Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 621 (8.1.1937)
- Date
- 1937-01-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 1 DIE NEUE WELT Nr. 621 vom 8. Jänner 1937 |3xBEH0HflHH.L RABENSTEIG 3 4 H1MMELPF0RT6. 5 KÖLLN6RHOFGASSE 1 Große Auswahl und Kinder-Wäsche, WeiOwaren, Bettwäsche, Strick- und Strumpfwaren usw. usw. in Herren-Modewaren, Hemden, Unterhosen, Pyjamas, Dressinggowns, Trlkot-Wäsche, Damen- Kleine Preise herrschenden Konflikt würde damit nichts geändert und Englands Rolle als Schiedsrichter und Gendarm nicht erleichtert, sondern eher noch erschwert. 2. Der Paritätsgedanke ist gefährlich. Versteht man nämlich darunter nicht nur die Anwendung des Fifty-Fifty-Prinzips in bestimmten Fällen — etwa in den vorstehend als Beispiel genannten oder bei der Besetzung behördlicher Kommissionen —, sondern proklamiert man die „staatspolitische Parität" als leitendes Prinzip, gleichsam als die konstitutionelle Grundlage eines jüdisch-arabischen Palästina (und so wird sie ja von den aufrichtigen Verkündern der Parität tatsächlich verstanden), so kann sie z u r A rr n u 1lierung unserer mühsam erworbenen Rechte führen. „Staatspolitische Parität der beiden Völker Palästinas" — heißt das nicht, daß der arabische Anspruch auf Palästina dem jüdischen gleichwertig ist? Und bedeutet das nicht unmittelbar die Aufhebung jener Grundsätze, von denen das Mandat ausging und die uns hier ein nationales Dasein garantieren sollten? Haben nicht die Juden nach dem Mandat ein Sonderrecht vor allen anderen Völkern, und besonders auch vor dem arabischen Volk, bezüglich Palästinas? Die Präambel des Mandats anerkennt die „historische Verbundenheit des jüdischen Volkes mit Palästina" und die „Gründe für die Wiederherstellung (reconstitution) semer nationalen Heimstätte in diesem Lande". Deshalb ist der Mandatar verpflichtet, die judische Einwanderung zu erleichtern und bei der geschlossenen Ansiedlung der Juden auf dem Lande behilflich zu sein. Diese und andere Bestimmungen, insbesondere auch die Einrichtung der „Jewish Agency" bedeuten unzweifelhaft ein Vorzugsrecht der Juden gegenüber den Arabern, denen im Mandat keinerlei ähnliche Ansprüche, sondern nur die Wahrung ihrer bürgerlichen und religiösen Rechte zugebilligt worden sind. Kann, ja muß „staatspolitische Parität" nicht zur Aufhebung dieser unserer nationalen Ansprüche und Rechte führen? Wenn „Parität" — warum dann nicht auch Arab Agency, arabische Immigration und Kolonisation? Warum dann nicht ein Ausgleich im Kräfte- und Zahlenverhältnis, d. h. Einschränkung der jüdischen Einwanderung, Fixierung der jüdischen Bevölkerungszahl in irgend einem, als .„notwendig" erachteten Maßstab? Das ist die „Gefahrenzone", von der ich sprach und die wir zu vermeiden haben. Wohl uns, daß England seine Mandatsverpflichtungen bisher ernst genug genommen hat, um nicht das Schlagwort der „Parität" aufzugreifen und die entsprechenden Folgerungen zu ziehen. Wehe uns, wenn es dies eines Tages tut! Das wird in dem Augenblick geschehen, wenn die Mandatarmacht gewillt ist, das Mandat in sein Gegenteil umzudeuten. 