Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 621 (8.1.1937)
- Date
- 1937-01-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 621 vom S. Jlnner 1Ö3? Seite 5 AUS ALLER WELT Das umstrittene KubdtProJekft Aus Havanna (J. T. A.): Da« Mitglied des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten, William Sirovich, ist in Havanna eingetroffen, um mit dem Oberkommandanten der kubanischen Armee, Signor Batiste, über die Genehmigung des Plana, hunderttausend Juden au« Deutschland in Kuba anzusiedeln, zu verhandeln. Der Plan des amerikanischen Abgeordneten Sirovich, eine Massenanaiedlung von Juden aus Deutschland auf Kuba zu organisieren (anfangs war sogar von 200.000 die Rede), ist in den maßgebenden jüdischen Kreisen Deutschlands und in Fachkreisen als phantastisch und undurchführbar bezeichnet worden. In diesem Sinn hat sich u. a. der kubanische Staatssekretär LuisMachado y Ortega geäußert, der in Prag erklärte, selbst tausend Europäer hätten auf Kuba keine Arbeits¬ und Lebensmöglichkeit. Andererseits behauptet Sirovich, für seine Pläne den Präsidenten von Kuba, Oomez, und den amerikanischen Präsidenten Roosevelt interessiert zu haben. Dem von ihm gegründeten Vorbereitungskomitee hat sich auch der bekannte Filmindustrielle Louis B. Mayer, der Vizepräsident des Metro-Ooldwyn-Mayer-Konzerns, als Vorsitzender zur Verfügung gestellt. Budzynski kneift Die beabsichtigten Zweikämpfe zwischen dem Abgeordneten Budzynski' und acht jüdischen Reserveoffizieren wegen ehren kränkender Aeußerungen Budzynskis im Sejm gegen die gefallenen jüdischen Soldaten der polnischen Armee werden nicht stattfinden, nachdem die beiderseitigen Sekundanten ein Protokoll unterzeichnet haben, in dem sie die Erklärung Budzynskis, er habe solche Aeußerungen in seiner Sejmrede nicht getan, zur Kenntnis nehmen. Budzynski er-< klärte, die Presse habe seine Aeußerungen entstellt wiedergegeben. Nachdem auch die Prüfung des offiziellen Verhandlungsprotokolls ergeben hatte, daß die beanstandeten Aeußerungen doch gefallen waren, schob Budzynski die Schuld auf die Parlamentsstenographen. Obwohl von einem Duell Abstand genommen wurde, wird die Sache nun doch ein Nachspiel haben, denn die Parlamentsstenographen haben beschlossen, Budzynski wegen Beeinträchtigung ihrer Berufsehre gerichtlich zur Verantwortung zuziehen. (J. T. A.) Begierungskommisisär für die Warschauer jüdische Gemeinde Aus Warschau: Amtlich wird bekanntgegeben, daß der Vorsitzende des Verbandes jüdischer Händler, Mauricy Meise 1, am Montag, den 4. Jänner, die Leitung der Warschauer jüdischen Gemeinde als Regierungskommissär übernommen hat. Gleichzeitig wurde ein zwölfgliedriger Beirat eingesetzt. Die luden und die OvaniemDynastie Aus Amsterdam (J. T. A): Anläßlich der bevorstehenden Hochzeit der holländischen Kronprinzessin Juliane mit Prinz Bernhard von Lippe- Biesterfeld erschien im jüdischen Verlag vam Creveld & Co. in Amsterdam eine von dem bekannten jüdischen Historiker D. S. van Zuiden verfaßte Festschrift „O ran je en Israfe'1", in der auf die Beziehungen von Mitgliedern der Oranien- Dynastie zu Juden hingewiesen wird. 1616 wohnte Prinz Maurita der Bestattung des marokkanischen Gesandten in den holländischen Generalstaaten, Don Samuel P a 1 a c h e, auf dem sephardisch-jüdischen Friedhof in Oudekerk bei Amsterdam persönlich bei. Prinz Maurits* Leibarzt war der von Rembrandt gemalte berühmte