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Die neue Welt · 1937-01-08 · Heft 621 (8.1.1937) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 621 (8.1.1937)
Date
1937-01-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 220 Gr Of dien fretag, den 8« Htmtt f#3f U* fabrgang Nt«02f V«t»*b DIE NEUE Leitung vonf Verleger versende* „Journal eip&Ue päT l'editeur" 187 Tit'4 ÜIiiv^i<ÄtsbibIi, - - _ ^biblfothek^l REVUE BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monaülch S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—r Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50f Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—} Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vlerteN jährig Dinar 40.—: Bümänlen monatlich Lei 60.—, vierteljährig Lei 150.—} DentscWand monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—} Bulgarien monatlich Lewa 80.—, vierteljährig Lewa 80.—} Italien monatlich Lire 6.—, vierteljährig Lire 14.—i Schwei« und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.80* Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8, Tel. A-20-2-78 - Ersdieini Dienstag a. Freitag Die „Neue Welt" und Spanien r Eine Antwort In der Zeitung „Neue Ordnung", Monatsschrift für katholische Sozial-, Wirtschafts- und Kulturpolitik, erschien ein Artikel „Die Judenfrage im Mittelpunkt des Weltinteresses", von Minister a. D. Prof. Dr. E. C z e r m a k, welcher vorwiegend der Erbringung des Nachweises dient, daß sich die Juden der Führung im geistigen Leben der großen Nationen bemächtigt haben und diese errungene und erlistete Macht in den Dienst der Freimaurerei und des Bolschewismus, also gegen die heutige religiöse, sittliche und politische Gesellschaftsordnung stellen. Als Illustration werden die Vorgänge um den jetzt in Spanien tobenden Bürgerkrieg herangezogen. Professor Czermak behauptet, daß die Juden in aller Welt und aller Geistesrichtungen für die Kirchenschänder und Priester- und Nonnenmörder in Madrid und gegen die für religiöse und sittliche Ordnung kämpfenden Franco-Männer in Badajoz eingestellt sind. Und in diesem Zusammenhange erwähnt er auch „Die Neue Welt". Er schreibt: „Daß das Judentum nahezu in seiner Gänze im Falle Spaniens atpfeefte des Bolschewismus steht, ergibt sich täglich aus der Stellungnahme der jüdischen und Judenfreundlichen Blätter, ergibt sich z. B. aus der Tatsache, sogar die ä n t i m a r x i s t i s c h e „N e u e , W e 11" in Wien, aus ihren Sympathien für die Madrider Regierung kern Hehl macht. Die. spanischen. Ereignisse werden wohl vielen die Äugen öffnen, die bisher an die Zusammenhänge zwischen dem Judentum und dem Bolschewismus nicht glauben wollten..." Wann und wie hat die „Neue Welt" den „Sympathien für die Madrider Regierung" Ausdruck verliehen? Man kann das Blatt von vorne nach hinten und von hinten nach vorne durchblättern und wird nicht daraufkommen. In der „Neuen Welt" wurde einmal zur spanischen Frage eindeutig und grundsätzlich Stellung genommen, und zwar am 12. August 1936 in einem Leitartikel. Da hieß es u. a.: „Die spanische Revolte hat sich aus kleinem Format zu einer gewaltigen Kraftprobe zwischen zwei Gruppen und zwischen zwei politischen Anschauungen entwicklt. Sie gibt Anlaß zu Betrachtungen aller Art, vornehmlich zu Auseinandersetzungen, welche je nach Sympathie oder Antipathie ihren Ausdruck auch in der Weltpresse finden.'