Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 617 (18.12.1936)
- Date
- 1936-12-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 617 vom 18. Dezember 1036 DIE NEUE WELT Seite 3 MARK BROT H j SKANDA1 MIT AUAN JONE« KITTY CAfcLISlB reche: sam wqod KARL FAfcKAS SACT: A . JGuutdt aaX. kk ähnlich 9&u/b3 ZÜte die SCHWEDE N - KINO kfetkeksfuefd An die Kgl. Kommission Eine der sichersten Einnahmsquellen des Streikfonds bleiben die Beiträge der arabischen Regierungsbeamt en, von denen die meisten einen Teil ihres Gehaltes regelmäßig^ zu diesem Zweck abführen. Diese Beiträge sind in arabischen Kreisen das Hauptargument gegen den Beitritt der Beamten zum Streik, da in diesem Fall die Einnahmsquellen versiegen würden. ,,T i m e s", 1936. Die „verdammten Juden" In unserem Wohnhaus (Schule in England) und in anderen Schülerhäusern 'waren auch einige wenige Juden. Sie, hielten sich recht gut, aber es war immer ein Hintergrund von antisemitischen Gefühlen da. Sie waren eben die „verdammten Juden", und bald begann ich fast unbewußt zu glauben, daß es richtig sei, dieses Gefühl zu haben. Aber niemals habe ich wirklich antisemitisch empfunden, und in späteren Jahren hatte ich viele gute Freunde unter den Juden. Führer der ind. Unabhängigkeitsbewegung J. Nehru, „Autobiographie", 1936. Die Araber degenerieren „Schrankenlose Zeugungs- und Befruchtungsmöglichkeit allein erhält keine Basse. Besondere Verhältnisse, Mangel an Verantwortungsbewußtsein und Geschlechtshygiene, Umoissenheit der Mütter^ Inzucht, Mangel an Erziehung der Kinder, Mangel an hygienischen Gesetzen und Befangenheit in religiösen V eberlief ernngen führen bei der, arabischen Basse zur Degeneration und zum Niedergang. Dr. O. Kubitschnig (Jaffa) ^Deutsche Medizinische Wochenschrift", 1936. friarranen in Ast n Wer, mit den Problemen orientalischer Judenheit vertraut, mit offenem Blick durch die Länder Mittelasiens fährt, dem begegnen in manchen Städten, sei es in Irak, Iran, Afghanistan, in Merv, Samarkand, Buchara oder gar in Indien (Bombay) Ablagerungen, Splitter jener asiatischen Marranenbewegung, die selbst noch heute} im Jahre 1936, nicht zum Stillstand gekommen ist. Prof. W. Fi sc hei (Jerusalem) „Bei den Mammen in Mittelasien". Gegen die hl&Ieristisdie Totalität In Oesterreich kennen wir keinen Blutmythus und der Nazismus müßte wohl noch so manche Wandlungen mitmachen, bevor der Ruf „Heil Hitler" nicht mehr als eine Demonstration gegen, sondern als ein Schlachtruf für die österreichische Regierimg gelten kann. Solange der Hitler-Gruß ein weltanschauliches Bekenntnis ist, das durch seinen Totalitätsanspruch den österreichischen Katholizismus und dadurch das Oesterreich-Bekenntnis gefährdet, ist an einen „Zusammenschluß der Geister" nicht zu denken und der 11. Juli muß eben eine rein außenpolitische Angelegenheit bleiben, die auf den Kampf gegen den österreichischen Nazismus keinen Einfluß gewinnen darf. „Sturm über Oesterreich", 13. Dez. 1936. Wien und Europa Abgesehen von den slawischen und magyarischen Elementen des österreichischen Volkstums, haben Italien, Frankreich und Spanien entscheidend mitgewirkt an der Entfaltung der Kultur Oesterreichs und Wiens, Wien war stets eine europäische Weltstadt, in seinem geistigen Charakter näher Paris als Berlin. R. N. Coudenhove-Kalergi: „Europa ohne Elend", 1936. zilMa" ohne Dividende Wie wir aus Berlin erfahren, fand vor einigen Tagen die Generalversammlung der „Ufa", des größten deutschen Filmkonzerns, statt. Die Generalversammlung beschloß, abermals keine Dividende auszuschütten. Hugenberg, der Vorsitzende des Aufsichtsrates, legte in einer längeren Rede die Situation des deutschen Filmmarktes dar. Er erklärte, daß sich die Auswirkung des antideutschen Boykotts im Ausland besonders beim Ufa-Filra bemerkbar gemacht habe. Die Ausführungen des ehemaligen Großdeu|scheii Hugenberg, Ministers im ersten Hitler-Kabinett, bezeugen den Erfolg des Naziboykotts. Bezüglich der „Ufa" kann man sagen, daß nicht allein die Einstellung gegenüber dem Dritten Reich, sondern auch die Minderwertigkeit der Im Zeichen der neuen deutschen Kultur stehenden Filme tten Rückgang des Besuches bewirken. // Wien, 17. Dezember. Es gibt gewisse Kreise in Oesterreich, die sich durch nichts so