Amsterdamer jüdische Arzt Joseph Bueno. Mehrmals besuchten Könige aus dem Hause Oranien Amsterdamer Synagogen. Kronprinzessin Juliane besuchte in den letzten Jahren das jüdische Invalidenheim in Amsterdam und das Heim für geistig zurückgebliebene jüdische Kinder in Apeldoorn. Die jüdischen Gesellschaften Hollands bereiten wertvolle Geschenke zur Hochzeit der Kronprinzessin Juliane vor. Ein besonderes Geschenk bringen die nach Holland ausgewanderten deutschen Juden auf. Antisemitische Exxesse in Ungarn Aus Budapest: Eine seit Wochen in Budapest arbeitende rechtsradikale Gruppe, die in großen Warenhäusern und in von Juden besuchten Lokalen mehrfach Stinkbomben- und Tränengasanschläge verübt hatte, konnte in der Silvesternacht festgenommen werden. Die Gruppe hatte im Cafe" „Abbazia" auf dem Mussolini-Platz, als um 12 Uhr die Lichter ausgelöscht wurden, mit Ammoniak, Chlor und Salzsäure gefüllte gläserne Phiolen unter die Gäste geworfen; einige Damen und Herren erlitten durch die Salzsäure Brandwunden. Acht Attentäter, die alle in Smoking waren, konnten trotz der Verdunkelung erkannt und der Polizei übergeben werden. Es befanden sich unter ihnen ein Student und mehrere Beamte. Fünf von ihnen wurden in Haft behalten. Im Zusammenhang mit der Neuorganisierung der ungarischen Nazis in verschiedenen Landesteilen, die verschiedentlich, so u. a. in Szeged, zu antisemitischen Ausschreitungen führte, erklärte der Minister des Innern Nikolaus v. Kozma im „Beati Naplo": „Ich bin entschlossen, jegliche ungesetzliche Aktion aufs energischeste zu ahnden, und werde Ausschreitungen, die die öffentliche Sicherheit gefährden, verhindern. Andererseits ist es mir unmöglich, die Agitation der ungarländischen nationalsozialistischen Partei, die eine Parlamentspartei Ist, zu verhindern; sie hat das Recht, in Versammlungen ihr Programm zu verkünden." Ein englischer Streicher „Südafrika! Erwache 1" Aus Berlin: Der „Völkische Beobachter" berichtet Über einen Vortrag, den Captain Henry Hamilton Beamish an der Berliner Universität Über das Thema: „Wer will den Krieg? Die Weltgefahr" sprach. Beamish, der als Gegenstück zu dem bekannten Nachschlagewerk „Who's Who?" ein „Jew's Who's Who?" verfaßt hat, ist der Begründer der völkischen Vereinigung „The Britons". Ueber seine Ausführungen berichtet das Blatt folgendes: „Captain Beamish befaßte sich mit den wirtschaftlichen Zuständen in Afrika, dessen Gold, wie überhaupt alle Bodenschätze dieses so reichen Erdteils, ausnahmslos in jüdischen Händen ist. Während von der gesamten weißen Bevölkerung des Erdteils — die nach einer Statistik aus jüngerer Zeit etwa 1,9 Millionen beträgt — nur 7 Prozent Juden sind, wären 90 Prozent aller Aerzte, 80 Prozent der Juristen und Dentisten Juden, und sämtliche Theater, Kinos, Bergwerke, Hotels und Geschäfte befänden sich in jüdischem Besitz. — In diesem Zusammenhang hob Beamish hervor, daß der Jude bar jeglicher Moral sei. Zwar klage und jammere der Jude stets über Verfolgungen; aber in Wirklichkeit sind doch wir immer die Verfolgten. Nachdem er von der neuen Bewegung der Grauhemden in Südafrika, die Dietrich Eckarts Alarmruf in „Dutch Africains awake!" übertragen haben, gesprochen hatte, ging er kurz auf die völkische Bewegung in Kanada ein und kam dann zu dem eigentlichen Thema seines Vorträges. Der Jude, das in aller Welt verstreut lebende jüdische Volk, arbeite Tag und Nacht daran, einen