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Die neue Welt · 1936-12-09 · Heft 615 (9.12.1936) · page 10

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 615 (9.12.1936)
Date
1936-12-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sdte 10 NEUE WELT Nr. 615, vom 9. Dezember 1936 GRABSTEINE FRIEDLÄNDER & DEUTSCH &ien, /. Bez., Setienstettengetsse 2, III Samstag ^Li^eniraUrieähof, neb, d. 1. tot. \\\ geschlossen kann man nur im Zeichen von Freundschaft und Frieden. Zu einer solchen Aufbauarbeit sind wir Juden immer bereit. * In der Sitzung des Sejm erhob der polnische Ministerpräsident General Slawoj Skladkowski die Forderung nach „sozialer Gerechtigkeit" für alle. Wir sorgen dafür, so sagte der Ministerpräsident in diesem Zusammenhang, daß keine judenfeindlichen Ausschreitungen sich ereignen. Alle Fälle judenfeindlicher Ausschreitungen werden streng bestraft. Etwas später aber erklärte der Ministerpräsident: Dieselbe soziale Gerechtigkeit gebietet uns, es freudig zu begrüßen, daß die jungen Bauern, die in den Dörfern nicht existieren können, in die Städte kommen, um sich nach einem ehrlichen Erwerb in Handel und Handwerk umzusehen. Diese Aeußerung: des Ministerpräsidenten wird in jüdisch - parlamentarischen Kreisen als Bestätigung der Auffassung angesehen, die in der bekannten Aeußerung des Ministerpräsidenten vom Vorjahre: „Wirtschaftlicher Kampf gegen die Juden — bitte sehr" zum Ausdruck kam. Diejenigen Kreise, die den Wirtschaftsboykott gegen die Juden propagieren, müssen also den Eindruck gewinnen, daß der Ministerpräsident ihre Bestrebungen gutheißt. Die jüdischen Parlamentarier erklären, es sei nicht zu verstehen, wie angesichts einer derartigen Haltung des Ministerpräsidenten judenfeindliche Ausschreitungen vermieden werden können. Eden über sein Gespräch mit Beck Aus London: Im Unterhaus gab Außenminister Anthony Ed,en auf eine Anfrage des Abgeordneten Captain C a z a 1 e t Auskunft über seihe Besprechungen mit dem polnischen Außenminister Oberst Beck, soweit sie sich auf Palästina und die Auswanderung aus Polen bezogen. Der Abgeordnete hatte gefragt, ob bei den jüngsten Besprechungen mit Oberst Beck Palästinas Erwähnung getan worden sei und ob der Minister dem Hause Mitteilung machen könne, welcher Art diese Erörterungen waren. Iii seiner schriftlichen ,Antwort bejahte der Außenminister die Frage und gab bekannt, daß der polnische Außenminister sich der Schwierigkeiten der Lage in Palästina zwar vollkommen bewußt war, andererseits aber auf die große jährliche Zunahme der Bevölkerung in Polen und auf die Probleme hinwies, vor die seine Regierung infolge der Einwanderungseinschränkungen in denjenigen Ländern, sich gestellt sehe, in; die polnische Staatsangehörige früher auszuwandern pflegten. * In derselben Sitzung des, Unterhauses stellte der Abgeordnete Wilson Fragen, betreffend den Verkauf alkoholischer Getränke in Palästina. Er wies den Minister für die Kolonien darauf hin, daß bei der 23. Tagung der Mandatskommission eine Statistik vorgelegt wurde, wonach es vor dem Kriege in Palästina 25 Lizenzen für den Verkauf von alkoholischen Getränken gab, während diese Zahl heute auf 970 angewachsen