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Die neue Welt · 1937-01-08 · Heft 621 (8.1.1937) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 621 (8.1.1937)
Date
1937-01-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE 'NEUE" WELT Nr. 621 vom 8. Jänner 1937 Vor der Kgl. Kommission Benachteiligung bei öffentlichen Arbeiten Aus Jerusalem: Der Leiter des politischen Departements der Zionistischen Exekutive, Mosche Shertok, erschien abermals vor der>Kgl. Kommission, um sich über die Forderung der Juden nach stärkerer Berücksichtigung bei der Vergebung ö f f e n tlicher Arbeiten zu äußern. Das Verlangen der Juden nach einem angemessenen Anteil an den öffentlichen Arbeiten stütze sich, so erklärte Shertok, in erster Reihe auf das die Zulassung jüdischer Einwanderer .regelnde Prinzip der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes; in zweiter Reihe bleibe die jüdische Gleichberechtigung unvollständig ohne diesen Anteil; drittens liege es im Interesse des Staates, den öffentlichen Dienst von nationaler Unruhe frei zu machen. Shertok führte weiter aus, daß die Leistungen der Juden für die Finanzen der Regierung 60 Prozent der Gesamteinkünfte erreichen, obwohl die Juden nur 30 bis 33 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. Die Juden verlangen jedoch bloß; daß ihnen entsprechend ihrer Zahl ein Anteil von dreißig bis dreiunddreißiig Prozent an allen öffentlichen Arbeiten zugestanden werde. Den Arbeitsverhältnissen in den palästinensischen Häfen und bei den Eisenbahnen sich zuwendend, stellte Shertok fest, daß von den Passagieren der palästinensischen Bahnen 65 Prozent Juden sind, während unter den 4300 Eisenbahnangestellten nur 305, also nur? Prozentjuden sind. Wir wollen, sagte Shertok, Juden nicht nur als Passagiere, sondern wir verlangen auch den uns zukommenden Anteil an der Arbeit bei den Bahnen. . Sir. Laurie . H a m m o n d fragte, wie hoch die Lohne seien, die Juden und Araber erhalten. Shertok antwortete, die arabischen . Arbeiter bekämen einen: Taglohn von 80 bis 130 Müs, diejüdischen Arbeiter im Durchschnitt einen Lohn von 170 bis 200 Müs (1 Mil zirka 3 Groschen). Sir Laurie Hammond: Also fast das Doppelte? Shertok: Jawohl. . SirLaurie Hammond: Sollen wir'annehmen, daß ein Jude die Arbeit von zwei Arä'bern leistet? Shertok antwortete, daß der Jude bei Benutzung von Maschinen häufig sogar acht- bis. zehnmal so viel, leistet wie .ein.. Araber. Sir Laurie -Hammond: Ware es' nicht für die Regierung zu teuer? . Shertok: Nein. Bei Ajbjitsver^r,g.gefl,irait der,,Regierung handelt es sich nicht um Löhne. Wir sind bereit, zu deng,l e i c h e n Bedingungen ohne Herabdrückung der Arbeitslöhne Arbeit zu übernehmen. : Sir Morris Carter: Woher sollen die Araber Arbeit bekommen? . Shertok antwortete, die Juden beständen nicht darauf, daß ihr Anspruch auf Beteiligung an öffentlichen Arbeiten maximal erfüllt werde. Außerdem wachse der Umfang der Arbeit im Lande ständig; es sei unzulässig, daß die Jiiden daran nicht beteiligt werden sollen. , Der Vorsitzende der Kommission, Lord Peel, fragte, ob es nicht besser wäre, bei der Erörterung dieser Angelegenheit die P a 1 ä s t i n e n s e r im allgemeinen statt der Prozentsätze von Juden und Arabern ins Auge zu fassen. Shertok: Vielleicht in Zukunft. Heute jedoch, wo die Juden von den öffentlichen Arbeiten fast völlig ausgeschlossen sind, fordern sie ihren Anteil. Lord Peel': In welcher Zukunft? Shertok: Wenn der politische Streit zwischen Juden und Arabern' beigelegt ist und auf wirtschaftlichem Gebiet die Löhne von Juden und Arabern angeglichen sind. Zürn Schluß verlangte Shertok, daß den Stadtgemeinderi von Jerusalem und Haifa der Auftrag erteilt werde, entsprechend dem Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung dieser Städte den Anteil der Juden an*den städtischen Arbeiten und im Verwaltungsdienst um 50 Prozent zu erhöhen. Arbeiterführer vor der Kommi§§eon Aus Jerusalem: Die Sitzung der Kgl. Kommission