neuen Weltkrieg zu entfachen. Er wolle Deutschland an der Vollendung seines Wiederaufstiegs und andere Länder daran hindern, sich an Deutschland ein Beispiel zu nehmen. Judas Ziel sei, die besten aller Arier zu „erledigen", um so den Zusammenbruch der ganzen westlichen, ja überhaupt der gesamten Kultur unseres Erdballs zu erreichen." GESUCHT wird reichhaltige BIBLIOTHEK beinhaltend allgemeine Klassiker und Belletristen in deutscher Sprache, zionistische Werke, jüdische Standardwerke u. Hebraistik. Anbot unter Chiffre „Reichhaltig, preiswert" iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiu Mosley-Propaganda unter der englischen Polizei in Palästina Aus Jerusalem: Von amtlichen Organen wurde festgestellt, daß die englischen Faschisten Palästina mit Propagandamaterial geradezu überschwemmen. Viele Kisten Literatur waren an den kauf-, männischen Kommissionär J. Albina in Jerusalem adressiert. Es wurde weiter festgestellt, daß sowohl der Oberste Arabische Ausschuß als auch das Jerusalemer Hauptbüro der moslemitischen Konferenz die arabische Presse intensiv mit faschistischen und antisemitischen Nachrichten beliefern und daß zwischen diesen arabischen Aemtern und der Oswald-Mosley-Gruppe in Jerusalem ein enger Kontakt besteht. Mit Sorge und scharfer Mißbilligung beobachten die hohen Polizeifunktionäre insbesondere den Einbruch der Mosley-Propaganda in die englische Polizei Palästinas. Public Order Bill in Kraft Aus London: Die „Public Order BU1", die zur Abwehr der antisemitischen Aktionen der englischen Faschisten vom Parlament angenommen wurde, trat am 1. Jänner in Kraft. Das Gesetz verbietet das Tragen von politischen Uniformen und die Bildung halbmilitärischer Organisationen zur Erreichung politischer Ziele. Die Zahl der luden in Sudafrika Aus Johannisburg: Die offizielle Vertretung der südafrikanischen Judenhelt, der South African Jewish Board of Deputies, teilt mit: In der südafrikanischen Presse sind jüngst völlig irrige und irreführende Zahlen über die jüdische Bevölkerung in Südafrika veröffentlicht worden. Es wurde erklärt, daß die Juden 7 bis 7^2 Prozent der europäischen Bevölkerung ausmachen, und demgemäß wurde die Zahl der jüdischen Bevölkerung mit 130.000 bis 140.000 berechnet. Die tatsächlichen Verhältnisse sind die folgenden: Die Ziffern der Zählung von 1936 sind noch nicht zusammengestellt worden. Nach höchst verläßlicher Schätzung der natürlichen Vermehrung und nach den amtlichen Einw&nderungszahlen beträgt die Zahl der jüdischen Bevölkerung Im Jahre 1936 etwa ««'"MariaMir WIEN VI, MARI AHiLFERSTR ASSE 89* TELEPHON 8-27-2-35, B-29-4-69, B-22-3-37 empfiehlt seine eleganten großen Räumlichkeiten für Hochzeiten, Bar-Mlzwoth. Bankette usw. NEU RENOVIERTE SPIELSÄLE! 95.000. Dies macht knapp 4,75 Prozent der gesamten jetzigen europäischen Bevölkerung von etwas über 2 Millionen Seelen aus, gegenüber 4,25 Prozent bei der Zählung von 1926. Nicht weniger übertrieben und irreführend sind die Behauptungen über den Umfang der jüdischen Einwanderung. Tatsächlich zeigt die offizielle Statistik, daß in den fünf Jahren bis .Dezember 1935 die Einwanderung von Juden aus allen Ländern insgesamt durchschnittlich 907 Personen jährlich umfaßte. Richtig ist, daß 1936 die Zahl der Einwanderer aus Deutschland stieg und im Oktober ihren Höhepunkt erreichte. Doch ist dies darauf zurückzuführen, daß am 1. November d. J. die neuen Einwanderungsvorschriften