Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 614 (4.12.1936)
- Date
- 1936-12-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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\ 1 Nr. 614 vom 4. Dezember, 1636 DIB NEUE WELT Seite 5 Spendet füc die I^UUecUUfc dec lüdtusy&neiHde! AUS PALÄSTINA Die Hebräisdie Univereifät Im Studienjahr 1935/36 — 674 Hörer In den ersten Jahren des Bestehens der Hebräischen Universität wurde hauptsächlich Forschungsarbeit geleistet. Einen auf Erlangung akademischer Grade abzielenden Lehrbetrieb gab es nicht. Die Zahl der Studenten im Jahre 1925 (offizielle Eröffnung der Hebräischen Universität) betrug 164 und stieg bis 1928 (Eröffnung der Philosophischen Fakultät) auf 250. Die in jenen ersten Jahren an der Hebräischen Universität Studierehden betrieben — wie es jüdischer Tradition entspricht — das Lernen um des Lernens willen. Die Universität verlieh keinerlei Diplome oder Titel. In den folgenden Jahren wurde die Forschungsarbeit vertieft und ausgedehnt, gleichzeitig aber wurden Fakultäten geschaffen, der geregelte Lehrbetrieb mit Prüfungen und Graduierungen wurde in einer Reihe von Fächern aufgenommen. Rasch, wuchs die Bedeutung der Jerusalemer Universität, die insbesondere in ihrem großzügig aufgebauten Judaistischen Institut den Studenten ganz einzigartige Studienmöglichkeiten bietet. Rasch wuchs auch die Zahl der Studenten, die 1934/35 bereits 417 betrug, um im folgenden Studienjahr auf 674 zu steigen. Das wachsende Ansehen der Hebräischen Universität zieht von Jahr zu Jahr mehr Studenten aus allen Teilen der Welt nach Jerusalem. Aber die Statistik der Herkunftsländer beweist auch, wie sehr bereits jetzt die Hebräische Universität die einzige Studienmöglichkeit für die jüdischen Studenten Mittel- und Osteuropas geworden ist;1 flehen das Studium dort durch den, teils offiziellen, teils inoffiziellen Nu.merusclausus unmöglich gemacht ist. Die folgenden Angaben bestätigen das. Die Studenten des Jahres 1935/36 -Verteilten ssich auf folgende Herkunftsländer: Polen 385, Palästina 13 5, Deutschland 46, Litauen 23, Rumänien 21, Lettland 20, Ungarn 9, Amerika 7, Rußland 6, Oesterreich 5, Tschechoslowakei 4, die restlichen 9 auf England, Schweiz, Persien und einige andere Länder. Der durchschnittliche Lebensständard der Stu denten ist niedrig: aus Recherchen, die von der Administration der Universität sowie von der Studentenorganisation veranstaltet wurden, ergibt sich, daß 34,63 Prozent der Studenten nicht mehr als pal. Pfund 4.— monatlich zur Verfügung hatten, 43,37 Prozent pal. Pfund 4.— bis 7.—. Ein Teil der Studenten (7,76 Prozent) hatten auch für die Familie zu sorgen. 54,37 Prozent der Studenten gaben täglich 5 bis 10 Piaster für Ernährung aus, 4,86 Prozent sogar weniger als 5 Piaster und nur 20,72 Prozent mehr als 10 Piaster. (1 pal. Pfund — 100 Piaster, 1 Piaster ■= 30 Groschen.) .. I luty&t und Hfacfyü BucUtUndec I geben allen Freunden und Gesinnungsgenossen bekannt, daß die Bar Mizwah ihres Sohnes Rafael am Samstag, den 5. Dezember 1936, um 9 Uhr vormittags im Tempel, I, Seitenstettengasse, stattfindet l Wieder arabi§die Terrorakte Aus Jerusalem: Die Tätigkeit der arabischen Terroristen, die eine Zeitlang geruht hat, setzt jetzt wieder ein. Am