* „Wir Juden müssen auch ideologisch Zurückhaltung üben. Keinerlei Wohlwollen oder Mißwollen gegenüber einem der kämpfenden Teile vermag unsere Situation zu klären. Auf jeden Fall sind wir Mißdeutungen ausgesetzt. Wir können nicht sagen, daß die Aufständischen, die sogenannten Nationalisten, ihrem Kampf gegen die spanische Republik den Sinn einer Abwehr des Bolschewismus unterschieben. Wir hüten uns, auszusprechen, daß die legitime Regierung Spaniens tatsächlich in der Lage sein wird, Spanien das seelische Gleichgewicht zu geben, dessen es so sehr bedarf. Rechts oder links — wir befinden uns in der Klemme. Wir liegen in der Mitte, bedroht so lange, als der Kampf fortdauert. Die bolschewistisch e K n u t e hat uns viele, zu viele Opfer gekostet. Der antisemitische Rechtsradikalismus schürt überall gegen uns und will uns sogar für die spanischen Volksfront- Grausamkeiten verantwortlich machen; Wir weisen beiderlei Deutungen, Unterstellungen, Verdächtigungen zurück. Wir verkennen die Gefahren nicht, die uns von der extremenRechten oder extremen Link eh drohen. Was wir — auch für Spanien — wünschen, ist die Wiederherstellung der Ruhe, die Schaffung eines Zustandes, der ein Leben nach den Gesetzen menschlichsittlicher Ordnung gewährleistet..." „Wir sind weder die Urheber noch die Nutznießer, wir sind die Leidtragenden der tragischen Geschehnisse in Spanien."^, -": Darin kann wohl weder der beste, noch der schlechteste Willen Sympathien „ohne Hehl" für die Madrider Volksfrontregierung feststellen, wie dies Professor Czermak tut. Die Sache ist nur so zu erklären, daß er etwas meint, was er aus irgendwelchen Gründen nicht aussprechen will. Ihm fehlt in der , .Neuen Welt'' die Stellungnahme für die R eg i e r u n g d e s G e n e r a^ s F r a n c o und er erblickt anscheinend schon: darin eine. Stellungnahme für die unter bolschewistischem Einfluß stehende Madrider Volksf ront-RegierühgTv Ja, die .'jiNeue Wdi'V.^iramt. -,sjch das. Recht, gegen, Madrid und gegenv Badajoz zu sein, in ^■'^■■■■■***rw-: '^n Interesse^ wird V probeweise einen Monat lang gratis versendet. Bekanntgabe von Adressen an die Adm. d. Bl. Projekte um Palästina Palcor meldet aus Jerusalem unter dem 3. Jänner: Wie bereits gemeldet, beschäftigt sich Emir Abdullah mit dem Projekt, die Kreise von Sichern und Djenin an Trans Jordanien anzuschließen und aus diesem vergrößerten Territorium ein Königreich unter seiner Herrschaft zu errichten. Ueber diesen Plan sind in der arabischen Presse Syriens verschiedene Nachrichten erschienen. Auch der extrem-radikale arabische Politiker Mohammed Al-Din, welcher zu den führenden Persönlichkeiten der Istaklal- Bewegung gehört, meldet sich zu Wort. Er erzählt, daß Emir Abdullah einen Plan bezüglich eines Staates ausgearbeitet habe, der Palästina und Transjordanien umfassen und an dessen Spitze er selbst als König dieser vereinigten Länder treten soll. Während der letzten Ereignisse, schreibt der arabische Politiker weiter, haben sich die diesbezüglichen Hoffnungen Abdullahs verstärkt, aber inzwischen kam eine Aenderun'g des Planes, die sich darin ausdrückt, daß an Transjordanien bloß die bereits erwähnten palästinensischen Kreise von Sichern und Djenin angeschlossen werden sollen. Die übrigen Teüe Palästinas, ausschließlich Jerusalems, welches ein eigenes Statut bekommen soll, werden in ein englisches Dominion umgewandelt werden. Mohammed Al-Din behauptet, daß sowohl die Engländer als auch der Emir mit dem Plan einverstanden sind. Als Beweis dafür könne die Tatsache dienen, daß die Engländer sich gar nicht bemüht haben, den Juden den Zutritt zu den beiden Distrikten Sichern und Djenin zij erleichtern, sie vielmehr darin gestört haben. Trotz dem Ernst, mit welchem dieser Plan in der syrischen Presse behandelt wird, muß man sich zu ihm reserviert stellen. KOHLE KOKS ANTHRACIT BÄSCH IV, ARGENTINIERSTRASSE 22 - TEL. 047-5 Inhaber