in Kraft getreten sind. Die Arisierung der Betriebe „Bilanz eines Jahres — und was weiter?" überschreibt der Berliner Rabbiner Dr. Joachim Prinz seinen Rück- und Ausblick im „Israelitischen Familienblatt". Das Jahr 1936, erklärt Dr. Prinz, stellt die konsequente Durchführung der in der deutschen Revolution proklamierten Grundsätze in bezug auf die Judenfrage dar. Die Verkündung der Nürnberger Gesetze, die im Jahre 1935 den Höhepunkt der antijüdischen Maßnahmen darstellte, hatte zwar im vergangenen Jahr kein sichtbares Parallelereignis. Immerhin wurden im Jahre 1936 die wirtschaftlichen Folgen der Nürnberger Gesetzgebung deutlich. In den Etappen, die man innerhalb dieser Entwicklung verfolgen kann, könnte dieses Jahr als das Jahr der Arisierung der jüdischen Betriebe bezeichnet werden. In einem ungeahnten Ausmaß sind nämlich im Laufe des Jahres 1936 jüdische Betriebe in arische Hände übergeführt worden, und es ist keine Seltenheit mehr, daß größere Städte ohne jüdische Geschäfte sind. Diese Arisierung hatte eine außerordentliche Vergrößerung der jüdischen Arbeitslosigkeit zur Folge. Es scheint uns das wichtigste und entscheidendste jüdische Ereignis des vergangenen Jahres zu sein, daß die jüdischen Arbeitsnachweise vom 1. Jänner ab nicht mehr bestehen dürfen. Wir wissen, daß diese Maßnahme alle konfessionellen Arbeitsnachweise in gleicher Weise trifft, so daß hier wohl nicht von einer einseitigen anti jüdischen Regelung gesprochen werden kann. Dennoch trifft es uns besonders, denn es war schon immer für die Betrachtungen "des Problems der jüdischen Arbeitslosigkeit klar, daß nur der besondere Einsatz, die individuelle, auf die Sonderlage der Juden berechnete Beratung und Vermittlung in der Lage waren, eine Wiedereingliederung in den Wirtschaftsprozeß herbeizuführen. Nunmehr kann der Weg der jüdischen Selbsthilfe auf einem wichtigen, ja vielleicht zentralen Gebiet nicht mehr gegangen werden. Die Macht der Gewohnheit hindert uns oft, Neues zu versuchen. Wer einmal das köstliche dunkle Wiener Simonsbrot versucht hat, läßt es nie mehr in seinem Hause ausgehen. Aus dem Wodiena&sdwüt ScUetnti: Htoses' Sendung, (Exodus 3) „Und der Herr sprach: Ich habe gesehen das Elend meines Volkes in Aegypten, und seine Klagen über seine Bedränger habe ich gehört; ich kenne seine Leiden. Und nun komme ich, es aus der Hand Aegyptens zu retten und es wegzuführen aus diesem Lande in ein gutes und geräumiges Land, in ein Land, das von Milch und Honig fließt, wo die Kanaaniter, Hetiter, Emoriter, Perisiter, Hiviter und Jebusiter wohnen. Denn die Klage der Kinder Israels ist vor mich gekommen, auch habe ich gesehen, wie die Aegypter sie bedrücken. Und nun will ich dich zu Pharao senden, daß du mein Volk, die Kinder Israels, von Aegypten herausführest." Erstes iii* Volksliederpotpourri diese Platte enthält die schönsten jidd. Lieder gesungen v. p. G o n d o s oü. DAS EMEK1IED und viele neuhebr. u. kantorale Gesänge in bester Wiedergabe Neuaufnahmen von Obk. SIROTA mit Orgelbegleitung Preis nur S 2.90. 17 cm Langspielplatten Owlnu makelnu (nilob), Halbein ehtoeinu, Kl-cbor peh, Könitz' nlohomer, Shn eholom, J'hl rotron. Sprachunterrichtsplatten mit Lehrbach lelhw. nur S 2.- wochentl. Alle Sprachen, auch Neuhebräisch. — Großes Lager aller modernen Schallplatten, Badlo und brammophone zu günstigen Zahlungsbedingungen nur Musikbaus „EXCELSIOR"!S&? JOSIFS-KAI19