ist. Minister Ormsby-Gore erklärte, es sei unmöglich, die Zahl der in Palästina vor dem Kriege ausgegebenen Lizenzen festzustellen, die für 1933 angegebene Zahl stimme ungefähr. JHir 1935 könne der Minister keine Ziffern angeben. Für 1930/31 habe die Zahl der Lizenzen 1063, für 1932 1054, für 1933 973 und für 1934 1241 betragen. Aus aller Well V . Oheffo«Banlce Aus Krakau: Wie das Rektorat der Krakauer Universität mitteilt, ist dem Rektor eine Denkschrift überreicht worden, in der 500 polnische Akademiker die Bitte aussprechen, den jüdischen Studenten besondere Plätze in den Hörsälen zuzuweisen. Im Zusammenhang damit hat sich der Rektor an die jüdischen Hochschüler mit der Aufforderung, hierzu Stellung zu nehmen, gewandt. Von den jüdischen Studenten wurde erklärt, daß sie sich niemals damit einverstanden erklären würden, auf abgesonderten Plätzen zu sitzen. Der Rektor hat daraufhin jede weitere Vermittlung in der Frage besonderer Sitzplätze in den Hörsälen abgelehnt. Infolge der so geschaffenen Lage hat das Rektorat davon abgesehen, die Vorlesungen, wie dies ursprünglich beabsichtigt war, am 1. Dezember wieder aufnehmen zu lassen. Ein deutsch-hebräisches Nachrichtenblatt Aus Jerusalem (J. T. A.): Laut der „Official Gazette" ist die Erlaubnis zur Herausgabe eines zweisprachigen „Deutsch-Hebräischen Nachrichten-Bulletins" in Tel-Aviv erteilt worden. Im Gegensatz zu einigen hektographierten Nachrichtenblättern, die in letzter Zeit ohne Erlaubnis erschienen sind und jetzt behördlich eingestellt wurden, soll das neue Blatt gedruckt herausgegeben "werden. r Der Stadtrat gegen den Bürgermeister Aus Tel-Aviv: Die Mehrheit des Stadtrates von Tel-Aviv hat nach stundenlanger Debatte die Wahl des von der Regierung gegen den Willen der Stadtratsmehrheit ernannten Bürgermeisters Israel Rokach in die Finanzkommission verhindert. Gegen Rokach wurden acht, für ihn sieben Stimmen abgegeben. Man nimmt an, daß die Mehrheit grundsätzlich jede Wahl des Bürgermeisters in eine Kommission verhindern wird. Eine Million Juden hungern Aus New Yo rk: Der europäische Direktor des American Joint Distribution Committee, Dr. Bernhard Kahn, sprach in einer Pressekqnferenz über die schwere Notlage der Juden in P oje n. Zu -den in der letzten Zeit erörterten Plänen einer zwangsweisen Massenauswanderung von Juden aus Polen erklärte Dr. Kahn, es seien keine Anzeichen dafür vorhanden, daß Polen die Durchführung 'seiner Auswanderungspläne, bei denen es schlecht beraten sei, erzwingen werde. Man müsse aber mit der Tatsache rechnen, daß e in e Mi 11 i ö n Ju d en in Polen der Aushungerung ausgesetzt sind. Boykottposten in Wilna Aus Warschau: Die nationaldemokratischen Studenten in Wilna haben vor den jüdischen Geschäften Posten aufgestellt, die nichtjüdische Käufer am Betreten der Geschäfte hindern. Mehrere Studenten wurden verhaftet. Der Wilnaer Stadtrat hat die Forderungen der jüdischen Stadträte, einen gewissen Betrag zur Unterstützung derjenigen Juden auszuwerfen, die infolge der letzten Exzesse brotlos geworden sind, abgelehnt. Rechowot dem Gerichtsbezirk Tel-Aviv angeschlossen Aus Jerusalem: Einer in der „Official Gazette" veröffentlichten