Sonntag morgens ist in der Altstadt von Jerusalem ein 45jähriger Jude, der Milchhändler Josef Hamburger, schwer verwundet' worden. Hamburger trug gerade Milch zu seinen Kunden, als er in der Nähe der Klagemauer von einem Araber angeschossen wurde. In schwerverletztem Zustand wurde er in das Hadassa- Krankenhaus gebracht. Fünfzehn Minuten nach dem TJeberfall auf Hamburger sind auf zwei ältere, sephardische Juden in einer der jüdischen Gassen der Jerusalemer . Altstadt zwei Schüsse abgegeben worden, die jedoch ihr Ziel verfehlten. Der Terror hat auch am Montag wieder ein jüdisches Opfer gefordert. In Haifa gaben Araber auf den aus Folen> eingewanderten' BD jährigen Beer Bernhard Schüsse ab und verletzten ihn schwer. Die Angreifer entkamen unerkannt. Der Ueberfall wurde bei der in der Nähe des Hafens gelegenen Hühner-Quarantänestation verübt. Bei Tulkarem sind 10 Autos, die mit Juden und Arabern besetzt waren, von einer bewaffneten Araberbande angehalten worden. Die Passagiere wurden aus- CA BBEMnMMMI HE3 EGHUBE □ Hinter dem Deutschen Volkstheater -a9kopenhi ISY GEIGER W^tV^MmSSS^Si Konzeit / Tanz / Stimmungsmusik Mehr als 40 Prozent der Studenten der Hebräischen Universität haben hebräische höhere Schulen absolviert, weitere 14 Prozent sogenannte gemischte Schulen, in welchen nur die jüdischen Fächer in hebräischer Sprache unterrichtet werden, während rund 45 Prozent der Studenten Absolventen fremdsprachiger Schulen sind. Die letzteren müssen — spätestens nach Ablauf des ersten Studienjahres — eine hebräische Sprachprüfung ablegen. Auf diese Weise ist gewährleistet, daß alle Studenten der Hebräischen Universität über die nötigen hebräischen Kenntnisse verfügen, die die Voraussetzung für fruchtbare Studien bilden. In einer Reihe von Fächern können die Studenten der Hebräischen Universität bereits die akademischenGradeM. A. (Magister Artium) und M. Sc. (Magister Scientiarium) erwerben sowie auch zum Doktor promoviert werden. Von den bisher insgesamt 64 Absolventen der Geisteswissenschaftlichen Fakultät hatte die Hälfte Hebräische Literatur als Hauptfach gewählt, Philosophie und Talmud stehen zahlenmäßig an den nächsten Stellen; die Zahl der Graduierten der Mathematisch - Naturwissenschaftlichen Fakultät betrug im ersten Jahre ihres Bestehens 11, und zwar 10 Biologen und 1 Mathematiker. Vor wenigen Monaten hat die Universität einem Forschungsstudenten den ersten Doktorgrad veiv liehen, und zwar für eine Arbeit auf dem Gebiet der Palästina-Kunde. Die Lehrtätigkeit der Studenten ist vielfach durch deren schlechte materielle Lage sehr erschwert. 43 Prozent der Studenten des vergangenen Studienjahres verfügten über ausreichende Mittel, um ohne Einkommen aus eigener Arbeit leben zu können, mehr als 50 Prozent waren Werkstudenten, die als Arbeiter (23,32 Prozent), Lehrer (32,63 Prozent), Hausgehilfinnen (9,85 Prozent) usw, ihren Lebensunterhalt verdienten. geraubt. Die Araber gaben Schreckschüsse in die Luit ab. Verletzt wurde niemand. Eine Araberbande, die sich in den Bergen bei Tulkarem verborgen gehalten hatte, unternahm am Sonntag einen Angriff auf das Gefängnis in Nur el Sehemsch in der Absicht, dort festgehaltene Terroristen zu befreien. Die Bande stieß auf heftigen Widerstand der Polizei und'mußte