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Die neue Welt · 1937-01-08 · Heft 621 (8.1.1937) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 621 (8.1.1937)
Date
1937-01-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 621 vom 8. Jänner 1937 DIE NEUE WEL1 Seite 3 Um das Mandat Lebhafte Erörterung der Mandatsinterpretation vor der Kgl. Kommission ^©iabettker, Stut)it)crflopftc^ I effcit mit Vorteil baS feit Sa^cnicn Dewityrle I SitttlittBÖtot in bünnett @d)nitten mit ©uttcr mtb I ©c&infen. Öeid)t berbaulid}, $ugletd) belifat. @ef)r I Bequem: ©imonSbrot-Sc^nittenpätf^en tn (Stanniol I Sit aUm guten getnfoftfjanbt. u. öäcfereien 31t fja&en] ^@imon§6rotffl6rif SBien^agran 65. Stägl. ^ofiöerj. J Itletliikstuegd Aufruf zur Erlösung „Die Tat — das ist der Erlösungsmarsch nach Eres Israel, der durch die neue jüdische Märtyrologie einen königlichen Weg' den ärmsten jüdischen Massen freilegen wird. Zu diesem Zweck mobilisiert die jungjüdische Bewegung eine halbe Million Juden bis zum Frühling 19S7, und sie wird alle Mittel dazu benutzen, um die Aufmerksamkeit der jüdischen Führer und der Financiers auf den tragischen Zustand des Jung-Judentums und der pauperisierten Volksmassen zu lenken. Die jungjüdische Bewegung sagt dem jüdischen Volk den nahen Tag seiner Befreiung und seiner Erlösung an und ruft das ganze jüdische Volk zu Erlösungstaten auf. — Erhebe dich, Israel!" Aus dem Aufruf des Kommandanten des jüdischen „Erlösungsmarsche s" vom November 1936, Warschau. Wie lange Hawlaga? Während es weite Kreise gibt, die an dem Prinzip der ,,Hawlaga" unverbrüchlich auch unter den schwersten Prüfungen festhalten wollen, gibt es andere, die dafür sind, die Taktik des Jischuius von den Ereignissen abhängig zu machen. Jedenfalls würde eine rein passive Verteidigung, wie sie in den sechs Monaten vor Eintreffen der Royal Commission seitens der jüdischen Bevölkerung geübt wurde, im Wiederholungsfall eine Nervenprobe bedeuten, die fast übermenschlich wäre. C. Z. Klötzel („Jüd. Rundschau" 1937). Eine fürdilbare Ankündigung Die arabischen Führer warten nur auf den Tag, an dem die letzten Reservisten das Land verlassen haben werden. Dann wird ein Guerillakrie g größeren Umfangs als jemals zuvor ausbrechenf der sich auch gegen die britischen Regiernngsbeamten richten wird. Gewesener Chef der paläst. Kriminalpolizei, J. F, Broadhurst, im Londoner „Daily Minor", Jänner 1937. Eine wertvolle Aufgabe An sich tasten wir alle noch nach dem legitimen Weg jüdischer Kunstgestaltung, aber wir sehen doch schon festes Land, auf dem wir weiter bauen können. Die Arbeit ist sehr schwer. Die Juden in Deutschland, die in ihrer Mehrzahl so weit von allem Jüdischen entfernt waren, allmählich wieder zu den Quellen jüdischen Lebens und Seins zurückzuführen, ist aber eine Aufgabe, die wert ist unternommen zu werden. Dr. H. Abels söhn (Leipzig, 1937). Vom Neinsagen Jeder Anti-ismus ohne Ausnahme ist Verrat am Geist, an dem Odem, den Gott dem Menschen eingehaucht hat. Man kann wohl zur Sünde Nein sagen, die dem schöpferischen Willen zuwider, die das Nein selbst ist und die Schöpfung verdirbt, niemals aber zu irgend einem Geschöpf als solchem, am wenigsten zum Menschen, der, welcher Rasse er auch angehören