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Die neue Welt · 1936-12-09 · Heft 615 (9.12.1936) · page 9

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 615 (9.12.1936)
Date
1936-12-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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NiV 615, rtm ft. Dezember 1936 DDE NEDE WELT Seite 9 Qe8ch8fiszeit vom % t. bit 23. Dezember von 8 bis 7 Uhr fcommen? 'Die heutige chaotische Bmtflechigkeit der ^raelitischen Namen ist das nach innen und außen markanteste, aufdringlichste Kennzeichen israelitischer TJnjüdischkeit, israelitischen „Sich-nicht-gu-erkennen-gebem", israelitischer Zerklüftung." Nun folgen Worte an die Jugend: „...ihr aber, die jüdische Jugend, welche sich als Itebell gegen die Misere antijüdischer Israelitik bekennt, wollt ihr nicht jenem Feloniezeichen modervoller israelitischer Zerklüftung, das leuchtende Bundeszeichen der Achduth, der jüdischen Einheit, die ihr doch zu verwirk- Hchen strebt, entgegenstellen? Wir wollen die Einheitlichkeit der hebräischen Namen, die die Generationen vieltausendjähriger Vergangenheit mit denen der weiten Zukunft verbinden soll" Die Namen, werden beim Namen genannt: „.. .bei euch allen gebe es von jetzt an keinen Fritz und keine Trude, keine Anna, Litt, Jeannette, Gaby, Lissi, Margit, Fantschi, Mizzi, keinen Rudolf, Willy, Erich, James, Moritz, Siegmund — sondern nur Jaakow, nur Rachel, nur Puinah, Thumar, Mirjam, Tirzah, Esther, Athaljah, Scharonalt, nur Ruwen, Elischa, Awihud, Jirmjahli, .Jonathan, Aharon, Elieser, Awigdor, :Eh chanan s....... ,,^\. wollt ihr gegen eine reinere freie .Wandhing die äußerlich erkennbarste, die vorderste anti jüdische. Mimikry,'•' die des Namens, beibehalten? . .." . -; Wie ein „wirklich moderner Jude" nicht heißen kann: „...unter den drei Tugenden, derentwillen 'die' Juden der Erlösung aus Aegypten würdig waren, rechnet der Talmud auch die, daß sie ihre Namen nicht geändert hatten..." Eine richtige Forderung, einer wichtige nationale Sache. Aber daß wir heute, sechzehn Jahre nach Erscheinen dieser Schrift, darüber schreiben müssen* beweist, daß diese Mimikrys noch nicht gebannt sind. Ein wirklich modemer Jude kann doch nicht Isaak oder, Eglirqim jofiex Jakob .heißen!. . .„Der größte .aller, Naturforscher, Newton, durfte Ißak heiße», Lessing Ephraim, Grüner Jakob, ebenso Burckhard, Werner Zacharias, in Skandinavien dürfen sehr viele Rebekka, pina, Esther sich nennen. Ja, die wohl, aber. —. , Vor rund hundert Jahren (18S6) verfaßte ein gewisser Joel Jacoby eine Schrift, die ,J£lagen eines Juden" hieß und unter den Klagen auch die nacltstehende enthalt: „Ach, wir sollen nicht mehr die hellen, schönen Namen der Christen tragen, sondern die dunklen,' häßlicheri der Juden?!" „Tröstet auch, seid still und traget mit Stolz die stolzen Namen der Väter. Das sind Heldennamen,'.ruhmgekrönte Märtyrernamen von uraltem 'Adel, von ^uraltem Ritterschlag, Als das Abendland noch in wüster Roheit .versunken war, da blühten schon eure Namen in unsterblichem Glanz, iveltbeherrschend, welterleuchend und welterlösend. Denn das will ich, euch sagen: Ehe der Zeiger der Geschichte sich wendet, werden manche prunkende Namen des Abendlandes von der Erde weg gemäht, sein, wie Stoppel durch die scharfe Sichel. Aber solange die Zeit währt, werden königlich in ihr thronen die Namen Abraham, Moses, Jesajas!" Die Schande der Namen ist geblieben, obwohl sich vieles — zu unserer Ehre sei's gesagt '— gebessert hat. Nun auch Schluß 'mit der Namensschande. M. S. B. . Manusterpväsialent Skledltowsku zur Sudeiiltage Aus Warschau (J. T. A.): Im polnischen .Sejm gab der Ministerpräsident General Slawoj S k 1 a d k o ws k i ein kurzes Expose" Über die politische Lage und äußerte sich dabei auch zur Judenfrage. Die Regierung, sagte der Ministerpräsident, wird die antijüdischen Ausschreitungen mit aller Strenge bekämpfen. Alle Bürger ohne Unterschied müssen der sozialen Wohlfahrt teilhaftig werden. Indessen begrüßt die Regierung den Drang und den Züg der Bauern in die Städte. Bei der'Wahl in die Kommissionen wurden der jüdische Abgeordnete Minzberg in die'Budget- und in die Handelskommißslon; So mm erste in in die administrative und die juridische Kommission, Rabbiner Rubinstein in die Bildungs- und die Gesundheitskommission, Dr. 