getroffen fühlen, wie durch den Vorwurf, nicht antisemitisch oder zu wenig antisemitisch zu sein. Sie kämpfen mit Fanatismus gegen diesen Vorwurf und glauben damit, einem offiziell nicht ausgesprochenen Kurs zu dienen. Hauptsächlich geht es darum, die nazistischen Wellen zu beruhigen; zu beweisen, daß man sich im Punkte „Jud" auf sie verlassen kann. Und hauptsächlich dient dieser Antisemitismus der Widerlegung des Vorwurfs, daß man in Oesterreich nicht genug — deutsch, ja deutschtumsfeindlich sei. Zu solcher Betrachtung wird man des öfteren angeregt, wenn man die österreichische Provinzpresse liest. So findet man beispielsweise im „Vorarlberger Volksblatt" (3. Dezember 1936) einen Aufsatz, der die Unzufriedenheit Hitler-Deutschlands mit Oesterreich in gewissen Belangen zum Inhalt hat. „Ein drittes, das uns vorgeworfen wird und von dem man die Deutschtumsfeindlichkeit Oesterreichs ableitet", heißt es in dem Aufsatz, „ist die verhältnismäßig starke Stellung des Judentums in Wien. Es stimmt, daß das Judentum zahlenmäßig und wirtschaftlich in Wien sehr stark ist und daß ihm Sehranken gesetzt werden müssen. Oesterreich wird es sich allerdings nicht leisten, mit solcher Deutlichkeit und Rücksichtslosigkeit gegen das Judentum aufzutreten, wie das große Deutsche Reich und damit die Rache des Weltjudentums auf sich zu ziehen. Noch niemand weiß, wie sich in Deutschland der schroffe Kampf gegen die Juden zu allerletzt auswirkt." Also sachte, sachte! Während man in Deutschland gegen die Juden unter der Parole „Immer feste DaHu W%***m Ql Mieder> Handarbeiten BJ^JHy V^%*jlkCi Trachtenzubehör h Qöttweihergasse 1, Telephon R-21-8-27 Bitte, angefangene Handarbeiten beizeiten zum Fertigmachen zu Frau Pexa zu geben, damit sie bis Weihnachten fertiggemacht werden können. Spezial¬ Monogramme sticken für Herren-Cachenez. Der rechte Weg // druff!" loszieht, soll nach dem Vorschlag des „Vorarlberger Volksblatt" in Oesterreich die Sache mit Glacehandschuhen gemacht werden, gemütlich, unmerklich, sozusagen hinter den Kulissen. Denn man weiß nicht, wie's ausgehen wird. Die Furcht vor den Folgen ist die einzige Kraft, welche verhindert, daß mit der hitleristischen Deutlichkeit und Rücksichtslosigkeit gegen das Judentum auch in Oesterreich aufgetreten werde. „Es ist auch falsch", schreibt das Blatt weiter, „wenn man von „nationaler" Seite behauptet, Oesterreich tue gar nichts gegen die Juden. Der Einfluß der Juden wird in Wien immer mehr zurückgedrängt, freilich nicht durch schroffe Mittel. (Wiederum Glacehandschuhe. Anm. d. Red.) Junge jüdische Aerzte z. B. tun sich heute in Wien schwer, in einem städtischen Spital unterzukommen. Im Ausland schreien die Juden überall herum, daß sie in Oesterreich unterdrückt würden. Das ist doch ein Zeichen, daß in Wien der rechte Weg betreten wurde." Uns ist zwar von einem Herumschreien der Juden Oesterreichs im Ausland nichts bekannt, aber das Bekenntnis des Blattes, daß die Juden Anlaß zum Schreien haben, ein Beweis für unsere oft wiederholte Feststellung, daß verantwortliche Wiener Stellen einen bewußt antijüdischen Kurs forcieren. Das Geständnis des antisemitischen Blattes, man habe in Wien den rechten Weg betreten, indem man die Juden ausschaltete, z. B. die jungen jüdischen Aerzte aus den städtischen Spitälern, ist nicht uninteressant; zumal eine gewisse Wiener Presse von einer „Ueberfremdung" der Wiener Aerzteschaft spricht und manchmal sogar einen numerus nullus vorschlägt. Viel interessanter aber ist das Geständnis des Blattes als die Zurückweisung des Vorwurfs, Oesterreich sei nicht antisemitisch. Das „Vorarlberger Volksblatt" muß sich rechtfertigen, muß Oesterreich in Schutz nehmen — vor der „nationalen", d. h. nationalsozialistischen Seite; muß sich quasi entschuldigen, daß man in Oesterreich den gemütlichen und nicht den rücksichtslos-deutschen Antisemitismus praktiziere. Da kann man nur sagen: Weit gebracht! Vor der Kgl. Kommission Zur Bodenfrage In öffentlicher Sitzung der Kgl. Kommission erklärte Dr. Ruppin, die Regierung sei verpflichtet, die Mandatsbestimmungen, in denen von Erleichterung geschlossener Ansiedlung von Juden auf dem Lande die Rede ist, durchzuführen. Selbst wenn man die ungeheuren Bodengebiete in Transjordanien und in der Gegend