mag, die Persönlichkeit des Vaters widerspiegelt. Nein sagen heißt in die Ungeschaffenheit zuriiekdrängen, also dem göttlichen ,J2s werde!" widerstreben. Ernst Relau er („Die Erfüllung", Wien 1936). Ehrung Toscanims Aus Jerusalem meldet Palcor: Ein Orangengarten, der im nächsten Jahre Frucht tragen wird, wurde heute vormittag in Ramath Haschavim feierlich an Toscanini als Geschenk übergeben. Die Anwesenden, Toscanini, Huberman und andere Gäste, wurden vom ganzen Dorf lebhaft unter Kindergesang begrüßt. Herr Rosenoff, Vorstand des Kolonierates, erklärte in einer Ansprache, daß das an den Orangengarten angrenzende Land Toscaninis Namen tragen soll. In seiner Erwiderung erklärte Toscanini, er sei zu tief bewegt, um zu sprechen; seine Frau war zu Tränen gerührt. Toscanini, Huberman und andere pflanzten dann eine Anzahl von Setzlingen. Der Meisterdirigent sagte, daß es seine Absicht sei, sobald als möglich nach Palästina zurückzukommen, und stellte seinen Besuch für nächsten November in Aussicht. Er erklärte ferner, daß er das Palästina-Symphonia-Orcheater anläßlich der Pariser Ausstellung im Sommer 1937 dirigieren möchte. * Der High Commissioner Sir Arthur Wauchope hat den Ehrenvorsitz der Gesellschaft zur Erhaltung des Palästina-Orchesters übernommen. TapferkeitsmedaiUen für Chauffeure Mehrere jüdische Chauffeure, die sich während der Unruhen durch ihren Mut bei dem Transport von Truppen hervorgetan haben, werden demnächst von der britischen Regierung Auszeichnungen erhalten* (Palcor.). Die Vernehmung des Rechtsberaters der Jewish Agency, Leonard Stein, durch die Kgl. Kommission führte zu einer Erörterung der Mandata-Interp r e t a t i o 11. Leonard Stein wies darauf hin, daß sowohl im Mandat als in der Balfour-Deklaratiou, im Churchill-Weißbuch des Jahres 1922 und in dem Schreiben des Ministerpräsidenten MacDonald vom Jahre 1930 an Dr. Weizmann immer nur von nichtjüdischen religiösen Gemeinschaften, nicht aber von Arabern die Rede sei. Der Zeuge erklärte, die beiden Versprechungen der Mandatarmacht, an Juden und an Nichtjuden, seien zwar von gleichem Gewicht, aber von verschiedener Art: die eine, die sich auf die Förderung der Errichtung des Jüdischen Nationalheims bezieht, sei positiv, die andere, derzufolge nichts getan werden soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte der nichtjüdischen Gemeinschaften beeinträchtigen könnte, negativ. Leonard Stein nahm Bezug auf einen Artikel de3 früheren Kolonienministers Churchill aus dem Jahre 1930 und betonte, daß es das Ziel dieser Verpflichtungen sei, eine Politik zur Erleichterung der Errichtung eines Jüdischen Nationalheims herbeizuführen. Wie jüdische Einwanderung gegen die Verpflichtung zum Schutz der nichtjüdischen Gemeinschaften verstoßen könne, sei nicht einzusehen, da die Juden die Zulassung zu diesen Gemeinschaften ja nicht anstreben. Die Unterredung nahm einen stellenweise stürmischen Charakter an, als der Zeuge es ablehnte, auf abstrakte theoretische Fragen des Kommissionsmitgliedes Sir Morris Carter zu antworten, der versuchte, den Ausdruck „Gemeinschaft" im Sinne des Begriffes „S t a a t" zu interpretieren. Frage haben, wie zu erwarten stand, teils Zustimmung, teils Gegnerschaft gefunden. Einer meiner