'G b 1.11 i e b in die Finanzkommission gewählt. Petaoh Tikwa wird Stadt Aus Jerusalem: Die jüdische Siedlung Petach Tikwa, die bereits 18.000 Seelen zählt, wird dieser Tage zur Stadtgemeinde erhoben werden. Den gesetzlichen Bestimmungen zufolge wird die Wahl der Stadtvertretung erat in einem Jahr itaUfindeja.- JU SCHIFFMANN TajUsmi Damen-Mäntel Hubertus-Mäntel für Damen und Herren ..... S 17.90, S Dunkelblaue Mäntel ganz gefuttert, mit Pelzverbrämung S 29.—, ohne.....S ttoucie-MSnftel mit Fucbslamm-Schalh»»gen, ganz gefüttert. . S Noppen« Boucle-Mäntel mit Sllberfuchslamen-Sehalkragen oder Lincoln- Zackenkragen, ganz Kunstseiden-Mongol gef. . S Cape-Mäntel mit zwei Reihen echter Pelzverbrämung und ausgearbeitetem Kopf ........ . . . S Feine Boucle«MänteS mit echt Whitecoat-Verbrämung, Kunstseiden- Mongol gef., schafwollwatt, Mode-Aermelpartie S Alles auch für starke Frauen! 13 19 39 49 59 79 fdrnmx Duo at&t fiiv \ QQ 2Bä d)e, Einums S JU6ef S^Siiafr'öcke, Kleider, Flanell-Schlafröcke, Kragen u. Manschetten andersfarbig................ S Geblümte,,Flanell-Schlafröcke, schöne Muster Kunstsei^^l^rSc^afrööke^ gesteppte Revers Tweedc$er Schbtten-Flanell-Kleider . .'■ Sport-Kleider' aus gewebten Mode-ScHötten . 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S 5.90 Streiffiancll-Nachthemdeh, komplett groß . ". . S 5.90 Flanell-Dressinggown S 9.80, Flanell-Pyjama . . S 8.90 Sü'Äoinbinolion 2ÖoUouftoff»jölufc u, @ft* flQ fobett-frofe, airammett S uo+ Strumpf-, Strick-, ^Mimwaren Damen-Winter-Strümpfe, gerippt . . . . . . Damen-Kunstseidon-Strümpfe, feinmaschig . Pullover u. Westen, langärmlig, für Dame od. Herr Sohafwoll-Pullover oder rWesten, für Damen . . Noppen-Westen, mit Kragen, für starke Frauen . Sport-Pullover, Schafw., mit^Rollkrägen, buntfarb. Damen-Perl-Loibehen, mit langen Aermeln . . Damon-Interlock-Unteraiehhosen, alle Gr. . .. ... Herren-Pelshosen S 2.90, Damen-Pelzhosen . . . Kinder-Trainings-Änzüge, Gr. I . . . . . . . S .69 1.68 8.75 5.90 5.00 7.90 -.69 1.25 1.45 2.90 «M.uttMtokin«i 6ttti»ctt-^cwiift6ttfte g^ffiten 2.40 Aus der Schuh-Abtettuns Warme Hausschuhe,. m.Umschl., Filzu.Ledersöhle S 1.95 Damen-Lackspangen-Sohuhe, mit Festabsatz . . S 9.90 Damen-Sämisch-Binde-Schuhe, mit Kubaabsatz . S 12.90 Herren-Boxcälf-Halbschuhe, mit .proüponflphle . S 18.90 Wienerwald-Stiefel, Lederfütter und Crouponsohie S 14.90 Damen-Gummi-Schneeschühe, schwarz, Gr. 36, 42 S 7.90 Klnder-Gummi-üeberstlefel, "unkurant, bis Gr. 38 S 5.90 8ic0e»leiict'0DiiWaf«e s.sstsST" ftttfffft Große Judendebatte im polnisehen Parlament , Aus, Warschau: Der Sejmdeputierte Rabbiner Rubinstejn aus -Wilna brachte im Sejm, im Namen des Jüdischen Parlamentsklubs eine Interpellation an die Regierung ein, die die pogromartigen Ausschreitungen gegen die Juden in Wilna im Verlauf der letzten Wochen zum Gegenstand liatte. Sämtliche jüdischen Z ei tun gen, die den Text der Interpellation abdruckten, verfielen der K oin f i s k a t i o n. . In der Sitzung des Sejm am 2. Dezen-roer entwickelte sich im Anschluß an die Interpellation eine Debatte Uber die Juden frage in Polen. Der Abgeordnete der Regierungsfront- Surzynski, gab seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß der polnische Außenminister Oberst Joäef Beck sich .yor. dem Vö 1 kerbund, mit jüdischer, Auswanderung und Kolonisation befaßt ^abej, denn es sei „notwendig, daß die Zahl der Juden in Polen, -mlsbesondere in den. Städten, drastisch verringert" werde. Der Redner forderte eine „humane Lösung" der Judenfrage