vom 30. Dezember war zum größten Teil von der Vernehmung des Hauptschriftleiters der zionistisch-sozialistischen Tageszeitung „D a w a r", Berl Katznelson, ausgefüllt. Katznelson brachte die Beschwerden des Jüdischen Arbeiterverbandes Palästinas (Histadruth Haowdim) vor. Er betonte, daß die jüdische Arbeiterschaft sich den.. Forderungen der Jewish Agency for ,Palestine voll anschließe. Der Arbeiterverband habe sich vor allem über den Mangelan S y m p a t h i e bei den Behörden für die Lage der jüdischen Arbeiter, zu beschweren.. Der Zeuge führte auch Klage über den unzureichenden Anteil, der den jüdischen Arbeitern in 4en H ä f e n und bei den Eisenbahnen sowie bei der Polizei eingeräumt werde. Sir Horace Rurnbold: Es ist möglich, daß es andere Gründe für die Weigerung der Regierung,- jüdische Arbeiter zu beschäftigen, gibt. Es ist aber auch möglich, daß sie dies tut, weil sie Unruhen befürchtet. Katznelson: Wenn dem so ist, dann sind wir Bürger zweiter Klasse. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen stellte Katznelson es entschieden in .Abrede, daß die Beschäftigung von Juden die Unruhen verursacht habe. Bei einem gut organisierten Regierungsapparat könne es zu solchen Unruhaen nicht komrrlen. Die Palästina-Regierung bekenne sich zwar zu dem Prinzip der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit, sie interpretiere jedoch diesen Grundsatz in einer für die Juden ungünstigen Weise. Sir Laurie Hammond: Vielleicht ziehen die jüdischen Arbeiter das Leben in der Stadt vor. Katznelson verneinte dies und wies darauf hin, daß die Histadruth die Juden für Landarbeit ausbildet. Allerdings kommt es vor, daß einzelne das Dorf verlassen. Es gibt aber sowohl in der Stadt als auch auf dem flachen Lande Arbeit genug. Sir Laurie Hammond: Warum kann die Polizei keine Juden für die P o 1 i z e i p o s t e n auf dem Lande bekommen? 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Uli 1 f BA UKDRE 1 Fl. 3.80 I Weingeist 96% WB&ilfflf& WEINE 1 Fl. 1.60 I und Essenzen IX, Porzellangasse 64, nächst Franz-Josefs-Bahnhof Vorsitzender Lord Peel: Im letzten Jahr sind 60.000 jüdische Einwanderer zugelassen worden. Katznelson erklärte, dies sei eine großherzige Maßnahme gewesen. Aber in früheren Jahren und in diesem Jahr ist die Zahl der zugelassenen Einwanderer zu klein. Als Lord Peel bemerkte, es habe besondere Gründe dafür gegeben, daß in den früheren Jahren nicht mehr Einwanderer zugelassen wurden, erwiderte Katznelson, seiner Meinung nach seien diese Gründe nicht schwerwiegend genug, um Familientragödien zu rechtfertigen. Neusten £dtsteik-$MitHeesk$ Berl Katznelson erhobgegen die Palästina- Regierung die Beschuldigung, : daß sie bei Z uteiTun'g von Staatslandereien an Siedler mit zweierlei Maß mißt und damit direkt gegen das Mandat verstößt. Obwohl das Mandatsstatut die ausdrückliche Bestimmung enthält, eine zusammenhängende Siedlung von Juden durch Zuteilung von Staatsländereien zu ermutigen — eine ähnlich lautende Bestimmung hinsichtlich der A raber enthält das Mandat nicht—, hat die Regierung auf diesem Gebiet zugunsten der Juden nur sehr wenig getan, und wo ja, wurden den Juden ganz große Opfer zugunsten der A r a b e r auferlegt; hingegen habe die Regierung den Arabern, sogar den reichen Effendis, große Ländereien unentgeltlich überlassen. Die Juden aber müssen sich jeden Fußbreit Bodens im Schweiße ihres Angesichts und durch sehr große Geldopfer erkaufen. Noch heute besitzt die Regierung große Ländereien, die wüst und öde sind. Die Regierung weiß es, daß die Juden Meister in der Umwandlung von Wüsteneien in fruchtbare Felder sind, während die Araber bis jetzt ihre Meisterschaft in der Verwahrlosung guten Bodens bewiesen haben. Doch die Regierung lernt nichts aus Erfahrungen. Als zweiter Vertreter der Arbeiterpartei beschwerte sich der Vizebürgermeister von Tel-Aviv, Dow Hos, darüber, daß die Regierung die Mandatsverpflichtung, den Aufbau des Jüdischen Nationalheims zu