bühne solch einen bravourösen Charakterdarsteller zu sehen. Die „Jüdische Bühne" kann auf die Kamen-Abende stolz sein. o. r. „Die Elegien des Prinzen Schealthiel". Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Wien fand am d. M. ein bedeutungsvoller Vorträg statt, den Rabbiner Dr. Armand Kaminka über obiges Thema hielt. Der .Vorsitzende, Obmann des Vereines, Rektor K r a ü s z hatte Gelegenheit, den Vortragenden im stark gefüllten Festsaal der „Hakoah" zu; begrüßen. Nach einer gediegenen Einleitung gab der Gelehrte den Inhalt des Werkes an, beweisend, daß das von ihm im hebräischen TJrtext rekonstruierte Werk das ursprüngliche sei, nach welchem sodann sowohl die lateinische als auch alle weiteren Uebersetzungen vorgenommen worden sein dürften. Die Entstehung ist in der Zeit etwa 100 Jahre vor Bsra zu verlegen. Die Bezeichnung des Werkes als „Bsra IV. Buch" sei daher fälsohlich infolge von Miß- Verständnissen erfolgt. Rektor K r a u s z dankte dem Vortragenden für seine, inhaltsreichen Ausführungen ühd. hob hervor,iidaß, wenn Herr Dr. Ka-minka nichts anderes als , nur die ausgezeichnete hebräisphe Fassung , des Werkes der hebräischen Literatur geschenkt hätte, er »Ich damit schon ein unvergängliches Verdienst erworben, hätte. H. H. Die textkritischeh Studien über das Buch , sind in der Schrift „Beitrag zur Erklärung der Pseudoapokalypsen und deren Rekonstruktion des hebräischen Urtextes" KKäminka, Breslau 1934) enthalten. Der Urtext selbst mit Einleitung und Kommentar ist unter dem Titel: „Chasonoth Assifr Schealthiel" in der Buchhandlung Josef'Sehlesinger vorrätig. (D. Red.) Weg der jüdischen Frau ixkv Fr&ueiieinunziputioii. Eine kulturgeschichtliche Studie (140 S.) von Prof. Dr. Bernhard Templer, weiland Feldrabbiner i. d. R. (Verlag Dr. Heinrich Glanz, Wien, 1937;) Diese Monographie erörtert den weitverästelten Fragenkomplex, hinsichtlich der Stellung der jüdischen Frau innerhalb der Familie und In Ihren Beziehungen zum Staate, in allen Phasen der altjüdischfen Geschichte. Ah Hand seines reichen Tatsachenmaterials führt der Autor den Beweis, daß das Judentum im Gegensatz zu allen anderen Völkern,. die Iflie Frauen versklavt hatten, der Frau vollständige Ebenbürtigkeit zuerkannte; daß ferner dem Judentum unter allen Reiigions* und KuiturgemeinBChaften die Priorität hinsichtlich der Gleichstellung der Frau mit dem Manne gebühre. Dr. Templer meint, die Hei%e Schrift deute sogar eine Bevorzugung der. Frau an: „Nicht nür heißt es im Urbuch: Gott schuf den Menschen in seiner Aehnlichkeit . . . Mann und Weib schuf er sie (Genesis 1, 27), woraus mit aller Deutlichkeit die vollständige Gleichstellung von Mann und'Frau im Haus, in der Ehe, im Leben und in ihrem Verhältnis zu Gott hervorgeht, sondern aus dem Umstand, daß in der Reihenfolge der Schöpfung das Weib als Letztes, als Schlußpunkt aufscheint (Midrasch Ten. Kap. 59; Mit der Frau' ist die höchste Vollendung der Schöpfung erreicht-worden), ergehen wir seine besondere Stellung. Der Verfasser hat mit viel Fleiß und Geist — stellenweise gegen diverse Repräsentanten neuzeitlicher Judaistik schärf .polemisierend — bei souveräner Beherrschung der gesamten Materie, aus Bibel, Talmud, Midrasch usw, Bausteine von höhe.m Kulturwert, zu. diesem Werke gesammelt., Professor Dr. Bernhard Templer, der im Sommer 1935 aus dem Leben geschieden ist (seine Witwe, Frau Betty Templer, hat in pietätvollem Gedenken, das druckfertig hihterlassene Manuskript posthüm veröffentlichen lassen), hat sieh selber .mit dieser thematisch und inhaltlich bedeutenden Studie ein Denkmal errichtet. Esther Mieses. Die Frage der Sg'dter'heif in Palästina Aus Jerusalem: Ah versiehiedenen Punkten Palästinas sind acht Bataillone Infanterie stationiert; sie. \vierdi«n noch längere Zelt in Palästina verbleiben. Es verlautet, daß der britische t