Verfügung zufolge werden in Zukunft alle Strafprozesse und Zivilprozesse zwischen Juden aus dem Gebiet der Kolonie Rechowot in Tel-Aviv, statt wie bisher in Ramie, durchgeführt werden. Israelitische Kuitusgemeinde Wien Julius Fränkelschc Slipendienstiftung. Der Vorstand der isr. Kultusgemeinde Wien bringt hiemlt zur Kenntnis, daß Im Studienjahr 1936/37 aus der „Julius Frankeischen Stipendienstiftung" für arme Studierende der Wiener Universität isr. Konfession eine Anzahl von Stipendien zur Verleihung gelangen. Höhere Semester werden vorzugsweise berücksichtigt. Bewerber und Bewerberinnen um diese Stipendien wollen ihre Gesuche bis längstens 4. Jänner 1937 an das Kuratorium der Stiftung zu Händen des Stiftungsadministrators Herrn Dr. Eugen Bosch an, Rechtsanwalt, Wien, I.. Oppolzergasse 4, richten. Den Gesuchen, welche detaillierte Angaben über alle für die Beurteilung der persönlichen Verhältnisse der Gesuchsteller maßgebenden Umstände, insbesondere auch Angaben darüber, ob Gesuchsteller im Genüsse eines Stipendiums oder einer sonstigen regelmäßigen Unterstützung steht, zu enthalten haben, sind anzuschließen: der Geburts- und Heimatschein, ein Mittellosigkeitszeugnis unter ausschließlicher Verwendung der vollständig auszufüllenden Formulare der Universität, der Index sowie Ausweise über die bisherigen Studienerfolge. Die Auszahlung der verliehenen Stipendien erfolgt in zwei gleichen Raten, und zwar am 1. Februar und am 3. Mai 1937. Juliiis-Eiigclberg-AiiKstattungsstiftung. Gesamtverle Ih u n g s b e t r a g: S 400.—, und zwar je 1 Stiftplatz für eine in Lezajsk (Polen) und eine in Wien geborene Bewerberin. — Bewerbungsbe rechtigt sind: Arme, würdige, Im Brautstand befindliche Mädchen, die in Wien oder Lezajsk geobren sind. — Gesuchs bei lagen: Geburtsschein, Armutszeugnis, Brautstandsnachweis, Sittenzeugnis. — Letzter Tag derEinreichungsfrist: 10. Jänner 1937. —'Ein r ö i c hs teile: Wien, I., Seitenstcttengasse 2, FUrsorgezentrale der Isr. Kultusgemeinde Wien (I. Stock, Tür 16). — Bewerberinnen, welche sich vor der Verlclhu n g des S t i ttungsbetrages verehelichen, verlieren die Bewerbung s b e r e c h t i g u n g. Me$k>ütmd Bittet B Bestrenommierre Küche REICHHALTIGE MENÜS ä S 1.90 UND 2.60 ö C H W E C H A T H H BRAU U,Hammcr-Purgstal|.Cassc 3 (nächst $a!zlorbrüike)*Tel.M1-C-/.t WOCHENsKALENDER FÜR DAS JAHR 5697 Dezember rütrvtoD ymn Kislew-Tebeth Freitag '11 27 Sabbateingang 3.56 — Samstag 12 28 Sabbatausgang 4.50 Sonntag 13 29 Montag 14 30 ttnn m") Dienstag 15 1 Mittwoch 16 2 Donnerstag 17 3 EM PF EH ___i DOGE WIE R RM Restaurants, Cafes etc. Cafe Abbazia, IL, Ausstellungsstraße 1, Tel. R-44-5-58. Warme und kalte Küche. Bier vom Faß. Klubzimmer. Samstag u. Sonntag Konzert. Musikschutz frei. A. Barschsk, IL, Große Schillgasse a. Streng *TO3 Vorzügliche Küche. Billige Preise. Cafe* Beethoven, I., Ünlversität3straße 11, Tel. B-43-508. Erstrangiges üendezvous gutbürgerllcher Kreise. Dalmatia Weinhaus, IV.. Rechte Wienzelte 27, Telephon A-37-0-25. Filiale: Li Tuchlauben 11, Tel. U-27-1-61. Original serbische Küche, jugoslawische, dalmatinische und serbische Weine. 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