von Beer Schewa in Palästina nicht berücksichtige, gebe es auch in Mittelpalästina sehr große Möglichkeiten für eine energischere Entwicklung der Landwirtschaft. In anderen Ländern des britischen Imperiums, stellte Dr. Ruppin fest, werde von den Regierungen sehr viel unternommen, um die Entwicklung der Landwirtschaft zu fördern. In Palästina aber geschehe in dieser Beziehung durch die Regierung so gut wie nichts. Die Juden besitzen Kapital, die Araber Boden. Die Regierung unternimmt jedoch nichts, um einen Ausgleich zu beiderseitigem Vorteil zu fördern. Es ist durchaus möglich, eine Lösung des Bodenproblems in Palästina zu finden. Als nächster Zeuge erschien das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency Dr. Maurice B. H e x t e r vor der Kommission. Sir Laurie Hammond: Sind die Juden bereit, Araber auf Besitzungen des JüdischenNationalf onds zu beschäftigen? Dr. Hexter: Ich habe über diese Frage, deren Beantwortung jetzt von mir verlangt wird, gründlich nachgedacht. Ich sage: Wenn die Araber ihren Arbeitsmarkt den Juden öffnen werden, dann werden wir unsere Stellungnahme erwägen. Dr. Hexter unterzog darauf die Haltung der Regierung in der Frage der Bodenmelioration in Palästina einer kritischen Erörterung. Die Sümpfe in verschiedenen Gegenden des Landes könnten sehr gut ausgetrocknet und in fruchtbares Land verwandelt werden. Ebenso sei es möglich, Böden in den Gebirgsgegenden kulturfähig zu machen. Zu alldem seien bloß entsprechende Arbeiten erforderlich. Dr. Hexter betonte weiter, daß die Regierung keinen richtigen Ueberblick über die anbaufähigen Bodenflächen in Palästina und keine richtige Vorstellung von dem Begriff der Kulturfähigkeit habe. Sie unterschätze vielmehr gewöhnlich diese Möglichkeiten. Die Regierung besitze keine genaue Uebersicht über die Ländereien, die kulturfähig gemacht werden können. Es sei nicht in Ordnung, daß die Regierung sich bei ihren Berechnungen auf Hypothesen stütze, sie müßte vielmehr vorher eine genaue Bodenregistrierung vornehmen. Lord Peel: Sind Sie der Ansicht, daß es in Palästma wenig Boden gibt, der nicht kulturfähig gemacht werden kann? Dr. Hexter: Jawohl. Ich behaupte nicht, daß jeder Quadratmeter Boden sich kultivieren läßt. Aber von 600.000 Dunam, die in Palästina jetzt in Anbau genommen werden, hat die Regierung seinerzeit bloß 150.000 Dunam-für anbaufähig bezeichnet. Im weiteren Verlauf seiner Aussagen befaßte sich Dr. Hexter mit der Verpachtung von Staatsländereien an Juden. Er erklärte, nach den Aufstellungen der Regierung seien 180.000 Dunam an Juden verpachtet worden. Aber das ist falsch. Wenn man die Sanddünen, Felsgelände und Sümpfe sowie die Böden abzieht, die an die Palestine Potash Company, die Ruthenberg-Elektrizitätsgesellschaft, die Kadoorie Ackerbauschule und andere nicht ausgesprochen jüdische Unternehmen verpachtet wurden, so bleiben nur 3000 Dunam kulturfähigen Bodens für den Juden übrig. Sir Laurie Hammond: Was stellen Sie voran: öffentliche Gesundheit oder innere Sicherheit? Als nächster Zeuge äußerte sich Dr. L. Piccard von der Bewässerungskommission des Allgemeinen Landwirtschaftsrates über Bewässerungsmöglichkeiten in Palästina. Beschwerde über Bodentran&aktionen Aua Jerusalem wird gemeldet: In öffentlicher Sitzung wurde Mr. Horowitz, ein juristischer Berater der Jewish Agency, vernommen. Ei« befaßte sich mit dem Problem der Rechtsunsicherheit bei Bodentransaktionen und wies darauf hin, daß der Erwerber nicht ein sofortiges Besitzrecht erlange und deshalb nicht die Möglichkeit habe, einzuschreiten, wenn sein Eigentum willkürlich betreten und besetzt wird. Der Kommissionsvorsitzende, Lord Peel, fragte, ob Abhilfe gegen diesen Zustand möglich sei. Der Zeuge erwiderte, die Regierung müßte für den Schutz des Eigentumsrechtes sorgen und von denjenigen, die das Grundstück besetzen, den Nachweis eines Rechtstitels fordern. Sir Laurie Hammond stellte an Mr. Horowitz die Frage, welche Vorschläge er zu der Verdrängung von Arabern infolge von Bodenkäufen zu machen habe. Der Zeuge antwortete, in der Regel werde den Arabern anderer Boden zur Verfügung gestellt, sie zögen An Interessenten wird DIE NEUE WELT probeweise einen Monat lang gratis versendet. Bekanntgabe von Adressen an die Adnv d. Bl.