3. Der Paritätsgedanke ist als Mittel der politischen Taktik wertlos, da er weder die Araber für ein Kompromiß gewinnen noch Englands Aufgabe erleichtern kann. Fällt die kommende Entscheidung Englands so aus, daß sie für uns erträglich ist, d. h., vermeidet sie die „politische" Begrenzung der Immigration und gibt sie uns die von allen zionistischen Richtungen geforderten Garantien für unser Kolonisationswerk, so ist eine „irgendwie" hiermit kombinierte „Parität" (was immer sie bedeuten mag) für die Araber ganz unbefriedigend, da diese ja überhaupt kein Kompromiß, sondern die Anerkennung Palästinas als arabischen Landes und die völlige Ei n- Stellung der jüdischen Immigration fordern. Für die Engländer aber ist eine solche „Parität" (was immer sie bedeuten mag) keine Erleichterung ihrer Aufgabe. Die Engländer sind dann nach wie vor genötigt, und deutlicher als bisher genötigt, zur Förderung jüdischer Einwanderung und Kolonisation ein System der Verwaltung einzurichten, gegen das die Araber sich heftig sträuben. Eben darin liegt aber die Schwierigkeit für England. Wird diese konkrete Schwierigkeit dadurch behoben oder auch nur vermindert, daß die Juden sich zur „Parität" bekennen? Dies ist der Kern aller Behauptungen unserer Paritätsgläubigen. Unter Hinweis auf die arabischen „Befürchtungen" wegen der drohenden Folgen einer jüdischen Majoritätsbildung wird gesagt, daß die ■ „Parität" die staatsrechtliche Sicherung des Grundsatzes sei, daß die Araber nicht über die Juden, aber umgekehrt auch die Juden nicht über die Araber herrschen dürften; so könnten jene „Befürchtungen" der Araber beschwichtigt und damit Englands Aufgabe erleichtert werden. Aber steht jener Grundsatz nicht schon im Weißbuch von 1927? Dort wurde ja bereits proklamiert, daß nicht beabsichtigt sei, aus Palästina einen jüdischnationalen Staat zu raachen, und daß deshalb die Araber auch nicht zu befürchten brauchten, eines Tages von den Juden beherrscht zu werden. Da ist sie also bereits — jene andere Formel, von der sich manche Zionisten heute wieder das Heil versprechen: Adtfusig! Aditung! Der Haoved Hnleumi (Hnndwerkerorganisation des Verbandes der Judenstaatssiontoten) veranstaltet einen Metallarbeiterkurs (Umpeliichtungskurs für Bausehlosserei). Lehrbehclfe werden beigestellt. Erstklassige Lehrkräfte. Arbeitslose, tJie österreichische Staatsbürger oder arbeitsberochtigt sind, erhalten Fahrscheine unentgeltlich beigestellt. Anmeldungen täglich zuIschen 6 und 7 Uhr abends im Stadtkibbuz, H., Rotensterngasse 12. Kechaluz Haleumi (Chaluzorganisation des Verban-, des der Judenstaatszlonisten). Montag, den 11. d., im Sektionsheim, II., Erlafctraße 5, dringende Mitgliederversammlung. E.fj sprechen die Chawerim Theodor Grubner und Mendel Hager über wichtige und aktuelle Fragen. Beschäftigt den Stadtkibbuz der Judcnstaatszionisten! II., Rotersterngasae '2 Tel. R-41-1-15-U. Verb« d« fuden$faafszioni§ten Oesterreichs Sektion Prater, II., ErlafStraße 5. Freitag, den 8. d., halb 0 Uhr abends, Oneg Schabbat. Es sprechen: Rabb. Dr. J. Bachstitz und Schriftsteller M. Gottfried, Gesang: Oberkantor Schmeidlcr. Sektion X, Hcmdlgasse 23. Montag, den 11. d., halb 9 Uhr abends, im Heim Zusammenkunft der Mitglieder des 4. und 5. Bezirkes. Referent: Theodor Grubner. Dienstag, den 12. d., 8 Uhr abends, im Heim Jugendver- Sammlung. Redner: Th. Grubner. S e k t i o n I X/X V 111, XIX. Mittwoch, den 13. d., 8 Uhr abends, Leitungssitzung im Sekretariat, IX., Univer?itätsstrr.ße 8. Sektion XX, Staudingergasse 16. Mittwoch, den 13. d., 8 Uhr abends, im Heim wichtige Leitungssitzung. Donnerstag, den 14. d., halb 9 Uhr abends, Vortrag Theodor Grubner: Die zionistische Situation. Juden Staats jugen d. Dienstag, den 12. d., halb 9 Uhr abends, im Heim, n., Untere Augartenstraße Nr. 38, Plenarversammlung mit anschließendem Referat. „Nicht herrschen und nicht beherrscht werden" unabhängig von der jeweiligen Zahl der Juden und der Araber. Meine Kritiker zitieren es gerne, daß ich von dieser Formel schrieb, sie sei „unter den gegebenen Umständen für die politische Taktik durchaus brauchbar" — womit ich nicht weniger, aber auch nicht mehr sagen wollte, als daß sie