Dr. Richard Basoh bequefae «■« -Sonderreise POLEN czerkowitz ■ WHWlV UND BERLIN Abfahrt: 24. Jänner 1937 Anmeldungen: Poln. RelsebUrO „ORBIS11 I. KärntneratraDe 41, R-21-5-78 Oesterreichisches Verkehrsbüro I. Frledrlchstraße 7, B.27.500, 1. Graben 20, IM9.0.31 beiden Regierungen Elemente zu erkennen, welche ihr Land und ihr Volk ins Unglück stoßen und die ganze Welt in schreckliche Gefahr bringen. Und wenn die „Neue Welt" sich auf diesen Standpunkt stellt, befindet sich sie in einer Gesellschaft, die auch Professor Czermak nicht als schlechte oder gar „verjudete" bezeichnen konnte, denn — er befindet sich selbst in ihr. Die „Neue Ordnung", in welcher er über Spanien und die jüdische „Neue Welt" schreibt, wird vom christlichen Arbeiterführer Kunschak herausgegeben. Herr Kunschak gibt aber auch die „O esterreichische Arbeiterzeitung" (Zentralorgan der christlichen Arbeiter und Angestellten) heraus. In ..diesem Blatt aber wurde erst vor einigen Wochen','flammender Protest gegen den Versuch erhoben, die Sympathien der christlichen Welt zur nationalistischen Franco-Regierung hinzulenken* Da heißt es: „Wir empören uns gegen den Mord, gegen die Verbrennung der Kirchen und gegen die Ausrottung ihrer Diener. Ebenso lehnen wir flammend ab die Greuel von Badajoz: dort wurde im Namen Jesu Christi und im Namen der heiligen Gottesmutter gemordet. Massen von Arbeitern wurden gemordet in ihrem Namen. Wir sind überzeugt, daß der Heilige Vater die einseitigen Beurteilungen der katholischen öffentlichen Meinung in vielen Ländern ergänzen und die Stimme der Gerechtigkeit erheben wird, um diese schändliche Gotteslästerung zu verurteilen. Die unsozialen, ja sogar antisozialen Traditionen des spanischen Katholizismus tragen ein gerüttelt Maß an geschichtlicher Schuld für das heutige. Chaos." Dieses Zitat aus der katholischen Zeitung hat nicht den Zweck, die Haltung der jüdischen „Neuen Welt" zu begründen. Die „Neue Welt" bedarf dieses Beweises nicht. Das Zitat soll lediglich aufzeigen, daß sich nicht nur Juden, Freimaurer und Bolschewiken, sondern auch gute Katholiken finden, welche sich weigern, dem jetzt vom Dritten Reich und seinen Herren, Hitler und Goebbels, ausgegebenen Befehl Folge zu leisten und in Madrid lauter Teufel und hinter General Franco lauter Lichtgestalten zu sehen. Die „Neue Welt" streitet seit jeher, wie Professor Czermak selbst feststellt, gegen den Marxismus und seine notwendige Folge, den Bolschewismus. Sie tut dies vom jüdischen und allgemein-menschlichen Standpunkt aus, weil der letzte Ausdruck des Marxismus brutale Gewalt und Knechtung sind. Er schafft keinen neuen, besseren Zustand der Gesellschaft, sondern ersetzt nur alte Gewaltmenschen durch" neue, die Großfürsten und Gouverneure durch ebenso allmächtige und ebenso übermütige Beamte, die zaristische'- Ochrana durch die bolschewistische Tscheka. Aber gegen den Marxismus sein, heißt nicht, alles gutheißen, was sich hinter der Firma „Antimarxismus" birgt. Antimarxismus, auf den Fall Spanien angewendet, heißt nicht, den Krieg des General Franco gegen Madrid als Heiligen Krieg für die höchsten Güter der Menschheit erachten. Dieses gegenseitige Morden ist Schande und Unglück nicht nur für das spanische Volk, sondern für alle, Schande vor allem für die großen Kulturstaaten, welche ruhig zusehen oder gar die Besessenen gegeneinander ausspielen, statt dem Morden Einhalt zu tun und das spanische Volk zur Besinnung zu bringen. Ein Sieg der einen über die anderen wird den tödlichen Haß noch vertiefen, er kann nicht Frieden stiften. Dies ist die Meinung der „Neuen Welt",

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