schließlich den Angriff abbrechen. Gleichzeitig wurde zwischen Lydda und Migdal Zedek von einer zweiten Bande ein Angriff auf Polizei durchgeführt. Der Kampf .dauerte über eine halbe Stunde. Die Araber wurden vertrieben. Die Verfolgungsaktion steht unter der Leitung des jüdischen Polizeiofflziers Schiff. Bei Ramalla wurde ein Militärlastwagen von einer bewaffneten Bande angehalten. Die Polizisten wurden mißhandelt und ihrer Gewehre beraubt. , Im arabischen Dorf Akrassa bei Nablus wurde ein Fellache erschossen. Bei Petach Tikwa Wirde ein arabischer Wächtre angeschossen. Bei Ajn-Oharod wurden einige jüdische Hilfspolizisten von Arabern aus dem Hinterhalt angegriffen, Niemand wurde durch die Schüsse verletzt. ffrie VerlesIunQ der neuen Zevfifikatie Aus Jerusalem: Die Exekutive bat in einer soeben abgehaltenen Sitzung die Verteilung der Zertifikate des für das Halbjahr Oktober 1936-März 1937 bewilligten Schedule vorgenommen. Wie bekannt, hat die Regierung von den für das laufende Halbjahr bewilligten 1800 Zertifikaten 300 für bereits in Palästina lebende „Kapitalisten" aus Deutschland, die ihre Kapitalien bisher noch nicht herüberbringen konnten, ferner 200 Zertifikate als Reserve für Legalisierung des Aufenthaltes von Touristen und Illegalen zurückbehalten. Von den verbliebenen 1800 Zertifikaten wurden seitens der Exekutive Polen 600, Deutschland 300, den restlichen Ländern 400 Zertifikate zugeteilt. 850 von den 1300 Zertifikaten sind für Chaluzim und 450 für alle übrigen Einwandererkategorien, mit besonderer Berücksichtigung der osteuropäischen Kibbuziin, vorbehalten. (J. T. A.) Sieben „Illeßuie" verhaftet Aus Jerusalem: Sieben Juden, unter ihnen drei Madchen, die versucht hatten, die Grenze nach Palästina vom Norden her zu überschreiten, wurden verhaftet. Juden können nicht nach Hebron zurück Aus Jeruaälem (J. T. A.J: Von den Juden aus Hebroh, die 2u Üeginn der Unruhen nach Jerusalem geflüchtet sind, haben einige Hebron jetzt besucht und sich bei bekannten Arabern erkundigt, ob die Rückkehr der Juden nach Hebron möglichsei. Es wurde ihnen der „freundschaftliche Rat" erteilt, sich mit dem Gedanken einer Rückkehr nach Hebron überhaupt nicht mehr zu befassen. Die Juden würden dort nicht nur keine Existenzmöglichkeit finden, sondern auch ihres Lebens nicht sicher sein. Transjordanien erhält eine landwirtschaftliche Versuchsstation Aus Jerusalem: Der High Commissioner Sir Arthur Wäuchope hat persönlich der transjordanischen Regierung die Mittel zur Errichtung einer landwirtschaftlichen Versuchsstation zur Verfügung gestellt. Die Versuchsstation wird 100 Dunam Boden umfassen. Arabischer Arbeiterverband gegen jüdische Einwanderung Aus Jerusalem: Von dem „Verband der arabischen Arbeiter" in Jaffa wird eine Zählung arabischer Arbeitsloser sowie solcher Arbeiter durchgeführt, die weniger als 3 Pfund monatlich verdienen. Diese Zählung soll als Material für die Königl. Kommission und zur Widerlegung der Erklärimg des Kolonienministers benutzt werden, daß es wirtschaftliche Gründe für eine Einstellung der jüdischen Einwanderung nicht gebe. Jüdische Arbeit in der Landwirtschaft Palästinas Aus Tel-Aviv: Auf einer Konferenz der Landarbeiter-Gewerkschaft wurde ein Bericht über jüdische Arbeit in den landwirtschaftlichen