Oberstkomniaudiwreiide ih Palästina, General ilohn Dill, In einer geschlossenen Sitzung der Kgl. Kommission ausführlich Über Fragen der Sicherheit in Palästina und die getroffenen militärischen .Vorkehrungen referiert hat. In der gleichen 'Sitzung hat der Generaiinspektor der Palästina-Polizei eine Darstellung des -britischen' Pohzeidienstes gegeben^ Wie es heißt, soll . General Dill den Vorschlag gemacht haben,. % i ,v i 1 e Hilf skrilf t e a-uszitbttden, d'fo.der PaUVstiiuii-Polizei bei Aufrechierhalhing der Ordnung zur Verfügung stehen sollen. {,1. T. A.) , ■: ß&t^^; Vortrag Loukomski, . '. .. Am 13. Dezember hat im der Jüdischen KulUirsteUe ein Vortrag von Professor. . Loukomski Uber .Synagogenbauten stattgefunden, der geeignet ist, auf... die jüdische darstellende. .Kunst und - das Kunsthandwerk in hohem Maß anregend zu; wirken.. . {,. Der Vortragende hat als russischer Aristokrat und Nichijnde mehr. Distal und. uwhrßcheinlich eine größere Unbefangenheit und ßildhaftlgkeit des Schauend in jüdischen Dingen, als wir. die in Anordnung und Einteilung der. Bauten und Einrichtungen die, Befolgung religiöser Vorschriften erkennen. t>rof. Loukoniski war Kustos in Zarskoje Sjelo, ist selbst Maler und Zeichner und hat einen großen Teil der Synagogenbauten, samt Details und Einrichtung, sowie FrteähofstiunSt in Kohlezeichnungen, einen anderen Teil m Photographien festgehalten, Wenn auch dieses Material- Von anderer, Seite in feüsamMlungeii bereits vorhanden istt so ist , meines Wissenssum erstenmal jemand auf den. ebenso guten wie einfachen Gedanken gekommen, das Matenal zusammenzufassen und zu vergleichen und auf diesem' Wege zu einem einheitlichen Gesam tbild, zu einem jüdischen Stil zu gelangen. Loukomski wird in .nächster Zeit, ein Bübh herausgeben, welches das gesamte Material, 340 Bilder, enthält. B&hn Vortrug "wurden SO" Bilder vorgeführt* Anßen- und Innenansichten, Details und Gesamtbilder, Dekorationen und Einrichtungsgegenstände, Bei der Kürze der Vorführungsdauer kann ein abschließendes Urteil natürlich nicht abgegeben werden. Das Gebotene genügte aber, um mit Freude und XJeberraschung festzustellen, daß wir eine solche Fülle von E l e vi e n t ö n jüdischer därStelien- , der Kunst besitzen, daß sie bei normaler politischer und sozialer Lage unseres Volkes ausreichen xvürden, eine stfiarf ausgeprägte Eigenart, zu ' bezeugen, LaUkoWiM. gibt an, daß bei vergleichenden} Studium des gesamten Materials ein solcher Stil erkennbar ivird. Öas ist durch-. aus möglich, da dieser Baustil als Ausdrucjc eines auch j hkute im. jüdischen ästen teilweise noch bestehenden jüdischen Lebensstils erkannt werden Jcann. Es muß erwähnt werden, daß das Material zum allergrößten Teil aus dem Gebiet des heutigen Polen siainirit, also von jenem feil der Judenheit geschaffen Wurde, der im Chassidismus, in Melodie und Tanz schöpferische Kraft beiölesen hat. Der Eindruck der polnischen Synagogen in MassivbUuweise ist. ein ziemlich geschlossener, bei den Holzbauten ist der Eindruck weniger einheitlich. Die Massivbauten .zeigen einte Kastenförm, oft mit Wehrtürmen> die tfolkbdnten meist rechteckigen ' Grundriß. Die ' Holt* Synagogen zeigen in der, ein wenig geschweiften, Dachform Anklänge an mo-&<joiisohe uml chinesische |. , . ein beispielloser Billigkeits-Rekord I Kunsfs&f cten-Stofte : Satin*Glanzseide in weiis, gi.™ und schwarz ~ ߣ| ■10 bttit....................per Meter S Seide für Unterkleider einfarbig m.kiehen Fehlern, "iü cm ........... S mpriKtte-Setäe od. Bamberg 4 Waaclie-SeWe ........per Meter S lt*W iUiSilielte sireifundSehoaendemirS. v 110 cm breit............ I Indanthren Seiden Shantung \ Iii»- englische Kleider und Blusen / K.-Seiden-Royal Imprime I nute Kleiderware, allei . ...... per Meter { $40 cm breit, Crepe MonßOi | vüizürI. 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