bei passender Gelegenheit verwendet werden könne, um darzutun, daß wir nicht des halb nach Palästina kommen, um über andere zu herrschen. Der Schwerpunkt meiner Argumentation lag in dem Nachsatz, welcher lautete: „Doch sagt e s (nämlich jenes Postulat vom Nicht-Herrschen und Nicht-Beherrscht-Werden) nichts über die Lösung des jüdisch-arabischen Pro blems und umschreibt nur auf gefällige Weise, was ist: daß nämlich England über Palästina herrsch t." Einer muß ja regieren, und wenn es nicht der Jude und nicht der Araber sein soll, so kann es eben nur der Engländer sein. Es ist einfacher und ehrlicher, gleich hiervon auszugehen und auch für die Zukunft dabei zu bleiben. Demnach ist eines gewiß: England, das sich schon vor 14 Jahren zum Garanten dafür gemacht hat, daß die Juden nicht über die Araber herrschen sollen, bedarf weder zur Beruhigung der Araber noch zu seiner eigenen Beruhigung einer von jüdischer Seite zu konzedierenden „Parität". England kann auch für die Zukunft an jenem Grundsatz des Weißbuches festhalten; es bedarf dazu nur der Fortdauer des bestehenden Zustandes, nämlich, daß es selber über Palästina herrscht. Will England in Anwendung des Grundsatzes vom „Nipht-Herrschen und Nicht-Beherrscht-Werden" jetzt oder in Zukunft die „staatsrechtliche Parität" einführen (was immer sie bedeuten mag), so kann es dies tun, und zwar mit größerer Wirkung auf die Araber, als wenn wir diese „Parität" proklamieren. Dabei wissen die Engländer freilich (ihr eigenes Weißbuch hat es ihnen längst gezeigt), daß mit solchen Definitionen und Konstruktionen nicht viel zu erreichen ist, weil die Araber Ziele verfolgen, die mit dem Mandat und der jüdischen Immigration unvereinbar sind. Wir Juden aber handeln töricht, ja wir machen uns lächerlich, wenn wir den Anschein erwecken, als vermöchten wir die Schwierigkeiten der englischen Politik in Palästina durch ein Bekenntnis zu einer „Parität" zu beseitigen, die niemand definieren kann, an der die Araber kein Interesse haben und die England selbst mit besserer Aussicht auf Erfolg verkünden könnte, wenn damit der Friede in Palästina zu sichern wäre. Und ebenso kann es keinen Eindruck machen, wenn wir edelmütig der Herrschaft über die Araber entsagen, zu der uns schon im Weißbuch von 1922 das Recht abgesprochen wurde. Nein, wir helfen der Mandatarmacht in ihren konkreten Nöten nicht durch so phrasenhaft leere Angebote, über die der praktische Engländer denn auch keineswegs entzückt ist, sondern eher verwundert den Kopf schüttelt — da er die Juden für gescheiter gehalten hatte. i Wohl aber erzeugen wir durch dieses Paritätsgerede eine gefährliche Verwirrung bei uns selbst. Es werden Illusionen erweckt, die zu Enttäuschungen führen müssen und die wirklichen Aufgaben zionistischer Realpolitik verschwinden hinter einem Wortwechsel. Kehren wir doch au' den Boden der Tatsachen zurück und versuchen wir nicht, der Mandatarmacht etwas zu bieter, wozu wir nicht imstande sind. Wir haben andere Werte einzusetzen und andere Vorteile zu gewähren. 4. Was also sagen wir heute England? Wir bieten ihm nicht Patentlösungen an, die keine sind. Wir akzeptieren Englands Oberherrschaft über Palästina, wenn der Fortgang unseres Werkes dadurch garantiert ist. Heute sind wir ein Mandatsland, morgen vielleicht eine Kronkolonie, übermorgen ein jüdisches Dominium im Britischen Empire. Eine solche politische Zielsetzung ist für alle Beteiligten verständlich und auf dem gesunden Gedanken des „Do ut des" aufgebaut. Wir versprechen uns und England den Frieden in Palästina von einer pro-zionistischen Politik, die sich auf eine immer stärker werdende jüdische Bevölkerung