Siedlungen erstattet. Es gibt heute in 79 ländlichen Siedlungen 18.5 0 0 jüdische Arbeiter. Die Landarbeiter-Gewerkschaft strebt nach restloser Verwirklichung des Prinzips jüdischer Arbeit in der Landwirtschaft. Zu diesem Zweck werden jetzt Verhandlungen mit den Kolonisten geführt. Diese behaupten jedoch, daß es ihnen nicht möglich sei, mehr als 80 Prozent jüdischer Arbeiter in ihren Betrieben zu beschäftigen. fftöBEL-U/lNTER für Gelegenheitskäufe -'■ Wien VIII, Stadtbahnviadukt 23 bei Lerchenfelderstraße Telephon: A-21-5-31 Erholung der Palästina-Wirtschaft. Aus London: In einem Wirtschaftsbericht der Barclays Bank aus Jerusalem wird festgestellt, daß die Lage des palästinensischen Handels sich fortschreitend verbessert. Der Getreidemarkt sei zufriedenstellend gewesen. Die Vorräte an Kolonialwaren sind im allgemeinen gering, doch treffen jetzt neue große Einfuhrmengen ein. Der Mehlpreis ist gestiegen. Der Umsatz in Kaffee war normal, die Vorräte sind jedoch gering. Die Bautätigkeit nimmt zu. Gute Ergebnisse erwartet man von der nächsten Zitrusernte, die auf 9 bis 10 Millionen Kisten geschätzt wird. Am 20. November hat der Orangehexport begonnen. Der Außenhandel Polen-Palästina. Aus Warschau: Nach den für das erste Dreivierteljahr 1936 vorliegenden Ziffern über den Außenhandel Polens mit Palästina ist ein Rückgang der polnischen Ausfuhr nach Palästina im Vergleich zu dem gleichen Zeitraum des Vorjahres eingetreten. 1935 führfte Polen nach Palästina für 11,222.000 Zloty aus. 1936 ging der Wert der Ausfuhr auf 4,496.000 Zloty zurück. Dagegen ist die Einfuhr aus Palästina nach Polen gestiegen. Sie betrug "in den ersten neun Monaten dieses Jahres 5,588.000 Zloty gegenüber nur 3,253.000 Zloty in der gleichen Zeit 'des Vorjahres. Der Rückgang der A.usfuhr nach Palästina wird auf die Wirtschaftslage des Landes in den Monaten der Unruhen zurückgeführt. Zum Palästina-Vortrag Professor Eislers. In der vergangenen Woche hat Univ.-Prof. Dr. Max Eisler seinen Vortrag „Palästina 1936 — ein Kulturbericht" vor zwei Auditorien, in einer Veranstaltung des Altherren-Ringes und in der Zionistischen Sektion VIII/DC, wiederholt. Die bedeutende Wirkung, die dieser Vortrag als Sinngebimg und Kunstwerk überall ausübt, kommt besonders klar zum Ausdruck in einem Bericht der „Selbstwehr" (verfaßt von Dr. Felix Weltsch), dem wir folgendes entnehmen: „Nun haben auch wir Prager den Palästina-Vortrag Prof. Eislers gehört. Ein Mensch von intuitiver Erfassungskraft und feinster Kultur berichtet über Palästina, ein Mensch, der von dem Lande ergriffen ist und der die Fähigkeit hat, diese Ergriffenheit auf andere zu übertragen. Professor Eisler sieht das Land mit dem'Auge des Künstlers, des Menschen, den Raumformen, Gestalten, Farben ansprechen, und vermittelt seine Betrachtungsart in wahrhaft künstlerischer Weise, wobei er noch durch ein prachtvolles Bildmaterial unterstützt wird. Ganz besonders packend sind die Photographien der Köpfe (vom Photographen-Künstler Lerski), aber sie würden gewiß nicht halb so überzeugend wirken, wenn die feine und wirklich schöpferische Interpretation Professor Eislers sie nicht begleiten würde." Die „Neue Welt" hat schon zwei Abschnitte aus diesem Vortrag gebracht, ein dritter soll demnächst folgen.