durch Organisierung der Auswanderung. Der Abgeordnete R u d z i n s k i, der sich im vergangenen Jähr besonders durch sein eifriges Eintreten für das Schachterverbot hervorgetan hat, erklärte, die gestrige Rede des Ministerpräsidenten über die Unterdrückung judenfeindlicher Ausschreitungen und die von •dem Ministerpräsidenten als erfreulich bezeichnete Tatsache, daß polnische Bauern jetzt in die Städte einströmen, habe ihn nicht befriedigt. Dies sei nicht genug, es sei vielmehr notwendig, daß der Zustrom aus den Dörfern in'die . StäSle sich schneller vollziehe und Hand in Hand gehe mit ' einer Verdrängung der lud enausHa nd e 1 u n d . ■ Handwerk. Der jüdische Deputierte Minzberg (Aguda) knüpfte an die Ausführungen des Ministerpräsidenten "Skladkowski in der vorangegangenen Sitzung an und appellierte an ihn die' ganze Währhei.t über die;' Soziale'X'age cler'' Jüd§h'. zu "hören. Die Juden werden : rri o r a i i s c h und materiell zurückgesetzt und brutal . verfolgt. Ueber ihre eingeschlagenen Köpfe hinweg will eine gewisse Partei, die Nationaldemokratie, zur Macht in \ Polen gelangen. | Es werden Kaders von Mördern aufgestellt. Dieselben Leute, auf deren Schuldkonto die Ermordung des ersten Präsidenten der polnischen Republik Prof. Na- ■ rutowiez zu setzen ist, hetzen jetzt die Bevölkerung gegen die Juden auf. Die Lodzer Zeitung „Republika" veröffentlicht soeben eine Kundgebung, die lautet: „Es wird sehr, viel Blut vergossen werden,, weil dies die einzige piskussionsbasis ist. Der Stich des Bäjonft 11 s und die Kugel des Revo 1 v e r s sind die einzigen g ei e c h t e n Argumente." In der Volksschule in J a1 d w e i ii a sagte der G eis 11 i c h e den Kindern in der i ReUglonsstunde: „Man muß die Juden in Polen ebenso behandeln wie sie Pharao in Aegypten behandelt hat." Ich selbst, rief Minzberg, habe in den Lodzer Straßen den Mörder zweier Juden gesehen, der unmittelbar nach seiner Tat stolz einherging und die Legitimation über seine Zugehörigkeit zur Nationaldemokratischen Partei vorzeigte. Die Judenfrage in Polen wird nicht durch Demolieriing der jüdischen Läden und nicht durch jüdische Auswanderung gelöst werden. Wir Juden sind gleichberechtigte und loyale Bürger des Landes. Seit Hunderten von Jahren leben die Juden auf der polnischen Erde. Zu einer Auswanderung werden wir uns nicht zwingen lassen. - Rabbiner Rubinstein (Zlonlst) erklärte: Was in Wilna zwischen dem 12. und 24. November vor sich gegangen ist, hat nicht seinesgleichen in der Geschichte dieser Stadt. 9 6 verletzte jüdische Bürger wurden an einem Tag in das Haus der Jüdischen Gemeinde gebracht. Die Hälfte von ihnen erlitt Verletzungen durch Hiebe der Polizisten. Große Gruppen junger Schüler zogen herum und schlugen überall bei Juden die Fenster ein. Der Ministerpräsident verurteilte die Ausschreitungen, enthielt sich aber, auch den Boykott- Terror zu verurteilen, obwohl auch dieser ungesetzlich ist. Die Erfahrung muß ihn aber lehren, daß jeder Boykott-Terror notwendig in Exzesse ausartet. In Wilna kam es zu folgenden charakteristischen Vorfall: Ein Pogromzug traf sich in einem Stadtteil mit einem Demonstrationszug der K o 1 o ri i a 1 - L i g a. Beide Gruppen haben verschiedene Ziele. Aber als sie statt begegneten, stießen beide den glciohn Ruf aus; „Hinaus m l t den J u den aus Polen!f Waruni klärt man die verblendeten Massen nicht dahin auf, daß das Emigrationsproblem Polens nicht nur ein jüdisches sei. Polen, schloß Rabbiner Rubinstein, kann nicht den Weg einer roten oder braunen Diktatur wählen, es muß eine Demokratie bleiben und freundschaftliche Beziehungen mit Frankreich und England unterhalten. Man kann aber nicht mit den Demokratien im Ausland vertrauensvolle Beziehungen unterhalten, während im Lande selbst Brutalitäten geduldet werden. Haß kann nie aufbauend, sondern immer nur zerstörend wirken. Aufbauen,

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