stützt. Wir fordern die Erfüllung des Mandats. Wir beharren auf unserem anerkannten Sonderrecht. Friedliches Zusammenwohnen mit den Arabern wird von uns erstrebt, ihre materielle Wohlfahrt darf und soll Sorge des Mandatars sein, ihr nationaler Anspruch auf Palästina aber ist abzuweisen. Es ist unverständlich, warum wir nicht so sprechen dürfen. So spricht das Mandat! Es ist unerfindlich, warum wir jenes Schattenspiel der „Parität" aufführen müssen, das immer undeutlicher wird, je näher man darauf zuschreitet. Es ist unbegreiflich, daß Zionisten, die doch heute tatsächlich alle dasselbe wollen, in der Angst um unsere gemeinsame Sacho' Wahrheit und Würde einem Gaukelbild opfern. Ich wage zu prophezeien, daß in kurzer Frist, wahrscheinlich schon in wenigen Monaten, der Paritätsgedanke aus der zionistischen Diskussion verschwunden sein wird, weil seine Verfechter inzwischen eingesehen haben werden, daß er nichts von dem leistet, was sie erhoffen, daß er insbesondere unsere Auseinandersetzung mit Englands Repräsentanten nicht erleichtert, sondern nur verwirrt, vielleicht' sogar schwieriger und gefährlicher gemacht hat. Wir wissen nicht, was die Royal Commission berichten und wie die Regierung entscheiden wird. Aber wenn die Entscheidung einigermaßen günstig oder auch nur erträglich für uns ausfällt, so werden wir dies unserer guten Sache, unseren guten Gründen und Englands Mandatstreue zu danken haben, nicht aber der unklaren und gefährlichen Phrase der „Parität". Kampfansage der ZBonafttea-Revis-oiHftten Die J. T. A. meldet aus London: Nach einer Kampfpause, die viele Monate gedauert hat, rüsten sich die Zionisten-Revisionisten jetzt zu einem neuen Angriff gegen die Jewish Agency. Seitens der Leitung der Neu-Zionistischen Organisation wird mitgeteilt, daß die NZO. gemeinsam mit Betar und Brit Hachajol beschlossen hat, einen entschiedenen Kampf um das Alija-Recht (Recht auf Einwanderung in Palästina) der Revisionisten zu unternehmen. Alle Landesleiter wurden angewiesen, gemeinsam mit den Weltleitungen und nach ihren Anordnungen den Kampf zu beginnen. In großen öffentlichen Kundgebungen soll die jüdische Öffentlichkeit über den „Zertifikatenraub", den die Jewish Agency nach Meinung der Revisionisten an den revisionistischen Verbänden begeht, aufgeklärt werden. Es wurde ein Aufruf verbreitet, der u. a. besagt: „Der Alija-Hunger unserer Chawerim ist zu der brennendsten Not der NZO.-Bewegung geworden. Lange Zeit haben wir zusehen müssen, wie unsere Zertifikate an ,rote Juden* gegeben werden, die sich während des sechsmonatigen arabischen Kampfes gegen den Jischuw auf die Seite der arabischen Banditen gestellt haben. Uns gebührende Zertifikate wurden internationalen Weltbeglückern Uberantwortet. Die Jewish Agency versperrt die Tore Palästinas vor jener Jugend, aus deren Reihen Helden bei der Verteidigung des Jischuw gefallen sind. Palästina befindet sich vor einer neuen blutigen Welle. Die arabischen Banditen wetzen aufs neue ihre Messer. Das jüdische Palästina braucht Menschen, die sich opfern können auf der Wacht für jüdisches Leben und Gut. Im Namen dieser heiligen Pflicht beginnen wir jetzt unseren Kampf für die Alija. Wir müssen die Agency-Leute mit ihren eigenen Mitteln bekämpfen. Sie haben uns hinsichtlich der Alija- Rechte außerhalb des Gesetzes gestellt; wir werden sie, wenn nötig, hinsichtlich Moral und Menschlichkeit außerhalb des Gesetzes stellen. Wir rufen unsere Gruppen auf, unsere höchste Instanz in diesem Kampf mit allen Mitteln zu unterstützen. Der Kampf muß beginnen, weil in Palä« stina der Brand näherkommt, weil das Schwert am Hals« dea Jischuw liegt."