Kritiker ist sich nicht klar darüber, ob ich nun für oder gegen die Parität sei. Diese Unklarheit stammt wohl daher, daß ich in meinem Artikel den Paritäts- Wirkliche Erlioliiiif der Haut ist die schnelle, sanft-scharfe gedanken nicht grundsätzlich abgelehnt, sondern nur seine Fragwürdigkeit für unsere aktuelle politische Taktik beleuchtet habe. Ich bin absichtlich so vorgegangen, um die Diskussion mit Andersdenkenden möglichst zu erleichtern. „Um des Arguments wülen" wollte ich einmal annehmen, daß alle Zionisten grundsätzlich für Parität seien — um dann zu zeigen, wo die Schwächen dieser Konstruktion liegen. Dennoch ging aus meinen Ausführungen wohl recht deutlich hervor, daß ich ein Gegner der Paritätsparole bin. Keineswegs wollte ich, wie mein Kritiker vermutet, der Entscheidung ausweichen. Gerade ich will nicht, daß wir „mit Halbheiten und mit Ausflüchten anworten", und gerade deshalb bin ich gegen die Paritätsparole, die mir als eine Halbheit, eine Ausflucht und zudem als eine politische Gefahr erscheint. Richtiger hat mich Dr. Martin Rosenblüth verstanden, der mir öffentlich entgegentritt. Er zweifelt nicht daran, daß ich ein Gegner der Parität bin, glaubt aber, daß meine Einwendungen nicht „den Kern der Sache treffen". Er nimmt wunderlicherweise an, daß ich die Wirkung der Paritätsformel auf die, auch nach seiner Ansicht, zur Zeit nicht belehrbare arabische Welt im Auge habe, während es doch um England gehe, dessen öffentliche Meinung wir gewinnen müßten. Darin stimme ich ihm zu. Auch mir Im weiteren Verlauf der Vernehmung bezeichnete Stein die Einschränkung der jüdischen Einwanderung, auch wenn sie nach dem Prinzip der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes erfolgt, als unvereinbar mit dem Mandat, durch das die Mandatarmacht berufen sei, jüdische Einwanderung zu erleichtern. Sir Laurie Hammond: Haben die Urheber des Mandats die Möglichkeit einer jüdischen Mehrheit ins Auge gefaßt? Leonard Stein: Sie haben weder den Juden gesagt, es soll euch die Mehrheit gegeben werden, noch haben sie gesagt, ein Jüdisches Nationalheim bedeute nicht die Mehrheit. Wiederholt betonte der Zeuge, es sei undenkbar, daß die englische Regierung bei der Uebernahme des Mandats den geheimen Vorbehalt gemacht habe, in der Praxis anders vorzugehen. Lord Peel: Schade, daß „Heim" undnicht „Staat" gesagt wurde. Leonard Stein: Es wäre ebenso schwierig gewesen, den Begriff „Staat", wie den des Nationalheims zu interpretieren. Stein zitierte zahlreiche amtliche Dokumente, aus denen hervorgeht, daß Einwanderung bis zur äußersten Fassungskraft des Landes beabsichtigt war. Als schließlich Sir Laurie Hammond bemerkte, der MacDonald-Brief spreche auch von der Rücksicht auf das Gleichgewicht zwischen den Gemeinschaften im Lande, erklärte Leonard Stein, dies beziehe sich bloß auf das Gleichgewicht der beiden Verpflichtungen des Mandats, nicht aber auf ein Gleichgewicht im bevölkerungspolitischen Sinn. 1. Der Paritätsgedanke ist unklar. Was heißt Parität, und wie soll sie zum Ausdruck kommen? Versteht man darunter gleichmäßige Zusammensetzung der Beamtenschaft? Damit könnten für absehbare Zeit die Juden ganz einverstanden sein, da ihr Anteil an der Verwaltung sehr gering ist. Oder will