ermutigen, in gar keiner Weise erfüllt. Nicht nur übergeht die Regierung die Juden bei Vergebung öffentlicher Arbeiten, sondern sie mischt sich auch bei Vergebung städtischer Arbeiten in einer den Juden ungünstigen Weise ein. Als Histadruth-Vertreterin wurde auch Frau Golde Myerson vernommen. Sie formulierte die Forderungen der Frauen nach Gleichberechtigung ini staatlichen und bürgerlichen Leben; nach Wahlrecht zu den Munizipalitäten und anderen öffentlichen Institutionen. Weitere Einvernahmen Aus Jerusalem: Die Kgl. Kommission hat iii einer nichtöffentlichen Sitzung den Oberkommandierenden der Dritischen Streitkräfte in Palästina, Generalleutnant J. G. Dill, den Distriktskommissär fUr den Norddistrikt, Edward Keith Roach, und den Generalinspektor der Palästina-Polizei und, der. Gefängnisse, Roy Godfrey B„ S p i c e r, vernommen. Auch machten der Bürgermeister von Tel-Aviv, Israel Rokach, und der Stadtverordnete Nadivi Bekundungen vor der Kommission. Kritik an der Kommisfion Aus Jerusalem: In der jüdischen Oeffentlichkeit Palästinas herrscht starke Erregung darüber, daß der stellvertretende Vorsitzende der Kgl. Kommission, Sir' Horace Rumbold, in einer Bemerkung von den Juden als von einer in letzter Zeit nach Palästina gekommenen „fremden Rasse" gesprochen hat. Diese Aeußerung des stellvertretenden Kommissionsvorsitzenden wird von der gesamten hebräischen Presse scharf kommentiert. Es wird erklärt, daß Sir Horace Rumbold damit sich einer offenbar einseitigen Stellungnahme befleißigt und die Objektivität, zu der die Mitglieder der Kommission verpflichtet seien, verletzt habe. Diese Aeußerung, so wird in den Zeitungen ausgeführt, lasse darauf schließen, in welchem Geist das Palästina- Mandat und das Jüdische Nationalhelm von diesem Mitglied der Kommission werden behandelt werden. Araber gehen vor Kommission Aus Jerusalem meldet Reuter: In TJebereinstimmutig mit dem Wunsche der arabischen Führer hat das Arabische Oberste Komitee beschlossen, die arabische Sache der Königlichen Kommission zu unterbreiten. Diese Nachricht stammt aus zuständiger Quelle. * Als aus London die Nachricht kam, daß eine Königliche Kommission „zur Prüfung der Beschwerden seitens der Juden und Araber" nach Palästina kommen werde, hat die Zionistische Organisation unverzüglich ihre Haltung in positivem Sinne kundgetan, das heißt, beschlossen, vor die Kommission zu treten. Die Araber verhielten sich ablehnend. Jetzt, da die jüdischen Instanzen bereits vernommen worden sind, haben sich die arabischen Führer entschlossen, die „arabische Sache", wie es in der Reuter-Meldung heißt, vor der Kommission zu vertreten. Bs scheint sich also um eine arabische Offensive auf politischem Gebiet zu handeln. — Die Redaktion. Eime Riditigstellting In unserer Nummer 619 vom 81. Dezember 1986 brachten wir eine Meldung der Jüdischen Telegraphen- Agentur (J. T. A.), welche dahin lautete, daß dem Führer der Judenstaatspartei, Meir Großmann, seitens der Zionistischen Exekutive, unter Berufung auf die zionistische Disziplin, verboten wurde, vor der Königliohen Kommission zu erseheinen, bzw. auszusagen, und daß Meir Groß mann sich diesem Verbot gefügt habe. Wir liaben dazu bemerkt, daß wir Erkundigungen in Palästina einholen werden und bis dahin der J. T. A. die Verantwortung für die Meldung überlassen. Auf unsere Anfrage hat Meir Großmann telegraphisch mitgeteilt, daß die Meldung der J. T. A. zur Gänze unrichtig sei; ein Verbot seitens der Exekutive sei in keiner Form erfolgt. Herr Großmann wird im Sinne der von der Leitung der Judenstaatspartei gefaßten Beschlüsse handeln. TELEGRAMM kommet samstag, 30. Jänner 1037 / 23 uhr / ronaoher / stop / llJJllJ9ili.£?L.~i-?i?rhilfe" / Ohrenprotektorat Präsidium der israelitischen kultwsgemeinde / s^op / akademie hervorragender j kunatkräfte mit tanz / stop / Veranstalter : jüdisoherklubderj jungen, kartenvorverkauf ab montag / nähere"^SraohsTe^umln^ir

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