man den bebaubaren Boden des Landes zu 50 Prozent für die Juden beanpruchen? Da wir bisher nur 8 bis 10 Prozent davon besitzen, so könnte diese Maßnahme auch, kaum als Entgegenkommen gegenüber den Arabern verstanden werden. Oder meint man Parität in Hinsicht auf die großen Monopolkonzessionen (Ruthenbergs Elektrizitäts-Gesellschaft, Totes-Meer-Konzession)? Da dürften sich gerade von jüdischer Seite Schwierigkeiten ergeben. Man könnte die Beispiele vermehren und gerät nur immer tiefer in die Unklarheit. Was übrig bleibt und wohl vor allem gemeint ist, ist die Parität in bezug auf den Legislative Council oder ein ähnliches Gebilde, das uns vielleicht aufgezwungen werden wird. Mir erscheint ein Fifty-Fifty-Verhältnis von Juden und Arabern in einer solchen Körperschaft zwar tragbar, aber im Sinne der dauernden Verständigung als gänzlich belanglos, weil die arabischen Forderungen davon unberührt bleiben und alle Entscheidungen dann nach wie vor bei den Engländern liegen müßten. An dem Inu. ausländische Hausbesitzer verwalten ihre 1 WIENER HÄUSER durch behördlich konz. Realitätenkanzlei 1 Dr. MAIR RAIS Ü Wien I, Franz« Josefs-Kai 1, Tal. R-21-5.30 Erstklassige Referenzen! VERBAND DER JUDENSTAflTSZIONISTEN Samstag, den 23. Jänner 1937, im Festsaale des Hotel „Continental", Wien II, Praterstraße Nr. 4 GESELLSCHäFTSäBEND mitäkadeiwie'u.'tanz Beginn der Akademie präzise halb 9 Uhr abends PROGRAMM: Hilde Dulilzkaia, Jüdische Lieder / lotet Baar, Simplizissimus / Edmund Helfer, Sieger im Jazzsänger-Wettbewerb, Besitzer des Goldenen Bandes / Martin Möller, Jüdisches Kulturtheater / Lilly Halpern-Karl Schönbarg, musikalische Vorträge / Heiteret Quartett, Jüdischer Gesangverein / Conference: Josef Baar / Musik: Oppermanns Symphonisches Tanzorchester Regiebeitrag S 1.50 Vorverkaufsstellen: Jüdisches Kulturtheater. I, Kai / Buchhanddlung M. Rath, II, Taborstraße 20a / Uhrmacher J. Hauben, II, Taborstraße 39 / Sektion Prater, II, Erlafstraße 5 Mein Schlußwort zur Paritätsfrage Von Bichard Lichtheim, Jerusalem Wie bereits mitgeteilt, hat Herr R. Lichtheim, Exekutive mitgliedder Judenstaatspartei, vor kurzem in Tel-Aviv einen öffentlichen Vortrag gehalten, in dem er die Paritätsformel einer eingehenden Kritik unterzog. Er hat auch seinen diesbezüglichen Standpunkt im Oktoberheft des Mitteilungsblattes des Verbandes Deutscher Zionisten in Palästina dargelegt. Die Ausführungen Herrn Lichtheims begegneten einem Widerstand seitens der offiziellen zionistischen Presse. Der nachfolgende Artikel stellt eine Antwort auf diese Polemik dar. Meine bisherigen Ausführungen in der obigen geht es zunächst und vor allem um die Wirkung auf England, nur beurteile ich eben diese völlig anders als die Verfechter der Paritätsformel. Ich halte es für Selbsttäuschung, von dieser Formel zu erwarten, daß sie Englands Schwierigkeiten erleichtern, seine Bedenken zerstreuen und so die vielleicht drohende Gefahr einer „politischen" Begrenzung der Einwanderung abwehren könne. Da aber gerade diese Wirkung von vielen Zionisten mit so naiver Zuversicht erhofft wird, so will ich nochmals die Gründe zusammenfassen, die gegen die Aufstellung der Paritätsformel sprechen:

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